Vielen Dank für Ihr Vertrauen.
War schön hier (2014 bis 2024), aber in Zukunft ohne mich. Zeit für was Neues.
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@mrstrikehardt
Vielen Dank für Ihr Vertrauen.
War schön hier (2014 bis 2024), aber in Zukunft ohne mich. Zeit für was Neues.
Meine Faszination für das Fachgeschäft für Fotographie, lange nach Geschäftsaufgabe.
In der Straße, in der ich wohne, gab es ein Fachgeschäft für Fotographie. Inhabergeführt: Thomas Lindner. 2018 feierte er sein 35jähriges Firmenjubiläum. Davon zeugt bis heute der rote teils abgebröckelte Aufdruck an der Schaufensterscheibe.
Inzwischen, seit dem 1. Mai letzten Jahres steht das Geschäft leer. Ob aufgrund der schweren Marktlage oder aufgrund eines erreichten Renteneintrittsalters, weiß ich nicht. Jedenfalls wurde der Laden in den Wochen vor dem 1. Mai geräumt, die Inventur mit bis zu 70 Prozent reduziert verkauft. Dazu gehörten Kameras, Objektive, Stative, Bilderrahmen, Fotopapier … Die Regale und Vitrinen wurden abmontiert und dann ebenfalls verkauft oder mit einem Zettel „zu verschenken“ auf die Straße gestellt.
Selbst der altmodische Schriftzug aus Eisenlettern über der Eingangstür ist verschwunden. Die schwarzen Abdrücke sind noch deutlich zu erkennen und verraten: Fachgeschäft für Fotographie, T. Lindner. Vielleicht heißt Thomas Linder auch Tobias oder Tim mit Vornamen. Ich weiß es nicht. Thomas scheint mir aber naheliegender.
Ich war zweimal im Fachgeschäft. Einmal um ein abgegebenes Paket abzuholen und das zweite Mal um einen reduzierten Bilderrahmen zu kaufen. Aus Pietätsgründen habe ich nicht nachgefragt, weder wie er mit Vornamen heißt noch warum er aufhört. Vielleicht war ich auch in ein Telefonat verwickelt.
Schaue ich nun durch das Fenster, sehe ich einen leeren Raum. Des Nachts brennt ein Deckenlicht im hinteren Teil. Vielleicht gibt es eine Zeitschaltung. Oder die Lichtröhre ist am Tage einfach nicht zu sehen. So brennt das Licht seit X Tagen und Nächten. Ich zähle mit und erzähle meiner Frau am Abendbrottisch davon. Gemeinsam gedenken wir dem Fachgeschäft für Fotographie.
U5 Richtung Hönow am 27.10.23 09:31
Er hat den Kopf in den Nacken gelegt, die Augen geschlossen und den rechten Arm um seine Partnerin gelegt, die ihm mit einer Pinzette die Barthaare einzeln entfernt.
Moderner Beichtstuhl
Zwei Frauen sitzen - Rücken an Rücken - auf einem abgeflachten Betonpoller der Admiralsbrücke. Beide reden bestimmt, nicken häufig und heftig. Ihre Hände unterstreichen jedes Wort und durchschneiden gleichzeitig die frische Winterluft.
K. ist so gerührt von dem Bild, dass er ihnen am liebsten einen Kaffee spendieren möchte.
An einem winterlichen Freitagmorgen um 7:32
Beide Fenster sind weit geöffnet und lassen viel kalte Luft rein und ein bisschen graues Wolkenlicht, während du die Bettdecken aufschüttelst und anschließend die Überdecke glatt streichst (nicht so akkurat wie dein Vater, aber immerhin).
Als du das zweite Fenster schließt, schaust du hinüber. In der gegenüberliegenden Wohnung macht es dir jemand gleich. Du schaust, er schaut. Keiner fühlt sich ertappt. Ein freundliches Nicken auf beiden Seiten, dann schließt ihr gleichzeitig und ohne jede Eile das Fenster.
Als du dich umdrehst und aus dem Schlafzimmer gehst, denkst du: 5 Jahre hat es gedauert.
Wild Western Feeling
Wenn im Park sich zwei Hunde und ihre Besitzer im Abstand von 20, 30 Metern gegenüberstehen. Die großgewachsenen Hunde bellen, bleiben aber auf der Stelle, während die Besitzer sich mustern. Ein kurzes Nicken und ab gehts.
Sylvester am Tage
F. steht auf dem Balkon und schaut auf das Thermometer. 17 Grad warm. Das ändert nichts an der Ungemütlichkeit hier draußen, denkt er und geht wieder hinein.
Weihnachtsgeschenke
Seine Großmutter erinnerte ihn, dass er sich, als er zwölf Jahre alt war, blaue Kleiderbügel und Salzstangen zu Weihnachten gewünscht hatte. Die Kleiderbügel hat er heute noch und Salzstangen knabbert er weiterhin am liebsten. So ein bescheidener Junge, sagte seine Großmutter lächelnd. Ihm hingegen erschien diese Anekdote vielmehr als Beweis seiner Fantasielosigkeit.
