Medien- Reine Softwareprodukte?
Laut Lev Manovich entstehen Medien erst durch Software.
Die Frage, die ich mir dabei stelle, ist: Hat er recht damit?
Nach aufmerksamen Lesens seines Papers kam ich zu dem Schluss: JA.
Medien sind mittlerweile überwiegend digital und es gibt kaum ein Medium wo nicht eine Software zur Entstehung benötigt wird. Entweder wird die Software zum Übermitteln, zum Bearbeiten oder zum Aufbereiten gebraucht und ohne diese könnte das Medium sich nicht so schnell weiter entwickeln.
Besonders beeindruckt hat mich in Lev Manovichs Paper die Aussage, dass alle neuen Techniken, Tools und Apps nicht automatisch aus der Digitalisierung heraus entstanden, sondern, dass hinter alldem intellektuelle Ideen von realen Menschen stammen. Das traurige dabei ist, dass wir, die Mediennutzer oft vergessen, dass hinter alldem, was wir im World Wide Web, auf unserem Smartphone oder Laptop nutzen, ein brillanter Kopf steckt.
Ganz der Aussage, dass nur aus Software Medien werden kann ich nicht zustimmen, da es nach wie vor so ist, dass die Zeitung in ihrer klassischen Form nicht ganz digital ist. Vielleicht insofern digital, dass Journalisten das Internet nutzen können um für Artikel zu recherchieren oder dass alles nur noch digital in Programmen wie Adobe Indesign gestaltet und aufbereitet wird. Aber es braucht nach wie vor Menschen, die schreiben und ihre Fantasie und Grips einsetzen, damit ein guter Artikel für eine Zeitung entstehen kann.
Diese Symbiose von Mensch, Digitalisierung und Software zeigt sich besonders bei „Philips- Obsessed with sound“.
Bei diesem Case handelt es sich darum, dass ein Musikstück aufgenommen wurde, bei dem aber nicht nur dieses zählt, sondern auch jeder der mitwirkt. Der Zuseher kann sich entweder das ganze Stück anhören/sehen oder auch zum Beispiel nur die erste Violine. Die Digitalisierung und die Software ist hier eher Nebensache und ein Bonus. Sie sticht nicht sofort ins Auge. Erst dann wenn man einzelne Musiker auswählt, denn dann sieht man Facts zu diesen und kann sich auch Lieder anhören, welche in Verbindung mit diesem einen Künstler stehen. Dazu wird man auf Youtube weitergeleitet. Um noch mehr von dem jeweiligen Musiker herausfinden zu können kann man sich dann entweder auf das Facebook Profil, deren persönlichen Blog, Myspace oder Twitter weiterleiten lassen.
In diesem interaktiven Video stehen die Musiker im Vordergrund und es lässt sich jedes noch so kleine Detail sehen und hören.
Auch die Facebook Page spielte bei diesem Case eine besondere Rolle, da dort News zu den Künstlern und auch Interviews online gestellt wurden- eine Art „behind the scenes“. Ebenso wurden dort Produkte vorgestellt und ein „Obsessed with sound“ Wettbewerb aufgezogen, bei dem das beste, bis jetzt ungehörte, musikalische Talent gesucht wurde.
Zusammengefasst kann ich nur sagen, dass dieser Case auch nicht ohne Software, Interaktivität und Querverbindungen entstehen hätte können, ABER die Menschen, welche hier mitgewirkt haben und einen Teil zum Gelingen der Kampagne beigetragen haben, bleiben hier immer noch im Vordergrund. Hier gehen die Menschen aufgrund der Digitalisierung nicht unter, sie werden durch die Digitalisierung hervorgehoben und genau aus dessen Grund bekomme ich immer wieder Gänsehaut wenn ich diese Kampagne sehe. Denn jeder zählt!
Facebook: Philips Sound. https://www.facebook.com/philipssound
L. Manovic: Media after software. http://softwarestudies.com/cultural_analytics/Manovich.Media_after_software.2012.pdf, 2012
Philips: Obsessed with sound. http://www.sound.philips.com/ows/
Youtube: Philips-Obsessed withsound. http://www.youtube.com/watch?v=FfSgin4kA5Q