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Found this crown. Apokrypha for Warchief 2k17
Orks und Trinimac
[Die detaillierte Mitschrift eines der vielen "Trinimacae" den Trinimac-Treffs es Jahres 2Ä 581, wo Urbul gro-Malog, ein Orkischer Priester des Trinimacs vor Orks in einer Halle tritt und Fragen über den neuen Glauben der Orks beantwortet.]
[...]
Ein dürrer, junger Ork steht auf und wird von Urbul mit der Hand zum Sprechen animiert.
Der Fragende: "Ich wollte fragen, wie es ist, wenn ein Ork sich in eine Nicht-Ork verliebt und gedenkt sie zu heiraten?"
Urbul: "Ah. Zunächst sollten wir klären, ob er denn gläubig ist. Dann wäre er ein Orsimer. Orks sind, für mich, meine lieben Geschwister, diejenigen unter uns, die vom rechten Weg abgekommen oder ihn nicht betreten durften. Also? Fragst du für einen gläubigen Orsimer?"
Der Fragende: "Ja, Herr."
"Ah, sehr schön. Möge Trinimacs Licht dann auf ihn scheinen." Er wendet sich an die anderen Orsimer. "Unser Bruder hier fragt, wie es für Orsimer ist, wenn sie einen nicht-Orsimer heiraten und dabei ist es egal, ob weiblich zu weiblich, Männlich zu weiblich oder jede Kombination, die ihr euch vorstellen könnt, liebe Geschwister. Die heilige Prophetin Gralkha gra-Farrun sagte: "Das Leben eines Orsimer ist nur so viel wert, wie sein Leben endet." Und der heilige Prophet Gorbar gro-Murtag fügte später hinzu: "Was war ein Leben wert, wenn niemand zu deiner Hinrichtung kommt?" Das waren damals noch gefährlichere Zeiten für uns Orsimer, wie ihr merkt. Da ging es um Hinrichtungen durch die Bretonen. Aber jetzt? Jetzt sind wir in Friedenszeiten und daher sind sich die Gelehrten einig, dass es keinen Unterschied macht, wen ihr heiratet."
Der Fragende: "Muss sie durch die Heirat den Glauben des Trinimac annehmen?"
Urbul: "Ich würde es mir zwar wünschen, aber das ist nicht der Fall. Der Gelehrte Guzigkh gro-Yal sagte bei seiner Hinrichtung in Dolchsturz: "Es ist egal, welchem Götzen ihr anbetet. Wer tugendhaft lebt, wird nach dem Tode belohnt". Daher ist es egal, ob sie an Trinimac Glaubt oder nicht, solange sie dich bei der Ausübung des Glaubens nicht behindert. Möge das Licht des Paragon auf dich scheinen, mein bruder.
Eine ältere Orsimer-Dame meldet sich und bekommt vom gütigen Urbul das Wort erteilt.
Die Fragende: "Wie sieht es mit dem Zurückhalten von Steuern oder dem zu wenig zahlen? Werde ich dafür bestraft?"
Urbul: "Steuern sind natürlich eine schwierige Sache. Früher gab es sie bei uns nicht."
Die fragende: "Daher meine Verwirrung. Warum soll ich einem König was zahlen, denn ich kaum kenne?"
Vorsichtig führte Urbul seine Hand durch seinen Bart und beginnt zu grinsen. "Ich merke schon, am Ende des Tages landen wir alle noch im Kerker", witzelte er und erntet Gelächter. "Aber verstehe ich richtig, dass Ihr aus einer Festung kommt?"
Die Fragende. "Ja, aus Himmelsrand ursprünglich."
Urbul: "Oh, weiter Weg, nicht wahr?" Er wendet sich wieder der Menge zu. "Steuern sind so eine Sache. Zuerst müssen wir den heiligen Torug gro-Igron besprechen. Der da sagte: Das zu Hause der Orks ist, wo das Orichalkum fließt. In Dolchsturz zum Beispiel gibt es kaum etwas vom Erz. So wenig, dass es höchsten Tröpfchen sind, kein reißender Fluss. Wir sind eng verbunden mit dem Erz, daher ist Dolchsturz und andere Teile Tamriels nicht unsere Heimat. Doch, warum ist das wichtig? Weil wir dadurch Gäste sind. Und das macht es für uns etwas schwieriger. Der heilige Golkarr sagte einst: "Wer mich als Gast empfängt, hat meine Güte und Respekt. Ich habe als Gast Pflichten und werde mich nach dem Gastgeber richten." Das heißt, dass, wenn ein Gastgeber Regeln aufstellt, zum, Beispiel "Zeiht eure Schuhe aus" oder der gleichen, dann ist es unsere Pflicht als gute Orsimer, diesen Regeln zu gehorchen, weil wir Gast sind. Hier in anderen Landen ist es ebenfalls so. Wir sind hier zu Gast und daher halten wir uns an die Regeln. Dazu zählen auch Steuern. Gesetze sind eben nichts anderes, als größere Regeln, ja?"
Die Frau wirkt nervös. "Und wenn man bereits Steuern hinterzogen hat?"
Urbul nickte ihr zuversichtlich zu. "Wenn du es jetzt meldest, kommst du in den Kerker. Garantiert. Über die Gesetze kann ich dir nicht viel sagen, aber wenn du anfängst es zu bereuen und es nicht mehr zu tun, dann wird Trinimac dich in Aetherius mit nur wenig Schelte erwarten."
Ein stämmiger Orsimer steht auf und erhält das Wort: "Wir hatten das Thema gerade erst. Aber hier eine andere Situation. Ich fand eine hübsche Bretonin und habe sie geheiratet."
Urbul: "Wirklich? Sehr schön! War es eine Orsimer-Hochzeit?"
Der Fragende: "Ja. Und als die Eltern davon erfuhren, sperrten sie meine Frau ein und schlugen sie halb tot, weil sie einen Orsimer geheiratet hat."
Urbuls Gesichtsausdruck wandelt sich schlagartig: "Das tut mir wahrlich leid zu hören, Bruder. Geht es deiner Frau wieder gut?"
Der Fragende nickte. "Ja. Ich holte sie dort weg und seit dem wohnt sie bei mir und ich pflege sie zur Zeit."
