Trip zur Hauptstadt - Tag 2/3
Am nächsten Morgen haben wir uns entschieden ganz westlich bei McDonalds zu frühstücken. Wenn man ständig asiatisch essen darf, kann ein bisschen Abwechslung nicht schaden. Danach machten wir uns gestärkt auf die Stadt bei Tageslicht zu erkunden. Wir fuhren zunächst mit der Metro zum Ximen, wo wir den gestrigen Abend verbracht hatten und liefen von dort am Präsidentenpalast vorbei zu einem sehr schönen Park. Vor dem Präsidentenpalast hatte sich eine längere Schlange gebildet und die Menschen wurden nach und nach eingelassen. Ein Sicherheitsbeamter erklärte uns, dass das Büro des Präsidenten vormittags zwischen 9 und 11 Uhr besichtigt werden könne, es wäre kostenfrei, man müsse nur seinen Ausweis vorzeigen. Alex hatte aber dummerweise seinen Ausweis im Hostel vergessen und so mussten wir diesen Besuch verschieben. Wir liefen also halb um den Palast herum, der sehr streng bewacht wird und als wir kurz stehen blieben um ein Foto von der Front zu machen, wies uns direkt ein weiterer Sicherheitsbeamter an, nicht stehen zu bleiben und auch keine Fotos zu machen. Wir wunderten uns und dachten an den Bundestag in Berlin und wie viele Touristen täglich davor stehen und Fotos machen… Aber, wie man unten sehen kann, haben wir doch noch ein Foto gemacht. Und zwar eine Straße weiter unten. ;-) Wir liefen gegenüber des Präsidentenpalastes durch einen Park und auf der anderen Seite über die große Straße, die direkt auf den Palast zu führt. Dort blieb Alex kurz stehen und fotografierte den Palast. =)
Auf der anderen Straßenseite kamen wir in einen noch größeren, sehr schön angelegten Park mit Wasserspielen, einem Spielplatz und einigen Pavillons. Am anderen Ende steht das National Taiwan Museum, das wir besuchen wollten. Wir dachten dabei an den großen Schatz, den die geflohene Regierung der Kuomintang damals nach dem chinesischen Bürgerkrieg 1949 (zwischen Nationalchinesen und Kommunisten) mit nach Taiwan brachte. Leider liegt der allerdings im Nationalen Palastmuseum, das im nördlichen Teil der Stadt steht. Im National Taiwan Museum fanden wir eine Ausstellung zur Kleidung der Chinesinnen seit Beginn des 20. Jahrhunderts, eine Fotoausstellung zur Isla Formosa (so wurde Taiwan von den Portugiesen genannt, übersetzt bedeutet das schöne Insel) und im 3. Stock eine Ausstellung für Kinder über die Ernährung in Taiwan und wie das mit der wachsenden Bevölkerung zusammenhängt. Für 10 NTD war das ein sehr netter Besuch, allerdings waren wir nach einer guten Stunde auch schon wieder draußen.
Wir überlegten, was wir nun mit dem Tag noch anfangen wollten, da wir ursprünglich damit gerechnet hatten, locker einen halben Tag in dem Museum, das wir für das Palastmuseum gehalten hatten, verbringen würden.
Alex schlug vor, nach Keelung zu fahren und von dort weiter nach Joufen. Keelung ist eine Hafenstadt nordöstlich von Taipei, mit dem Bus brauchten wir etwa eine halbe Stunde. Wir holten uns noch jeder eine Packung Sushi to go, die wir im Bus verspeisten und machten uns auf den Weg. In Keelung machten wir uns auf die Suche nach dem Bus nach Joufen, aber wie immer konnten wir auf die Freundlichkeit der Taiwanesen hoffen, von denen zwei Frauen auch auf dem Weg nach Joufen waren und uns dort angekommen auch sagten, wo wir aussteigen mussten.
Joufen ist ein sehr altes Bergdorf mit wunderbarem Blick auf das Ostchinesische Meer im Norden bzw. den Pazifik im Osten. Es ist stark vom Tourismus abhängig, insbesondere Japaner und Chinesen kommen hierher, um sich durch die alten, engen Gassen mit den vielen Treppen treiben zu lassen. Die Japaner sind unter anderem deshalb so begeistert von Joufen, weil es als Inspiration für den Film „Chihiros Reise ins Wunderland“, ein japanischer Animefilm, diente.
In den Gassen fanden wir die leckersten und auch merkwürdigsten Sachen zum Essen, unter anderem Eis zwischen zwei kleinen Pfannkuchen und Guavensaft, aber auch Stinky Tofu und seltsame grüne Bällchen, die wohl eine besondere Spezialität von Joufen sein sollen. Das haben wir leider erst hinterher erfahren, also ein Grund ein anderes Mal wieder zu kommen. ;-) Und sonst findet man von kunsthandwerklichen wunderschönen Andenken bis hin zu klassisch asiatischem Kitsch jede Menge Dinge, für die man zum Teil beachtlich Geld ausgeben kann. Wir beschränkten uns jedoch hauptsächlich aufs Gucken und Staunen und ließen uns mit den Menschenmassen mitreißen.
Als uns das zu viel wurde, suchten wir einen der vielen Aussichtspunkte, der ein bisschen weniger belebt war und machten lauter schöne Fotos vom Meer und den Bergen ringsum.
Schließlich machten wir uns auf den Rückweg und hatten diesmal mehr Glück mit dem Bus. Auf dem Hinweg war es ein sehr alter Stadtbus, der bei jeder Kurve quietschte und hauptsächlich Stehplätze hatte. Die wenigen Sitzplätze waren lange besetzt und so unbequem wie unsere Busse in Tübingen oder Stuttgart. Wenn man allerdings eine knappe Stunde den Berg hochfährt und die Straße auch nicht immer die beste ist, ist es doch wesentlich angenehmer, wie auf dem Rückweg in einem gepolsterten, gefederten und vor allem klimatisierten Reisebus zu sitzen. =)
Den Abend verbrachten wir hauptsächlich in den Underground-Malls unterhalb des Hauptbahnhofes und rings um den Hauptbahnhof in den kleineren Straßen, wo viel verschiedenes Essen angeboten wird und wir auf der Suche nach etwas Leckerem waren.
Schlussendlich saßen wir in einem japanischen Restaurant, in dem wir Ramen aßen, japanische Nudelsuppe mit allerlei Gemüse und Fleisch. Sehr lecker und auch sehr sättigend. Gut gefüllt machten wir einen Spaziergang zu unserem Hostel und waren verhältnismäßig früh im Bett. So eine große Stadt voller Menschenmassen ist dann doch recht anstrengend auf Dauer.