“Okay… Übel”, kommentierte Namjoon am Ende ihrer Zusammentragungen und scrollte durch die Fakten. Das Licht des Laptops erhellte sein Gesicht auf gespenstische Art und Weise, das Sonnenlicht draußen war schwindend. Als hätte er es gespürt blickte er auf und sah nach draußen, setzte sich etwas auf.
“Aber keine Zeit zum Verschnaufen! Meiner Einschätzung nach wäre das Sicherste, Sam Yuna’s Grab aufzusuchen, ihre Gebeine zu bergen und zu verbrennen”, erklärte er nüchtern. Jimin riss Mund und Augen auf, Yunhee blinzelte leicht und ruckte den Kopf etwas überfahren nach hinten. Jeongguk’s riesige Augen spiegelten alles, was leuchtete und seine Zunge stieß immer wieder gegen das Innere seiner Wange. Allein Taehyung nickte nur langsam während Eunsook mit leicht angewiderten Gesicht skeptisch den Kopf schief legte: “Okay, Monsieur Dämonologe, aber du weißt schon wie scheiße anstrengend es ist ein Grab auszugeben? Geschweige denn ein Lagerfeuer zu veranstalten wenn es nach Regen aussieht…”
Der Blick der anderen huschte synchron zum Fenster: die über dem Horizont schwebende Sonne wurde verdrängt von einer grau-blauen Wolkenfront, die Luft war lauwarm, drückend und auffällig still. Es roch nach Gewitter.
Namjoon zuckte unglücklich die Schultern: “Ich geb’ ja zu, dass wir nicht gerade die besten Bedingungen haben… aber ich wüsste nicht, was wir sonst tun können. Meine These ist nämlich folgende”, sagte er hastig und richtete sich etwas auf, die Finger bereits in der Luft gestikulierend.
“Wenn Jemand sich selbst das Leben nimmt, hat man einen weitaus beschwerlicheren Weg ins Jenseits. An der Seele haftet Reue und macht sie schwer und es ist einfacher für fremdartige Identitäten und boshafte Wesen, sich an sie zu heften und sie zu verwirren. Dämonen ist es möglich, über Träume und Schlafparalyse in unsere Welt zu finden, aber noch einfacher ist der Geist eines Selbstmörders. Der Dämon verspricht ein Wiedererleben ein Aufwachen oder aber Rache… Letzteres macht das Bündnis umso stärker, da beide Identitäten dieselben Absichten haben.”
“Warum kommt’s mir so vor, als wäre genau das der Fall…”, murmelte Yunhee ironisch und massierte ihre Schläfen mit kreisenden Bewegungen.
“Weil wahrscheinlich genau das der Fall ist. Ein Dämon hat Yuna entweder versprochen, dass das alles nur ein böser Traum ist und dass wenn sie ihm folgt, ihr Kind und sie am Leben sind. Oder aber er bestätigte ihr die Wahrheit - ihr Kind und sie sind tot und verloren - und versprach, dass wenn sie ihm folgen würde, sie sich rächen könne. Was sie offensichtlich tut. Unsere Mütter mussten sterben, als sie Kinder bekamen, also uns. Nun sehen einige von uns sie… Was bedeuten könnte, dass der Spuk nicht bei unseren Eltern aufhört. Möglicherweise sind wir Teil von einem generationenübergreifendem Fluch. Was ziemlich scheiße wäre…”, schloss Namjoon etwas resigniert seine angeregte These, die anderen blickten nur finster drein und nickten zustimmend.
“Fein”, murmelte Jeongguk, seufzte tief, stand auf und streckte sich, bewegte den Oberkörper von links nach rechts und spannte die Muskeln an, “dann buddeln wir mal lieber, bevor es anfängt zu regnen!”
“Meine Rede”, rief Jimin enthusiastisch und sprang auf, Taehyung stolperte semi-motiviert von seinem Platz auf Eunsook’s Bettrand. Die Mädchen sahen sich zweifelnd an, doch Jeongguk streckte eine Hand in Yunhee’s Richtung und beugte sich leicht vor. “Madam, wollen sie mit mir ein Grab ausheben?”
Yunhee schüttete kichernd den Kopf und ließ sich von Jeongguk hochziehen, sodass Eunsook augenrollend die Bettdecke zur Seite schlug und in ihre weißen, ausgelatschten Sneakers stieg. Taehyung half ihr während sie nach der Infusionsnadel griff und sie mit weißem, verbissenen Gesicht langsam rauszog. Namjoon hielt inne im Bürotasche packen und sah sie entgeistert an.
“Yah, Sook, was machst du da?”
“Ich, liebster Joon, entlasse mich hiermit selbst…”, murmelte sie zynisch und die Nadel hing traurig über dem Boden, tropfte zweimal. Dann stand sie auf, schenkte Taehyung ein dankbares Lächeln und zerwuschelte ihm das halblange Haar, bevor sie die Bettdecke aufschüttelte.
“Nicht, dass noch jemand denkt, ich wäre entführt worden…”
“Sag doch einfach Hasta la Vista und dass du dich selbst entlässt? Die dürfen dich wohl kaum gegen deinen Willen hier behalt’n, oder?”, schnaubte Jimin und wandte sich an das Hirn der Gruppe während er die Zimmertür für die anderen aufhielt. Namjoon zuckte mit einem witzigen Gesicht die Schultern.
“Keine Ahnung, Mann. Rechtslage später, erstmal müssen wir uns Schaufeln besorgen!”
“Die gelben Sandkasten Schaufeln von meinem Cousin helfen bei unserem Unterfangen nicht wirklich, oder?”, fragte Taehyung mit ernstem Gesicht, musste aber grinsen, als Jeongguk kicherte.
“Nee, du, Hyungie, aber danke für’s Angebot! Ich weiß, wo in der Gärtnerei die großen Spaten liegen und eine Plane, unter der wir das Feuer machen können.”, bot der Jüngste an und drückte mehrmals den Fahrstuhlknopf bevor Yunhee ihn am Ärmel weiterzog und sie allesamt rasch die Treppe runter huschten.
“Woher weißt du von der Gärtnerei?”, fragte Jimin überrascht und blinzelte gegen die Sonne, als sie an der Seite des Gebäudes heraus stolperten.
“War mein erster Nebenjob diesen Sommer, aber sie haben mich raus gekickt.”
“Lass mich raten, du hast zwei linke Hände?”, vermutete Jimin spöttisch mit einem Blick auf Jeongguk’s sehnige Schaufeln. Der Jüngere grinste in einer Mischung aus Verlegenheit und Schelm.
“Nee… Meine Oma hat immer gesagt, man muss mit Blumen reden, damit sie wachsen. Allerdings dachte der eine Angestellte, dass ich einen an der Murmel hab, von wegen Selbstgespräche und Teufelsbeschwörung, mega der abergläubische Typ… Da haben se mich rausgeschmissen.”
“Gut”, murmelte Yunhee geistesabwesend und öffnete die Beifahrertür, ließ die Jungen nach hinten krabbeln.
“Wieso gut?”, fragten Jimin und Jeongguk zeitgleich mit überraschten Gesichtern.