Urbul: "Erst mal: Es gibt kaum eine größere Ehre, als das, was du gerade tust, mein Bruder. Der Namenlose gro-Alguk sagte: "Es ist die Pflicht jedes Orsimers die Familie zu beschützen. Wer darin versagt verpflichtet sich zur Pflege." Dadurch, dass du sie jetzt pflegst, lächelt Trinimac auf dich herab." Nun wandte er sich wieder an die Menge. "Ihr habt es sicher schon mitbekommen, liebe Brüder und Schwestern aber wir sind nicht überall so willkommen. Sollte jemand Ärger bekommen, weil er einen von uns kennt, so möge er viel Kraft erhalten. Viel anleiten kann ich da nicht aber wir sind jetzt Teil des Bündnisses und daher sollte man damit immer zu den Wachen gehen. Ja? Möge Trinimac auf all jene scheinen, die so geprüft werden."
Ein junges Mädchen erhält das Wort. "Wie sieht es mit Statuen aus? Darf ich welche haben oder in mein Zimmer aufstellen?"
Urbul nickte. "Grundsätzlich? Ja. Denn Statuen sind vor allem eines: Stein. Aber es kommt darauf an, was man dort darstellt. Einen anderen Gott? Das ist Sünde, meine lieben Geschwister. Der heilige Prophet Murtag sagte: "Nur die wenigsten sind es wert in Stein verewigt zu werden. Wählt eure Götzen mit bedacht." Wenn du jetzt eine gläubige Orsimer bist, dann brauchst du keine Statuen von Alkosh oder einem anderen Gott, denn du hast einen eigenen, ja?"
Am Ende stand ein junger Orsimer auf, kaum erwachsen. "Wie genau sollte ich beten? Ich habe hier in Dolchsturz sehr wenige Trinimac-Schreine finden können."
Urbul grinst über beide Ohren. "Ah, der Bruder hat ein großes Problem. Das beten. Viele von euch haben sicher kleine Hausschreine von Malacath, richtig? Aber die gehen leider nicht. Denn sie sind vom Anderen-Gott. Was ich euch raten kann, ist, dass ihr euch ein Buch besorgt, wo es um Trinimac geht und es als Schrein nutzt. Legt es auf ein Regal, packt ein paar Kerzen darauf und betet, ja? Für diejenigen, die nicht so viel Geld haben oder nicht lesen können, sollten sich an den heiligen Narzulbur richten, der da sagte: Führt euren Geist in größter Not immer nach Orsinium." Also betet und richtet euch grob in die Himmelsrichtung von Orsinium aus. Hier in Dolchsturz wird es der Nord-Osten schon tun."
Inschriften der Grabstätten alter Ork-Könige
Es stimmt nicht, dass ich keine Heimatstadt habe. Meine Heimatstadt ist die Asche-weinende Sonne. Morgens gleicht sie einem kühlen Mond. Am Abend einer Feuersbrunst, die dunkle Asche über unser Land bringt.
Es stimmt nicht, dass ich keine Heimatstadt habe. Meine Heimatstadt ist die Asche bedeckte Ork-Stadt. Morgens gleicht sie dem Paradies der Pariah. Am Abend einer Feuersbrunst, einem Aschehaufen. Wer wird sie wieder aufbauen?
***
In finsterer Nacht schien das Licht des Himmels im grün des Orichalkos. Graue Wellen trotzten dem Eis und wogen hoch in den Wald der Pariah.
Eine ewig geöffnete Tür bietet mir einlas, in das Aschereich unseres Herren. Gewöhnt euch nicht an den blauen Himmel, wenn der Fürst des Zorns euch ruft. Wir verirren uns nie und weinen nicht, wie die Stadt-Mer.
***
Ich, die zitternde Faust Orsiniums, ergreife die Hände meiner Söhne.
Ich, der zitternde Narr, trage die Nahrung meiner Stadt.
Ich, der im Wind zitternde Baum, trage Volendrung in mein Grab.
***
Es ist vorbei.
Ich brauche kein Gold
Ich brauche kein Geschmeide.
Nehmt meins und gebt es meinen Tieren.
Füttert mein Echetere.
Es ist auch müde.
***
Tiefe Narbe, Muttermal des Berglandes, ehemaliger Ork-Traum.
Gleicht der Boralis-See. Manchmal blau, manchmal grau.
Wie der Himmel. Manchmal Blauschwarz und zuletzt dunkelbraun bis schwarz.
Genau wie die Welt. Unregelmäßig und tödlich.
Es war mir eine Ehre, Mutter. Auf in unseren nächsten Kampf in der Asche.
***
Ich werde nicht klagen ob des Landes, das von Geheul überrannt, aufgrund meines Dahinscheidens, neue Trauer kannte.
Eine Stadt von Gewalt ergriffen, und aus dessen Bürger Flüchtende werden. Das ist es, das mich wettern und schimpfen lässt.
***
Ich stieß meine Feder zum Papiere,
Statt meine Klinge in meine Feinde.
***
Warum Fürst Vivec schreibt
[Eine Antwort des Erzkanonikers Felvos Omalen auf eine Bürgerfrage an den Tribunal-Tempel]
Kürzlich hat mich eine Frage eines Bürgers ereilt. Normalerweise werden die Bürger-Fragen stets von meinen untergeordneten Tempel-Mitarbeitern beantwortet, dennoch geht jede Frage mindestens einmal über meinen Schreibtisch, so auch diese. Und als ich diese Frager gelesen habe, wusste ich, dass ich sie höchstselbst zu beantworten habe.
Der anonyme Bürger fragte, warum Fürst Vivec ein Poet sei. Zunächst mag diese Frage wie ein Frevel wirken, so tat sie es für meine Mitarbeiter, als sie mir die Frage vorlegte, doch kann ich darin keinen Frevel erkennen. Denn, was ist tugendhafter, als das innerste unseres Fürsten zu verstehen zu wollen?
Ich habe nicht viele Informationen zu dem Fragenden, doch kann ich verstehen, warum man sich das fragt.
Fürst Sil: Fürst der Mysterien, Der Lehrer der Welt, Herr der Mechanismen, Das Licht des Wissens, die Inspiration der Zauberei und der Magus.
Almalexia: Mutter Morrowind, Herrin der Barmherzigkeit, die heilende Mutter und Kriegsherrin.
Vivec: Der Kriegerpoet.
Während sich das »Alm« und »Si« kaum vor Titeln retten kann, so steht das »Vi« mit seinem Kriegerpoet-Dasein völlig alleine da. Natürlich fragt man sich dann, wieso. Zu nächst sei festgemacht, dass jeder der Tribunen ein Abbild seines früher sterblichen Selbst ist.
