Arne Friedrich/Per Mertesacker feat. die Mannschaft: Herzklopfen (01.06.14)
~*~*~*~*~ "Ich brauch' nicht mal hinzusehen, um zu wissen, dass Poldi will, dass du endlich schlussmachst." Arnes wölfisches Grinsen mit einem Schnauben erwidernd, hob Per den Blick von dem Laptop auf seinem Schoß und sah herüber zu der 'Arsenal/Schalke'-Truppe – bestehend aus Lukas, Mesut, Julian und Benedikt –, zu denen sich außerdem Ron und Manuel gesellt hatten. Tatsächlich hatte Lukas ihm soeben einen 'Beleidigte Leberwurst'-Blick zugeworfen, schien sich aber nichts anmerken lassen zu wollen und hob vor der Gruppe das Smartphone. "Jepp", schmunzelte Per. "Er hat grad'n Gruppen-Selfie geschossen." "Demonstrativ, mh?" Arne hatte in den vergangenen zwei Jahren schon oft erleben dürfen, wie eng die Freundschaft zwischen seinem Freund und Lukas geworden war; gespielte – und vielleicht sogar ernst gemeinte – Eifersüchteleien gehörten da zur Tagesordnung. Selbst wenn es nur darum ging, dass Per sich aus dem abendlichen Teamritual ausschloss, um mit seinem Partner chatten zu können. "Kann man so sagen. Fehlt noch die Unterschrift: 'Und Per darf nicht mitspielen'." Der Ältere lachte. "Dann verscherz' es dir nicht noch mehr mit ihm und geh‘ zurück zu den Jungs." "Geburtstag ist Geburtstag, Arne, und sooft bekomm' ich in den nächsten Tagen nicht die Gelegenheit, mit dir zu skypen – schon gar nicht in medial abgegrenzten Lobbys. Nach dem Cup-Finale ging die Zeit irgendwie rasendfix vorbei..." Umso stärker hatte Per das Bedürfnis verspürt, Bericht zu erstatten. Die glorreichen Feierarien nach dem gewonnen Pokalfinale hatte Arne noch vor Ort miterleben – und später ausklingen lassen – dürfen; nicht aber die vergangenen Tage, die den Teamgeist innerhalb der Mannschaft unerwartet intensiv gestärkt hatten: Da war das Champions-League-Finale, das die Mannschaft, in Decken eingekuschelt und nah beieinanderliegend, gemeinsam gesehen und Real die Daumen gedrückt hatte; Mesut, der Sami nach dessen Ankunft ohne jeden Zweifel am längsten umarmt hatte; Lukas und Bastian, die, ebenso wie Mario und Marco, den nächsten Frühling ihrer Beziehung entdeckt hatten; Kevins Pinkel- und Jogis Raser-Affäre, die das ganze Team zum Scherzen verleitet und noch enger hatten zusammenrücken lassen; der Autounfall, der die Meute emotional aufgewühlt hatte, sodass – unter anderem – Per Benni und Jule besonders unter seine Fittiche genommen hatte. Schließlich waren da natürlich die Verletzungssorgen, das Hoffen und Bangen um Manuel, Philipp und Bastian, das Abwarten, die Vorfreude, das Herzklopfen. Weltmeisterschaften waren letzten Endes eben doch ein vollkommen anderes Kaliber als Europameisterschaften. Im Gegensatz zum letzten Turnier war der Teamgeist tatsächlich greifbar, arbeitete das gesamte Team auf das gemeinsame Ziel hin; ein Ziel für das sie alle ihr letztes Hemd gegeben hätten. Frei nach dem Motto: 'Für dich, WM-Titel, würden wir sterben'. Wenngleich nur im übertragenen Sinne – zumal dies höchstwahrscheinlich Pers letzte Weltmeisterschaft werden würde. Vielleicht war dies auch der Grund, warum er sich so vehement dagegen sträubte, die diesjährige mit der letzten WM zu vergleichen; obwohl er Arne in Brasilien mit ziemlicher Sicherheit begegnen würde, konnte es nicht dasselbe sein. Insbesondere, wenn Per erneut als Stammspieler auflaufen sollte. Wieder begann sein Herz schneller zu klopfen und er konnte nicht anders, als den Laptop-Bildschirm mit zwei Fingern zu streifen. "Die nächsten Wochen werden vermutlich noch schneller vorbeigehen", kam es sanft von Arne. "Hoffentlich nicht zu schnell, sonst bekomm‘ ich alter Mann noch einen Herzinfarkt." "Pfff, 35 ist doch kein Alter, soll ich Miro mal herholen?" In dieser Sekunde quetschte sich Poldi neben Per in den Sessel; "Ich bin zwar nich' Miro, aber ALLES GUTE, MEIN ALTER! In Brasilien gibt's nachträglich Torte und wehe, die Chinesen lassen dich nicht mit uns feiern!" Per grinste, und auch die anderen stießen jetzt zu ihnen. Auch das gehörte zur Gruppendynamik, ihrer kleinen Familie, von der Per sich nie hätte distanzieren wollen – genauso wenig wie Arne. "Ich werd' da sein, Poldi."












