Was habe ich da nur wieder angerichtet?
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Was habe ich da nur wieder angerichtet?
Herman Koch und "Der Graben" auf der lit.Cologne
Herman Koch und “Der Graben” auf der lit.Cologne
Herman Koch blickt erneut hinter die Kulissen einer Bilderbuchfamilie – auf der #litCologne. Herman Koch ist ein großer Erzähler . Seine Geschichten spielen oft in der brüchigen Idylle der gutbürgerlichen Familie. Er weiß scheinbar alltägliche Begebenheiten, bis zur Obsession in Szene zu setzen. Gestern Abend ist er mit Gisela Steinhauer und Thomas Balou Martin in See gestochen. Er schreibt…
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Es ist: #angerichtet. #rmbvb
Es ist: #angerichtet. // Everything in its right place. #bvbrm
ANGERICHTET von HERMAN KOCH (übersetzt von Heike Baryga, gelesen von Joachim Król) goodreads
Worum geht’s? In einem Restaurant treffen sich zwei Ehepaare (die Männer sind Brüder) zum Essen und zum Reden. Denn ihre Söhne haben ein Gewaltverbrechen begangen und jeder Elternteil geht damit anders um.
Immer öfter taste ich mich jetzt in die Welt der Erwachsenen-Literatur vor. Ich finde es jedes Mal wieder erfrischend eine Geschichte nicht durch die Augen eines Teenagers sondern z.B. durch die eines Elternteils zu sehen. Die denken einfach anders, haben andere Probleme und Prioritäten. Im Fall von Angerichtet sind das äußerst brisante Vorfälle: Wie reagiert man, wenn das eigene Kind ein Gewaltverbrechen begeht, einem fremden Menschen etwas zu Leide tut? Ist man schockiert? Kann man das überhaupt richtig akzeptieren? Sucht man die Schuld bei anderen oder ist man gar selbst das lebende Vorbild? Neben dieser sehr persönlichen Thematik werden auch Debatten zu Rassismus und Selbstjustiz aufgeworfen. Wer hat was verdient und wer entscheidet das? Ich liebe es, wenn Autoren sich mit so kontroversen Fragen auseinander setzen und dabei unterschiedlichste Gedankenwelten entblößen.
Die Erzählstruktur hat mir ausgezeichnet gemundet. Neben dem kulinarischen Ambiente bekam ich nämlich immer wieder einen überraschenden Happen Information geliefert, den ich im ersten Moment nicht zuordnen konnte. Wenige Minuten später wurde dann aber einen Schritt zurückgegangen, der Kontext erklärt und das Gesamtmenü hat sich erschlossen. Während so Gang für Gang aufgetischt wurde, haben sich schleichend meine Sympathien verschoben. Das Ehepaar, das ich zu Beginn als die netten, liebenden Eltern wahrgenommen hatte, hing plötzlich fragwürdigen Gedanken nach und offenbarte überraschende Taten. Wirklich clever eingefädelt vom Autor. Das Ende ist ziemlich krass und gewagt. Mich hat es nicht direkt befriedigt, aber es lässt viel Raum für Diskussion offen. Ich kann mir den Roman sehr gut als Buchclub-Lektüre vorstellen – am besten über einem 3-Gänge-Menü besprechen.