“Wer weiß, ob du sonst jemals während meiner Schicht in den Laden gekommen wärst und das alles hier so passiert wäre?”, murmelte Yunhee etwas verlegen und zuckte die Schultern bevor sie mit stoischem Gesicht mit nach hinten stieg.
“Yah yah yah, Nuna, was wird’n das?”, rief Jimin überrascht und wurde gegen Taehyung gedrückt, der ächzend eine Hand ans kleine Rückfenster presste, das fettige Schlieren bekam.
“Wir sind einer zu viel für Namjoon’s Baby Honda. Nimm mal einen Arm da weg, Gukkie”, knurrte Yunhee unwirsch und Jeongguk, der sich mit einem breiten Grinsen gegen das andere Rückfenster drückte, legte einen Arm langsam aber sicher um ihre Schulter und schenkte Jimin, der ihm einen Todesblick zuwarf, nur ein Zwinkern und wackelnde Augenbrauen.
“He, nichts gegen mein Baby!“, protestierte Namjoon schwach, „ich schmeiß euch drei bei der Gärtnerei raus und fahr mit den Mädels schon mal zum Berg, wo wir das Lagerfeuer machen. Ihr kommt dann nach und wir werden buddeln…”
“...bis zum Morgengrauen…”, seufzte Eunsook theatralisch, die Namjoon’s Laptoptasche vorn auf dem Beifahrersitz vor die Brust gepresst hatte.
“...und noch viel weiter?!”, imitierte Jimin Buzz Lightyear mit tiefer Stimme, was sie alle kichern ließ.
Vielleicht war ihr Unterfangen hirnlos und gefährlich, aber hier waren sie, und ein Zurück gab es nun nicht mehr. Aber sie waren zu sechst, und Yuna war nur eine.
Zumindest dachten sie das.
“Ist das anstrengend?!”, keuchte Jimin zum dritten Mal lauthals über das Prasseln des Regens und die Schläge der Spaten gegen die grobe Erde.
Er, Taehyung und Jeongguk waren nun schon seit fast einer Stunde stetig am Schaufeln knapp vor Kim Yuna’s schief stehendem, alten Grabstein. Andere Steine, einige von Wetter und Gezeiten zernagt und schief, ragten wie unheilvolle Omen aus dem Boden. Um das Oval des inzwischen weglosen, unebenen alten Friedhofes wuchsen riesige Bäume empor, die sich dem tosenden Regen, den grauen Wolken und den Blitzen und Donnergrollen entgegen streckten. Dort, wo Namjoon, Yunhee und Eunsook im Schutz der Bäume eine Plane mit zwei Stöcken zu einem Unterschlupf auf einer Seite hoch gesteckt hatten, sah man im Hintergrund den abfallenden Hügel und in der Ferne weitere Berge, die gegen das Wolkenspiel klein und gedrungen aussahen. Der Vollmond streckte hier und da sein gleißendes Antlitz aus den Wolkenfronten, doch ohne die Taschenlampen hätten sie wohl ziemlich im Finstern gestanden.
“Nobody… said... it was… easy”, stieß Jeongguk zwischen Hieben mit dem Spaten hervor, Taehyung gab nur sowas wie ein trockenes Schluchzen von sich. Er bereute, nicht öfter mit Jimin laufen gegangen zu sein und massierte seine schmerzende, rechte Hand. Sie hatten vielleicht einen Meter tief geschafft, die Erde wurde glücklicherweise etwas aufgeweicht vom warmen Sommerregen.
Unter der Plane war es nur bedingt besser. Namjoon versuchte gerade verzweifelt ein paar Blätter aus seinem Collegeblock als Anmacher für das Feuer zu nutzen, allerdings waren viele der trockenen Äste vom letzten Regen von vor ein paar Tagen noch etwas morsch und außer Rauch, der ihnen immer wieder ins Gesicht stob durch den unsteten Wind, regte sich nicht viel.
Eunsook hatte sich an die eine Seite gehockt, Yunhee an die andere, um den anfallenden Regen zu blockieren. Yunhee sah sich immer wieder um, zerknibbelte Äste mit nervösen Fingern und blinzelte böse zu den fallenden Regentropfen hoch. Eunsook schnaufte resigniert, als das kleine bisschen Glut, das sie gerade noch hatten, jämmerlich erlosch.
“Joon, wird das heute noch was?”
“Entschuldige bitte, dass ich nicht schnell genug für Ihre Ansprüche bin, Miss Kim”, zischte Namjoon mit rotem Kopf und wischte sich mit dem Unterarm über die Stirn, verteilte Erde darauf. Eunsook hob die Hand und wischte die Krümel nachsichtig weg.
“Sind ja gar nicht meine Ansprüche, aber ohne Feuer kein Dämonenbraten…”
“Meint ihr wirklich, das funktioniert?”, murmelte Yunhee und über den pfeifenden Wind hörte man sie kaum. Eunsook zuckte die Schultern.
“Wir haben keine Wahl, oder?”
“Nicht wirklich…”, seufzte Yunhee und sah unglücklich auf das Feuer bevor sie Namjoon das Feuerzeug aus der Hand riss.
Verlegen sah er dabei zu, wie sie einen weitaus feinfühligeren Zugang zum Element des Feuers fand. Aus einer kleinen Glut wurde eine kleine, züngelnde Flamme und nachdem Eunsook vor Freude aufgeschrien hatte und sie näher zusammenrutschten, um das brennende Herz ihres Vorhabens mit vollem Körpereinsatz vor den Gezeiten zu beschützen, fiel er rittlings von der Hocke auf den Hosenboden und sah auf.
Erst dachte er neben dem Grab sei ein sehr merkwürdiger Baum gewachsen. Doch als der Mond sich durch die Wolken schob sah er, dass es ein Mensch war - oder sowas in der Art. Mit langen, dünnen Gliedmaßen und einem Lumpen von langem, dreckigen Kleid stand es gebeugt über dem Loch, kauerte über den drei fleißigen Jungen und streckte die Arme mit langen, dürren Krallen nach ihnen aus.
Namjoon stieß einen warnenden Ruf aus und Taehyung, der am nächsten stand, wandte sich um und sah zu ihnen herüber. Als er Namjoon zappeln und gestikulieren sah, Yunhee die Hände vor den Mund schlug und Eunsook einen großen Schritt auf sie zumachte, packte die Kreatur ihn bereits. Ihre Hand passte einmal auf Taehyung’s dicken Schopf und hob ihn hoch. Seine Augen weiteten sich und er keuchte, seine Nackenwirbel knirschten und er hob die Arme und schlug verzweifelt um sich. Bevor Eunsook näher kommen konnte, flog Taehyung in ihre Richtung und mit einem “Uff!” landeten sie zusammen im durchnässten Gras. Jimin schüttelte gerade Jeongguk aus seiner Schockstarre und bedeutete ihm, weiter zu buddeln.
“GRAB! Wir haben sie bestimmt gleich?!”
