Kate heißt eigentlich Kathrin. Seit sieben Jahren lebt sie mit Peter in Kanada. Beide kommen aus dem Ruhrgebiet. Peter ist Trucker. "Die werden hier gebraucht", erzählt er. Und die Geschichte von der Frau, die ihn spontan in die Arme genommen hat, als sie erfuhr, dass er die Dinge des täglichen Bedarfs im Lande herumkutschiert. "Leute wie dich brauchen wir hier", sagt sie. "Wir haben doch keine Eisenbahn.
In Kanada gibt es eine Eisenbahn. Aber kein wirklich ausgebautes Schienennetz. Trucker sind wichtig in der unendlichen Weite des Landes mit seinen Provinzen, insgesamt 30 Millionen Menschen (also halb so viele wie in Deutschland leben) und einer Fläche von rund 10 Millionen Quadratkilometern (Deutschland hat 357.000).
Kate und Peter wollten weg aus Deutschland. "Die Deutschen sind einfach stressig", sagt die Frau, die in Düsseldorf an einer großen deutschen Bank gearbeitet hat. Immer schlecht gelaunt, gehetzt, neidisch, missgünstig, böse seien sie.
Kate hat einen leicht verbitterten Zug um den Mund. Gut, sie hat viel Pech gehabt und wirklich immer wieder die falschen Leute kennen gelernt. Bis auf Peter. Der war von Anfang an lieb, hat sie beschützt, sie umsorgt, bekocht. "Ich liebe es, zu Hause zu sein, in unserem kleinen Häuschen" und natürlich mit seinem Weibchen, das genau so für ihn sorgt wie er für sie. Sie isst nicht. Damit er sich unterwegs genug zu essen kaufen kann. Und wer hier mühselig und beladen ist, findet hier einen Platz. Auch wer nicht mühselig und beladen ist, darf gerne kommen. Die Tiere sind gestrandete Wesen, die sonst niemand wollte. Kate und Peter haben ein großes Herz. Medikamente für die Arbeitskollegin, Flughafentransfer für die Freundin aus der alten Heimat, kostenlosen Kost und Unterkunft.
Im Sommer ist Kanada ein Traum. Im Frühling und natürlich im Indian Summer auch. Im Winter ist es kalt. Die Häuser sind aus Holz. Das viel zu große Haus am Strand zugig. Geld für Öl ist nicht da. Für Holz für den Bollerofen auch nicht. Kate kann es im Garten sammeln. Ein Auto ist nötig. Ein richtiges. Eins, das auch dem Winter mit zweistelligen Minustemperaturen stand hält. Die Schneehöhe ist an verwehten Stellen ebenfalls zweistellig. Die Tür wir nach Innen geöffnet. Dann wird erst Schnee geschaufelt, bevor Kate und die Tiere das Haus verlassen können. Peter ist unterwegs. Das Dach ist nicht dicht, der Schornstein nass. Kate muss selber sehen wie sie klar kommt. Zur Arbeit sind es 50 Kilometer. Eine Strecke. Wenn die Straßen nicht befahrbar sind, kann sie nicht hin. Dann gibt es auch kein Geld.
"Warum zieht ihr nicht in die Stadt. Dann könntet ihr auf ein Auto verzichten und du würdest auf jeden Fall zur Arbeit kommen können - egal wie das Wetter ist."
"Das geht nicht", sagt Kate. "Wegen der Tiere. Und außerdem will Peter das nicht. Er liebt die Landschaft, die Weite."
"Aber er ist doch nur selten da! Du bist doch diejenige, an der hier alles hängen bleibt."
"Ja, aber ich liebe ihn. Ich möchte, dass er glücklich ist."
Gegen dieses Argument weiß ich keinen Einwand.
Inzwischen leben sie näher an der Stadt. Vielleicht 10 Kilometer bis zu Kates Arbeitsplatz. Und Peter ist auch nicht mehr so lange weg. Der Schnee aber, die nicht befahrbaren Wege sind die gleichen. Das Haus ist kleiner, leichter heizbar. Wenigstens mit dem Bollerofen.
Das Geländeauto hat seinen Geist aufgegeben. Das kleine Allrad-Stadtauto hat die Behörde aus dem Verkehr gezogen. Die Versicherung war nicht bezahlt, die Reifen mussten erneuert werden.
"Ich hab das Geld einfach nicht", sagte Kate. "Und ich brauche doch das Auto. Ohne Auto kann ich nicht zur Arbeit, kein Geld verdienen und dann geht gar nichts mehr."
Man konnte sehen, dass Kate die letzten Nächte schlaflos verbracht hatte, die Augen waren von Tränen geschwollen. Ich hab ihr das Geld gerne gegeben. Ich hab so viel von den beiden bekommen. Kost, Logis, ein Auto, wann immer ich es brauchte, Essen, offene Ohren, Freundschaft.
Die Autos fahren wieder. Kate und Peter wollen ein neues kaufen. Als Ersatz für den alten Geländewagen. Esstisch und Geschirrschrank sind neu. Die Katzen nicht kastriert, weil es zu teuer ist. Dafür gibt es nun acht kleine Katzenkinder. Als ich zu Besuch kam, stand in der Küche eine neue Küchenmaschine. Es gab zum ersten Mal einen Fernsehanschluss. "Peter guckt so gerne. Ich wollte es ihm einfach schön machen", sagt Kate. Der Anschluss kostet 120 Dollar monatlich. Dafür war nun Telefon und Internetanschluss ohne Funktion. Die Telefongesellschaft hatte die Anschlüsse gesperrt, weil die Rechnungen zu spät bezahlt wurden. Der neue Geländewagen ist gerade mal ein Jahr alt. Finanziert.
Jetzt stehen drei Autos im Hof. Das heißt, meistens sind es zwei. Eins benutzt Kate. Peter ist mit dem Truck unterwegs.
Ich denke, ich würde manches anders machen.