Fürst Sil war vor seiner heiligen Apotheose ein forschendes Genie. Fasziniert von Technologie und geprägt von Trauer und Traumata, die ihn vereinsamen ließen. Jetzt als Gott wurde sein früheres Leben zu einem festen Bestandteil seines Charakter. Er verbarg sich in seiner Messingfeste und forscht weiter, erträgt die Erinnerungen seines früheren Lebens.
Die Herrin Almalexia war vor ihrer gerechtfertigten Apotheose eine Kriegstreiberin, die sich in mehr Schlachten verdingte, als jeder andere Chimer zu der Zeit, vielleicht sogar mehr als Kriegsherr Nerevar. Und sie tat es nicht aus Spaß, sondern aus Liebe zu ihrem Volk und ihrem Land, was sich nach ihrer Gott-Werdung nur noch mehr verstärkte, weshalb sie in Gramfeste die Militärstreitkräfte befehligt und sich für ihr Volk aufopfert. Jeden Tag aufs neue.
Doch Vivec ist ein Sonderfall, denn während Fürst Sil die Last seiner Vergangenheit und Herrin Almalexia die Last ihres Volkes in sich trägt, lastet auf Fürst Vivec die Last seiner eigenen Existenz. Der Fürst möge mir meine Worte verzeihen, doch war er nie so geschickt im Kampf wie seine Gott-Schwester. Oft wird er dargestellt mit einem großen Speer, zweifelhaften Ursprungs, in der Hand. Viele vermuten darin eine höhere Botschaft, wie es für den Poeten oft der Fall ist, doch ganz nüchtern betrachtet, führte Fürst Vehk die Waffe in grauer Vorzeit nur deswegen, um Feinde so weit wie möglich von sich zu halten. Die Statuen auf den Plätzen der heiligen Stadt zeigen einen dürren Vivec. Definiert aber nicht muskulös. Ein Aussehen, dass Fürst Vivec selbst ausgewählt hat und dass ihn an sein früheres Leben erinnert. Es mag die Männer unseres Volkes entmutigen aber die Stärke des Tribunals lag stets bei der Herrin Almalexia. Vivec war nie zum Krieger geboren, musste diese Rolle aber zwangsweise ausfüllen, während Almalexia für diese Rolle geboren wurde. Und genau das passt so gut zum Fürsten.
Vivec versucht stets jede Rolle auszufüllen. Die des Kriegers und die des Helden. Die des Richters und die des Henkers. Die des Dunmers und die des Chimers. All das beschreibt sein Wesen, seine pure Existenz. Das »Alm« und »Si« führen viele Titel, die ein und das selbe aussagen. Das »Vi« führt einen Titel, der alles aussagt. Und nur Vivec wäre geistig dazu in der Lage.
Es gibt nichts auslaugenderes, selbst für einen Gott, als jede Rolle gleichzeitig auszufüllen. Vivecs Stärke kommt nicht von seiner Stärke wie bei Almalexia und nicht von seinem Wissen wie bei Sotha Sil, sondern ausschließlich von seinem Verstand und seiner Kreativität. Doch jeder Verstand ist nur begrenzt Auffassungsfähig und wie ein Eimer, der überläuft, muss auch der Verstand von Vivec geleert werden. Doch ist das, was geleert wird, zu wertvoll, als dass man es ungehindert ablaufen lassen könnte. Und genau aus diesem Grund schreibt unser Fürst so gerne.
Das Schreiben ist eine einfach anzuwendende und schwer zu meisternde Kunst, die unser Fürst nutzt, um seine Gedanken aufzubewahren. Es gibt Berichte von Fürst Sil, welcher Sterne zum erhalten der Gedanken nutzt, doch kann ich diese kaum mit der Kunstfertigkeit des Vivecs gleichsetzen. Jedes Mal, wenn ihr ein Werk des Fürsten hört oder lest, erhaltet ihr einen Funken seines brillanten Verstandes. Und jeder weiß, wie komplex dieser Verstand ist. Denn, wie bekannt, sind die 36 Lehren des Vivecs die mit Abstand simpelsten und verständlichsten Werke unseres heiligen Fürsten.
Um es zusammenzufassen: Fürst Vivec schreibt, um seinem Verstand die nötige Ruhe zu gönnen, die er braucht und um seine Gedanken festzuhalten aber auch, um sie mit seinem Volk zu teilen. Das ist seine Rolle.
Das Ergrauen des Sohnes
[Aus der Biographie des Dan-ma, einem argonischen Sklaven des Hauses Mirel in der frühen dritten Ära]
Ich erinnere mich gerne an meine Zeit drüben in Morrowind. Sicher, die Entbehrungen, die ich als Sklave erdulden musste waren im Nachhinein hart, doch wuchs ich mit ihnen auf. Für mich waren sie normal und mit dem Austausch anderer Sklaven, damals wie heute, wird mir immer bewusster, wie viel Glück ich hatte. Die Familie Mirel war ein mittelständisches Adelshaus, dass sich mit Handel und engen Beziehungen zum gelben Haus zu hohem Ansehen gebracht hatte. Mir persönlich fehlte es nie an etwas. Ich hatte viel Essen, ein Dach über dem Kopf und wurde nicht gezüchtigt, wie viele meiner Artgenossen im Land der Dunmer. Jetzt, wo sich mein Leben langsam dem Ende neigt, erinnere ich mich immer öfter an mein langes Leben. Doch ein Ereignis hatte sich sehr lange meinem inneren Auge verborgen.
Ich war gerade im großen Speisesaal des Hauses mit Putzen beschäftigt. Ich säuberte zunächst den glänzenden, dunklen Fliesenboden, ehe ich mit dem Abstauben der rauen Sandsteinwände, wie sie typisch für Dunmer war, weiter machte. Meine Herrin Falora Mirel ging währenddessen hastig in der Halle auf und ab. Der viele Schmuck, der an ihrem türkisen Gewand hing, klapperte fröhlich, wie ein ungestümes Windspiel. Hurtig legte sie ihr dunkelblaues Haar wieder nach Hinten, dass sich durch ihr auf und ab stetig wieder nach vorne arbeitete.
