Indignadxs | occupy Deklaration zum Start der BB7
Seitdem im Jahr 2008 die Immobilienblase geplatzt ist, hat eine globale ökonomische Krise die Welt erfasst, die verschiedene Länder mit unterschiedlicher Intensität traf. Und doch waren die Versuche, diese Krise zu bewältigen, überall die gleichen: riesige Summen öffentlicher Gelder wurden verwendet, um einen angeschlagenen Finanzsektor und ein zur Krise neigendes Wirtschaftssystem zu retten und Unternehmensgewinne zu sichern; strenge Austeritätsmaßnahmen und Einsparungen im öffentlichen Sektor; ein enormer Verlust von Renten, Ersparnissen und Arbeitsplätzen; und vor allem: ein politischer Konsens, sowohl die strukturellen Ursachen als auch die hauptverantwortlichen Personen unberührt zu lassen. Die Krise hat außerdem eine beschämende Tatsache über unsere sogenannten aufgeklärten Demokratien enthüllt: sie funktionieren nicht länger. Ob durch die technokratischen Regierungen Griechenlands und Italiens oder das Diktat der Bundesbank: die Demokratie wurde außer Kraft gesetzt, um zu tun, was als notwendig erachtet wird für eine Rückkehr zu einem Modell des Wirtschaftswachstums, das nicht den Interessen der Mehrheit dient.
Nicht nur die Auswirkungen der Krise waren global. Auch brach sich eine weltweite Widerstandsbewegung Bahn, die sich dem Krisenmanagement von nationalen und internationalen Regierungsinstitutionen entgegenstellt. Von Tunesien über Ägypten nach Israel, von Griechenland nach Spanien, von Deutschland bis ins Vereinigte Königreich und von Chile bis in die Vereinigten Staaten haben sich breite gesellschaftliche Bewegungen formiert und eine klare Botschaft artikuliert: dass die Menschen nicht für eine Krise zahlen werden, die sie nicht verursacht haben. Auch werden wir nicht die Fortsetzung der fehlerhaften Politik akzeptieren, welche die Krise verursacht hat: Deregulierung der Finanzmärkte, Privatisierung öffentlicher Güter, eine zunehmende prekäre Beschäftigung und ein ökonomischer Wachstumswahn, der im Widerspruch zu den begrenzten Ressourcen unseres Planeten steht. Und wir sind bereit, einen Schritt weiter zu gehen: den quasi-religiösen Glauben in Frage zu stellen, dass der kapitalistische Markt jemals ein stabiles und nachhaltiges Wirtschaftssystem erschaffen kann, an dem Jede und Jeder teilhaben kann. Trotz des beispiellosen materiellen Reichtums auf der Welt verhindern unsere sozioökonomischen Strukturen, dass wir gleichermaßen davon profitieren. Stattdessen produzieren sie Krisen und Machtasymmetrien und schneiden darüber hinaus Milliarden Menschen selbst vom Zugang zu den lebensnotwendigsten Gütern ab.
Wir sind Menschen aus unterschiedlichen Ländern und mit verschiedenen Hintergründen. Wir kommen zusammen als Besetzende, als Indignad@s, als Empörte.
Originaltext: http://occupybb7.org/deklaration












