Kapitel 2. Schattenläufer - 6 Stunden zuvor
Langsam schlenderte ich über die Straße vom Haupttor von Weißlauf zum Markt. Ich hatte es nicht eilig; es war ja noch früh am Tag und ich hatte nichts Besonderes vor. Kurz blieb ich stehen, um ein kleines Pläuschchen mit Adrienne zu halten und etwas Leder gegen neue Pfeile einzutauschen. Die Tasche, die ich über meine Schulter gehängt hatte war schwer und ich war froh, dass ich das meiste ihres Inhalts bald los hatte.
Bei Anoriaths Stand hielt ich erneut an und grüßte den Elfen. Im Gegensatz zu den meisten Bewohnern Himmelsrands verspürte ich gegen Elfen im Allgemeinen keine Abneigung, wobei die Thalmor jedoch eine Ausnahme bildeten. Einmal hatte ich kurz mit ihnen zu tun gehabt als sie einen flüchtigen Talosanbeter gesucht hatten, und diese fünf Minuten hatten mir mehr als gereicht.
"Hallo Shyla" grüßte Anoriath zurück. "Mal wieder in der Gegend?" Ich nickte. "Ja, und da dachte ich mir, vielleicht kannst du mir hiervon was abnehmen." Mit diesen Worten hob ich meine Tasche auf die Theke und öffnete sie. Darin befanden sich einige Stücke Wildbret, zwei Kaninchenkeulen und ein Geweih. "Die Keulen sind von heute Morgen und das Wildbret habe ich eingesalzen, wie du es mir gezeigt hast" erklärte ich. "Meinst du, du kannst es nehmen?"
"Hm, ich bin nicht sicher..." meinte er und rieb sich seinen Stoppelbart. "Das Kaninchen bestimmt, aber von eingesalzenem Rehfleisch habe ich im Moment selbst recht viel." Er sah mich einen Moment an. "Pass auf, ich mach dir einen Vorschlag - ich nehme die Keulen und die Hälfte von dem anderen Fleisch und gebe dir... Sagen wir 20 Septime dafür."
Ich dachte einen Moment nach, und es schien ein recht faires Angebot zu sein. "Also gut" stimmte ich schließlich zu und schlug ein. "Immer wieder schön mit dir Geschäfte zu machen" grinste er und nahm sich meine Jagdbeute, die nun ihm gehörte. Dafür schob er mir einen Beutel Münzen über die Theke. "Noch Pläne für heute?" fragte er dann.
"Naja, ich dachte, ich könnte..." begann ich, als eine mir nur allzu bekannte Stimme das Blut in den Adern gefrieren ließ. Anoriath musste es mir wohl ansehen, denn er musterte mich besorgt. "Alles in Ordnung?" "Ich... Ich muss los" brachte ich nur heraus, bevor ich mir schnell meine Kapuze tiefer ins Gesicht zog und davon eilte.
"Warte!" rief er mir hinterher. "Du hast dein Geld vergessen!" Doch ich hörte ihm gar nicht zu. Nur weg von diesem Ort! Aber wo hin? Wenn er hier war... Dann konnten seine verdammten Spießgesellen nicht weit sein. Ich musste aufpassen, sonst würden sie mich erwischen, und dann hätte ich keine Chance auf eine erneute Flucht.
Stundenlang huschte ich durch die Stadt, immer in Angst gleich von einem muskelbepackten Arm festgehalten zu werden. Erst als es dämmerte und ich noch immer frei war, fühlte ich mich etwas erleichtert und wagte es, zu Anoriaths Marktstand zurückzukehren. Doch der war nicht mehr da... Und mit ihm mein Geld. "Verdammt..." murmelte ich. Ich musste raus aus dieser Stadt, aber wie ohne eine Münze in der Tasche?
"Etwas zu essen hilft immer" hörte ich plötzlich wie eine leise Stimme in meinem Hinterkopf, und irgendwie gab ich ihr Recht. Ich beschloss, in die Beflaggte Mähre zu gehen. Vielleicht hatte ich Glück und Hulda würde das restliche Fleisch das mit geblieben war gegen etwas zu essen und ein Bett für die Nacht eintauschen.
Leise schlich ich durch den Seiteneingang und spähte in den Schankraum, um keine böse Überraschung erleben zu müssen, aber weder er noch seine Schergen waren hier. Tatsächlich nahm Hulda meine letzte Beute und gab mir dafür das Hinterzimmer und eine Schüssel warmen Eintopf.
Noch immer nicht ganz beruhigt blieb ich in einer Ecke des Raumes sitzen und löffelte mein Essen in mich hinein, bis sie Tür erneut aufging - und ein Söldner hereintrat.