Ein großes Dankeschön an die "Freie Szene" Linz
Die Stadt Linz muss sparen, dass ist mittlerweile hoffentlich allen bewusst und bekannt. Der Grund für das straffe Sparpaket liegt an einer (oder mehreren) Fehlentscheidung(en) einer handvoll Personen. Das ist Tatsache und unveränderbar. Gespart wird vor allem bei Förderungen und Ausgaben fürs Allgemeinwesen. Auch das ist Tatsache und unveränderbar.
Was mich aber besonders ärgert ist der Umgang mit einer, im Vergleich lächerlichen Summe von 80.000,- €, die der "Freien Szene" in Linz in Zukunft nicht mehr zur Verfügung stehen werden, wie heute beschlossen wird.
Sicherheitsstadtrat Detlef Wimmer (FPÖ) freut das anscheinend ganz besonders wie man aktuell auf seinen Social Media Kanälen nachlesen kann.
Der FPÖ war und ist die Kunst, vorallem die freie Kunst- und Kulturszene schon immer ein Dorn im Auge. Kein Wunder - fördert diese doch die freie Entfaltung des Einzelnen, das Entwickeln eigener Gedanke und traut sich auch mal kritisch zu hinterfragen und Probleme auf ungewohnte, ja vielleicht sogar unangenehme Weise aufzuzeigen.
Das ist natürlich nicht im Sinne dieser Partei, die eine totale Anpassung ans System wünscht und fordert.
Mitglieder der FPÖ und deren Anhänger möchte ich mit diesem Text auch gar nicht versuchen umzustimmen, das wäre wirklich Zeitverschwendung.
Erreichen möchte ich diejenigen, die sich unter dem Begriff "Freie Szene" entweder gar nichts vorstellen können oder die Notwendigkeit von Kultur(förderung) bezweifeln.
Sind wir nicht alle stolz auf das gewandelte Image der ehemaligen "Stahlstadt" als Kulturstadt (vielleicht sogar in Zukunft Metropole)?
Genießen wir nicht alle das vielfältige Kulturangebot das vor allem Nicht-Linzern so positiv ins Auge sticht? Mehr als einmal höre ich zum Beispiel von WienerInnen und SalzburgerInnen wie kreativ, urban und abwechslungsreich das kulturelle Angebot in Linz ist und wie sehr sie das in ihren Heimatstädten vermissen. Das vergisst man halt als LinzerIn gern, dass dies eben NICHT selbstverständlich ist.
Ehrlichgesagt hätte ich auf Linzlife nicht viel zu berichten, gäbe es die "Freie Szene" nicht.
Ich habe vor allem deshalb Linzlife gegründet um genau dieses Angebot zu zeigen - kaum eine Stadt (in Österreich) hat soviel Kultur täglich im Angebot, die man größtenteils kostenlos genießen kann.
Mein riesengroßes DANKE an die "Freie Szene" Linz
Ich bin vor ca. 2 1/2 Jahren nach Linz gezogen und fühlte mich von Anfang an sehr wohl und bestärkt in meiner Entscheidung hierher zu kommen. Stand doch damals auch Salzburg als Option im Raum - undenkbar mittlerweile - höre ich von allen (Ex) SalzburgerInnen immer wie großartig Linz ist und wie tot und langweilig Salzburg im Vergleich dazu.
Dazu beigetragen hat vor allem das vielfältige kulturelle Angebot - jeden Tag kann man Ausstellungen besuchen, auf Konzerte gehen, Performances erleben und interessante Workshopangebote wahrnehmen. Noch in keiner anderen Stadt, und ich habe 3 Jahre in Wien gelebt, fand ich so rasch und unkomplizert Zugang zu einer pulsierenden Szene mit unglaublich vielen kreativen Ideen. Mein persönlicher Eindruck wird auch von Freunden immer wieder bestätigt, die teilweise auch aus anderen Städten oder Ländern nach Linz gezogen sind und sich hier kreativ entfalten und wohlfühlen können.
