Music against discomfortable sensations by Bobby Jewel, who hosts a monthly radio show at Resonance.

oozey mess

@theartofmadeline
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he wasn't even looking at me and he found me
PUT YOUR BEARD IN MY MOUTH
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Music against discomfortable sensations by Bobby Jewel, who hosts a monthly radio show at Resonance.
Mein Morgen startet mit der Sehnsucht nach Meer und dem kurzem Film ĂŒber die mexikanische Longboarderin Lola Mignot, die mit Board und Wellen tanzt.
Was so mit einem passiert, wenn die Mutter Familien aufstellt und der Vater ein parapsychologischer Biologe ist (Achtung! Quelle: wikipedia, zu mehr Recherche reichte es gerade nicht). Man macht einfach ungewöhnliche und schöne Musik fĂŒr den April ...
Kate Tempest - People's Faces - 7/16/2019 - Paste Studios - New York, NY
Song des Sommers! Bilderbuch nuovo, so wunderbar emo, ganz ohne swagg diesmal. Haben eine Auszeit in Nahuel Huapi/Patagonien genommen und dann das hier gemacht.
...da wo wir liegen da ist hohes gras ich in dir nur mutter erde is watching us high waist jeans und exotic restaurants sind die dinge die dir wichtig sind offene wunden von toxic relationships we can talk about everything ...
Connie Constance in her early years. Itâs de la soul!
Angela Spook stand viele Jahre, verkleidet als schwarze Hexe, auf der DĂŒsseldorfer KĂ. Das kurze PortrĂ€t ĂŒber sie habe ich gemeinsam mit Alia Mortada 2017 konzipiert, gedreht, geschnitten, bei einem Filmcoaching der Filmakademie DĂŒsseldorf. Angela Spook, die eigentlich Angela Tapier hieĂ, ist Ende Juli gestorben. Der Beitrag ist eine kleine filmische Erinnerung an sie.
What to do on hot days?
Discover the unconventional!
The first cut is the deepest! After more than two month I drew my first summer-of-2020-lanes. It was cool and wild, surrounded by swimmers with a lot of catching up to do like me. To swim I had to chose a time slot and register online. It will be strange for me to structure swimming like this: find a time slot, which you have to book far in advance; waiting in a long line to get in, masked; doing my lanes in that specific time slot; afterwards briefly under the shower and straight out of the bath. Maybe itâs a good preparation for those who flirt with triathlon đ. In the end: I am back in the water, and thatâ s a relieve. đââïžđđ #backinthewater #justkeepswimming #signofthetimes #strandbadloerick #bahnen_ziehen (hier: dĂŒsseldorf strandbad lörick) https://www.instagram.com/p/CAZ6dWIhqW8/?igshid=yugqjgqpb73u
Die Schneckenforscherin
Die Welt steht Kopf und gleichzeitig still. Mich erinnert die aktuelle SItuation an eine Zeit, in der es mir Àhnlich ging. Damals ging ich viel spazieren. Auf einer meiner Waldwanderungen kreuzte eine Weinbergschnecke meinen Weg - beziehungsweise ich ihren.
Ich wollte es ihr einfacher machen, hob sie auf und setzte sie auf die andere Seite des Weges. Dann sah ich ihr zu, wie sie tiefer ins Gehölz kroch. Die Art, wie sie sich bewegte, faszinierte mich.
âI watched a snail crawl along the edge of a straight razor. Thatâs my dream. Thatâs my nightmare. Crawling, slithering along the edge of a straight razor - and surviving.â Colonel Kurtz in Apokalypse Now
Obwohl ich gleichzeitig auch ein wenig Ekel empfand. Warum? Wenn ich zurĂŒckdenke, glaube ich, dass mein Unbehagen mit dem Schleimigen der Schnecke zu tun hatte. Ich bin damit nicht allein. Aristoteles, so las ich in dem schönen Buch von Florian Werner, glaubte, Schnecken entstĂŒnden in einem Akt aus âSchlamm und verwesenden Materialâ. Im Judentum galten sie als unsauber, weil sie auf dem Bauch kriechen und âUnreinesâ Zeug fressen; und fĂŒr die Christen war die Schnecke Symbol fĂŒr zwei TodsĂŒnden: TrĂ€gheit und Wolllust.
Es mag sein, dass sich die Vorstellungen ins kollektive GedĂ€chtnis eingegraben haben - ich zumindest bin in Unterhaltungen ĂŒber mein zunehmend tiefes Interesse an dem Weichtier bei Freundinnen und Freunden meist auf tiefe Verwunderung gestoĂen.
