Day 66 - Road to Hana #German style
Da der Wetterbericht für heute die niedrigste Regenwahrscheinlichkeit der kommenden Tage angekündigt hatte, entschieden wir uns trotz der angekündigten Regenschauer dazu, einen Roadtrip entlang der berühmten Road to Hana - an der Ostküste Mauis - zu wagen. Als unseren Tourguide für diesen Trip wählten wir die Shaka Guide App, die uns per GPS zu den coolsten Spots navigieren sollte, uns dabei sehr laid-back noch so einiges an Hintergrundinformationen zu Geschichte und Kultur Hawaiis erzählte und unseren Trip mit hawaiianischer Musik untermalte. So lernten wir beispielsweise auch die Shaka-Geste (🤙) kennen, die ein Ausdruck für alles Mögliche sein kann (hi, hello, thank you, goodbye, hang-loose, awesome, regards, selbst für I love you) und im Grunde eine Geste für den Alpha-Spirit darstellt.
Mit einer großen Tasche voll Proviant starteten wir morgens so in Kihei, dass wir um 7.00 Uhr am offiziellen Startpunkt der Route waren, nämlich in Kahului bzw. Pai’a, einem Surferstädtchen an der Nordküste Mauis. Eigentlich betrug die reine Fahrtzeit für die 68 Meilen bis zu den Kipahulu Pools kurz hinter dem Städtchen Hana nur zwei Stunden, aber bei diesem Abenteuer war definitiv der Weg das Ziel, da wir 9 Wasserfälle, 10 weitere Aussichtspunkte und mehrere Mini-Hikes an diesem Tag vor uns hatten sowie insgesamt 59 kleine Brücken, wovon fast alle One-Lane Bridges waren, und über 600 Kurven, die sich durch dieses Regenwaldgebiet an der Küste schlängelten. Kurz gefasst: Wir machten uns auf ein episches Abenteuer gefasst, das an diesem Tag auf jeden Fall German style ausfiel, da es immer wieder regnen sollte, und es daher nicht nur ein nasses sondern auch ein besonderes Unterfangen werden sollte - schließlich zeigte sich Hawaii mal von seiner rauen und wilden Seite.
Unseren ersten Halt legten wir im Ho’okipa Beach Park ein, um die stürmische und raue See mit ihren hohen Wellen zu bewundern. Anscheinend war es leider selbst den Surfern zu ungemütlich, die sich in ihren alten VW-Bussen und Jeeps auf dem Parkplatz versteckten. Dafür war dieses deutsche Wetter optimal für unseren nächsten Halt - die Twin Falls. Aufgrund des 3.055 Meter hohen Haleakala Vulkans ist die Nord-Ost-Küste extrem regenreich und es herrscht ein tropisches Regenwaldklima, sodass an diesem Tag sehr viel Wasser die Twin Falls hinunter rauschte, die sich am Ende eines kleinen Pfades, umgeben von Bambusbäumen, zeigten. Diese Falls sollten jedoch nicht die einzigen tosenden Wasserfälle an diesem Tag bleiben.
Als nächstes legten wir einen kleinen Hike auf dem Waikamoi Ridge Trail, einem kleinen Rundwanderweg mit riesigen Eukalyptus- und Mahagonibäumen ein. Der Weg bestand teilweise nur aus Wurzeln und war am Ende ganz schön matschig. Dennoch hat sich der Panoramablick auf unzählige Bäume gelohnt. Danach war es Zeit für ein kleines Picknick am Ende des Pfades, bevor unser Roadtrip weiter durch diese grüne Idylle vorbei an Wasserfällen und Buchten, wie die Honomanu Bay, führte. Einen kleinen Umweg machten wir zum Nua’ailua View Point auf der Keanae Peninsula, um einen beeindruckend Meerblick zu erhalten. Dort sahen wir, wie die tosenden Wellen gegen die zerklüfteten Lavafelsen schlugen. Diese Halbinsel ist durch eine der letzten Eruptionen des heute inaktiven Haleakala-Vulkans entstanden, als Lavaströme ins Meer flossen. Am Ende der Straße kamen wir auch an einer alten kleinen Kirche aus Lavafelsen und Korallen vorbei (die übrigens als einziges stehen blieb, als diese Halbinsel 1946 von einer Tsunamiwelle getroffen wurde).
