Der Zukunftsforscher, Diplomphysiker und promovierte Philosoph Karlheinz Steinmüller schreibt im Magazin „Swissfuture“ (Schweizerische Vereinigung für Zukunftsforschung) zum Thema „Transhumanismus“:
„Der Mensch, so das Credo der Transhumanisten, habe nun die Mittel, sich selbst umzugestalten, sich zu vervollkommnen, über sich hinauszuwachsen…..so könnten wir uns nun selbst neu schaffen: leistungsfähiger, intelligenter, schöner, kräftiger und so gesund, dass es an Unsterblichkeit grenzt. Die Anthropotechnik, eine auf den Menschen angewandte Zootechnik, rückt als Kombination von Reproduktionsmedizin und Gentechnik in greifbare Nähe.
Die technischen Möglichkeiten sollen hier nicht prinzipiell in Abrede gestellt werden. Bei genauerer Betrachtung freilich wird es stets kompliziert. Selbst recht banale körperliche Eigenschaften – Beinlänge, Sehschärfe – beruhen auf dem Zusammenwirken vieler Gene, und meist steht unser Wissen über diese Zusammenhänge erst ganz am Anfang. Wer hier schnelle Durchbrüche verspricht, belügt sich selbst.
Doch spannender als die Frage nach dem Wann erscheint mir die Frage, nach welchen Zielen und gesteuert durch welche Instanzen die Rekonstruktion des Menschen geschehen soll. Die «künstliche Evolution» ist zuallererst ein Tummelplatz von dystopischen Visionen, von Ersatzteil-Clonen, die nach Bedarf ausgeschlachtet werden, von gefühllosen Hyperintelligenzen, die die Weltherrschaft anstreben, und ähnlichem SF-Trash. Selbst wenn wir das schier unübersehbare Feld des Missbrauchs ausschliessen: Existiert die eine Idealvorstellung, auf die hin man den Menschen optimieren und perfektionieren könnte? Wohl doch eher nicht. Jede Kultur hat ihre eigenen Ideale, und viele Wunschvorstellungen sind Moden unterworfen, nicht dauerhafter als Schönheitsideale. Und wer überhaupt soll die Ziele der Umgestaltung bestimmen? Jeder Einzelne für sich? Jedes Elternpaar für seine Nachkommen? Die Anthropotechnik-Experten? Ein globaler Ethikrat? Oder anders formuliert: Überlassen wir die Rekonstruktion des Menschen den Kräften eines boomenden Reproduktionsmedizin-Marktes? Der forscherischen Neugierde? Den individuellen Selbstinszenierungen im Zeichen modischer Lebensstile? Der Angst vor Alter und Tod? Allerdings: In Zeiten entwickelter Anthropotechniken wäre auch der «Geburtenfatalismus» (Sloterdijk) keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern eine bewusst zu wählende Option.“
Quelle: swissfuture.ch
Karlheinz Steinmüller bei Wikipedia.
Nur schon dieses kurze Zitat wirft eine ganze Reihe von kritischen Fragen auf. Aber auf Kritik und Einwände gehen Vertreter des Transhumanismus nur selten konkret ein. Darum müssen solche Fragen immer wieder gestellt werden.
Fragen wie: Nach welchen Zielen und gesteuert durch wen soll die Optimierung und Überwindung des Menschen geschehen?
Ergänzend: Finanziert durch wen? Mit Profit für wen?