»Wenn er wieder zu Hause ist!«, begann die Herrin über ihren Sohn zu reden. »Dann bringe ich ihn um! Dan-ma. Mach dich bereit eine Leiche zu entsorgen.«
»Sehr gerne, Herrin.«
»Bitte, Schatz!« Serjo Drelis Mirel stand von seinem Stammplatz des großen Steintisches auf und trat zu seiner sichtlich entrüsteten Ehefrau. Er war ein stattlicher, ja leicht moppeliger Mann mit feuerrotem Haar, passend zu den Augen eines jeden Dunmers. In all meinen Jahren kannte ich kein unpassenderes und glücklicheres Ehepaar als Drelis und Falora. Er ein ruhiger, fast schon lethargischer Händler und Sie eine temperamentvolle Veteranin, die durch einen Pfeil in den Hals zum Aussetzen ihres Dienstes des Hauses Hlaalu als Wache gezwungen war. Die Narbe, die sie von damals erlitten hatte, zierte ihren Hals. Grobschlächtig und gelegentlich schmerzend. Einer der vielen Gründe, warum eine von bürgerlichem Haus so viel Schmuck trug.
»Ich Prügel dem jungen endlich Manieren in den Verstand!«, giftete die Herrin, während über ihr der bronzene Kronleuchter sie beschien.
Langsam und zärtlich legte Drelis seine Hände um die Hüfte seiner Frau und drückte ihr einen sinnlichen Kuss auf die Wange. »Ich liebe dich, meiner roter Berg.«
»Schnauze!«, rief sie, und versuchte das purpur-werden ihres Gesichtes zu überspielen.
Dann, als ich gerade dabei war die Fenster zu schließen, öffnete sich die Tür, wie es ein Sprichwort sagt, oder so.
Der junge Herr Furon Mirel, Sohn des Drelis Mirel, trat, gekleidet in rotem Lederwams und blauer Samthose, einer Kombination von Farben, wie es nur der verwirrte und überforderte Geist eines jugendlichen zu bewerkstelligen vermochte, in das Haus ein.
»Ich habe Post für mich. Sie ist sehr gut«, sagte er. »Dan-ma? Hast du den Briefkasten nicht-«
»Furon!«, rief die Mutter und trat zu ihm. Der Junge, sichtlich von der Wut seiner ehrenwerten Mutter überfordert, schloss langsam die Tür, sein Blick stets auf die Furie vor sich gerichtet.
Kaum wurde die Tür geschlossen, begann seine Mutter zu wütend. So sehr, dass sich ihre Worte überschlugen und keiner verstand was sie sagte. Lediglich die Hand von Drelis auf ihrer Schulter brachte sie zum schweigen.
»Sohn«, sagte der Herr. »Wir haben etwas in deinem Zimmer gefunden.«
Furon legte eine Hand auf seine Stirn. Sein weißes Haar fiel über die dunklen Fingerknöchel. »Bevor ich mich entschuldige, muss ich wissen, was ihr gefunden habt.«
»Was wir gefunden haben?«, keifte die Frau. »Was hätten wir denn finden können, Furon?«
»Das weiß ich, wenn ihr mich beschuldigt.«
Falora stampfte mit ihrem Fuß auf. »Was ist das?«, rief sie und ich stockte mit dem Atem. Sie hielt eines geschlossene Flasche Skooma in ihrer Hand.
»Oh, dem Tribunal sei Dank, nur das.«
»Nur das?«, rief die Mutter. »Jetzt reicht es mir mit dir! Seit wir hier her gezogen sind, treibst du nur Schabernack. Die Schule hat es in deinem Schrank gefunden. Du bist raus geflogen!«
»Sohn«, übernahm Drelis ruhig das Wort. »Das ist eine ernste Angelegenheit. Auf Skooma steht mindestens eines lange Haftstrafe. Verstehst du das?«
Furon legte den Brief für ihn auf den Tisch und lächelte sein arrogantes Lächeln. »Bei allem vorgetäuschten Respekt, Mutter. Das ist kein Skooma.« Er nahm ihr blitzschnell die Flasche aus der Hand, öffnete sie und roch dran. »Die feinsten Düfte, wie sie nur der Urin eines Guars zu produzieren vermag.«
»Was?«, rief die Mutter wütend und roch ebenfalls an der Flasche. »Riecht wirklich nach Pisse«, sagte sie und wieder brach ihr altes Soldaten-Leben durch.
»Dann sag uns, wie du an eine Flasche Skooma kommst und warum dort Urin drin ist, dann können wir den Rauswurf ungeschehen machen.«
»Vater, ich denke, die Antwort wird dich entweder beunruhigen oder stolz machen. Aber gut: Drüben in der Nähe der Sümpfe haben einige Schmuggler ihr Lager aufgebaut und ich schlich mich rein, nahm eine leere Flasche mit.«
Der Vater blieb erst einige Augenblicke regungslos stehen, ehe es aus ihm herausbrach, als wäre sein Name Falore. »Schmuggler? Du gibst dich mit Verbrechern ab?«, brüllte er.
»Nein, ich schlich mich hinein, sagte ich. Hörst du überhaupt zu? Welcher Schmuggler muss sich in sein eigenes Versteck-«
Da flog die dunkle Hand der Herrin durch die Luft und traf Furon im Gesicht. »Achte auf deinen Ton!«, zischte die Frau.
Kurz hielt Furon seine Hand an die purpur werdende Stelle im Gesicht und nickte dann. »Diesen Schlag gewähre ich dir«, sagte er. »Weil du meine Mutter bist.«
»Drohst du ihr?«, rief Drelis und ich legte meine Putzutensilien weg, denn ich spürte auf meinen Schuppen den Beginn eines Kampfes.
»Was ich sagen will ist, dass ich damit dem alten Bendas einen Streich spielen wollte. Eine Flasche Skooma im Gepäck und die Schule hätte ihn rausgeworfen.«
»Oder dich«, rief Drelis. »Wenn sie die Wahrheit wüssten.«
»Hätten sie nicht. Und es ist egal.«
Die Mutter legte fassungslos die Hände in ihr Haar. »Dir ist die Schule egal, oder?«
Plötzlich schlug der Junge auf den Tisch. »Scheiß auf die Schule«, fauchte er. »Jeder einzelne von den Schülern und Lehrern hätte es verdient, auf der Stelle öffentlich vergewaltigt zu werden.«
Wieder machte sich Schweigen breit, welches der Sohn durchbrach.