Nach etwas mehr als der Hälfte des Hinweges kamen wir zum Wailua Valley Aussichtspunkt, wo wir einen kurzen Stopp einlegten, um auf das Wailua-Tal mit seinen Taro-Feldern und das Meer zu blicken. Ein paar Meter weiter hielten wir erneut bei den Waikani Falls, auch 3 Bear Falls genannt, da es sich eigentlich um drei nebeneinander liegende Wasserfälle handelt. Aufgrund des immer wieder einsetzenden Regens war an diesem Tag hinter einer alten Brücke jedoch nur ein einziger donnernder Wasserfall zu sehen und zu hören, da sich die drei Fälle zu einem imposanten Wasserfall vereint hatten und das Wasser tonnenweise in die Tiefe stürzte.
Danach kletterten wir mutig in eine am Wegesrand gelegene Lava Tube Höhle. Diese Höhle entstand dadurch, dass ein Lavastrom außen abkühlte, hart wurde und im Inneren weiterhin heiße Lava floss, sodass nach deren Abfluss eine Höhle blieb, durch die wir jetzt durchgehen konnten. So entkamen wir wenigstens ein paar Minuten dem Regen. Danach fing es allerdings richtig an wie aus Kübeln zu schütten, sodass wir auf dem Rückweg zum Auto richtig schön nass wurden. Vorbei an noch mehr Wasserfällen ging es zum nächsten kleinen Abstecher namens Nahiku Landing, wo einst George Harrison von den Beatles lebte. Die Strecke führte bergab vorbei an Gummibäumen zur rauen Küste. Aufgrund einer maroden Brücke mussten wir die letzten paar hundert Meter zu Fuß zurücklegen und wurden hier erneut vom nächsten Schauer nochmal ordentlich geduscht. Gelohnt hat sich der Blick trotzdem, da die Wellen gegen die Felsen knallten und die Gischt meterhoch aufspritzte.
Je näher wir Hana kamen, umso mehr erfuhren wir von der Geschichte Hawaiis. Ebenso stoppten wir an einem der zahlreichen Essensstände und holten uns von einer sehr sympathischen alten Frau ein selbstgemachtes Macadamia-Banana-Bread. Die Frau freute sich sichtbar, dass bei diesem Wetter mal jemand anhielt und hielt mit uns ein Pläuschchen, wo sie uns unter anderem von zahlreichen aktuellen Touri-Unfällen auf der Insel berichtete. Einen weiteren lohnenswerten Stopp legten wir im Wai’anapanapa State Park ein, wo gleich mehrere Attraktionen auf uns warteten. In diesem Küstenabschnitt gab es einen Strand mit schwarzem Sand, weitere Lavahöhlen und Blowholes in den Lavafelsen, durch die Meerwasser in die Höhe katapultiert wurde. Und dann kamen wir nach Stunden endlich in Hana an, einem 1000-Einwohner-Dorf, das wie erwartet eher unspektakulär war. Beeindruckend war jedoch der Kaihalulu Red Sand Beach, zu dem wir über einen kleinen Pfad am Ende der Straße gelangten. Der Kontrast zwischen dem rötlich-braunen Sand und dem tiefblauen und türkisen Wasser war jedenfalls sehr spektakulär. Halt machten wir ebenso an zwei weiteren malerischen Stränden, dem Koki und dem Hamoa Beach, wo heute enorme Brandung herrschte und uns fast noch eine Welle von unten naß gemacht hätte. Vorbei an Mangobäumen führte unser Roadtrip zum vorletzten Highlight, den Wailua Falls, die sich umgeben vom Dschungel 30 Meter in die Tiefe stürzten.
Und dann erreichten wir am späten Nachmittag endlich unser langersehntes Ziel - die Oheo Pools, auch sieben heiligen Pools genannt, im Haleakala National Park. Durch diese Pools fließt das Wasser bergabwärts bis ins Meer. Bei gutem Wetter kann man sich in diesen kleinen Oasen sehr gut abkühlen. An Tagen wie heute sind diese natürlichen Pools jedoch leider geschlossen, da die Gefahr von Flash Floods besteht. Stattdessen legten wir einen kleinen Mini-Hike ein, da es zur Abwechslung gerade mal nicht regnete, und kamen an einem riesigen und sehr beeindruckenden Baum mit Lianen vorbei, die bis zum Boden reichten.
Und dann wartete der Rückweg auf uns. Aber auch hier war auf den Shaka Guide Verlass. Mit hawaiianischer Musik und einigen historischen Fun Facts, vor allem über den God Maui und den König King Kamehameha, begleitete er uns zügig zurück zum Ausgangspunkt von heute Morgen. Zurück in unserem Condo freuten wir uns sehr über eine heiße Dusche und einen entspannten Abend auf der Couch, um all diese aufregenden Eindrücke zu verarbeiten und die Kameraakkus wieder aufzuladen - denn wir hatten uns für den nächsten Tag bereits die nächste spektakuläre Tour gebucht…