In einer äußerst neuen, ziemlich digitalen Realschule in Bayern:
Louise: In den letzten drei bis vier Wochen gibt es ja so einen Virus namens Corona und heute am Freitag dem 13.03.2020 wurden auch die Schulen hier geschlossen. Das war für die Schule echt ein Kraftakt. Die Schule hat bereits viel Digitalerfahrung (ich bin in einer iPad-Klasse), es wird also sofort versucht, diese plötzliche Krise so gut wie möglich über digitale Wege handzuhaben. Da die Server von Mebis (dem schulischen Server für Datenaustausch) an diesem Tag wegen einfacher Überlastung abgestürzt sind, muss das Lehrerkollegium auf die Schulplattform zurückgreifen, auf der der Stundenplan, die Vertretungslehrkräfte, Veranstaltungen, ein Chat und der Lehrplan mitsamt (freigegebenen) Arbeitsblättern zu finden sind. Über diese Plattform organisieren es die “nicht-iPadklassler”. Das allergrößte Problem an der Sache ist: Vor dem Sekretariat bildet sich nach der Ankündigung über die Sprechanlage eine EWIGE Schlange, da sie scheinbar alle ihre Zugangsdaten für die Website verloren haben und sie bisher nicht vermisst haben (Ich auch…). Die “iPad-ler” bekommen ihre Dokumente über OneNote von den Lehrern zur Verfügung gestellt. Für uns ändert sich also gar nichts (außer dass wir ausschlafen dürfen).
Am Ende des Schultages sind alle Topfpflanzen und die Bühne vom Vortag aufgeräumt, die Kommunikationswege mit den Schülern sind geklärt und das gesamte Schul-Team ist auf eine fünfwöchige Quarantäne vorbereitet, mit eigenen Mitteln.
An dieser Stelle übergebe ich die Tastatur an meine Schwester, die ein im Vergleich kaum digitalisiertes Gymnasium mit überwiegend älterem Kollegium besucht:
Emma: Die Corona Ferien gelten natürlich auch für meine Schule. Doch dass die Schule sehr wahrscheinlich für die nächste Zeit geschlossen sein wird, realisiert meine Schule erst am Donnerstag (12.03). Unsere Deutschlehrerin macht den ersten Schritt in Richtung “Schüler Homeoffice”. Sie sammelt unsere Mailadressen ein und plant uns Unterrichtsmaterialien und Arbeitsaufträge über diesen Weg mitzuteilen. Eine Schulplattform, um uns Materialien zukommen zu lassen, gibt es bei uns nicht. Unsere Schulplattform erfüllt nur den Zweck von Elternbriefen, Stundenplänen und (manchmal) Vertretungspläne. Heute, Freitag, 13.03, kommt die Nachricht der Corona Ferien an und auf einmal sind unsere Mailadressen das neue Prada. In der letzten Stunde kommt unsere Physiklehrerin herein, um ebenfalls unsere Kontaktdaten einzusammeln. Zuvor hat die ganze Klasse schon mehrfach die Mailadressen an Lehrer gegeben. Das Gespräch läuft wie folgt ab:
Physiklehrerin: Habt ihr Mebis Zugänge?
Klasse: Was ist das?! (allgemeine Verwirrung)
Klasse: Wir können Ihnen unsere Mailadressen geben.
Physiklehrerin: Das dürft ihr nicht wegen DSGVO. Das geht nur, wenn die Eltern dem Klassenleiter eine Mail schreiben, in der sie dem Klassenleiter erlauben, den Schülern Mails zu schicken.
Also werde ich jetzt eine Mail an meine Klassenleitung schreiben, mit der Erlaubnis meiner Eltern. Und so gehe auch ich, mehr oder weniger vorbereitet, in die Coronaferien.
(Louise Passig / Emma Passig)