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@svenjas-blog
Gedanken zum Jahresende 2016
Dieses Jahr geht zu Ende und in mir steigt der Satz von Marcel Reich-Ranicki auf, den er immer am Ende des Literarischen Quartetts sagte: “Den Vorhang zu und alle Fragen offen.” In diesem Jahr habe ich mich gefreut, dass Astro-Alex erneut in 2018 ins Weltall fliegen darf und ich habe mich mit seinen Berichten und Erfahrungen beschäftigt. Und irgendwie haben seine Aussagen zu dem Blick auf die Erde als Ganzes und wie klein unser Planet ist, direkten Bezug zu unserer realen Welt. Die Menschen kommen in Strömen zu uns aus Kriegsregionen und verdorrten afrikanischen Ländern. Und obwohl aus der Perspektive 400 km über uns offenbar sehr leicht zu erkennen ist, dass alles mit allem zusammenhängt und dass unsere Herausforderungen wohl eher nur gemeinsam zu lösen sind, einigen wir uns nicht mal in Europa, wie wir mit der Situation umgehen können. Stattdessen kommen allerorts die Kleingeister wieder an die Oberfläche, die meinen mit Abschottung, Obergrenzen und weiteren einfachen Antworten könnten die Probleme gelöst werden. Und überall wird von dem Verständnis gesprochen, was wir den armen, ängstlichen Menschen entgegenbringen sollen. Ich möchte aber gar nicht mehr diesen Menschen weiter zuhören. Ich möchte lieber mehr und lauter von Wissenschaftlern hören. Und je mehr ich mich von den täglichen Nachrichten abwende und den Wissenschaftlern zuhöre, um so weniger bekomme ich diese unterschiedlichen Welten überein gebracht. Da fährt einerseits ein Islamist mit einem Truck im Kampf gegen unsere offene, aufgeklärte, westliche Gesellschaft unbewaffnete Menschen tot. Das alles auf einem Weihnachtsmarkt, der irgendwie für das Christentum und sein Weihnachtsfest symbolhaft ist. Aber wenn man die Gäste fragt, sind nur noch wenige in der Kirche und viele können nicht mal mehr sagen, was wir genau an Weihnachten feiern. Und dann höre ich von NASA-Wissenschaftlern, dass vor ca. 65 Mio. Jahren die Dinos durch einen Meteoriteneinschlag ausgestorben sind und statistisch alle 65 Mio. Jahre ein Meteorit dieser Größe auf der Erde einschlägt. Und ich denke an Trump, Putin und Xi Jinping und daran, ob das die Menschen sind, denen ich zutraue eine Herausforderung dieser Dimension zu lösen...
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Alexander Gerst
Overview-Effekt
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Gedanken zum Artikel: „Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt”
Eine Londoner Big Data-Bude soll Donald Trump zum Wahlsieg verholfen haben?!
Wie hoch der Anteil der Londoner Agentur für Big Data am Wahlsieg von Donald Trump und dem Brexit auch sein mag, dass wir über kurz oder lang nur noch individuelle Inhalte in unsere ganz persönliche Internetwirklichkeit ausgespielt bekommen werden steht fest. Doch bisher erhalten wir nur rudimentäres Halbwissen zu den Mechanismen, wie wir manipuliert werden. So gab es kürzlich eine Dokumentation im ZDF über die russischen Bots, die von jungen Entwicklern programmiert werden, um uns Deutschen die richtige (=russische) Brille aufzusetzen. Eine Episode, die der gemeine User diesbezüglich mitbekommen haben dürfte, ist die angebliche Entführung und Vergewaltigung eines russlanddeutschen Mädchens in Berlin durch Flüchtlinge. Die Tatsachen lagen völlig anders, doch wer hat die Angelegenheit schon bis zum Ende verfolgt? Wer stellt eigentlich Transparenz zu den extra für mich ausgespielten, einseitigen oder falschen Meldungen her? Und wie kann ich mich davor schützen? Gibt es, ähnlich einem Virenschutzprogramm eine Software, die mich darauf aufmerksam macht? Etwa so: „Hey Svenja, Du bekommst jetzt diesen Artikel angezeigt, weil die Auswertung Deiner letzen 70 Likes bei Facebook ein «Persönlichkeitsprofil» mit den entsprechenden Ocean-Werten ergeben hat, dass Du eine introvertierte, ängstliche, weiße Frau bist, die perfektionistische Züge hat und Joggen geht. Deshalb wird Dir ein vermeintlich neutraler Zeitungsartikel eingespielt, über eine von einem Afghanen vergewaltigte Joggerin. Verantwortlich für die Ausspielung ist die AfD.“ So hätte ich als mündige Bürgerin wenigstens die Macht, die Informationen für mich besser einzuordnen. Meine Erfahrung ist, dass wir ganz normalen Internet-Konsumenten sehr naiv sind, was die Wahrnehmung aktiver Manipulation betrifft. Einerseits fürchte ich mich vor dem Einsatz solcher Technologien bei politischen Inhalten und andererseits nutze ich selbst diese Mechanismen in Sales- und Marketingautomationtools. Auch dort ist es nur eine Frage der Zeit, wann diese ganz konkreten Persönlichkeitsprofile aus einer „Rückwärtssuche“ im B2B Business ihren Eingang finden werden. Und dann ertappe ich mich auch noch dabei, dass ich darüber nachdenke, dass wir mit solchen Programmen doch vielleicht auch die rechten Pegida- und AfD-Dumpfbacken wieder geistig einfangen könnten…
Links
Das Magazin, Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt
Putins geheimes Netzwerk
The Spectator