Schwefelsee Ahoi!
Es war ein ruhiger Tag im „Horseman“, dem berühmt berüchtigten Café (oder der Bar, je nach Tageszeit und Bedienung, denn der ein oder andere unserer berittenen Freunde hat durchaus eine Schwäche für geistige Getränke) etwa vergleichbar mit einem heißen Dienstagnachmittag in einem irdischen Lokal des einundzwanzigsten Jahrhunderts.
Bis auf einige Stammgäste, die sich praktisch selbst bedienten und natürlich die 5 Apokalyptischen Reiter selbst, die die angestammte Heimat ihres Irrsinns nur selten verließen, herrschte geradezu gähnende Leere im Lokal.
Kuru, seines Zeichens Imp (eine geflügelte und zumeist gehörnte Dämonenrasse, die von vielen Erdlingen als klassisches Beispiel für einen Höllenbewohner angesehen wird und das ein oder andere Cover von Rock Bands ziert) war einer eben jener Stammgäste. Abgesehen davon, dass er einen Schnaps Trank, für den in keiner der Menschlichen Sprachen ein Wort existiert (obwohl eine Menschlich Kehle nach dem Genuss desselbigen unter Verlust sämtlicher anderen zur Artikulation nötigen Fertigkeiten sicher in der Lage gewesen wäre den dämonischen Namen dieses Gebräus weitgehend fehlerfrei auszusprechen) beobachtete er den Tod, der allein an einem der großen runden Tische in einer dunklen Ecke saß.
„Was ist denn mit deinem Bruder los?“ Fragte Kuru leise den Hunger der hinter der Theke Stand und Gläser putzte. „Für gewöhnlich ist er doch ein recht geselliger Typ.“ Fügte Kuru nach einer kurzen Pause mit offenkundig besorgter aber betont leiser Stimme hinzu.
„Was soll schon sein, er faselt pausenlos von diesem seltsamen Weibsbild, dass ihm dieses noch viel seltsamere Kästchen dort geschenkt hat.“
Erst jetzt bemerkte Kuru das schlichte, schwarze Kästchen vor Tod auf dem Tisch. Völlig geistesabwesend starrte der Fürst der Vergänglichkeit es an, während er ein ums andere Mal eine Blume neben sich zum verwelken und erneut zum blühen brachte.
„Weißt du“, murmelte Hunger in nahezu verschwörerisch anmutendem Tonfall, „Er ist ihr geradezu verfallen, und statt ihm ihr Herz zu schenken wie man das erwarten könnte, wenn eines der Mächtigsten Wesen des bekannten Universums sich einem an den Hals wirft bekommt er nur diese verdammte Büchse, diese vermaledeite Manifestation der Grausamkeit“.
„Was genau befindet sich in der Büchse?“ Wollte Kuru ohne Umschweife wissen, denn es bereitete ihm großes Unbehagen, dass einer der Reiter so leicht aus der Bahn geworfen werden konnte.
„Furchtbare Dinge: Herzschmerz, Sehnsucht, Einsamkeit und dergleichen, eben alles was unerwiderte Liebe so grausam macht, wobei ich schon länger vermute, dass sich die Büchse auf jeden anders auswirken könnte, aber ihn trifft sie eben in Bezug auf die Liebe“.
„Wenn die Büchse so furchtbar ist, warum wirft er sie nicht einfach fort und versucht über sie hinwegzukommen?“ Der Tonfall des Imp war von Unverständnis erfüllt.
Hunger grinste sein Misanthropisches Grinsen und antwortete:
„Am Boden dieser Kiste befindet sich das teuflischste Ding, die schlimmste aller Grausamkeiten.“ Hunger legte eine pathetische Pause ein, wartete bis sie ihre Wirkung getan hatte und sagte nicht ohne Genugtuung ob seiner rhetorischen Raffinesse
„Die Hoffnung!“
„Du meinst er kann nicht aufhören zu hoffen? Darauf zu hoffen, dass er eines Tages das Herz seiner Angebeteten für sich gewinnen wird?“
„Exakt, du triffst den Troll auf den Kopf.“
Von plötzlichem Mitgefühl erfüllt, stand der Imp auf und ging hinüber zu Tod, um mehr über eben jenes Wesen in Erfahrung zu bringen, dass ihn in diese Lage gebracht hatte.
