taylor price
Show & Tell

PR's Tumblrdome

Origami Around

Product Placement
No title available

blake kathryn
YOU ARE THE REASON

No title available

★

No title available
Keni
Claire Keane
RMH

祝日 / Permanent Vacation
Sade Olutola

#extradirty
will byers stan first human second
No title available
Three Goblin Art
seen from Luxembourg
seen from France

seen from Indonesia
seen from France
seen from France

seen from Malaysia

seen from France

seen from France

seen from United States
seen from France

seen from United States
seen from Japan
seen from United States
seen from United States

seen from United States

seen from United States

seen from Malaysia
seen from Bulgaria

seen from New Zealand

seen from China
@protoretypeerlkoenig
Philipp Schewe: PRO TO RETYPE ERLKÖNIG
Marstall Ahrensburg
Rede am 30. 08. 2009 von Hajo Schiff
Wieder einmal ist im Marstall eine ungewöhnliche Ausstellung zu sehen. Als erstes fällt auf, dass für den Ort höchst angemessen, erstmals die wichtigsten Hauptverkehrsmittel gleichzeitig gezeigt werden: Pferd und Auto. Es ging allerdings nicht darum, die wesentlichen Elemente der Geschichte des Marstalls durch einen Künstler neu inszenieren zu lassen. Was der in Hamburg lebende Künstler Philipp Schewe hier unter der Vorherrschaft der Farbe – besser vielleicht „Nichtfarbe“ – Schwarz aufwendig aufgebaut hat, sind Elemente eines Welttheaters.
Sie sehen eine Assemblage von Fotos und Videos, von Skulpturen und Modellen, von großen und kleinen Objekten aus der realen Welt. Mythisch und Pathetisch erscheint das alles – aber vergessen Sie nicht, in der Kunst selbst liegt bereits eine Distanzierungsgeste: Vielleicht steckt in Manchem bei allen obsessiven Verweisen auf die eigene Biographie doch mehr Ironie, als es zuerst scheint.
Und so selbstverständlich es ist, so selten wird es heutzutage thematisiert: zum Leben gehört natürlich auch der Tod, zur Kunstmetropole New York gehören riesige Friedhöfe.
Schuh und Pferd, Auto und Flugzeug: Alle Fortbewegungsmittel des Menschen sind auch fetisch-fähig, alle wurden sie immer schon weit über ihren eigentlich Zweck hinaus mythisiert; alle kommen sie im Welttheater des Philipp Schewe vor, in diesem Welttheater, das nicht so arrogant ist, die Toten der Vergangenheit aus dem aktuellen Kunstdiskurs auszusperren. Seit Jahren reist Philipp Schewe mit seinem Mercedes Lieferwagen, Baujahr 1972 durch Europa. Dieses Auto ist sogar zwei Jahre älter als er selbst. Und wenn er damit des Nachts vor einem der hochherrschaftlichen Schlösser parkt, die es an so vielen bedeutenden Orten Europas gibt – oder eben hier vor der Tür – dann kann es schon mal sein, dass er Besuch von den keineswegs immer besonders glücklich verstorbenen Erbauern dieser Herrlichkeiten bekommt. Geisterstunde eben. Aber nicht als Kinderscherz, sondern als Kern und Aneignung des abendländischen Erinnerungssystems. Davon handelt auch der Film auf den drei Monitoren: zu sehen sind Ausschnitte aus dem Langzeitprojekt „Riding Hearses“, in dem Philipp Schewe diese Reisen verarbeitet.
Vielleicht haben sie es nicht so gern, am Sonntagmorgen zusammen mit einem – nennen wir den schönen Mercedes mal beim Namen – also mit einem Leichenwagen zu verbringen. Aber warum die Scheu? Alle Kultur ist gesättigt mit Tod. Unser Wissen über die alten Kulturen stammt aus Gräbern. (Gerade erst ging durch die Medien, dass aus einem Brunnen bei einer Grabung im hessischen Waldgirmes ein antik römischer Pferdekopf geborgen wurde). Alles was auf Denkmälern so rumsteht ist auch längst verstorben. All die Heroen sind gefallen. Und unser Gott hat mit seinem Sohn ja auch ein krudes Opfer vollzogen: Wahrscheinlich zeitgleich mit unserer Vernissage wird in den Kirchen die Eucharistie gefeiert, jener Blutsbund mit Gott, je nach Konfession als Symbol oder gar als reales Glaubenswunder betrachtet.