Als das dürre Wesen langsam den Arm nach Jimin ausstreckte hob dieser angriffslustig die Schaufel, holte aus - und traf. Mit einem hohlen, tiefen Heulen des Wesens knirschten die Finger wie trockenes Holz, das brach. Zwei Stück landeten im Gras nahe Eunsook und Taehyung. Rasch schob Eunsook den benommenen Jungen von sich, um durch Gras und Schlamm hinüber zu krabbeln und warf sie dann rasch Namjoon und Yunhee zu. Namjoon fing nicht, aber Yunhee und sie ließ den alten, runzligen Finger rasch ins Feuer fallen. Es leuchtete giftgrün auf und fauchte; Flamen stoben nach oben und beulten die Plane für einige Sekunden aus, Yunhee’s Haare flogen und sie presste die Augen zusammen und hob schützend die Hand als Namjoon den anderen Finger ebenfalls rasch ins Feuer warf.
Die Kreatur röhrte und machte dem Tyrannosaurus in Jurassic Park alle Ehre. Jimin’s siegessicheres Gesicht gefror als die Kreatur weiter wuchs und sich dann wütend wieder über sie beugte. Gelbe Augen mit roten Rändern und einer winzigen, schmalen Pupille sahen aus tiefen Augenhöhlen unter wulstigen Brauen zu ihm herunter, der lippenlose Mund war aufgerissen und voller langer, gelber und spitzer Zähne von denen dickflüssiger, schwarzer Speichel tropfte.
““̸̢͖͕̓͊͘W̸͙͕͎͆͌͋È̴̪͎̀͜͝R̸̢͙̝̿̚͠ W̵͔͎͎̿̾͝Ä̵̡͔͙́̓͐G̸̝̫̘͒̀T̵͇͍͇̀͛̚ E̸̘͋̓̕͜S̵̟͚̠͑͊͆,̵̝̫̻̒̀͝ N̸̡̡̼̓͊͠E̸̘͍͋͌͜͝B̵̢͕̙̓̐͝I̸̟͖̿̚͜M̴̡͔̺͒͒͝Ÿ̵̡̼́͌Ś̸̢̞̒̚H̴̟͔̘͒̔͒ Z̸͖̘͑̚U̵̼͖̐͝͝ Ẁ̵͓͚̀̈́É̵͕̞͖̐͝C̴̢͕̙͑̾K̵͉̠͍͐͝͝E̴̘͎̟͛̐͌N̴̞̻͍͊͘͝,̵̠͖̙̐͛̔ S̴̞͙͙̓͊͐Í̸̢̀͜͠C̴̼̦͎̿̕͝H̵̢̙͚́̀̐ Ḯ̸̡͓̠̚H̵̫͓͖̀́͆Ŕ̸͚̼̻̿̈́ E̸̡̪̞̐͐͠N̸̼͕̙͌̾͌T̴̻͙̪́̈́̓G̸̘̪̺̿́͊E̵͇̪͖͊̿͘G̸̼̝̝̀͐̚Ë̴͙͙̟́̓̈́N̵̫̼̞͑͊͒ Z̵͕͍͕̈́̒U̸̢̙͔͛̚͘ Ș̸̡͕́̀̕T̴̻͖͍̽̽͛Ë̸̢͖̻́̓̕L̵̙͎͓̐̓͒L̸͖͇̠̐͠͝E̴̠̼̺͑͒N̵͚̟͚͐̓͝?̸̡̡̘͌̈́̚ S̸̡̘̙̿͑E̸͚͕͑̔͜H̵͙͔̟̽͑T̸̠͇̠̐͊̐ E̵͍͍̠̓͝U̵͉͉͎͐̓R̴͔͎̘̾̽͝E̴̝͕͖͒̔́M̴̢̢̺̿͘͘ S̴̞͙͕̓̿͘C̸̫͎̘͊̓͠H̵͔̟̻͘͠͠I̸͕̦͒̿̚͜C̸͉̟̻͋͋͑K̴͔̪͔̾̚̚S̴̟̼͔̐͛̓A̵̡̠͋̾̈́͜L̵̦̙̫͒̐͝ E̸͎̘̠̿̔̕N̵͉̼͎͆̒͠T̸̡͎͖̐͌́G̸̺̙͇̿͆͝E̸̦͍͜͝͠͝G̸̢̝͉̿̽͝E̸̞͙̿̐̐N̴̺̻͚͐͆͌,̴̞̙̘̀̒͠ I̵̞̞͕͑͒̔H̵̡͍͊̾̚R̵͉̫̦̾͐͌ Ń̵͙̼̟͌͊A̴͕̝̟̐̕͝R̸͚̙̠̔̿̚R̴̡̢͙̿̚͠E̸̢̟̺͑̽́N̸͇̠͙͒̕̕!̸̞͙͎͠͝”̵͇̫͉̈́͊̕”
Die Stimme war hohl und tief, schrill und hoch zugleich und schmerzte in den Ohren, bereitete ihnen Gänsehaut und Übelkeit. Die bloße Präsenz des Dämons machte sich körperlich mehr als bemerkbar. Die Dämonin richtete sich auf, ihr Buckel knackte und es sah so aus, als würden sich ihre Schultern einrenken. Dann spreizte sie eine Hand und legte sie rasch über Jimin’s Gesicht, der sofort wie erstarrt war.
"̵̺̪͖͆̕S̸̞̻̺͌͝͠K̴̪̺͇͒͐̈́L̸͙̙͕͌͘͘A̵͇̦͊̿͘͜V̵͔̟́͊̐͜E̵̡̙̺̔̓͐ D̴͎͇͖̐͑̕E̴͙͇͍̐͊͘R̴̘̝̼͊̔̚ U̵̻̻͇̐͆̕N̸͍̘̪͐͐̓E̸̼̞͆̐́R̵̻͓͔̔͝W̴̼̻̻͛̒̽I̵͇͎̺͌͛͒D̴̼͖̐̐͘͜E̵̡͓̘̿̓̐R̴͔̞̘̈́̈́̒T̸̫͍͓̿͋͝E̸͉͌͊̚͜N̴͎͕͇̒̔̒ L̴͙̪̪̈́͝͝Ḯ̸̟͎́͜E̵̡͔̺̿͝͝B̸̝̟̻͌͒̚E̴̢͔͑͛͠,̴̪͔̫͆͛͠ S̴̢̝͓͑͊͝T̴͖̙̾͛E̴̼̦͕͒̒L̵͓͔͉͆͘Ĺ̴̡̪͑̈́'̸̻͚̙̔̚͘ D̵̙̼̽͑͑I̴̟͓̙͐͝C̵̢͖̓̒̕͜H̵̘͍͇͛͛́ A̵̫̿́̐͜͜U̴̢͖̞̿̿͊F̸̻͓̈́̐͑͜ M̵̫͍̫̓̒́Ë̵̺̟̝́̽͝I̴̙̺̫̿͑̾N̵͎͍̘͛͠͝E̴̼̘̘̒͑̾ S̵͇̪̟͐̽͝E̸͎̻̘̽̕͘I̴̞͚̝͊̓̔T̵͔͕̒̕͝E̵̡͕̦̓͑!̵̢̻̽͐͑"̵̢͙͋͘͜͝
Als das Wesen die Hand wegriss, waren Jimin’s Augen ebenso gelb, mit roten Rändern und Äderchen, dieselben kleinen Pupillen. Langsam wandte er den Kopf und starrte Yunhee einige Sekunden an bevor er sich zu Jeongguk umdrehte - und mit der Schaufel nach ihm schlug. Glücklicherweise konnte Jeongguk ausweichen und Jimin schlug mit einer Wucht in die Erde, die nicht menschenmöglich war. Als er die Schaufel mühelos wieder heraus riss legte er etwas frei - den zerbrochenen Decke eines Sarges! Rasch machte Jeongguk einen Satz und mit einem Knacken brach er den Deckel entzwei und stolperte rückwärts in den besessenen Jimin, der ächzend gegen Matsch und Erde gedrückt wurde. Dabei lag seine Hand, die den Spaten hielt, oben auf. Taehyung griff danach - doch der Arm des Dämon wurde lang und packte ihn erneut, diesmal an der Kehle. Keuchend ließ Taehyung die Schaufel fallen und griff verzweifelt nach der knochigen Klaue.