„Wie geht´s? Kann ich dir einen ausgeben?“
Kuru wählte einen Betont lässigen Gesprächseinstieg, der die erhoffte Wirkung gänzlich und auf geradezu Phänomenale Art verfehlte. (seit diesem Tage heißt es unter Dämonen auch „den Kuru machen“ wenn man von seinem Gegenüber in absoluter Vollendung ignoriert wird, so als würden Menschen etwas derart lächerliches sagen wie „mit der Wand reden“, was allein schon deshalb lächerlich ist, weil es im Universum durchaus sprechende Wände gibt, die im Stande sind eloquenter zu Antworten als ein durchschnittlicher Mensch.)
Kuru brauchte geschlagene dreizehn Drinks seinerseits um auch nur Tods Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, ein deutliches Zeichen für den Ernst der Lage. Als dieser Punkt jedoch erreicht war, schien Tod überhaupt nicht mehr zu bremsen zu sein. Er wollte ausschließlich über eben die eine Sache sprechen die ihm so sehr das Herz zerriss.
So Erfuhr Kuru viel mehr als er eigentlich hatte wissen wollen.
Vor einiger Zeit betrat eine Frau das Lokal der Reiter, eine Frau die von vollendeter Schönheit war. Sie hatte hüft langes schwarzes Haar, so glatt und gepflegt, wie es noch kein Haar bis zu diesem Zeitpunkt jemals gewesen war. Ihre Blutroten Augen strahlten die perfekte Mischung aus Sanftmut und selbstsicherer Entschlossenheit aus. Die Kurven ihres Körpers waren ausgeformt genug um eine elegante stärke und Sportlichkeit erkennen zu lassen und dennoch mit genug Fleisch ausgestattet um sich in vollendeter Entspannung daran schmiegen zu können, und ihre Kleidung ließ gerade genug Hinweise auf das was sie verbergen mochte an die Augen des Betrachters dringen, dass es Gedanken in Tod auslöste, die er bis dahin noch nicht einmal für möglich gehalten hatte. (Was durchaus auch daran gelegen haben mochte, dass er bis zu jenem Tage nicht einmal wusste was Worte wie Romantik oder Attraktivität bedeuteten, aber solch einen prägenden Tag gibt es sicher in jeder Existenz, ob man sich dessen nun bewusst ist oder nicht)
Auf diese Weise sah jedenfalls unser Liebeskranker Reiter jene geheimnisvolle Dame. Hätte Kuru sich die Mühe gemacht die anderen Reiter nach ihr zu fragen, so hätte er herausgefunden, dass sie alle im gleichen Maße wie Tod von ihr angezogen wurde, von ihr abgestoßen waren.
Tod stöhnte, als seine Ausführungen endlich beendet waren, die im übrigen deutlich länger und detaillierter waren als ich sie hier darzustellen bereit bin.
„Ich vermisse sie.“ Brachte er mit vor Sehnsucht triefender Stimme hervor.
„Ja aber wen denn?“ bohrte Kuru energisch nach, während er Tods Kopf hin und her rüttelte.
„Pandora“ entgegnete Tod wobei es schien als würde er so gleich dahinschmelzen.
„Nun leg doch mal diese alte Dose weg und vergiss diese Pandie Panda Pandemie oder wie auch immer sie heißt für einen Abend.“ Versuchte Kuru ihn noch ein letztes mal abzulenken, während er ihm freundschaftlich auf die Schulter klopfte.
„Ich kann die Büchse nicht einfach ablegen, warum versteht ihr das denn alle nicht“ entgegnete Tod offenbar vollkommen entrüstet, „es ist ja nicht so als hätte ich mir diese Büchse ausgesucht, aber das kannst du natürlich nicht nachvollziehen, immerhin hast du noch nie in sie hineinblicken dürfen.“
Mit einer abwertenden Geste wendete Kuru sich ab und gesellte sich zurück zu Hunger an die Theke.
„Weißt du was“ Lallte er dem beständig Gläser putzenden Reiter auf der anderen Seite der Theke ins Ohr, (Die beträchtlichen Mengen Alkohol die er konsumiert hatte während er Tod zum Reden hatte bringen wollen setzten ihm allmählich wirklich zu.)
„Wenn ich mich jemals verliebe, reiß mir das Herz aus der Brust und wirf mich in den tiefste, stinkendste Schwefelsee den du finden kannst, das ist allemal besser als sowas da auch nur eine Sekunde durchmachen zu müssen“ und voller Traurigkeit deutete er mit einem krallen besetzten Daumen auf Tod.