Auch deshalb habe ich mir gewĂŒnscht, einmal mit einer Schneckenexpertin zu sprechen, die frei von Vorbehalten ist. Gefunden habe ich sie in Bern: EstĂ©e Bochud vom Naturhistorischen Museum Bern spricht mit mir ĂŒber Vampir-Schnecken, den Jöh-Effekt und ĂŒber Arten, die bei er Paarung ihre Penisse frei in der Luft baumeln lassen ...
Schnecken machen glĂŒcklich: EstĂ©e Bochud vom Naturhistorischen Museum Bern mit Weinbergschnecke. Foto ©Lisa SchĂ€ublin
Anette Frisch: Ich muss unser GesprÀch mit einer persönlichen Geschichte beginnen. Damit Sie verstehen, warum ich ausgerechnet mit Ihnen sprechen möchte.
Ich habe wĂ€hrend einer Krise damit begonnen, Weinbergschnecken zu beobachten. Vier Sommermonate habe ich damit verbracht. Ich habe die Schnecken fotografiert, gefilmt, auĂerdem einige FachbĂŒcher gelesen. Darunter den Klassiker âDie Weinbergschneckeâ von Prof. Johannes Meisenheimer aus Jena von 1912.
Nun freue ich mich, mit Ihnen eine Schneckenforscherin aus dem neuen Jahrtausend gefunden zu haben. Mit der der ich ĂŒber diese besondere Tierart aus der Sicht einer Expertin sprechen kann...
Estee Bochud: Zuerst muss ich Ihnen sagen, dass ich selten mit lebendigen Tieren zu tun habe. Ich arbeite ja in einem Museum. Wir haben eine riesige Sammlung an TrockengehÀusen und beschÀftigen uns mit der Verbreitung und Entwicklung von Arten. Verhaltensökologen sind die, die wirklich im Feld sind und sich mit lebendigen Tieren beschÀftigen.
Anette Frisch: Verstehe. Ist es dann so, dass Sie beschreibende Merkmale, wie die Langsamkeit der Schnecke, weniger interessieren? Ich habe vor Kurzem beispielsweise gelesen, dass Schnecken auf Kinder mit ADHS beruhigend wirken und sie deshalb in der Therapie eingesetzt werden.
EstĂ©e Bochud: Ich kann das gut nachvollziehen. Wenn wir Schnecken dabei beobachten, wie sie sich bewegen, sich betasten oder an einem Salatblatt knabbern und wie langsam und bedĂ€chtig sie das tun â das hat auf jeden Fall ein beruhigende Wirkung. Wir lassen uns auf sie ein und das bringt uns in so etwas wie einen Meditationszustand. Aber es gibt auch Schneckenarten, die sehr schnell sind oder rĂ€uberisch und brutal.Â
Architektonisch ausgereift: die Melodie eines Schneckenhauses
Anette Frisch: ErzÀhlen Sie...
Estée Bochud: Die Euglandia rosea zum Beispiel. Sie kommt hauptsÀchlich in Kalifornien vor. Sie saugt mit ihren Mundtentakeln einfach andere Schnecken aus ihrem Haus heraus wie ein Vampir. Oder die Karaftohelix gainesi. Die japanische Weichtierart schlÀgt wild mit ihrem GehÀuse um sich, um Feinde zu vertreiben.
Anette Frisch: Wie sind Sie eigentich dazu gekommen, sich ausgerechnet fĂŒr Schnecken zu interessieren?
Estée Bochud: Bei uns Biologen ist es oft so, dass man schon als Kind von einer bestimmten Tiergruppe fasziniert ist. Bei mir war das nicht so. Ich bin innerhalb des Museums eher in den Schneckenjob hineingeschlittert. Seit 2011 arbeite in der Weichtier-Abteilung zu der auch Tintenfische und Muscheln gehören.
Anette Frisch: Wenn Sie sich nicht bewusst fĂŒr Schnecken entschieden haben, konnte Sie die Tierart trotzdem begeistern?