"̸̨͔̦̤̍͆̽̓̍A̶̭͋U̶̧͉͍̔͋̕̕C̵̱͓͌H̸̡̯͊̀̎ ̴̧̭̱͛͜͝D̸̻͚̥̀Ǘ̴̱̜̹͓͆ ̶̢̟̉W̶̖̖͔̃̊̚̚I̶̡̟͐̾͑̎̕Ṛ̴̬̀͛ͅS̶̪̭͚͊̍T̵̖̠̩̕ ̵̺̟͔̪̭͆͗̑̉D̴̜͚̋̓͜I̴̟̩̿̑͛̆C̸̜̟̹̙̒̈̋͝H̷̖̫̄̀̀̑ ̴̮̻̅͗̑͂M̷̦͉̜͗͊̎͝Ẽ̷͕̝̔͗̏̔Ĩ̵̼̉̊͂N̴͉̹̤̼̔͂̆̕͝E̸̮̟̰̲͛̈́͑̚M̴̠̯̼̜̪̀͆̓̅͝ ̴̨̬̝̑̂̀̀W̶̤͚̯͆̈́̎͌͘I̶̟̼͠L̷̗͕̭̱̱̏Ḽ̶̨̧̦̏́̂͆̃͜Ẻ̶͔̲̄́Ǹ̶̙͝ ̶͇͌̾̍̈́͒͜B̶̟̫̄É̶̠̌Ủ̵̫G̴̛̪̻̔͐̏͘É̶̡͔N̴̤͍͕̒̉̎̇ͅ,̴̮̋̋̆ ̸̢̘̣̰͐͆͝͝ͅȔ̵̲̅̂́N̵͇͓̱͎̄̂͆̋͝G̷̲̯̽̋̓̀E̵͎̫̜̣̓͌L̷͇̣̎́̔̄I̵̡͉̣̓E̵̹̦̽͠B̴̟̀̓̕T̴̢̢͎̯̑̅̊͛̓Ë̴͚́̒̉́̉Ṟ̸̳̄̈́!̷̛̩͕͑́͘͝"̴̬̙̇̃͝͝
Es half nicht, dass Jeongguk das Stück des Sargdeckels nach dem Kopf des Dämonen warf, der kurz nach hinten knickte und Taehyung fallen ließ - seine Augen waren bereits gelb mit roten Äderchen und er wandte sich wie ein Betrunkener zu Eunsook, die noch im Gras kauerte. Ihre Augen wurden groß und sie nahm die Beine in die Hand. Im Matsch schlitternd lief sie um die Grube herum und rief an Jeongguk gewandt verzweifelt “GRAB?! SUCH IHREN KOPF!” Taehyung folgte ihr ohne zu blinzeln und den Blick von ihr zu wenden langsam. Namjoon warf Yunhee einen verzweifelten Blick zu, doch diese rief gerade mit schriller Stimme Jimin’s Namen. Der hatte einen großen Stein aus der Erde gezogen und hielt ihn mit beiden Händen hoch über den Kopf - und über Jeongguk’s Kopf, der fluchend mit den Händen Erde und morsches Holz von den knochigen Gebeinen wühlte.
Tatsächlich sah Jimin kurz zu ihr herüber, die gelben Augen taxierten sie leblos - dann blinzelte er und das gelb schwand beinahe gänzlich, er ließ den Stein langsam sinken… doch die grausige Gestalt des Dämons beugte sich erneut aus den Schatten über ihn und rief mit markerschütternder Stimme: "̶͙͎̒͗́͝Ś̷̯̜̲̠Ç̵̨̘̎͗͝Ḧ̶̖̙̜̿L̶̰͈̥̉̇̈́̿̌͜Ä̵̲͊Ǧ̸͎̪̺̖̻͗ ̴̹̩̞̔͑̈́͛͘Z̶̜̠͖͋́͘ͅŮ̶̞̅̾̚,̶̫̈́ ̶̙̇M̸͕̦͙̳̈́̇̽̄̄Ę̶̈́Î̴̢̜̳͉̰̍̈́N̴̟̣̥̒̚ ̸̠̲̞͓̽̾͊̕ͅD̸̪͕̑I̵̻̤̟̬͈͂̅E̷̗͌N̴̛̼̪͊E̷̬̮̝̠̠̊̚Ř̷͕,̸͙͎͔̙̃̆͝ ̶̨͍̏̀͗̍͆S̶̙̻̻̉C̶̭̿̉̿̐̚H̷͓̳̑ͅL̸̫̆̿́A̴̓͆͜͝G̸̯̱͎̬͈͛̿̈́ ̴̨̼̺̩̉̄̾̋͠Z̸̹̹̽͌̂͘͜U̸͇͝!̷̠̳͖̬̏"̴̮̉͐͠
Jimin’s verzweifelte Brauen glätteten sich, er wandte sich um und ein dumpfes Geräusch ertönte, als der Stein Jeongguk‘s Schläfe traf. Mit einem gebrochenen Stöhnen taumelte Jeongguk rittlings gegen Jimin, der den Stein fallen ließ - und entgültig aus seiner Schockstarre erwachte.
“Jeon… gukkie? Jeongguk?! JEONGGUK”, rief er verzweifelt, die heisere Stimme tränenerstickt und er sankt an der Wand ihres geschaufelten Grabes zusammen, bettete Jeongguk’s Kopf in seinem Schoß und strich mit zitternden Händen über das glatte Gesicht - seine Finger klebten und mit schockgeweiteten Augen starrte er auf das warme Blut an seinen dreckigen Fingern. Yunhee am Feuer schrie auf, laut und schrill - und wütend. Die Flammen neben ihr loderten erneut grün auf und blindlings griff sie nach einem brennenden Scheit und warf ihn nach dem Dämon.
Als der Scheit die Brust traf brüllte die Kreatur auf und fing Feuer, sie brannte lichterloh in schrillem Grün. Eunsook presste sich die Hände vor die Ohren und ging in die Knie, bei ihr angekommen beugte sich Taehyung über sie und ließ sich auf sie fallen wie ein menschlicher Käfig; er griff nach ihren Handgelenken und hielt sie ganz fest.
