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Die Sessions Handwerkliches und Überarbeitung – Ein Kratzer an der Oberfläche
Das Schreibhandwerk ist für Autoren, gleich ob Anfänger oder Profis, ein wichtiges Thema. Schließlich lernt man niemals aus.
Entsprechend gab es zahlreiche handwerkliche Themen, die in den Sessions “Handwerkliches” und “Überarbeitung” besprochen werden wollten. Weitaus mehr, als man in einer Stunde Diskussion abdecken konnten, sodass wir nicht mehr tun konnten, als an der Oberfläche zu kratzen.
In der Session zum Schreibhandwerk allgemein sammelten wir zu Beginn eine Liste an Themen, die die Teilnehmer besprechen wollten. Wie wir schnell feststellten, eine viel zu lange Liste, um sie innerhalb einer Stunde tiefergehend zu bearbeiten.
Den Beginn machten Dialoge und die beliebte Frage: Sagt man “sagte” oder sagt man’s besser nicht? Begleitsätze sind ein strittiges Thema. Einige sind der Ansicht, dass das schlichte “sagte” so unsichtbar ist und man keine anderen Redebegleitwörter nutzen sollte. Andere sind von Wiederholungen dagegen genervt, weswegen sie lieber zum Synonymwörterbuch greifen. Wir einigten uns darauf, dass jeder so schreiben sollte, wie er es selbst am liebsten liest, und man sich eher bemühen sollte, so zu schreiben, dass man gar keinen Begleitsatz benötigt, um die Figuren und die Art, wie sie etwas sagen, zu identifizieren.
Als Nächstes beschäftigten wir uns mit Ideen: Wie entscheidet man, welche man weiter ausarbeitet? Schnell wurden wir uns einig, dass die richtig guten Ideen jene sind, die langsam in einem reifen und für die man brennt. Wobei man aber auch nicht die Frage außer Acht lassen darf, ob die Idee auch rund ist.
Wenn man die Idee hat, geht es an die Geschichte. Der erste Satz ist der wichtigste und derjenige, der am schwierigsten zu schreiben ist. Schließlich ist es der erste Satz, der dem Leser verspricht, auf was für ein Abenteuer er sich einlässt. Gerne schreibt man sich am Anfang erstmal warm und verschiebt die Entscheidung, womit die Geschichte am Ende wirklich beginnt, auf die Überarbeitung.
Generell wird ein Einstieg “in medias res” bevorzugt, nur wird hier die Frage aufgeworfen, wie man schnell eine Beziehung zur Hauptfigur aufbauen kann, damit der Leser überhaupt mitfühlt.
Eine Geschichte lebt immer auch von den Figuren. Die Beziehung zwischen Autor und Protagonist ist dabei eine delikate Angelegenheit. Figuren werden schnell zu quasi-Familienmitgliedern – das macht es schwierig, ihnen wehzutun, sie scheitern zu lassen und sie zu quälen. Aber gerade diese Konflikte sind es, die eine gute Geschichte ausmachen. Hier ist es sehr wichtig, Abstand zu gewinnen und nicht zu emotional an die Sache heranzugehen, um auch die schwierigen Entscheidungen treffen zu können.
Aber auch die Emotionalität ist wichtig – denn, wenn man als Autor schon nicht mit den Figuren mitleidet, wie soll das ein Leser tun?
Daran anknüpfend wurden unterschiedliche Methoden diskutiert, wie man Figuren entwerfen kann. Dabei kam ein breites Spektrum zusammen
Persönlichkeitstypen, wie Myers-Briggs
Karikatur realer Personen
Nach den Figuren widmeten wir uns dem großen Thema Plot. Der Plot ist die Story als Ganzes und der rote Faden durch die Geschichte. Es gibt mehrere Möglichkeiten, ihn aufzubauen: die Sieben-Punkte-Methode, die Schneeflocken-Methode, der Aufbau in drei Akten oder fünfen und noch einige weitere, die nicht alle einzeln angesprochen werden konnten.