Donnerstag, 15.12.2022
NOT ALL JOKES ARE MEAN, BUT ALL JOKES MEAN.
Erster Kältehöhepunkt, minus Vier in der Bucht. Meine Fensterisolationen sind sowas von nicht-vorhanden, dass mein Schlafzimmerfenster morgens immer komplett von Kondenswasser benetzt ist, erblindet von Wasser. Überhaupt, die kleine Scheißwohnung ist keine Wohnung, sondern nunmehr eine Art Gegenspieler. Ich wohne TROTZ meiner Wohnung. Obwohl ich die kleinen Stifte, die die Heizungsventile öffnen und schließen, neulich noch neu justiert hatte, indem man sie mit einer Zange ein paar Mal rein und rausdrückt, locker macht, heizt die Heizung eher erratisch. Manchmal drehe ich auf 1, und sie fährt knallend heiß hoch, dann ist sie bei Stufe 2 vollkommen schwächlich und erbärmlich. Ich bin von kleinen Gags umgeben. Die Wohnung, das ganze Haus prollt in meine Richtung: verpiss dich. The absurdities of power enrage powerless artists, so they try to magically create seriousness out of its opposite. So hier Glenn O’Brien.
Ergänzung aus aktuellen Anlass: Die dicken, einzig aus Backsteinen und ein bisschen Putz bestehenden Fensterbögen sind am Morgen nass. Das Wasser tropft und tropft, als wäre ich in einem Club - vielleicht war ich das auch im Traum ...
Sonntagsspaziergang
Während er die Wintersonne im Park genoß, malte er sich aus, was er mit ein paar Millionen Euros machen würde. Die vielen Möglichkeiten erschöpften ihn doch sehr, weshalb er bald nach Hause ging und sich ins Bett legte. Kurz vor dem Wegdösen schwor er sich, nie Lotto zu spielen.
Familienband(e)
Auf dem Foto, das seine Tochter von ihm machte, erkannte er, dass sein Gesichtsausdruck nun mehr dem seines Vaters glich. Das Foto bestätigte eine Dauerangespanntheit, die er fühlte und sonst nur sah, wenn die Augen seines Vaters über die Tapete hin und her wanderten.
Neustes Hobby in Zeiten, die zum Sparen ermahnen:
Ich setze mich hin und zähle die Knochen in meinem Körper.
In den Startlöchern.
Er zieht den Reißverschluss seiner Windjacke zu, steckt sich die AirPods in die Ohren und steigt aufs Rad. Ein Griff zum Handy, eine letzte Sprachnachricht abhören. Während die vertraute Stimme spricht, umgreifen die Hände den Lenker, bestätigen abwechselnd die Bremsen. Der Blick in der Ferne gerichtet.
Sein Körper spannt sich, das Fahrrad gehorcht. Die wenigen Passanten umgehen ihn mit gehörigen Abstand.
Dann steigt er ab und schiebt das Fahrrad, die Lippen zerbeißend, zurück in den Hof.
Ds neue Antwort auf die wiederkehrende Small-Talk-Frage, ob er Vater sei:
Ja, imaginierter stolzer Vater von drei Wunderkindern:
der Junge = ein Mathegenie,
das Mädchen = Sprachtalent,
drittes Kind (divers) = musisch begabt, beherrscht fünf Instrumente.
Die Betonung liegt mehr auf stolz als auf imaginiert, sagt er, aufgrund der wenigen Silben. Bei den Kindern macht er keine Unterscheidung, er liebt sie gleichermaßen.
Schichtbetrieb.
In den mal mehr mal weniger neu verputzten Wohnhäusern entlang der Dorfstraße werden regelmäßig im Dreischichtsystem - zwischen 8 und 10 Uhr, zwischen 14 und 16 Uhr sowie zwischen 18 und 20 Uhr - die Fenster geöffnet und ein Kissen auf die Fensterbank gelegt. Dann wird geguckt: links, rechts, geradeaus, hoch in den Himmel. Manche Beobachter verziehen die Mundwinkel und kommentieren, andere lassen sich nichts anmerken, während sie jegliche Veränderungen (und das sind nicht wenige) auf Straße registrieren. Nach Schichtende wird das Fenster geschlossen und telefonisch Bericht erstattet.
Der inzwischen alltägliche, kaum mehr zu unterdrückende Impuls
bei einer semi-interessanten Veranstaltung oder einem zähen Gespräch mit echten Menschen zum Handy zu greifen, um in der YouTube-App die Abspielgeschwindigkeit zu erhöhen.
Wer schreibt das Drehbuch meiner Träume, die die Nacht dann aufführt?
Eine uralte Frage und immer mehr beschleicht mich das Gefühl, dass es Ich und Nicht-Ich bin.