EstĂ©e Bochud: Ja, sehr sogar. Ich hĂ€tte nie mit dieser Vielfalt gerechnet! Sei es lebensstrategisch noch morphologisch. Ich stelle mir auch nach all den Jahren immer wieder die Frage: Wieso sind die eigentlich alle so divers? Ich finde Schnecken auĂerdem faszinierend, weil sie lebende Fossilien sind. Es gibt sie seit Jahrtausenden. Und im Vergleich zu Insektenforschern: Die Entomologen mĂŒssen die Tiere einfangen und töten, um sie genauer zu untersuchen und zu erforschen. Das mĂŒssen wir selten, weil wir ĂŒber das GehĂ€use schon sehr viele Aussagen treffen können. Wir töten nur Tiere, wenn anatomische Untersuchungen oder DNA-Analysen ausgefĂŒhrt werden mĂŒssen.
Anette Frisch: Sie sprechen von der Vielfalt. Wie viele Schneckenarten gibt es?
EstĂ©e Bochud: Weltweit sind es ungefĂ€hr 23.000 Landschnecken und 9900 SĂŒĂwasserarten, in der Schweiz haben wir 250 Arten. Und die sind ziemlich beeindruckend. Viele sind sehr klein und verkriechen sich in der Erde. Wenn man sich Zeit nimmt und ein bisschen grĂ€bt, ist man ĂŒberrascht, was man da alles findet. Ich habe hĂ€ufig den Jöh-Effekt.
Anette Frisch: Den bitte was?
Alice Coltrane - Turiya And Ramakrishna
Gleich nach Shabaka Hutchings von Sons of Kemet muss ich Alice Coltrane hören. Dies wird ein fridaywherejazzrules. Deep, warm and soulful. thatâs what I need in times of trouble...
Barbican Sessions: Shabaka Hutchings
Great musician: Shabaka Hutchings alone and with his project Sons of Kemet. Im MĂ€rz erschienen sein neues Album mit dem in Zeiten wie diesen merkwĂŒrdig anmutendem Titel We Are Sent Here By History
Decolonize yourself!
Ich habe bis heute darauf gewartet, dass das âPlusâ verschwindet, hinter dem KĂŒrzel SZ. Denn Jörg HĂ€ntzschel hatte im Januar Achille Mbembe fĂŒr die SĂŒddeutsche interviewt. Und der digitale Zugang zu diesem GesprĂ€ch liegt leider (noch) hinter der Paywall bzw. im Abobereich.
Deshalb möchte ich hier auf einige Zitate des afrikanischen Historikers, der an der Witwatersrand-Uni in Johannesburg lehrt, eingehen.
Eigentlich geht es in dem Interview um die Zukunft Afrikas, im Grunde beschreibt es die Situation Europas und westlicher Demokratien. Im Kanon der Sicherheitshysterie, inmitten der wir uns derzeit wie durch Honig bewegen, wirft das, was Achille Mbembe sagt, einen besonderen Blick auf unsere Gesellschaft.
Mbembe sagt:
âSeit dem Beginn der Globalisierung und besonders nach 9/11 werden in den liberalen Demokratien nach und nach Rechte abgeschafft, die seit dem Ende des 2. Weltkriegs zum Wesenskern dieser Staaten gehörten. Es gibt immer neue Debatten um Sicherheit. Sie dienen dazu, die EinfĂŒhrung repressiver MaĂnahmen zu rechtfertigen, besonders wenn es um die Bewegung unerwĂŒnschter Personen geht. Das neue globale Regime der MobilitĂ€t grĂŒndet darauf, dass Sicherheit alles andere schlĂ€gt.â
Das finde ich einen interessanten Punkt: Wir bezeichnen uns als liberale Gesellschaften, setzen aber all das, was wir erreicht haben, aufs Spiel. Weil die Angst vor dem âAnderenâ immer noch alles ĂŒberrennt und tief verankert zu sein scheint. Sie ist so stark, dass wir Werte aufgeben, von denen zumindest ich dachte, dass sie nicht mehr zur Diskussion stehen wĂŒrden wie: Toleranz, Respekt, WertschĂ€tzung, Mit/Menschlichkeit.
Wie weit und wie subtil Europa bei der Abgrenzung zum âAnderenâ geht, auch dafĂŒr findet Mbembe eine gute Beschreibung:
Europa hat Drittstaaten damit betraut zu verhindern, dass Migranten Europas Grenzen ĂŒberhaupt erreichen. (...) Gleichzeitig vollzieht sich die Digitalisierung der Grenzen. Das Ziel besteht darin, Grenzen mobil und tragbar zu machen. Der Afrikaner selbst soll die Grenze werden. Er wurde im Sicherheitsdiskurs der EU zu einer Bedrohung gemacht. Wenn einer auftaucht, muss er gestoppt werden, wenn nicht gar neutralisiert werden.
