Autonomien kreuzen
1.
Wie sich wohl die Dogmatik, die juristische Methode ist, auf das einstellen will, was Antonio Somaini die Welt durch AI nennt? Es gibt juridische Kulturtechnik ohne juristische Methode. Aber keine juristische Methode ohne juridische Kulturtechnik.
Verrückt: es gibt Künstler, die gar nicht wissen, dass sie angeblich in einem Schutzbereich arbeiten; verrückt: es gibt Künstler, die kennen Karlsruhe nicht. Kann man wissen, kann man kennen, muss man aber nicht. Die Kunst ist frei. Verrückt: Die Künstler, die gar nicht wissen, dass sie in einem Schutzbereich arbeiten und die das Wissen um Karlsruhe (sic!) gar nicht missen, das sind manchmal selbst Juristen und Rechtswissenschaftler.
2.
Es gibt eine Kunst nach der Kunstfreiheit, die etwas mit Konzepten des Kollektiven und der Montage zu tun hat, die in den 20'er Jahren in Moskau, Hamburg und Chicago entwickelt worden. Helmut Ridder hat einmal dazu einen Text geschrieben, der einer der aufregenden Text zu einer Autonomie ist, die selbst wiederum geschickt übersetzte Heteronomie ist. In den Archiven schlummert sogar ein Wissen zur geteilter und gekreuzte Autonomie. Auf Anregung von Ricardo Spindola und Cornelia Vismann nennen wir das Aktonomie, mit Aby Warburg Pathologie. Man kann die Pathologie privatisieren, muss man aber nicht. Man soll Pathos nehmen, formulieren, lesen, betrachten und vertragen können: das meint Pathologie in Warburgs Sinne. Pathos ist nach Warburg aber nicht nur das Sublime, sondern auch das Subtile, vor allem aber das künstliche Wesen, das aufsitzen und ausschlägt. Pathos ist Passion, aber auch Akt. Warburg ist Leser von Adolf Reinach.
Fabian Offerts Text über gute und schlechte Nachbarschaft bietet eine wunderbare Lektüre zu dem Aby Warburg an, der als Rechtswissenschaftler zu lesen ist. Man kann ihn auch als Nachbarwissenschaftler lesen, sollte das sogar, wenn man davon ausgeht, dass es erstens eine Wissenschaft der Nachbars sowie des Nachbarn gibt und dass diese Wissenschaft zweitens eine historische Rechtswissenschaft ist. Nachbar ist alles und jeder nach der Bar. Beides ist der Fall, fallweise stimmt's. Warburg fokussiert den Kunstbegriff einer Ordnung römischer Städte. Da ist Kunst auch Technik, auch Recht, auch Ökonomie. Kunst hat ein Subjekt, das ist Künstler - und das ist jemand, der nichts als die Welt im Rücken und zu Füßen hat und darum jeden Tag und jede Nacht dank und durch graphische(r) Züge durchlebt. Kunst hat Objekte, die unruhig und unbeständig sein können, wie slides oder Dias es sind. Sie können Quasi-Objekte, Grenzobjekte, Klappobjekte oder Polobjekte, bolische und vague Objekte sein.
3.
Wir empfehlen Stellenlektüre und: Blättern! Wie Warburg sagt: Es ist ein altes Buch zu blättern, Athen, Oraibi, alles Vettern!
Derweil hauen die einen Ameisen mit dem Laub ab, die anderen verstauen die Eier.


