Dies verdanken wir, nach meiner persönlichen Einschätzung, zum großen teil der "Freien Szene", deshalb mein reisengroßes Danke für das unermüdliche Engagement, den persönlichen Einsatz und das fast unerschöpfliche kreative Potential der Kunst- und Kulturschaffenden in Linz!
Die Stadt Linz und ihre Institutionen sollten auch dankbar sein
Auch der Stadt Linz muss klar sein, wenn sie sich (auch weiterhin) so positionieren will und durch Institutionen wie die Kunstuniversität Linz, das Brucknerkonservatorium, die Tabakfabrik Linz und nicht zu letzt das neue Musiktheater Kreative und Kulturschaffende nach Linz bringen will (muss), muss auch ein entsprechendes Umfeld dafür vorhanden sein.
Der Nachwuchs braucht Orte und Bühnen um sich auszuprobieren und zu wachsen - niemand fängt auf großen Bühnen an.
Leider wird das immer vergessen, gleichzeitig ist man aber dann stolz auf die etablierten KünstlerInnen, die ihre ersten Auftritte, Erfahrungen und Kontakte meist dank der "Freien Szene" gefunden haben.
Auch greifen viele Institutionen (Lentos, Musiktheater, OK, AEC etc.) gern auf KünstlerInnen der "Freien Szene" zurück wenn ein Festival oder eine andere große Veranstaltung ansteht. Bequem - so hat man dann kostenlos hochwertiges Programm Da "dürfen" DIE sich dann präsentieren, Gage gibts natürlich meist keine, nein man darf sich noch an den Kosten für Personal etc. beteiligen und kann froh sein für die Publicity (die dann meist eh die Institution einheimst). Also können auch diese mehr als froh und dankbar sein über das große, vorhandene Potential der "Freien Szene" in Linz.
80.000 € ist nicht viel im Vergleich zu den Summen, die in anderen Bereichen budgetiert werden, lächerlich klein sogar. Dennoch kann diese Kürzung vielen Initiativen schwere Probleme bereiten.
Ich möchte hier gar nicht ausführen wie viel unbezahlte Arbeit, Engagement und Selbstausbeutung in den Initiativen der "Freien Szene" steckt - ich bin keine Freundin des Jammerns. Das Engagement geschieht freiwillig aus innerer Überzeugung und perönlicher Motivation etwas zu verändern, verbessern und zu gestalten und Linz zu einer lebenswerten Stadt zu machen.
Viel wichtiger ist meiner Meinung nach, die Anerkennung dieser Leistung um dieses Engagement auch aufrecht zu erhalten. Die drohende Kürzung zeigt allerdings wieder einmal wieviel der Stadt Linz ein lebendiges Kulturleben wert ist - offenbar nicht einmal 80.000,- €, geschweige denn ein (kostenloses) Dankeschön.
Für alle Interessierten habe ich nachstehend noch einige der bekannten Initiativen aufgeführt und verlinkt und daraus auch einige Beispiele besonders erfolgreicher Formate aufgezählt.
Die Liste stammt übrigens von www.linz.at - hier wird, seitens der Stadt Linz, stolz auf das (noch) umfangreiche Kulturangebot hingewiesen.
Danke an alle Leser des Artikels. Ich hoffe, dass ich damit etwas mehr Bewusstsein für die Notwendigkeit der Arbeit dieser "Freien Szene" schaffen konnte und wünsche mir, dass Ihr alle das Angebot ausgiebig nutzt und damit unterstützt.
Ja, das war ein ernstgemeinter Aufruf zum Fortgehen ;)
CU bei der nächsten Vernissage, Konzert, Performance... etc.
Silvia
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Wer ist diese "Freie Szene" eigentlich?
