Zum gemeinsamen Arbeiten im CafĂ© treffen. Coole Sache. Fast schon Standart. Auf jeden Fall schön. So zu zweit. Am ZielortâŠ.. angekommen, empfĂ€ngt uns aber eher der Charme einer auf den Abend ausgerichteten Bar, mit matt gelb beleuchteter RĂŒckwand, grĂŒn, blau und braun spiegelnden Whiskeyflaschen davor und Hochbeinigen StĂŒhlen an wackeligen Thresentischen.
Es kommt eine kurze Diskussion zwischen uns auf, wen den Platz auf der Bank am Fenster bekommen. Wir setzen und beide und rutschen etwas nĂ€her zusammen. Du möchtest den Raum im Blick haben, sagst du. Das wĂ€re dein Tick. Kommt mir bekannt vor. Das möchte ich auch. Trotzdem starre ich jetzt auf die GetrĂ€nkeauswahl, statt genĂŒsslich aus dem Fenster. Irgendwie störend. StraĂe, Passanten, Gassihunde und FahrrĂ€der eilen hinter meinem RĂŒcken vorbei und ich habe das komische GefĂŒhl etwas zu verpassen. Die Situation könnte angenehmer sein.
Wir bestellen einen Kiba. Ein Manko des Arbeitens in CafĂ©s - man muss etwas bestellen. Der Kellner, ein Typ japanischer Herkunft, von Ende DreiĂig in eng gebundener SchĂŒrze und lĂ€ssig fallendem, naturweiĂem Hemd, scherzt beim Abstellen der GetrĂ€nke noch beilĂ€ufig darĂŒber, dass er eine Woche zuvor, bei der Auslieferung eines Tees, den Rechner seines Kundens geschrottet hat. âIch stelle es also mal etwas weiter weg.â, sagt er noch schnell, bevor er gespielt peinlich berĂŒhrt den Tisch wieder verlĂ€sst. Der Tisch wackelt. Ich stelle mein Saftglas also noch ein gutes StĂŒck weiter weg - auf den Nachbartisch.
Ăberhaupt wird es mir zu eng auf der Fensterbank, zu zweit an einen Tisch gedrĂ€ngt. Ich ziehe um an den Nachbartisch und erhalte direkt einen scherzenden Kommentar unseres aufmerksamen Kellners: âIhr habt Euch wohl gestritten und wollt jetzt nicht mehr gemeinsam arbeiten?.â Allgemeines Lachen. Konzentration gleich null. Ich frage nach dem W-Lan Zugang. W-Lan gibt es hier nicht, nur das freie Netz fĂŒr 30 Minuten. Eine tolle Erfindung fĂŒr den verirrten Touristen, doch sicherlich keine UnterstĂŒtzung meiner Recherchearbeit. Ich nehme also die Herausforderung an und setze mir die 30 Minuten freies Netz als Zeitfenster fĂŒr meine Recherchearbeit. Fast schon begeistert stelle ich mein W-Lan stĂ€ndig an und aus und schone meine Zeitreserven. Ăkonomisch arbeiten nennt man das wohl.
Der Kellner kommt zurĂŒck. Er fragt nach unseren Namen. Er hat zwei Pappen dabei, knickt sie in der Mitte und baut kleine Aufstellet fĂŒr meine Freundin und mich. âMarie arbeitet, bitte nicht stören.â, notiert er in hastigen Buchstaben darauf. âAntonie arbeitet auch, bitte leise sein.â Wie nett. Ich wurde zwar gerade aus meinen Gedanken geholt, doch solch Aufmerksam begrĂŒĂt man gerne. Mit groĂem Trahrah und GelĂ€chter wird noch kurz hin und her gegrinst und da verschwindet er auch schon wieder. Ich Ă€rgere mich derweil, dass ich nicht meine gute Kamera mitgenommen habe um an diesem ersten Arbeitstag im CafĂ©, bereits mein Projekt zu starten. Welch schönes erstes Portrait hĂ€tte das ergeben. Das lĂ€uft ja wie von selbst denke ich mir und schaue auf mein leeres Blatt.
Zum Arbeiten wĂŒrde ich dieses CafĂ© nicht weiterempfehlen.
Zum Mittagessen ziehen wir weiter in die Kantine des ArchitekturbĂŒros Chipperfield. In Mitte gibt es  ein super Angebot an inspirierenden Lokalen und leckeren FrĂŒchtchen, direkt in den schönen StraĂen oder versteckt in Hinterhöfen.
Unsere zweite Arbeitsstation ist die UniversitĂ€tsbibliothek der TU Berlin in der HardenbergstraĂe. Auf den ersten Blick etwas angeranzt, so finden wir doch einen schönen Tisch zum Arbeiten, mit Blick auf den begrĂŒnten Hof und die groĂe Kreuzung des Ernst-Reuter-Platz. Laut tönen die Motoren der StraĂe durch die hohen Fenster und suggerieren viel mehr ein GefĂŒhl der MobilitĂ€t statt des LĂ€rms und lassen mich in Bewegtheit und Motivation zurĂŒck. Es ist was los. In der sonst so stillen Bibliothek herrscht kein urbaner Stillstand. Trotzdem sitzen wir zu viert konzentriert nebeneinander und erst als am Nachmittag die Sonne viel zu steil durch die Fenster streift und uns blendet, wird die allgemeine Arbeit gestört. Ein Platzwechsel wĂ€re jetzt nicht schlecht. Wir entscheiden uns aber lieber fĂŒr einen Kaffe. 50 Cent im StudentengefĂŒhrten CafĂ© des Innenhofs und die letzte Pizza wird auch noch mit uns geteilt.
Die UniversitĂ€t bleibt also ein guter Ort zum Arbeiten und ein angenehmer Platz fĂŒr harmonisches Pausieren zu studentischen Preisen.
Doch leider auch hier - kein Internet. Der ĂŒbergreifende Zugang das eduram Netzwerkes stellt sich leider als vergebene Hoffnung heraus und ist nicht zugĂ€nglich. Schade. Ein Manko. Aber vielleicht bekommt man das geregelt.