âDenâ Afrikaner kann man ersetzen durch âdenâ Syrer. Der Sicherheitsdiskurs hört mit Afrika nicht auf, sondern reicht in den Osten. Von hier aus scheint derzeit die Bedrohung gröĂer zu sein. WĂ€re Europa ein Kinosaal und wir auf unseren PlĂ€tzen, wĂŒrde sich der Splitscreen vor uns rechts verdunkeln, und links erstrahlen. So einfach ist das mit den Bedrohungsszenarien und Sicherheitsdiskursen. Sie sind austauschbar. âDerâ Andere auch.
Achille Mbembe schlĂ€gt fĂŒr das Dilemma etwas Grundlegendes vor: Er plĂ€diert fĂŒr ein âRĂ©enchanter lâAfriqueâ, fĂŒr eine Wiederverzauberung Afrikas:
Wir mĂŒssen eine Sehnsucht nach Afrika erzeugen. Aber wir können das nur, wenn Afrika aufhört, eine bloĂe geografische GröĂe zu sein. (...) Wir mĂŒssen die Leute zum TrĂ€umen bringen. Aber natĂŒrlich trĂ€umen die Leute heute von Waren. Wie lenken wir also die Macht des TrĂ€umens weg von den Waren hin zu den Menschen?
Der Gedanke, Menschen zu befĂ€higen, mehr von Menschen zu trĂ€umen und weniger von Waren finde ich einen guten, generellen, nicht nur einen auf Afirka bezogenen. Waren sind ein Synonym fĂŒr kapitalistische WertzusammenhĂ€nge wie Posts, Likes, Retweets. Das Eigene zu verticken und einen Mehrwert zu generieren, den Kopfmuskel bis zur Erschöpfung zu verdinglichen, um von den Social Media Bonzen mit Wert und Nichtwert entlohnt zu werden - brave new world, slave to the algorhythm, welcome to social media colonisation.
Was hilft?
âDecolonize yourself!â
Selbstdekolonisierung bedeutet, das Vertrauen in seine eigenen FĂ€higkeiten wiederzuerlangen. Sklavenhandel und Kolonialismus haben nicht nur die FĂ€higkeit ausgelöscht, humane Gesellschaften zu grĂŒnden, sich um seine Mitmenschen zu kĂŒmmern, Beziehungen herzustellen, die das Leben wachsen lassen, sondern auch die FĂ€higkeit, sich um sich selbst zu sorgen.
No Bullshit in 2020, pls.
#democracystrikesback #signofthetimes #nofacism
Female sounds of wonder #1
Not only in times of crisis music is the most important - though sometimes underestimated - healing force. Listen to the spherical sound of Alice Coltrane and get lost - a wonder/full inspiration send by my sister.Â
Although the New Year has just started I would like to begin it with a flashback. For me âThis is Americaâ is one of the best music productions of 2018.  I cannot stop watching it since its release. In the video Childish Gambiano aka Donald Glover, American actor and comedian, is dancing, rapping, laughing, giggling, yes, and shooting his innermost out.Â
The video was developed by Glover and director Hiro Murai, who works with the HipHop intelligentsia like Kendrick Lamar or A tribe called quest.Â
If you donât know the video and youâre about to press the play button: Be aware that the video is not only extremely eloquent but ultra-violent, too.Â
Itâs not the violence which draws me in and why I like the video so much - itâs the courage and the ambivalence it mirrors.Â
If you want to deep dive into the video read the New Yorker article by Doreen St. FĂ©lix.Â
Mengele im Waldbad
Bildquelle: Waldbad GĂŒnzburg
Das Waldbad der bayrischen Kleinstadt GĂŒnzburg liegt unweit der Donau, idyllisch am Nauwald. Es wirbt mit dem Slogan âRaus aus dem Alltag, rein ins VergnĂŒgenâ. Der Slogan klingt in dem Moment makaber, in dem man in die Geschichte des Bads eintaucht. Als es 1959 geplant wurde, spendete der Landmaschinenfabrikant Karl Mengele 30.000 Deutsche Mark. Das kann man auf der Website des Bades unter dem Link âHistorieâ nachlesen.
WĂ€hrend also Karl Mengele knapp neun Jahre nach dem 2. Weltkrieg der Gemeinschaft Gutes tut, schickt er seinem Sohn, dem Massenmörder und Arzt des Konzentrationslagers Auschwitz, Josef Mengele, regelmĂ€Ăig groĂzĂŒgige Schecks in die neue Heimat. Am 22. Juni 1949 hatte âJoseleâ als Helmut Gregor sein argentinisches Refugium erreicht. Im GepĂ€ck: einen kleinen Aktenkoffer mit Injektionsspritzen, Heften mit anatomischen Zeichnungen, Blutproben, ZellplĂ€ttchen.