Der Plot ist wichtig, um einen Spannungsbogen aufzubauen – mit dem Thema Spannung ging es auch gleich weiter, und wir kamen zum Ergebnis, dass Spannung wichtig ist, man aber auch Atempausen dazwischen benötigt, damit es nicht ermüdet. Mehrere Methoden wurden genannt, mit denen man Spannung aufbauen kann. Vom klassischen Cliffhanger, über die Verschachtelung von Konflikten bis zu Überlegungen zur Dramaturgie der einzelnen Szenen, wurden verschiedene Aspekte angerissen.
In der Session zum Thema Überarbeitungen sah es ähnlich aus. Über jeden einzelnen der diskutierten Punkte hätte man stundenlang reden können, was leider nicht möglich war. Hauptsächlich ging es um folgende Fragen:
Was fehlt noch, wenn man mit dem Schreiben fertig ist?
Braucht man einen Lektor oder nicht?
Was lässt man vom Lektor machen, wenn man einen hat?
Wo findet man Leute zum Gegenlesen?
Wie oft sollte man überarbeiten?
Gibt es DIE optimale Reihenfolge beim Überarbeiten?
Alle waren sich weitgehend einig, dass eine nochmalige Überarbeitung nach der Vollendung eines Textes meist angebracht ist. Auch wenn es Genies geben mag, die ihr Buch fertig im Kopf haben und es sofort perfekt zu Papier bringen, ist man auf der sicheren Seite, wenn man davon ausgeht, dass man nicht zu dieser Gruppe gehört. 😉
Nach dem Schreiben wird der Text, am besten nach einer kleinen Pause, zuerst auf strukturelle Fehler (Plotlöcher, Kontinuitätsprobleme, …) abgeklopft. Ein gutes Hilfsmittel zur Strukturanalyse ist das Story Grid (leider bislang nur auf EN erhältlich). Erst wenn inhaltlich alles stimmt, geht man zu Grammatik, Rechtschreibung, Zeichensetzung und Stil über. Solange es passieren kann, dass man noch Teile streicht, hinzufügt oder komplett ändert, hat es schließlich wenig Sinn, hier zu genau zu sein. Das ist aber auch schon alles, was man zur Reihenfolge bei der Überarbeitung sagen kann. Zu welchem Zeitpunkt man seine Geschichte anderen zum Gegenlesen gibt, hängt von der persönlichen Vorliebe ab. Einige merzen lieber erst selbst die gröbsten Fehler aus, andere erhalten gerne möglichst früh Feedback.
Ob man “nur” Testleser hat oder auch einen professionellen Lektor engagiert, ist wie so häufig nicht zuletzt eine Frage des Geldbeutels. Dabei unterscheidet man zwischen (inhaltlichem) Lektorat und Korrektur. Im Lektorat geht es um die Textstruktur, den Stil und was der Autor sonst noch gern überprüft hätte. Bei der Korrektur werden formale Sprachfehler beseitigt. Wichtig ist, mit dem Lektor im Vorfeld genau abzusprechen, was gemacht werden soll und was nicht und sich auf eine Arbeitsweise zu einigen. Das erspart auf beiden Seiten Frustration und Ärger, egal ob man mit einem professionellen Lektor arbeitet oder einen Freundschaftsdienst in Anspruch nimmt.
Testleser kann man z.B. in Facebook-Gruppen finden oder in Schreibforen wie dem Tintenzirkel und vielen anderen. Auf ehrliches und konstruktives Feedback wurde von allen Teilnehmern viel Wert gelegt, daher wählen die meisten zwar auch, aber nicht ausschließlich enge Freunde oder Familienmitglieder, wenn es um die Textverbesserung geht. Je nachdem, wobei man Hilfe sucht und wie konkret die Antwort sein soll, kann es auch nicht schaden, Leute zu fragen, die selbst schreiben.
Wie viele Arbeitsgänge insgesamt notwendig sind, bis man zufrieden ist, hängt im Endeffekt vom Perfektionismus des Autors, von seinen persönlichen Voraussetzungen und den eigenen Vorlieben ab. Den EINEN Weg gibt es also mal wieder nicht.
Für alle, die diese Fragen vertiefen wollen, bieten wir übers Jahr verschiedene Workshops an. Wer keinen unserer Workshops verpassen will, kann sich zum Workshop-Newsletter anmelden.