Und als der Dämon so lichterloh brannte und der Himmel mit Blitzen überzogen war, der Regen sich am Boden der Grube sammelte, in der ein verzweifelter Jimin den Ärmel vor Jeongguk’s blutender Wunde presste - da erhob sich aus der Erde eine weitere, gleißende Gestalt. Kim Yuna, mit wehendem Haar und einem weißen Kleid, tauchte auf als würde sie durch die Oberfläche eines Sees brechen und schwebte einige Zentimeter von den beiden Jungen entfernt über ihren Gebeinen und starrte dem Dämon in die gelben Augen.
"𝓘𝓬𝓱 𝓱𝓪𝓫𝓮 𝓶𝓲𝓬𝓱 𝓰𝓮𝓲𝓻𝓻𝓽, 𝓝𝓮𝓫𝓲𝓶𝔂𝓼𝓱. 𝓚𝓮𝓲𝓷𝓮𝓻 𝓶𝓾𝓼𝓼 𝓶𝓮𝓱𝓻 𝓶𝓮𝓲𝓷𝓮 𝓕𝓮𝓱𝓵𝓮𝓻 𝓪𝓾𝓼𝓫𝓪𝓭𝓮𝓷 - 𝓾𝓷𝓭 𝓛𝓲𝓮𝓫𝓮 𝔀𝓲𝓻𝓭 𝓶𝓲𝓬𝓱 𝓷𝓲𝓬𝓱𝓽 𝓶𝓮𝓱𝓻 𝓯𝓮𝓼𝓼𝓮𝓵𝓷, 𝓼𝓸𝓷𝓭𝓮𝓻𝓷 𝓫𝓮𝓯𝓻𝓮𝓲𝓮𝓷!"
Sie griff mit einer Hand zurück in die Erde und Holz splitterte, Brocken rollten beiseite und platschten in den Matsch als sie einen menschlichen Schädel - ihren menschlichen Schädel - herauszog und in die Höhe hielt.
"̶̼̭̟̬͋͝N̸̲̗̮͓͈̓̌̃Ȩ̴̟͚̙̒̅̈́̀͜I̶̢̜͇̹͂͘N̴͚̪̻͆́͜,̶̤̈́̀ ̴͎͇͉̀N̵̪̦̣͚̳͒I̴̹̱̼̞̽ͅE̵̫̎͑̐͝M̵͖͎͎̏̑̓̀͊Ã̸̡̟̳̝̻̍̀Ľ̴̨̗̠̟̞S̶͍̊̋͜ ̸̹͉̻̻͑̐̃M̷͈̦̀̎E̵̗̲͋̆̅̉̕Ĥ̵͉͔̹̠R̶̥̒͆ ̶̢̬͉͓͍̏W̸̛̘͙̏̈́̇͜Î̷̖̝R̸̟̙͇̘͌͂̏̄̚ͅS̴̪͊T̶̞̭͉̓̔ ̴͙̹̑̈̿̋͘D̵̠̔̊̐̐͘Ụ̶̲͐͗ ̵̡͔̥̩̈͆̓͘͝ͅF̶̝͆͊̐͑̆Ř̵̛̛̬͔̉͆Ë̷̬̖͉̜́̋͐̓Į̶͔̤̹̋̌́͜ ̴̫̒̉̉́S̶̡͕̠̗̗̈̀̑̉̓E̸̞͔͓̜̥̾̑Ĩ̸̻̥̗̹͙̌͠͝Ǹ̶̯̯ ̸̛̺̤̻̟̙̌̒̒͒-̷̱̫̒̈́́̓͠ ̸̻͍͗͠Ậ̶̡̘̘̄̈́̅̎B̸͕͈͑̕Ę̷̘̮͋͋̽̽̓Ṙ̴̼̟̄ ̸̭͖̜̹̪̽̂̀̕̚I̷̮̮͚͂͑͌C̴̢̖̀̈́̃Ḫ̵̼̫͎̱͊͋̈́,̶̧̬̼̱̻̾̿ ̴̖̬̭̓̽͆̀͝I̸̖͗̈́̍C̸͓̄͛̚H̵͉͉̖̤͚̒͝ ̵̼̈́̔̿W̶̺̉̾̀͜Ẻ̶̙̻R̶̰͍̱̪̮̅̀̈́͘D̶̟͆̔É̵͖̝̮ ̴͚̘̺̚͘E̵̠̅Ş̷̜̅́̋ ̴̬̬́͛̎͒B̴̟̦̎́̄A̷̢̛̘̼̍͌̃̕L̵̢̮͕͓̰̽̌͋̂͗D̴̯̮͚̮͈̿ ̶̢̳̪̖̗͝͠S̵̻̪͕̺͙͛̚È̷͓̅͂͒͘I̴͎̤͌N̷̤͙̈͆̉ͅ!̶̨͍̪̈́ ̴̡͖̱͂͒̀U̴͈͝N̸̢̺̝͓̽́̌͝͝Ḑ̴̙̘̰̝̆ ̶͇̥̥̫͓̏Ḭ̸͔̟̝̐H̶̢̥̮̝͉̾̌͌͠͝R̶̘̉͊͐ ̷̭̲͇̟͛͐͑̎͠N̵̨̯̖͉͂A̴͖̼͖͍͑̋͠R̸͓͓̃̍̏̈́̆R̷̰͙̔̽̒̃͜͝E̷̖͉͔͊̈́N̴̜̪͚͖̎͌̀ ̵̟̞́̀Ǩ̸̗͓̫̐̀͊͑Ơ̸̞̫̦̈̈́̅͝͠Ṋ̸͎̮̗̼̽͌͑̕N̶͕̲̜̑̀̚Ț̶̢̭̗̹̅̆̈́̚̕ ̴͇̲͍͛N̷̢̨͙̙̏̎͝͝I̶͓̟̩͙͌C̶̡͇̻̑̄̍̔ͅH̶͈̔̔̏̅̐T̵̨̺̦̅̍̈́Š̷̜̄͆ ̷̠̤̼́͗̋͑̊D̸̝͊̏̄̄Ą̴͇̦͓͐͆̒̇G̸̣͌̀̈́ͅͅE̴͈͈̪͂̈́̈́G̶͓̖̩̑̑́E̴̅͜N̸̙̤̔͂̀͝ ̶͖̠̗̥̀̉T̵̨̟͂͂U̸͓̲̅͐͒̑͜N̸̗̯͕͇͆̃̓?̸̢̳͓͎͚̇́!̷̼͙͖̱̈́̉̀́"̵̻͈̦̉͆͑̊͌
Yuna reckte das Kinn und schwebte erneut hoch in die Luft, ihre Gestalt war so grell, dass die Freunde blinzeln mussten. Ihr Haar wirbelte um ihr Gesicht wie ein Heiligenschein und sie hielt den Schädel hoch in die Luft, beinahe abwartend.