»Nichts bringen sie mir. Gar nichts. Alle meine Talente werden hier zu Tode gefoltert durch Prüfungen und Unterricht. Wer von der Inzuchtbrut dieser verdammten Stadt hätte es bitte Geschafft, unbemerkt in die Höhle eines Schmuggler-Rings vorzudringen und etwas daraus zu stehlen, mh? Der grobschlächtige Sadris? Die dilettantische Evisi? Nein. Nur ich, weil ich besser bin. Auch besser als ihr.«
»Aber was soll denn aus dir werden?«, fragte Falora. »Wir wollen, dass du ein gutes Leben führst, auch wenn wir nicht mehr da sind!«
»Dafür ist gesorgt.« Furon griff den Brief auf dem Tisch und zeigte ihn seinen Eltern. »Meine Schleichkünste wurden bemerkt.«
Beide Eltern schauten auf das einzige, was auf dem Pergament zu sehen war. Ein Siegel, das entfernt einem blutroten Käfer mit scharfkantigen Extremitäten ähnelte.
»Oh, Götter!«, rief Falora.
»Der ist an dich gerichtet, Furon, mein Sohn?«, fragte Drelis und der Sohn begann zu grinsen.
»Absolut. Ich werde morgen hingehen.«
Bei der Nachricht musste sich die Mutter erst hinsetzen, ehe sie zu lachen begann. »Die Götter sind uns doch gnädig!«
»Die Morag Tong«, sagte der Vater breit grinsend. »Bei den Göttern!« Er warf seine Arme kräftig um seinen Sohn. »Ich bin so stolz auf dich!«, rief er.
Psychologische Krankheiten der Dunmer in der 3. Ära
[Eine Arbeit vom Journalisten-Pseudonym Jorygg Roth, welcher es Journalisten aus allen Ären erlaubte, ihre wichtige, redaktionelle Aufklärungsarbeit zu veröffentlichen, ohne in Gefahr zu geraten.]
Psychologische Krankheiten. Etwas, das selbst die stärkste Heilungsmagie kaum zu bewältigen weiß und ein Problem in vielen Ländern Tamriels. Ich kenne die psychischen Probleme, die durch die Armut in der Kaiserstadt, vor allem bei den Bettlern, entstehen können und auch die Probleme, die durch den starken Fokus an Stärker bei den Nord entstehen, wenn man nicht diesem Ideal entspricht. Doch scheint dies stets ein menschliches Problem zu sein. Bretonen leiden, wenn sie zu schwach für Ritter und zu untalentiert für die Magie sind. Nord leiden, wenn sie zu schwach zum Kämpfen und zu ungeschickt zum Schmieden sind. Doch wie sieht das bei den Elfen aus? Als ich für dieses Thema recherchierte, begann ich im Hafenbezirk der Kaiserstadt. Dort, vor einem großen Schiff, dass gerade aus Vvardenfell angereist war, sprach ich mit Banus Seran, einem ehemaligen Piraten, den es in den Handel getrieben hat. Er erzählte mir viel über die möglichen psychischen Probleme von Dunkelelfen.
»Wir reisen bald wieder los«, sagte der Dunkelelf und strich sich sein vom Alter ergrautes Haar über seine faltige Stirn. »Wenn du was über Probleme erfahren willst, dann komm mit nach Vvardenfell.«
Zu erst überlegte ich, warum ich mitkommen sollte. Doch dann traf es mich wie ein Schlag. Vvardenfell. Der Sitz des beliebtesten Dunmer-Gottes überhaupt. Ich stimmte zu.
Während meiner Reise werde ich genau drei Gespräche führen und Dinge in Erfahrung bringen, die mich in den Tiefsten meines inneren selbst erschüttern werden. Bis heute weiß ich nicht, wie ich das Ende dieser Reportage deuten solle, und überlasse es euch, werte Leser, ein Urteil zu fällen.
Meine ersten Schritte auf Vvardenfell, tat in im beschaulichen Seyda Neen, einer kleinen, im Sumpf der Bitterküste gelegenen, an den Ascadian Inseln grenzenden Hafenstadt im äußersten Süd-Westen der Vulkaninsel. Hier ragten erstaunlich kaiserlich anmutende Wohn- und Handelshäuser aus dem schlammigen Boden empor und zeugen nur wenig von der so oft gepriesenen, dunkelelfischen Kultur. Und auch die Bewohner sind so divers, wie es die Insel zu sein scheint.
In einem kleinen Handelshaus im Nord-Westen des Ortes kam ich für diese Nacht zu ruhe. Betrieben wurde das hohe Gebäude, dass über einen Steg, der über die Sümpfe führte, mit welchen die Bewohner ohne Beschwerden zu leben schienen, erreichbar war, von Arrille, einem stets hochmütig dreinblickendem Hochelfen, mit streng zusammengebundenem, goldenen Haar. Als ich ihn über das Thema meiner Reise befragte, sagte er mir lediglich, dass es die Dunkelelfen hier noch am besten hätten. Alle anderen Völker würden als minderwertig angesehen und auch so behandelt werden. Etwas, dass ich eigentlich mit Hochelfen in Verbindung bringe, doch ich erzählte ihm das nicht. Eine Rothwardonin im oberen Stockwerk nahm sich meinem Thema deutlich offener an und riet mir, meine Suche in Balmora fortzuführen. Und ich traute ihr. Der Ratsitz des Hauses Hlaalu war eh mein Ziel gewesen, denn die Größe der Stadt war auch außerhalb der Dunkelelfen-Provinz weithin bekannt gewesen.
Mit einem Schlickschreiter, einem Transportmittel, das mehr einem Insekten ähnelte, als einer Kutsche, gelangte ich nach einem halben Tag endlich nach Balmora. Hier oben, von der Ausstiegsplattform der Schlickschreiter aus, konnte ich die gesamte, majestätische Stadt erblicken. Grobe, hellbraune Klotze mit abgerundeten Ecken standen eng aneinander und formten auf natürliche Art und Weise Straßen und Gassen. An den Häusern hingen verschiedene Papier-Laternen. Eine Orientierungshilfe, wie mir der Fahrer des Schlickschreiters erklärte.
»Rot bedeutet Zwielicht«, hatte der jung aussehende Dunkelelf gesagt, als er sich den weiten Strohhut vom Kopf nahm und sein dunkelblaues Haar enthüllte. »Bordelle, wenn du Glück hast. Attentäter, wenn du Pech hast. Blau bedeutet arkanes. Magiergilde, Verzauberungen und der gleichen. Weiß dient lediglich der Beleuchtung und wird für die Hauptstraßen genutzt. Wenn du dich eines Tages verläufst, suche das weiße Licht und du findest den Weg. Gelb bedeutet Geld. Vor allem hier bei den Hlaalus. Banken und Besitztümer des hohen Hauses werden mit gelbem Licht beschienen.«
»Gibt es denn keine Straßenschilder?«, fragte ich den Mann.
