Erinnerung an Lakritz, keine Rosinen, Opa Ignatz
Das türkische Wort für Pobäckchen ist Rosine. Ich denke an Pobäckchen, als ich eine kalifornische Rosine koste, die mir auf einem Markt in Deutschland angeboten wird.
Ich denke nicht nur an Pobäckchen, sondern auch an Opa Ignatz, der so alt ist, dass er gar keine Pobäckchen mehr hat. Seine Haut ist wie eine Rosine, ganz braun und faltig.
Opa Ignatz ist nicht von hier, aber auch nicht aus der Türkei. Ich weiß eigentlich nicht, wo Opa herkommt. Er wuchs auf dem Lande auf und war sehr arm. Er ging nicht auf den Markt, wie ich, er baute selbst an.
Später, als er studieren gehen wollte, war er zu arm, sich ein Zimmer zu leisten. Also was machte Opa Ignatz? Er schlug sein Zelt auf. Dort schlief er in der Nacht, am Tage saß er in der Bibliothek und las- bis der November kam und die Stürme und der Nebel.
Er zog in die Welt und fand sich auf einem Boot wieder, das eine Touristenfahrt durch bedeutende Grotten machte. Er hörte dem Reiseführer interessiert zu und griff immer wieder in eine Papiertüte, in der sich herrliche, schwarz glänzende Lakritzstangen befanden und warteten, von ihm vernascht zu werden.
Er heuerte an und wurde selbst Bootsmann. Er liebte es, den Touristen von den mysteriösen Höhlen zu erzählen und sein Lakritz mit ihnen zu teilen.
Eines Tages fuhr eine junge Frau mit auf dem Schiff. Sie erstaunte Ignatz sehr, denn sie naschte Lakritz UND Rosinen. Beides gleichzeitig ließ sie in ihrem kleinen Mund verschwinden. Ignatz fand die Vorstellung verlockend, dass sich salziges und süßes in ihrem Mund vereinten.
Und wie in Hypnose küsste er sie in dem Moment, in der er ihr die Hand reichte zum Ausstieg aus dem Boot.

















