31. August und 1. September 2020
Weniger stoische Personen hätten in Unruhe geraten können
Zum Glück bin ich vorgewarnt. Am 20. August hat mir James Smithee (alle Namen geändert) geschrieben:
“Für den Fall, dass du das nicht so verfolgst: Am kommenden Montag fällt die Teslaaktie auf 1/5 ihres Wertes, dafür hast du dann aber 5x mehr Aktien. (stock split). Schreibe das zur Herzinfarktprevention.”
Und so kommt es, dass ich heute beim Betrachten des krass gefallenen Aktienkurses gesund und munter bleibe.
Ich habe vor ein paar Tagen einen (leider nicht mehr auffindbaren) Artikel über jemanden gelesen, der plötzlich sehr reich war, weil die Bank ihm die neue, verfünffachte Aktienanzahl zum alten Preis gutgeschrieben hatte. Das werde erst im Laufe des Wochenendes wieder geradegezogen, hatte man ihm angekündigt. Deshalb werfe ich neugierhalber einen Blick in mein eigenes Aktiendepot. Leider besitze ich das Schlechteste aus zwei Welten, nämlich die alte Aktienanzahl zum neuen Kurs.
Ich berichte James Smithee davon: “Gut, dass du mich gewarnt hast, die saubere Consorsbank hätte meinen Schrecken noch vermehrt, denn sie zeigt zwar den neuen Preis, aber die alte Anzahl an. Ich nehme an, das renkt sich im Laufe der Woche von allein wieder ein.”
James Smithee ist bei comdirect und berichtet: “Meine Bank ist auch kaputtgegangen. Der Kaufpreis ist nun 0 EUR und seitdem habe ich einen Gewinn von 0% gemacht. Erstaunlich.”
Ich: “Vermutlich muss es jemand von Hand in einem Excel-Sheet reparieren. Man will es lieber nicht so genau wissen.”
James Smithee: “… und zwar ein Praktikant und in jedem Depot.”
Vergleiche im Bekanntenkreis ergeben, dass es anderswo nicht besser aussieht.
Finnian Smithee: “In meiner Banking-App (Banking4) wird auch das Depot abgerufen. Schon vor dem Split am Montag wurde zuvor (mindestens ab Samstag) die neue Zahl an Aktien angezeigt, aber mit aktuellem Wert – also der ungesplittete Preis für die gesplittete Aktie, der damit das Fünffache des echten Preises ist. Der Deportwert wird in einer recht primitiven Kurve dargestellt: Der aktuelle Bestand wird für die Kurve einfach in die Vergangenheit projiziert. Am Montag dann wurde der korrekte Preis der Aktie eingebucht und angezeigt. Die Folge: In der Kurve sieht es aus, als hätte ich einen üblen Absturz zu verzeichnen – denn vom Split weiß die App nichts, sie tut so, als hätte ich schon immer 5x Aktien besessen. (Die App blockiert Screenshots, daher musste ich dieses verwaschene Bild mit der Webcam des Laptops vom Bildschirm abfilmen.)”
“Direkt im Depot bei meinem Broker sieht es besser aus: Am 1. September in der Übersicht (die immer den Vortagesschluss anzeigt) 40 Aktien, aber zum ungesplitteten Preis (und damit ein sehr angenehmer, aber sehr falscher Deportwert), in der Detailansicht des Depots (die immer die ganz aktuellen Kurse anzeigt) ist es schon korrekt eingetragen. Völlig ohne Probleme läuft mein eigentliches Depot-Analyse-Tool: In die Open-Source-Software Portfolio Performance trage ich manuell bei der Zoom-Aktie den Split mit Datum ein, um alles andere, inklusive der korrekten Darstellung und Umrechnung, macht das Programm.”
Alvin Smithee ist wie James bei comdirect: “Also die Aktiensplits von Apple und Tesla überfordern aktuell sowohl die App als auch das Onlinebanking von Comdirect. Ich gehe davon aus, dass sich das am Montag wieder einrenkt, aber das da nach so einem Standardvorgang Fantasiezahlen und NaNs auftauchen, finde ich in Sachen Produktmanagement und Testabdeckung ziemlich schwach. Andernorts steht dann aber, ich besäße jetzt 0 dieser Aktien, und daraus resultiert dann das NaN ("Not a Number"), weil offenbar irgendwo durch diese Null geteilt wird. Ich hab auch im ersten Moment überlegt, ob die Stopp-Loss-Order, die ich neulich gelöscht haben wollte, jetzt doch noch zugeschlagen hat. Weniger stoische Personen hätten in Unruhe geraten können, sag ich mal.”
Weiterhin Alvin, später am 31. August: “Es ruckelt sich jetzt zurecht, aber nur allmählich. Heute früh wurde mir zwischenzeitlich ein Verlust gegenüber dem Vortag von € 28.000 ausgewiesen, aber im Großen und Ganzen stimmts jetzt wieder. Nur hier und da noch eine Wertentwicklung von NaN%. Als jemand, der beruflich auch ein bisschen mit Softwarequalität in Berührung kommt, fragt man sich schon, ob das von Zwölfjährigen programmiert wird. Die Antwort lautet vermutlich ‘nein, von Siebzigjährigen, die unheimlich profunde COBOL-Erfahrung haben, aber kürzlich - wegen diesem online - rasch auf Javascript umgeschult wurden.’”
Clint Smithee: “Ich möchte auch überrascht ergänzen, dass Tesla ja gerüchteweise nicht den ersten Aktiensplit der Welt macht ...”
Alfred F. Smithee: “Ich hab nur am Rande vom Aktiensplit gehört und sporadisch in die App der ING Bank geschaut, wo mein Depot liegt. Da sah immer alles ordnungsgemäß aus.”
Alvin Smithee: “Haha, der Praktikant liest mit: Jetzt wieder 28.000 € über Normalniveau im Depot. Die aber verschwinden, wenn man draufklickt. Auweia!”
Am 1. September, dem offiziellen Split-Termin, habe ich immer noch nur ein Fünftel der Aktien, die mir eigentlich gehören sollten. Aber sicher wird sich der Praktikant im Excel-Sheet schon bald zu meinem Namen vorgearbeitet haben.
Update: Die deutsche Bank braucht noch vier Tage.
(Alina Smithee)