Er entgegnete mir zunächst mit krächzendem Lachen. »Die findest du nur in der Wildnis. Sie zeigen dir, wo der nächste Ort ist. Aber Straßenschilder in den Städte gibt es nicht. Dafür ist ja das Licht da.«
Hier war ich nun. In Balmora. Zweitgrößte Stadt der Insel, so sagte man mir. Und ich glaube es auch. Während meines Ritts gab mir der Fahrer einige Auskunft über mögliche Gesprächspartner für mein Thema und mein erster Halt war weit im Norden, fast schon angrenzend zum örtlichen Tribunalstempel. Hier, unter einer kleinen Brücke, die zwei Häuser verband, fand ich eine gut versteckte Schmiede, betrieben von einem Nord namens Jegg Colus. Ich wollte mit jemanden reden, der auch die Kultur außerhalb von Vvardenfell kannte, für einen umfassenderen Blick auf die Thematik. Ich fragte ihn nach einem Gespräch und der kräftige Mann stimmte zu.
Jegg war ein hochgewachsener Nord, wie er im Buche stand. Groß, kräftig und mit weißem Haar, dass er zu einem Zopf verband. Sein Geschäft war schwül und eng. Neben seiner Schmiede passte lediglich ein Verkaufstresen und zwei Regale hinein, auf welchen seine Waren ausgestellt worden waren. Die für die Dunmer dieser Region typischen, viel zu kleinen und ovalen Fenster aus Grünglas waren weit geöffnet, halfen aber kaum bei der Hitze.
»Es freut mich, dass Sie sich die Zeit nehmen, Herr Colus.«
»Klar, klar. Ich bin für jede Form der Ablenkung dankbar. Also? Was kann ich für sie tun?«
Meine Gedanken rasten und ich überlegte, wie ich das Thema am besten starten sollte. »In Himmelsrand gibt es ja einige Berufe, die deutlich bevorzugt werden von ihren Bewohnern, oder?«
»Jap.«
»Sie als Schmied würden dort ein hohes Ansehen genießen. Aber wie sieht es hier auf Vvardenfell aus?«
»Ha!«, grölte der Mann und schlug sich auf seine enge und dunkle Lederhose, beugte sich in einem der zwei Stühle vor. »Die Dunkelelfen geben nichts auf die Kunst des Schmiedens. Gar nichts.«
»Wie meinen Sie das?«
»Bist du ein Magier? Dann tust du das gleiche wie Sotha Sil. Bist du Krieger? Dann eiferst du Almalexia nach. Bist du Schreiberling oder Nutten-Preller, so lebst du im Sinne des Vivec. Aber ein Schmied? Der hat es wohl nie zu etwas geschafft.«
»Sie fühlen sich also benachteiligt?«
»Einen scheiß tue ich, junge. Ich kann gut leben, weil ich mit der Festung drüben zusammenarbeite und auf die Meinung von Dunkelelfen gebe ich wenig. Aber es nervt. Zu jedem Beruf des Tribunals gibt es Feiern aber nicht für Schmiede, Zimmerer, Alchemisten oder sonstigen wichtigen Berufen. Keiner feiert einen Bäcker!«
»Wie würden Sie sagen, macht sich diese Bevorzugung mancher Berufe psychisch bemerkbar?«
Plötzlich lockerte sich das angespannte Gesicht des Nord und er lehnte sich wieder zurück, verschränkte die Arme. »Ich weiß es nicht. Ich sehe auf der Straße immer wieder, wie Kinder sich fertig machen, weil ein anderer lieber Jäger sein will, statt ein Poet, eine Kriegsherrin oder ein ... was auch immer Sotha Sil tut. Aber warum redest du mit mir darüber?«
»Wie meinen Sie das?«
»Ja, mir geht die Sache am haarigen Hintern vorbei. Ich wuchs in Weißlauf auf und weiß eine gute Schmiede-Arbeit zu schätzen. Aber ein Alchemist, der hier aufwuchs, wird seine Arbeit kaum zu schätzen wissen.«
»Ein ... Alchemist? Schwebt Ihnen da jemand bestimmtes vor.«
Jegg stand auf und hob seinen Massivholzstuhl locker über den Tresen und nickte. »Geh aus dem laden, dann Links über den Odai und dem Fluss Stadteinwärts lang. In der siebten Häuserreihe findest du ein einziges, einsames, blaues Licht. Sprich dort mit Dalyn Sarethi. Er ist Alchemist und weiß wohl besser, was es heißt, hier zu leben und kein Nutten-Preller, halbnackte-Kriegerin und ... nein ernsthaft. Was macht Sotha Sil eigentlich?«
Jeggs Worte hallten noch einige Zeit während meines Mittagessens im »Sieben-Teller« nach, während ich gekochte, gigantische Eier von Kwama und eingewickeltes Fleisch zu mir nahm. Ich hatte sehr lange Angst, einen Dunmer über ein solch heikles Thema auszufragen. Fast jeder hier diente dem Tribunal auf seine eigene Art und Weise und man warnte mich auf dem Schiff bereits davor, das Tirbunal nur in den höchsten Tönen zu loben. Doch sind diese es, welche so viele Probleme verursachen können.
Als ich mein Essen herunterwürgte, folgte ich Jeggs für Vvardenfell gewöhnlich grobe Wegbeschreibung und gelangte nach einiger Zeit in einen kleinen Laden, der sich in einem Wohnhaus befand. Als ich die massive Holz-Eisen Tür aufstemmte, drang mir direkt ein beißend-süßer Duft entgegen, den ich kaum zu identifizieren vermochte. Meine Augen begannen kurz zu Tränen, doch ich gewöhnte mich schnell daran. Vor mir erstreckte sich eine große Treppe. Wie ich vom Schlickschreiter-Fahrer gelernt hatte, befanden sich bei ärmeren Geschäften die Läden im Untergeschoss, während die Betreiber im oberen Stockwerk lebten. Also trat ich von der Treppe weg und lief weiter hinein in den Laden.