Yunhee zögerte nicht. Rasch rappelte sie sich auf und schlitterte auf dem rutschigen Boden darauf zu, glitt dem Dämon durch die Klauen und machte einen Satz. Jimin staunte nicht schlecht, als sie über ihn hinweg flog und im Flug den traurig grinsenden, grünlichen Schädel schnappte. Auf der anderen Seite landete sie mit einem Schnaufen auf der Seite und schlitterte auf Eunsook und Taehyung zu, knockte sie um. Taehyung rollte seitlich in die Grube und als er sich erhob, um mit manisch gelben Augen wieder nach Eunsook zu suchen und wie ein Ertrinkender aus der Grube krabbeln zu wollen, griff Jimin entschlossen nach seinen Knöcheln und hielt fest.
Yunhee sah sich der Dämonin gegenüber, die die Klauen gierig nach dem menschlichen Schädel ausstreckte. Nun machte sich auf Namjoon nützlich - er versuchte es zumindest. Rasch griff er ins Feuer, stellte fest, dass es heiß war, und stolperte fluchend zurück. Wo er auf den Saum des zerrissenen Gewandtes des Dämons trat und diesen zum Straucheln brachte. Erzürnt schrie die Kreatur auf und wirbelte herum, packte Namjoon am Kragen und warf ihn Yunhee entgegen. Sie duckte sich rasch und schlitterte auf dem Hosenboden unter dem Arm des Dämons hindurch, krabbelte ein paar Meter, zielte - und warf den Schädel genau ins Feuer. Diesmal waren die Flammen so hoch, dass sie die Planen zerrissen und über die Baumspitzen hinaus aufloderten. Das grelle Licht blendete sie und der Dämon röhrte und es war, als würde etwas in der Kreatur aufleuchten und nach außen brechen. Gleißendes, weißes Licht strömte aus Rissen, die faulige, runzlige Haut blätterte von den Knochen und schwebte traurig dem dichten Wolkentreiben entgegen.
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Und mit diesen Worten griff der Dämon über die Grube nach Yuna’s Geist und streckte die Krallen nach dem Licht aus. Yuna hob rasch die Hand und setzte dagegen, eine unsichtbare Macht schien die Kreatur davon abzuhalten, nach der Lichtgestalt greifen zu können.
"𝓔𝓼 𝓲𝓼𝓽 𝓭𝓲𝓮 𝓛𝓲𝓮𝓫𝓮 - 𝓼𝓲𝓮 𝓲𝓼𝓽 𝓭𝓮𝓻 𝓢𝓬𝓱𝓵ü𝓼𝓼𝓮𝓵! 𝓢𝓬𝓱𝓷𝓮𝓵𝓵!"
Verwirrt blickten die Freude sich an. Namjoon war in Eunsook geworfen worden, die sich aufgerappelt hatte und entgeistert zu Yunhee rüber sah.
“Hat der Schädel nicht gereicht? Was soll das heißen-”
“Joonie Hyungie, tu doch was?!”, unterbrach Jimin Eunsook schrill, seine Stimme gezeichnet von den Strapazen Taehyung davon abzuhalten, Amok zu laufen. Dieser krallte sich in Schlamm und Gras und streckte die dreckigen Hände verzweifelt nach Eunsook aus während er hohle Geräusche von sich gab.
Namjoon warf einen Blick von dem Dämon zu Yuna, dann blinzelte er auf Eunsook’s Hinterkopf und mit gehobenen Brauen wieder zu dem Geist hinauf. Sie lächelte und nickte einmal. Entschlossen schlitterte Namjoon los und rief Eunsook’s Namen, die schon auf der anderen Seite der Grube Yunhee zur Hilfe eilen wollte. Sie wirbelte herum und Namjoon streckte über dem ausgehobenen Grab die Hände nach ihr aus. Verwirrt trat sie ebenfalls an den Rand und ihre Hände fanden zögerlich Namjoons, sie pressten die Handflächen gegeneinander, wie um sich gegenseitig zu stützen damit sie nicht hinein fielen. Namjoon holte tief Luft und blinzelte gegen den Regen an.
“Sorry, Eunsookie, ich hätte das gern in einem passenden Moment gemacht und nicht so, aber-”
“Namjoon?!”, bellte Yunhee empört über den Versuch einer Ansprache zu solch wichtiger Stunde und der Jüngere blinzelte hektisch, dann beugte er sich rasch zu Eunsook herüber und presste dem erstaunten Mädchen die Lippen auf den leicht geöffneten Mund. Erst zog sie den Kopf mit einem Japsen zurück, doch als Namjoon dadurch strauchelte und drohte zu fallen, kam sie ihm erschrocken entgegen und presste den Mund wieder auf seinen.
Nebimysh schrie auf, das Röhren wurde menschlicher und schließlich brach der Dämon gänzlich auf, das grüne Licht wurde weiß und seine ledrige Haut und die morschen Knochen bröckelten und schwebten gen Gewitterhimmel. Dafür wurde Kim Yuna umso heller, ihr gleißendes Licht zentrierte sich und bildete mit einem dumpfen Stoß, der durch Mark und Bein ging und die umstehenden Bäume durch schüttelte, einen Strahl in den Himmel. Langsam stieg sie empor, lächelte ein letztes Mal auf die Freunde herab und sagte mit sanfter Stimme, die laut und wummernd über den Berg schallte: "𝓘𝓬𝓱 𝓭𝓪𝓷𝓴𝓮 𝓮𝓾𝓬𝓱."
Dann war sie verschwunden und es wurde dunkel und still, selbst das Gewitter ließ nach und der Regen wurde schwach. Taehyung rutschte ab und lag nun erschöpft neben Jimin und Jeongguk, Letzterer blinzelte und stöhnte schmerzerfüllt auf. Yunhee rappelte sich auf und rutschte achtlos ebenfalls in die Grube, nahm Jeongguk’s Kopf von Jimin entgegen, der Taehyung aufhalf.
Und Namjoon und Eunsook hielten sich nach wie vor an den Händen und sahen einander verwundert an, wie Blinde, die das erste Mal sehen konnten. Bis Jimin eine Hand voll Schlamm nahm und sie Namjoon ans Hosenbein klatschte.
Dieser ließ Eunsook instinktiv los die strauchelte und ebenfalls in die Grube rutschte. Wo sie sich über Taehyung beugte und ihm das Haar aus der Stirn strich, er sah aus wie Jemand, der gerade aus dem Koma erwacht war.
“Ey?!”, machte Namjoon lahm.
“Das hättest du auch früher tun können, Hyungie!”, stieß Jimin hervor.
“Woher hätte ich wissen sollen, dass man dämonische Kräfte mit Knutschen schlagen kann?”, setzte Namjoon mit hoher Stimme dagegen und wischte sich das nasse Haar aus der Stirn, half Jimin heraus, der mit seinen kurzen Beinen am Rand strauchelte.
“Sag das nicht so?!”, zischte Eunsook und begann dann beinahe hysterisch zu kichern, Yunhee warf ihr einen befremdlichen Blick zu bevor sie Jeongguk auf half, der sich mit der Hand an den Kopf fassen wollte. Rasch griff Yunhee nach seiner Hand.
