Worin ich kostenpflichtig sehr, sehr wenig über Deep Learning lerne
Im April beschließe ich, endlich herauszufinden, wie Deep Learning geht. Alle machen so großartige Dinge damit, ich will das auch können, und mit diesem kostenlosen Kurs dauert es angeblich nur sieben Wochen.
Gleich kann es losgehen, ich muss nur erst “Getting Started before your first lesson” lesen. Von dort schickt man mich weiter zum AWS deep learning setup video. Das Video ist 13 Minuten lang.
AWS sind die Amazon Web Services, dort kann ich mir einen leistungsfähigen Computer machen lassen, für den ich nur dann bezahlen werde, wenn ich ihn auch brauche. Das Setup ist nicht ganz trivial, und wenn man außerhalb der USA lebt, funktioniert manches anders, als die Erklärperson behauptet. Weil nachträgliche Korrektur nichts bringt und alle Schritte in der richtigen Reihenfolge erledigt werden müssen, fange ich mehrmals ganz von vorne an. Mit viel Googeln und Herumlesen in den Foren zum Kurs, in denen andere Nichtamerikaner ähnliche Probleme haben, klappt es schließlich. In Minute 12:45 sagt der Erzähler im Video: “Ok! It looks like everything is set up correctly and you’re ready to start using it.” Aber statt 12 Minuten und 45 Sekunden sind zwei Wochen vergangen, mein anfänglicher Enthusiasmus ist aufgebraucht und mein Interesse an Deep Learning erlahmt. Ich bin nicht einmal bis “Lesson 1” gekommen.
Aus irgendeinem Zufall sehe ich am nächsten Tag doch noch das Ende des Videos. “When you’re done”, sagt die freundliche Stimme, “don’t forget to shut down your instance so you don’t get charged for it.” Es reicht sicher, wenn wir diese Information nach 13 Minuten präsentieren, werden sich die Kursorganisatoren gedacht haben, ohne einzukalkulieren, dass sich 13 Videominuten unendlich lange ausdehnen lassen. Eine Stunde "On Demand Linux p2.xlarge Instance” kostet knapp einen Dollar. Ich bezahle $42,15 an Amazon.
Im Juni, Juli und August denke ich beim Erhalt der Amazon-AWS-Rechnungen flüchtig “hm, 17 Dollar, wofür waren die wohl noch gleich?” Im September raffe ich mich endlich zu Nachforschungen auf, schaffe es nach diversen “Passwort vergessen”-Schleifen, mich wieder in meinen Account einzuloggen, finde heraus, dass es sich um eine AWS-Grundgebühr handelt, die auch dann fällig wird, wenn man gar nichts nutzt, und schalte endlich alles ab. Alles in allem habe ich knapp 100 Dollar dafür bezahlt, nichts über Deep Learning zu lernen.