9. März 2021
Gerichtsdolmetschen in Pandemiezeiten
Nach längerer Pause bin ich wieder mal als Schöffin ins Münchner Amtsgericht geladen. Zu den Hygienemaßnahmen gehören Plexiglasscheiben zwischen allen Plätzen auf der Richterbank, Schutzscheiben um den Platz der Staatsanwaltschaft, des Angeklagten, seines Verteidigers. Die Richterin hat zudem das durchgehende Tragen von FFP2-Masken angeordnet.
Der Angeklagte spricht kein Deutsch, deshalb nimmt eine Dolmetscherin an der Verhandlung teil. In Verhandlungen vor März 2020, also vor Ausbruch der Covid-19-Pandemie, saß die Dolmetscherin immer neben dem Angeklagten und murmelte ihre Übersetzung an ihn hin. Diese körperliche Nähe ist derzeit ein zu hohes Risiko, deshalb sind Angeklagter und Dolmetscherin per Funk verbunden: Der Angeklagte trägt einen kleinen Kopfhörer und ein Empfangskästlein, die Dolmetscherin sitzt in der vordersten Zuhörerreihe und spricht in ein kleines Mikrophon. Die Lösung erinnert mich an die Technik, die ich von heutigen Stadtführungen kenne.
Durch die Mund-Nase-Masken sind Richterin, Staatsanwältin und Angeklagter allerdings nur schwer verständlich. Bald setzt sich die Dolmetscherin näher heran, und zwar auf den Platz, der eigentlich Zeugenaussagen vorbehalten ist.
(die Kaltmamsell)