Direkt unter der Treppe stand ein dürrer Dunkelelf mit faltiger Stirn und blutroten Augen, die sich panisch auf mich fixierten, ganz so, als hätte er für den gesamten Tag keine Kundschaft erwartet. Zu erst dachte ich, ich sei im falschen Haus und es wäre ein normales Wohnhaus gewesen, in welches ich nun unrechtmäßig eingedrungen war, doch als ich die verschiedenen Fläschchen mit Flüssigkeiten auf dem Tresen bemerkte, wich meine Angst, doch die meines Gegenübers blieb.
Vorsichtig erklärt eich ihm, wer ich war und was ich wollte. Und als er sich als Dalyn Sarethi vorstellte, wich der letzte Funken meiner Angst und ich bat ihn um ein Gespräch, dass er zögernd annahm. Ich setzte mich ihm gegenüber an den Tresen.
»Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Gespräch nehmen.«
»Ja.«
»Wie ich Ihnen ja schon kurz anriss, geht es bei meiner Reportage um die psychischen Einschränkungen, die mit den Berufen auf Vvardenfell einhergehen. Sie sind Alchemist, nehme ich an?«
»Ja.« Dalyn schaute mich weiter mit ängstlichem Blick an.
»Sie müssen nicht nervös sein, Herr Sarethi. Ich hege großen Respekt vor der Alchemie.«
»Kann ... kann ich kurz?«
Noch ehe ich antwortete, sprang der Dunkelelf auf und eilte die Treppe hoch. Erst fürchtete ich, er würde nicht mehr herunter kommen, doch dann, wenig Später trat er wieder zu mit. In seiner Hand ein kleines Kuscheltier.
»Ich brauche das, um ruhig zu bleiben.«
»Kein Problem. Wenn es Ihnen hilft?«
»Sie mögen also Alchemie?«
»Ja, natürlich. Es ist wie Heilmagie, nur braucht es dafür keinen Magier und man kann es mit sich herumtragen, nicht wahr?«
»Ich glaube schon, ja.«
Ich bemerkte, wie Dalyn auf dem Stofftier herumdrückte. »Es ist sicher ein schwieriges Thema, aber wie lebt es sich als Alchemist in Vvardenfell?«
»Mies«, schoss es aus ihm. »Ich würde töten, um ein talentierter Krieger oder Magier zu sein. Dich töten, deine Kinder. Jeden.«
»Müsst Ihr mit vielen Anfeindungen leben, weil Ihr ein Alchemist seid?«
Er schüttelte den Kopf und begann sich auf dem Stuhl leicht vor und zurück zu bewegen. »Zur Zeit nicht, nein. Erwachsene Dunmer hassen einen auf andere Art und Weise.«
»Und wie?«
»Sie ignorieren einen. Kein Dunmer trat jemals durch diese Tür. Nicht einer. Als der Odai letzten Frühling über die Grenzen anstieg und Häuser angriff, wollte man nicht mal, dass ich beim Aufräumen anpacke.«
»Wie fühlen Sie sich dabei?«
Das Wippen von Dalyn wurde Stärker.
»Sie müssen mir nichts beantworten, wenn sie nicht können.«
Er drückte nun das Stofftier an seine Brust, gab ihm einen Kuss auf den Kopf. »Es geht schon. Ich fühle mich dann immer sehr nutzlos. Die einzigen, die meine miete hier zahlen, sind Fremdländer wie du, die nichts gegen die Alchemie haben.«
»Ich hörte von einer anderen Person, dass auch Kinder schwierig sein können, wenn es um Berufe geht.«
»Oh ja. Stimmt.«
»Haben Sie auch als Kind Anfeindungen ertragen müssen?«
»Ja. Einmal, das weiß ich noch, als meine Klasse begann Illusionsmagie zu erlernen, was ich nicht konnte, weil mir die Befähigung fehlte. Sie haben mir auf einmal mit der Illusionsmagie das Augenlicht genommen.«
»Sie haben Euch blind gemacht?«
»Ja. Ich schrie für Stunden, weil ich nicht wusste was los war. Ich hörte nur das Lachen der anderen Kinder bis ich von einem Hügel fiel und mir das Becken brach. Und das war nicht mal das schlimmste, was sie mir antaten.«
»Das tut mir Leid zu hören.«
»Macht nichts. Sie wurdne Krieger und Magier. Forscher und Abenteurer. Keiner von ihnen ist noch am Leben. Nur der Dalyn lebt noch. Der schwächste von allen.«
Hier begann plötzlich meine ursprüngliche Reise aus den Rudern zu laufen, doch ich konnte nicht anders und fragte: »Warum verkauft Ihr Eure Mittel nicht an die Festung der kaiserlichen? Die lieben Alchemie.«
»Habe ich natürlich versucht. Ich bin nicht dumm!«
»Das habe ich nie behauptet.«
»Aber ich gehöre zum Tribunal-Tempel und mit uns handelt die Festung nicht.«
Als ich langsam meine Gedanken fahren ließ, musste ich einfach fragen. »Geben Sie den Tribunen die Schuld an dem, was euch widerfahren ist?«
»Ja, schon. Hätte sich einer der Tribunen nicht auch der Alchemie zuwenden können?«
»Vielleicht tun sie das ja. Sotha Sil ist für viele ein Mysterium.«
»Mir egal.«
»Worauf ich hinaus will ... wenn Ihnen der Tempel nichts gutes gebracht hat, wieso treten Sie dann nicht aus?«
Die roten Augen des Dunmers rissen sich auf. »Aus dem Tempel austreten?«
»Ja. Es scheint doch eh niemanden zu geben, den das interessieren würde, oder irre ich mich?«
»Nein, nein. Meine Eltern sind tot. Es gibt sonst niemanden.« Der Blick des Dunkelelfen ging zu seinem Stofftier. »Ich hasse alles am Tempel«, flüsterte er. »Wirklich alles.«
»Möchten Sie, dass ich Euch begleite?«
Dieses Angebot schien ihn wie einen Schlag zu treffen. »Würdest du das tun?«
»Natürlich.«
Der Tempel des Tribunals war im äußersten Norden der Stadt. Hier, im ummauerten, flachen Gebäude wartete ich draußen, während Dalyn drinnen seinen Austritt durchführte. Ich war unglaublich schockiert, über die Geschichten, die er mir auf dem Weg erzählte. Dinge, die man ihm als Kind antat und von denen er mich bat, sie nicht zu erzählen, was ich auch nicht tun werde. Doch sie zeigen ein grausames und neues Bild von Dunkelelfen.