Philipp Schewe hat einen Hang zu sakral aufgeladenen Inszenierungen und Formen: Dem Karfreitagszauber, dem Gral und dem, nimmt man ihn denn ernst, eigentlich ungeheuerlichen Anspruch der großen gebauten Pathosorte. Sie finden hier nun nicht nur einen eigenartigen düsteren, von schwarzen Männern umstellten, rot sprudelnden Brunnen (Blut oder Wein?), sondern im Bild auch den geheimnisvoll sakralisierten Pferdestall seines Vaters, in dem die Zeit stillzustehen scheint. Und Sie sehen Zitate des bombastischen Leipziger Völkerschlachtdenkmals ebenso wie des US-amerikanischen KatastrophenKultorts mit dem reichlich theatralischen Namen „Ground Zero“. Und während Philipp Schewe sonst seine Foto-Motive schon in der Realität findet (wie auf dem New Yorker Friedhof in Flughafennähe) und nur wenig mit dem Computer bearbeitet, sind diese drei großen Szenarien gar heftig montiert: Elemente des Völkerschlachtdenkmals krönen ein Parkhaus in New York in dem es seltsam umgebaute Autos für einen Night Ride zu mieten gibt und im symmetrischen Chaos des Stalls nistet der Leichenwagen – ihn aber in der Realität in diesen Stall, den Marstall zu versetzen war ein beträchtlich schwierigeres Stück Arbeit.
Die Realität ist nicht immer was sie scheint. Und sie wird von verschiedenen Interessen mit besonderer Bedeutung aufgeladen. Dort am Ground Zero scheint es seltsamerweise ausschließlich um die Bergung von Pferden zu gehen. Eines der Tiere wird dabei in einem Tuch geborgen, das wie mit einem roten Ralleystreifen verziert ist und dieses Element kehrt hier an der Wand noch einmal wieder und taucht sogar an den Sockeln der Automodelle auf. Was hat es mit dieser Schmuckform auf sich? Könnte sie eine vage Erinnerung an einen Abwehrzauber sein? Die Darstellung von Blut – um reales Blut zu vermeiden?
So normalerweise es verdrängt wird, so völlig unbestritten ist es: Autofahren ist gefährlich. Reiten übrigens auch. Philipp Schewe ist auf dem Land aufgewachsen. Und er erinnert sich noch, wie einst ein in eine Grube gefallenes Pferd geborgen werden sollte: Vor Angst fast tobsüchtig hätte das wild um sich schlagende Pferd ihn fast getötet – und gerade das fiel ihm mitten in Manhattan an der bestbewachten Grube der Welt wieder ein.
Doch eigentlich sind schöne Pferde die wichtigsten Attribute der fürstlichen Macht. Seit die Renaissance technisch wieder in der Lage war, so große Metallformen wie die Antike zu gießen, ist der Herrscher zu Pferde nach dem Vorbild des Marc Aurel auf dem Capitol in Rom das Herrschaftsdenkmal schlechthin: Colleoni und Gattamalata in Venezia und Padova, in Paris Ludwig XIV. ebenso wie Napoleon oder Marechal Foch, Friederich der Große Unter Den Linden, Peter der Große in seiner Stadt und so weiter. Unser Pferd hier sieht hingegen etwas hilflos aus – vermutlich waren in diesem Ort schon sehr sehr viele Pferde, aber noch nie eines davon aufgehängt, keines so bergungsbedürftig, keines so sehr ein Totengruß einer anderen Zeit.
Bei aller Begeisterung über die heroischen, die kultischen und die mythischen Kontexte der Kunst von Philipp Schewe sollte nicht vergessen werden, den zweiten – explizit durch den Titel der Ausstellung gesetzten – Aspekt der Ausstellung zu beleuchten: „Pro To Retype Erlkönig“ ist ein seltsames Wortspiel, das eben zweierlei Aspekte zu verbinden trachtet:
Erstens: Die aus der Klassik gewachsene Romantik mit ihren – besonders dann im angelsächsischen – tiefschwarzen Aspekten. Ich denke ohnehin hier eher an Lord Byron und Mary Woolstoncraft Shelley oder gar Bram Stokker …
der „Erlkönig“ aber legt ja ganz deutlich die Spur zu Goethe und seinem noch heute erstaunlich bekannten Gedicht.
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind.
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.
Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? -
Siehst Vater, du den Erlkönig nicht!
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif? -
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. -
„Du liebes Kind, komm geh’ mit mir!
Gar schöne Spiele, spiel ich mit dir,
Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“
Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? -
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind,
In dürren Blättern säuselt der Wind. -
„Willst feiner Knabe du mit mir geh’n?
Meine Töchter sollen dich warten schön,
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“
Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düsteren Ort? -
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’ es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. -
„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt,
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!“
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an,
Erlkönig hat mir ein Leids getan. -
Dem Vater grauset’s, er reitet geschwind,
Er hält in den Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not,
In seinen Armen das Kind war tot.
Verkürzt gesagt, handelt das Gedicht vom erfolgreichen Zugriff eines unfassbaren Nachtwesens oder die, allerdings nicht minder in negativem Sinne erfolgreiche, bloße Imagination des Kindes, dass es ein Wesen aus einer anderen Klasse von Wesen gäbe, eine ebenso anziehende wie letztlich feindliche Kraft. Man könnte auch an eine ganz Reihe moderner Gefährdungen denken, vor denen ein Vater sein Kind kaum beschützen kann: Drogen und sexuelle Exesse („Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt, / Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!“ ist ja kaum anders als Vergewaltigung zu verstehen) ebenso wie Kaufräusche von Handyklingeltönen zu den supertopangesagten Sneakers. ( i.e. die Verlockungen des „güldenen Gewandes“). Oder man nimmt den Tod des Kindes eher metaphorisch, dann wäre es vielleicht bloß die dramatische Fassung des unvermeidlichen Prozesses der Pubertät in dem dem Vater das Kind stirbt, um selbst Mann zu werden.
Aber wir wollen hier weder ein sozialpsychologisches noch ein germanistisches Seminar abhalten.
Wer „Erstens“ sagt muss jedoch mindestens noch „Zweitens“ sagen.
Mit Zweitens soll auf einen gänzlich anderen Aspekt des Wortes verwiesen werden: Die Bezeichnung Erlkönig für ein neu entwickeltes Auto, das als Prototyp außerhalb des Werkgeländes getestet wird und dazu als Tarnung vor den Späheraugen der Konkurrenz provisorisch veränderte Formen erhält. Diese Art, neuestes Technikdesign provisorisch mit minderen Materialien umzubauen, erinnert ungemein an ganz triviale Basteleien. Erkönige sind somit Musterbeispiele für spielerische Tarnung, für kreative Camouflage, skurrile Verpackungen, phantastische, ja kontrafaktische Umdeutung, und dergleichen mehr, aber auch für schrebergärtnerhaft