“Das lässt du lieber! Wir sollten das checken lassen, nicht, dass es genäht werden muss…”
“Was zur Hölle… ist hier eigentlich passiert?”, murmelte Jeongguk verwirrt und sah um sich, am Horizont ging gerade die Sonne auf, vertrieb die Wolken und tauchte die Szene langsam aber sicher in indigoblaues Licht.
“Ganz ehrlich? Keine Ahnung. Aber der fiese Dämon ist besiegt, Kim Yuna hat Frieden und wir sind der Talk der Town!”, triumphierte Jimin und stieß eine Faust in die Luft.
“I don’t know about that…”, murmelte Namjoon.
“Mir ist schlecht”, sagte Taehyung und gerade als Jeongguk Yunhee aus der Grube gezogen hatte, übergab sich Taehyung einmal kräftig in die Grube; es plätscherte und ein allgemeines “Uääh!” kam von den anderen. Jimin senkte langsam die Faust und griff nach der Schaufel, begann, die aufgehäufte Erde wieder in die Grube zu schieben.
Namjoon war währenddessen wieder zu der zerrissenen Plane und dem inzwischen erloschenen Feuer geeilt und hob sein leicht feuchtes, mit Dreck beschmiertes Handy auf, das er gegen einen der Äste gelehnt hatte.
“Verdammt… Es ist umgefallen, als der Dämon das erste Mal gesprochen hat… Und man hört uns und die Geräusche zwar, aber jedes Mal wenn einer der beiden spricht rauscht es nur…”, murmelte er enttäuscht, spulte vor und zurück. Eunsook, die Taehyung’s Arm um ihre Schulter geschlungen hatte und den blassen Kerl hinter sich her schleifte, tätschelte Namjoon mit der freien Hand kurz die Schulter.
“Mach dir nichts draus! Hauptsache, der Spuk hat ein Ende…”
“Hat er das?”, fragte Jeongguk mit hoher Stimme, die sich zum Ende hin verräterisch brach. Yunhee tätschelte seinen Rücken, also eher seine Hüfte und fast seinen Hintern, da sie ähnlich wie Eunsook bei Taehyung Jeongguk’s Arm um ihre Schulter gelegt hatte und den freien Arm um seine Mitte um ihn zu stützen.
“Vorerst zumindest, und jetzt lasst uns verschwinden! Jiminie?”
“NE”, rief Jimin lieblich und warf achtlos die Schaufel in die halb zugeschüttete Grube, stolperte schlitternd auf sie zu bevor er sich Jeongguk’s anderen Arm um die Schultern legte, Eunsook und Namjoon stützten währenddessen Taehyung.
“Was ist der Plan?”, fragte Eunsook an Namjoon gewandt, der etwas überfordert blinzelte.
“Ehm. Ärztliches Check-Up für Jeongguk-ah, Taehyung-ah - und auch für dich, Jiminie! Du scheinst das Besessen sein zwar besser wegzustecken, aber man weiß ja nie…”
“Bin halt ‘n kerniger”, knurrte Jimin mit tiefer Stimme verspielt, Yunhee schnaubte und verdrehte grinsend die Augen.
“Konzentrier’ dich lieber auf den Weg, es ist-”, Jimin stolperte und war mir nichts dir nichts auf dem Hosenboden gelandet, wo er theatralisch die Arme über das Gesicht legte und ein langgezogenes Jammern von sich gab, “-rutschig…”
“Zu spät”, kicherte Jeongguk mit müdem Gesichtsausdruck aber einem schiefen Grinsen auf dem Gesicht; auch Taehyung giggelte erschöpft und der Rest stimmte mit ein.
Im Krankenhaus durften sie sich anhören, wie gefährlich es war, nachts bei diesem Wetter irgendwo herum zu stromern.
“Wo haben sie sich nochmal aufgehalten?”, fragte die Ärztin mit scharfer Stimme und begutachtete die dreckigen Fußspuren auf dem mintgrünen Vynilboden, ihre zerzauste Erscheinung und die Blätter, die Jeongguk Yunhee gerade vorsichtig aus den Haaren zupfte.
“Das Haus meiner Großmutter grenzt an den Berg und wir dachten es wäre lustig, den Wald etwas zu erkunden… Eine dumme Idee, das wissen wir jetzt!”, gab Eunsook reumütig zu und schenkte der Ärztin ein entschuldigendes Lächeln. Namjoon staunte nicht schlecht über das astreine Geflunkere.
“Diese viral Horror-Videos sind ja gerade so im Trend, das wollten wir mal am eigenen Leibe erfahren… wirklich eine dumme Idee, zugegebener Maßen”, fügte Yunhee ebenso verlegen hinzu und wurde sogar ein bisschen rot, grinste verkniffen.
“Gut, dass ich dabei war… Ich bin ziemlich stark für meine Größe, wissen Sie? Bin halt ‘n Kerniger”, schloss Jimin mit einem charmanten Lächeln, das seine Augen in zwei Halbmonde verwandelte.
Der Rest sah angespannt zur Ärztin herüber.
Die kicherte wie ein junges Schulmädchen und Jimin mit dem Klemmbrett auf den Oberarm schlug, der sie verlegen mit gesenktem Kopf angrinste und sich durch das nasse, leicht mit Matsch verklebte Haar fuhr.
“Jaja, die Jugend… ich kenne das, war schließlich selbst mal jung”, sagte die gute Frau überflüssigerweise und Jimin, der der Einzige zu sein schien, mit dem sie redete, nickte bekräftigend und sein schiefes Grinsen vertiefte sich. Taehyung, der neben Jeongguk auf der Liege schräg hinter der Ärztin saß, presste sich eine Hand vor den rumorenden Bauch und verzog das blasse Gesicht, ließ kurz die Zunge raushängen. Jeongguk neben ihm schüttelte sich und deutete mit gestreckten Fingern eine Enthauptung an - reicht jetzt auch, Hyungie!
“Nun denn, Sie kommen wieder, Mister Jeon, wenn es ihnen nicht gut geht. Sie können von Glück reden, dass wir nichts nähen mussten! Und der Rest von Ihnen sollte eine Dusche aufsuchen. Sie riechen allesamt sehr unchristlich!”
Die Ärztin rauschte mit einem letzten koketten Lächeln in Jimin’s Richtung aus dem Raum und die anderen warfen Jimin belustigte Blicke zu, bevor sie einer nach dem anderen aus dem Raum trampelten und nichts übrig blieb außer der sterile Krankenhausgeruch und ein paar matschiger Fußspuren auf dem Boden.
Der Rest der Sommerferien verlief so normal, wie es irgend möglich war.
Vielleicht war es die Tatsache, dass sie einen Dämon besiegt und einen Geist befreit hatten, der schon so lange hier fest hing - aber sie hatten das Gefühl, dass es insgesamt leichter und unbeschwerter in dem Dorf zuging. Sie sahen abends nach Einbruch der Dunkelheit noch Leute vor den Häusern sitzen, hörten Gelächter und entspannte Gespräche und kein Wispern und das Zuklappen von Fensterläden mehr. Auch hörten sie vermehrt von dem gleißenden, weißen Strahl, der während der Gewitternacht auf dem Berg getroffen war und möglicherweise ein gütiger Geist war, der hier heimatlich geworden war.