Die "Freie Szene" besteht aush zahlrichen Initiativen, Vereinen und Einzelpersonen und ist laut Homepage linz.at .."im Vergleich zu anderen Städten in Österreich ausgesprochen vielfältig und stark vertreten"
Hier eine Liste mit einigen der bekanntesten Vereinen (inkl. Links):
IFEK - Institut für erweiterte Kunst
junQ.at - Jugend-, Kultur- und Medienplattform
KUPF - Kulturplattform Oberösterreich
qujOchÖ – experimentelle Kunst und Kulturarbeit
Was viele nicht wissen - zahlreiche, jetzt erfolgreiche Formate entstanden aus Initiativen der freien Szene. Diese hat sich mittlerweile allerdings die Stadt Linz "einverleibt" und schreibt es sich auch gern mal auf die eigene Fahne.
Das bald stattfindende Crossing Europe Festival - gibt es seit 10 Jahren und gehört mittlerweile zu den 2 wichtigsten Filmfestivals in Österreich.
Ins Leben gerufen wurde es von Wolfgang Steininger (Betreiber moviemento & city Kino) und unterstützt von Beginn an durch DIE FABRIKANTEN.
Das Ars Electronica Festival startete bereits 1979 und gilt bis heute als einer der Vorreiter im Bereicht der digitalen Kunst. Als Vorläufer des Festivals wird das forum metall angesehen, Initiert von Metallkünstler Helmuth Gsöllpointner und unterstützt von der KünstlerInnenvereinigung MAERZ. Dem forum metall haben wir auch zu verdanken, dass die "Lände" sich als grüner und künstlerisch interessanter Treffpunkt in Linz etablieren konnte.
Die Kapu gibts seit 20 Jahren und dank dieser Einrichtung konnte sich LInz als die HIpHop Hauptstadt Österreichs etablieren. Zahlreiche Künstler_innen haben mit Hilfe der Kapu den Sprung in die nationale und internationale Musikszene geschafft. Außerdem bringt die Kapu von Beginn an internatione Musikgrößen nach Linz. Das Publikum ist so in der Lage für relativ geringen Eintritt (selten über 10 €) , meist sogar frei,und hautnah dabei zu sein. Wer schwelgt denn nicht gern in Erinnerungen an das legendäre Konzert von Nirvana und wer ist nicht stolz auf die "Stahlstadt-Rapper von TEXTA? Nicht vorstellbar ohne die Kapu.
Das Gleiche gilt für die Stadtwerkstatt, die ebenfalls mit einem urbanen und hochkarätigem Musikprogramm aufwarten kann. Auch hier zu leistbaren Preisen und lockerer Atmosphäre.
In der Stadtwerkstatt angesiedelt ist auch das Radio FRO - hier kann selbst Programm gemacht werden, außerdem bietet Radio FRO laufend kostenlose Workshops für alle, die sich für das Medium Radio interessieren und sich in diese Richtung entwickeln möchten. 400 Personen sind an der Programmgestaltung aktiv beteiligt und bieten somit ein extrem vielfältiges Programm - SeniorInnen, MigrantInnen, und Soziale Initiativen bekommen so eine Stimme.
Das Backlab, ursprünglich ein Kollektiv aus MusikerInnen und DJ´s, heute umfasst es ein Netzwerk von 74 KünstlerInnen und bietet eine Plattform zur Vernetzung und betreibt hervorragende Nachwuchsförderung. Das international erfolgreiche AG Trio stammt aus diesem Kreis.
junQ.at hervorragende eine Plattform für junge AutorInnen - hier wird über Musik, Szene, Kultur und Politik frei und kritisch berichtet. Der Nachwuchs kann hier einfach und unproblematisch erste Erfahrungen im Journalismus sammeln - unverzichtbar für eine spätere berufliche Karriere.
Nicht vergessen möchte ich auch die vielen Theaterinitiativen, allen voran das Theater Phönix. Hier erhalten Schauspielinteressierte und JungschauspielerInnen eine Bühne.
Dies ist natürlich nur ein kurzer Auszug aus der langen Liste der Initiativen und Projekte. Bitte nicht böse sein oder falsch verstehen falls ich etwas nicht genannt habe.