So beschreibt es der französische Autor und Journalist Olivier Guez in seinem Buch Das Verschwinden des Josef Mengele. Ich bin Guez bei einer Lesung bei MĂŒller & Böhm in DĂŒsseldorf begegnet. Der in StraĂburg geborene und unter anderem fĂŒr die FAZ und Le Monde schreibende 44-JĂ€hrige hat an dem Abend von seinem Spaziergang durch GĂŒnzburg erzĂ€hlt, wo Mengele 1911 geboren wurde.
Sein Roman beruht auf Tatsachen, die der Franzose in vierjĂ€hriger Recherche und Reisen nach Israel, Brasilien, Argentinien, Paraguay und eben GĂŒnzburg zu einem Mischwesen aus Krimi und Reportage verwoben hat. Vieles von dem, was Guez zusammengetragen hat, war neu und ĂŒberraschend fĂŒr mich. Zum Beispiel, dass der durch die sentimentale Evita-PerĂłn-Biografie mystifizierte argentinische PrĂ€sident Juan PerĂłn ein perfides Schlitzohr war: Nach dem 2. Weltkrieg hieĂ er die Hautevollee der Nazis in seinem Land willkommen. Wollte er sich doch mit dem wissenschaftlichen Kapital der Verbrecher fĂŒr den 3. Weltkrieg wappnen, von dem er ausging, dass er kommen werde und bei dem sich die Amerikaner und Russen atomar zersetzen und Argentinien zur Weltmacht aufsteigen wĂŒrde.
Guez sieht sich in seinem Roman auch die Beziehung zwischen Josef Mengele und Adolf Eichmann genauer an. Die Bonzen des Bösen sind sich in ihrem sĂŒdamerikanischen Exil mehrmals begegnet, konnten sich aber nicht ausstehen. Eichmann kommt einem dumb head gleich, der in Argentinien nichts hinbekommt und sich, bis zu seiner EntfĂŒhrung durch den israelischen Geheimdienst, als Handlanger in einer WĂ€scherei verdingt; wĂ€hrend Mengele - mit Hybris und unter falschem Namen - als Handelsvertreter durch SĂŒdamerika tingelt und dafĂŒr sorgt, dass die Firma seines Vaters, und damit sein eigenes Leben, floriert.Â
Oder: Der israelische Geheimdienst war in Brasilien kurz davor, Mengele zu ĂŒberfĂŒhren, der verantwortliche Spion wurde aber wegen eines anderen Falls unvermittelt abberufen, danach verlor sich die Spur zum GĂŒnzburger Nazi wieder...
Das Verschwinden des Josef Mengele ist eine narrative Melange aus ZufĂ€llen, ĂŒberraschenden Wendungen, dem AufspĂŒren dessen, was das Böse ist, und dem Niedergang Mengeles. Hatte er Vorbilder beim Schreiben? Guez nennt Truman Capotes KaltblĂŒtig, Werner Herzogs Aguirre und die ErzĂ€hlungen von W.G. Sebald.
Wie hat er es geschafft, die Welt des Josef Mengele auszuhalten? (Guez zitiert in wenigen Passagen die Aufzeichnungen von MiklĂłs Nyisli, Gerichtsmediziner jĂŒdischer Herkunft, der Mengele bei seinen Experimenten an Kindern, Frauen und MĂ€nnern assistieren musste. Es sind Passagen, bei denen mir ĂŒbel wurde.) Guez sagt: âIch bin selten in seinem Kopf, aber immer hinter ihm gewesen.â
Mengele wurde nie gefasst. Er ist am 7. Februar 1979 einfach in Santos/Brasilien ertrunken. 2016 wurden seine Knochen der brasilianischen Forensik zur VerfĂŒgung gestellt. Seine Hefte und ExiltagebĂŒcher wurden 2011 in den Vereinigten Staaten fĂŒr 245.000 Dollar versteigert, VerkĂ€ufer und KĂ€ufer blieben anonym.
Die Firma Mengele wurde 1991 verkauft, 2011 ist der Markenname endgĂŒltig verschwunden.
In der Mauer des GĂŒnzburger Waldbads ist eine Steintafel eingelassen, auf der die Stadt dem groĂzĂŒgigen Spender Karl Mengele dankt.