Sie belächelten diese Geschichte allesamt und während Namjoon weiterhin frustriert versuchte, in dem verschwommenen, unvollständigen Video und der rauschenden Tonaufnahme irgendetwas Nützliches zu finden, so war der Rest von ihnen doch froh, dass es ein Ende hatte.
Am letzten Tag der Ferien saßen sie mal wieder auf dem Spielplatz. Jimin und Taehyung wippten, immer schneller und enthusiastischer und flogen abwechselnd giggelnd in die Luft. Jeongguk saß auf der Schaukel, Yunhee seitlich auf seinem Schoß und hatte den Kopf gegen seine Brust gelehnt; mit geschlossenen Augen genoss sie die Sonne auf ihrem Gesicht während Jeongguk leise vor sich hin summte und sie ab und zu etwas abstieß, sie vor und zurück schaukelte. Namjoon saß am Ende der Rutschte, das MacBook auf dem Schoß und Eunsook rutschte gerade in ihn hinein. Er ächzte nur leicht, sie hängte ihre langen Beine links und rechts von der Rutschte und stützte ihr Kinn auf seinen Oberarm.
“Informationen über den Dämon zusammentragen und wie wir ihn besiegt haben…”
“Das hast du schon die letzten Tage getan”, seufzte Eunsook und ließ sich nach hinten Fallen, mit einem Klonk landete ihr Kopf auf der Schulter und sie legte schützend die Arme gegen das Sonnenlicht vor das Gesicht.
“Und du hast mich immer wieder erfolgreich davon abgehalten”, knurrte Namjoon geistesabwesend. Taehyung fiel aus dem Momentum und krachte mit dem Gesäß äußerst unvorteilhaft auf den Holzsitz der Wippe, wimmerte und ließ sich zur Seite auf den roten Gummiboden fallen. Jimin quietschte vor Lachen, Jeongguk machte nur “Ihh!” und Namjoon hatte den Anstand auf Eunsook’s empörten Schlag auf den Rücken blinzelnd rot zu werden.
“So meinte ich das doch gar nicht! Ihr Perversen…”
“König der Perversen”, murmelte Eunsook trietzend und rappelte sich auf.
“Und was macht ihr, wenn der Sommer vorbei ist?”
“Weiter studieren natürlich. Noch ‘ne Runde, Runde, Runde…”, seufzte Yunhee und streckte sich, strauchelte und Jeongguk legte rasch einen Arm um ihre Mitte und presste das Kinn auf ihren Kopf, um sie sicher zu halten.
“Vorsicht, Nuna! Also ich geh erstmal zurück nach Busan. Meine Oma hat ‘ne Hüft-OP hinter sich, ich geh ihr im Restaurant zur Hand und such mir ‘nen anderen Nebenjob. Nebenbei mach ich meine Mappe fertig, hab ich Nuna zumindest versprochen…”
“...braver Gukkie”, stimmte Yunhee zufrieden zu und tätschelte liebevoll den Arm, den er um sie gelegt hatte. Er grinste verlegen und legte den Kopf auf die Seite, die Wange auf ihr Haar.
“Also ich hab endlich ‘ne Zusage bekommen und darf nächste Woche bei der zweitbesten Tanzschule Seols anfangen! Ob ich dann Idol oder Teacher werde… das vermag nur die Zeit zu sagen”, endete Jimin theatralisch; er war aufgestanden und endete seine Ansage in einer dramatischen Pirouette, einem Kniefall und streckte die kleinen Finger nach dem ungnädig brennenden Orb am Himmelszelt aus. Taehyung klatschte langsam, Jeongguk machte “Uuuuh!” und die beiden kicherten albern.
“Für uns geht’s auch wieder zur Uni”, seufzte Eunsook.
“Aber nicht zur selben, leider. Du könntest genauso gut zu kreativem Schreiben wechseln…”, bot Namjoon hoffnungsvoll an, doch Eunsook lachte nur leise.
“...aber ich passe mein Studium nicht deinem Standort an und mit der Bahn ist nichts weit weg, Joonie”, lächelte sie zur Sonne hoch, Namjoon seufzte nur ergeben und nickte langsam. Dann hob er blinzelnd den Blick.
“Ich hab auch eine Zusage von der Uni, also teilen Jiminie und ich uns eine kleine Wohnung. Das wird super!”
“Oh, welche Uni denn?”, fragte Eunsook erstaunt, Jimin sprang wieder auf und deutete in einer Mischung aus Dramatik und Stolz auf den nach wie vor am Boden hockenden Taehyung.
Die anderen staunten nicht schlecht.
“Oooh! Ich wusste nicht, dass du malst”, gab Jeongguk mit glänzenden Augen zu, Taehyung lächelte verlegen.
“Ich zeichne nicht so gut wie du, ich male lieber. Wir könnten mal zusammen Fotos machen, oder ich filme dich beim Singen?”
“Das wär toll!”, strahlte Jeongguk und Taehyung’s Lächeln vertiefte sich.
“Also sind wir alle in Seoul, bis auf Goo? Das hört sich nicht richtig an…”
“Es ist ja nur vorübergehend. Ich finde es verantwortungsbewusst, dass du deiner Großmutter hilfst”, sagte Namjoon beinahe sanft zum Jüngeren, der dankbar lächelte.
“Obwohl es schon ein bisschen schade ist… Aber Busan ist ein prima Urlaubsort!”, stimmte Yunhee zu und lächelte aufmunternd, Jeongguk erwiderte es erleichtert.
“Ich helf’ Omi so gut, dass sie schnell wieder gesund wird! Und dann komm ich zu euch nach Seoul, versprochen!”
“Und versprochen ist versprochen…”, fing Jimin inbrünstig an, “...und wird auch nicht gebrochen!”, rief Taehyung mit ebenso tiefer, dramatischer Stimme und die beiden reckten die kleinen Finger in die Luft und streckten sie einander entgegen. Jimin winkte den kichernden Rest herbei.
“Na los, kleine Finger her! Wir schwören uns jetzt, dass wir uns immer aufeinander verlassen können und da sind, wenn wir einander brauchen! Und wenn wir nochmal von Geistern und Dämonen hören…”
“... dann rufen wir die Ghostbusters.”, unterbrach Namjoon rasch und kicherte, als Eunsook ihm entgeistert vor die Brust schlug.
“...dann nehmen wir uns der Sache so kompetent und voller Ehre an, wie wir es auch hier getaten haben”, schloss Taehyung mit ernstem Gesicht.
“Getan”, korrigierten mehrere Stimmen ihn und seine heroische Maske brach und er grinste beschämt woraufhin die anderen lachen mussten.
So genossen sie den letzten Tag, denn die Sonne schien und alles war gut.
Hätte man ihnen damals gesagt, dass der Spuk noch lange kein Ende hatte und ihre Reise erst begonnen hatte, hätten sie wahrscheinlich etwas weniger ausgelassen ihren ersten aber nicht letzten Sieg gefeiert…