abwegige Umnutzung. Zufällig ist das Schloss drüben zurzeit solch ein Erlkönig – schnöde versteckt, ja begraben hinter Vorhang-Folien. Was da der Alltag aufgrund irgendwelcher Bau-Vorschriften immer wieder für außergewöhnlich neue Architekturskulpturen erstellt, ist schon bemerkenswert. Und doch ist solch eine Veränderung weit umfangreicher als die überraschende Verwendung der Schlosssilhuette als Schmuckstreifen am Leichenwagen. Immerhin wird das Schloss eines Tages, lange nachdem der Leichenwagen abgefahren sein wird, wiederauferstehen.
Wiederauferstehung, in ganz weltlichem Sinne als Wiederbeachtung dessen, was längere, zumindest einige Zeit nicht beachtet war, ist im Übrigen eine zentrale Leistung junger Kunst. Denn aus dem unermesslichen riesigen Archiv der Dinge und Gedanken wirkt nur das, mit dem sich lebende Menschen aktiv befassen. So war es Phlipp Schewe selbst, der mich an das Vittoriale degli Italiani am Gardasee erinnerte, ein Vergleichsfeld, das gerade mir als Schreiber und Sammler auch selbst hätte einfallen sollen. Das so pathetisch bezeichnete Anwesen in Gardone Riviera ist ab 1921 letzter Lebensplatz und seit dem Tode 1938 Ruhmesort des italienischen Dichters und Soldatenführers, des sagen wir, stahlgewittererprobten, romantischen Futuristen Gabriele d’Annunzio, den viele für groß, manche bloß für größenwahnsinnig halten. Doch unbestreitbar ist die Zusammenstellung von Kunst und Literatur, kriegerischen und technischen Artefakten in seiner weitläufigen Villenanlage nahezu einzigartig. Philipp Schewes bisheriges Leben ist noch nicht so komplex, dass er eine derartige Ansammlung von Dingen allein aus seiner Biographie begründen könnte. Aber die Methode, mit der in jenem weitläufigen Anwesen d’Annunzios beispielsweise in einem altarähnlichen Aufbau das Lenkrad eines verunglückten Rennfahrers zum Heiligenschein wird und Dinge normalerweise ganz unterschiedlicher Objektklassen, Kunstobjekte und ein halbes Kriegschiff, ein Flugzeug und Antikenabgüsse gleich gewichtet und in kultische Kombination gesetzt werden, ist durchaus auch ein Vorbild unseres Künstlers. Denn das, was Sie beim Eintreten möglicherweise irritiert hat, ist ja auch hier durchaus Methode:
Im aus der Bildhauerei entwickelten Verständnis der künstlerischen Installation werden ein echtes Auto und sein kleines Modell, Bilder und Mode, Kunstvideo und Realzeit-Film, Pferde-Skulptur und ausgestopftes Tier, Foto und Familiensammlung, Industriedisplay und Verpackung gleichwertig als Material benutzt.
Dabei folgt die Struktur der Anordnung der Struktur das Raumes: Vom Leichenwagen zu den Modetüten geht es in der Achse zwischen den Säulen vom kultischen Verbergen zum kultischen Verpacken, also von der Dekoration der Vergänglichkeit im Lebenszyklus von Menschen und historischen Objekten auf der einen Seite zur Illusion des ewig Perfekten in der Verdinglichung der Warenfetische, wobei die edlen schwarzen Luxus-Einkaufstüten auf der uns zugewandten Seite Bilder aus der Welthauptstadt NY, NY. zeigen, die in oft eher unpassendem Ambiente Versatzstücke religiöser Architektur, phallisch-kultische Strechlimousinen und andere leere Versprechungen zeigen.
Sehr geehrte Damen und Herren, es ist eine komplexe Ausstellung, die eine Vielzahl von Assoziationen bietet. Ich wünsche Ihnen bei der Auseinadersetzung damit viel Vergnügen.
Exhibition Layout of “Pro To Retype Erlking”, 2009 Hamburg & Ahrensburg
Exhibition Layout of “Pro to retype Erlkönig“ in Marstall Ahrensburg, August 2009