Herzliche Einladung! / You are cordially invited!
Leider keine Wärmepumpe!
Achim Riechers
Vernissage: 23.06.2026, 16:00 Uhr Alter Hof Usedom
Swinemünder Straße 68 17406 Stadt Usedom
@alterhofusedom
@richas_digest
Leider keine Wärmepumpe.
Früher war alles besser!?
Wer will tauschen? Und womit? In den Bildern von Achim Riechers kann man die Details finden, die uns noch täglich begleiten, sei es der Wäschekorb oder die Herdplatte, Vierfachstecker usw.. Sie werden aber verschwinden, der Fortschritt ist unaufhaltsam. Man könnte aber auch an ihnen festhalten, nicht nur aus nostalgischen Gründen, sondern unserer Selbstverwirklichung wegen, nicht alles aus der Hand zu geben. Spitz den Stift an und formuliere was du denkst.
Der Leinwandpigmentierung geht ein Prozess voraus, farbiges Gestein wird zerrieben und mit neuem Binder auf die Leinwand gebracht. So entsteht der Hintergrund für unsere Überlegungen der Welt einen Anstrich zu geben, der uns gefällt. Seltene Erden gehören natürlich auch dazu, sind sie erstmal aufgespalten, helfen sie uns den Fortschritt zu gestalten, der doch alles besser macht. Anachronistisch ist die Malerei, wenn sie in alte Muster verfällt, das will man doch nicht. Man soll doch in die Zukunft schauen. Dabei kann die Kunst auch schon mal helfen, wenn gleich mit analogen Bildern.
Dieser Text trägt schon eine klare Spannung in sich: zwischen dem Festhalten am Vertrauten und dem Drängen nach vorn. Ich spitze das mal etwas zu und forme es als zusammenhängenden Gedanken aus:
Früher war nicht alles besser – aber vieles war greifbarer. Kein Versprechen, sondern ein Zustand: Dinge hatten Gewicht, Widerstand, Eigenleben. Der Wäschekorb, die Herdplatte, der Vierfachstecker – unscheinbare Begleiter, die keine Updates brauchten, um zu funktionieren. Sie verlangten nichts außer Gebrauch und Aufmerksamkeit. Vielleicht liegt genau darin ihr Wert.
Heute wird Fortschritt als etwas Unaufhaltsames erzählt, fast Naturgesetz. Doch wer will eigentlich tauschen – und womit? Gegen Komfort, gegen Effizienz, gegen eine Zukunft, die uns Entscheidungen abnimmt? Der Preis scheint oft zu sein, dass wir uns selbst aus der Gleichung entfernen. Dass wir nicht mehr gestalten, sondern nur noch bedienen.
Die Bilder von Achim Riechers halten diese Zwischenräume fest. Sie zeigen keine große Utopie, sondern Details: Oberflächen, Materialien, Alltägliches. Dinge, die uns noch umgeben, aber bereits auf dem Rückzug sind. Ihre Präsenz ist leise, aber bestimmt – als wollten sie sagen: Wir sind noch da, aber nicht mehr lange.
Dabei beginnt jede Oberfläche, auch die der Leinwand, mit einem Eingriff. Gestein wird zermahlen, Pigment entsteht, gebunden, aufgetragen. Ein bewusster Akt, der Zeit braucht. Im Gegensatz dazu stehen die unsichtbaren Prozesse der Gegenwart: seltene Erden, zerlegt, extrahiert, verbaut – Grundlage für eine Welt, die sich selbst beschleunigt. Fortschritt ist hier kein Bild mehr, sondern Infrastruktur.
Und doch bleibt die Frage: Ist Malerei anachronistisch, wenn sie sich dieser Langsamkeit bedient? Oder ist sie gerade darin widerständig? Vielleicht liegt ihre Zukunft nicht im Bruch mit dem Alten, sondern in der bewussten Entscheidung, wie viel Vergangenheit wir mitnehmen wollen.
Denn Selbstverwirklichung heißt nicht nur, Neues zu akzeptieren. Sie bedeutet auch, auswählen zu können, was bleibt. Nicht alles aus der Hand zu geben. Nicht jede Entwicklung als alternativlos zu betrachten.
Vielleicht ist das der eigentliche Fortschritt: die Fähigkeit, den eigenen Maßstab zu behalten – zwischen dem, was verschwindet, und dem, was kommt.