Nach einer Stunde trat Dalyn heraus, in seiner Hand eine Schriftrolle. »Ich bin ausgetreten. Kann hier also nicht mehr bestattet werden.«
»Wie fühlt sich das an?«
»Befreiend!«, sagte er breit grinsend, stoppte das Grinsen aber schlagartig wieder. »Würdet ihr mir einen weiteren Gefallen tun? Ich würde gerne versuchen, dem kaiserlichen Kult beizutreten.«
»Wieso? Ihr könnt auch so mit den kaiserlichen handeln.«
»Das mag stimmen aber ich habe gehört, es gäbe einen Gott der Alchemie.«
»Oh, das müsste Julianos sein, ja.«
»Julianos. Klingt doch nett, oder?«
»Wenn du wirklich beitreten willst, begleite ich dich.«
Unser weg führte aus der Stadt, vorbei am Schlickschreiterhafen und über die Ausläufe des Odai. Einige Minuten gingen wie über Trampelpfade, vorbei an grünen Hügeln und fernen Ruinen der Dwemer, ehe sich die Festung in all ihrer kaiserlichen Pracht vor uns erstreckte.
Im Hof warf man uns zu nächst fragende Blicke z, ausgehend von kaiserlichen in ihren Rüstungen. Doch wir traten ein. Eine alternde Ork-Frau lotste uns nach unten in den Keller, als wir nach dem Kult fragten.
Unten begrüßte uns eine Nord mit feuerrotem Haar und genauso roter Robe. »Ja? Kann ich Euch beiden helfen?«
»Ich bin Dalyn Sarethi und würde gerne dem kaiserlichen Kult beitreten.«
Die Brauen der Dame schossen hoch und jeder in der kleinen Halle blieb still. »Sehr ... sehr gerne!«, sagte sie. »Seid ihr also aus dem Tempel ausgetreten?«
Ohne ein weiteres Wort hielt Dalyn ihr die Schriftrolle entgegen, die von der Nord angenommen und gelesen wurde. »Oh. Von heute. Ja, gut! Wir freuen uns natürlich immer, wenn der Glanz der Neun auf Dunkelelfen ... Verzeihung. Auf Dunmer übergeht. Sagt, was könnt ihr denn zum Kult beitragen?«
»Ich ... ich bin Alchemist.«
Ich erkannt, wie nervös Dalyns Finger zuckten, als er es aussprach.
»Oh, wirklich? Abelle!«, rief sie und aus einem der angrenzenden Räume trat eine Bretonin mit lockigem, braunen Haar heraus.
»Ja?«
»Das ist Dalyn ... Sarethi«, sagte sie, als sie den Namen vom Dokument des Tempels ablas. »Er möchte dem Tempel beitreten und ist Alchemist.«
»Oh! Du auch?«, fragte die Bretonin begeistert. »Götter sei dank! Ich habe so viel zu tun, eine zweite Hand ist sehr gerne gesehen, vor allem wenn die so hübsch ist.«
»Kind, jetzt lass den Mann doch erst mal eintreten!«, keifte die Dame. »Gut. Kommen Sie am besten mit in die Schreinkammer.«
Und hier verließ ich Dalyn Sarethi und ließ ihn alleine.
Die ganze Situation mit Dalyn zeigte mir, wie weitgehend der glaube des Tempels ging. Er war so tief in den Köpfen der Dunkelelfen verankert, dass sie bereits negative Folgen hat. Das mag vielleicht einer der Nachteile dafür sein, nur drei statt neun Götter zu haben, dennoch ließ mir die Situation keinen Frieden. Hier hätte ich meine Arbeit ruhen lassen können, doch ich war wütend. Ich wuchs im festen Glauben auf, dass Glauben stets positives hervorzubringen hatte. Doch das Tribunal vermochte auch Böses zu tun. Und daher verbrachte ich einige Wochen damit, dem Tempel zu schreiben und sogar Vivec höchst selbst um eine Stellungnahme zu bitten, doch ohne Erfolg. Doch ich war wütend. Ich wollte, das jemand mit Macht das Problem der Berufe anerkennt und sich dazu äußert und wie es der Zufall so wollte, gab es eine gute Möglichkeit dazu.
Wenige Wochen nach Dalyns Eintritt in den kaiserlichen Kult wurde die Fertigstellung von Vivec-Stadt gefeiert. Hohe Tiere des Tempels, Adelige aus allen Häusern und Ehrengäste aus ganz Morrowind waren geladen und auch ich fand mich dort ein.
Mein erster und hoffentlich letzter Tag in Vivec begann schrecklich. Ich verlief mich ständig. Jede Wohninsel sah gleich aus und die Schilder, welche die Inseln benannten waren auf dunmerisch. Nichts, dass ich verstehen konnte. Doch dann erkannte ich ihn: Baar Dau. Der gewaltige dritte Mond Morrowinds. Eine kolossaler Fels, der aussah, als würde er jeder Zeit hinabstürzen, doch tat er es nicht. Ich wusste, dass der Tempel von Vivec direkt darunter war, also folgte ich dem Stein.
Am späten nachmittag waren die Feierlichkeiten in vollem Gange und ich versuchte mich daran, mit einigen Kanonikern zu sprechen, doch keiner wollte mich anhören. Es wurden sogar Wachen und Ordinatoren gerufen, um mich von den Kanonikern fernzuhalten. Das machte mich noch wütender. Wohlgenährte, dicke Tempel-Leute in feinen Gewändern. Fernab der Probleme der Bürger.
Doch dann, als die Menge zu toben begann, witterte ich meine große Chance. Ich rannte vorbei an den Ordinatoren, die mich vom Platz verwiesen haben und drängte zu den massen, in der Hoffnung, den Erzkanoniker selbst zu treffen. Doch ich fand mehr. Umringt von aberhunderten Dunkelelfen, stand, über jedem Kopf erhaben, Fürst Vivec höchstselbst. Der gold-blaue Fürst der Poesie leuchtete, als die Leute ihn zu jubelten. Ich überlegte, was ich tun solle und wie weit ich gehen wollte. Doch dann erinnerte ich mich wieder an Dalyn. Ich hörte die brüllenden Bekundungen der Elfen, und ohne Erwartung erhört zu werden rief ich:
»Wieso ist dir das Volk so egal, Vivec?«
Dann plötzlich hob sich die dunkle Hand des Fürsten und die Menge schwieg. Seine Augen richteten sich auf mich und er legte eine Hand auf meine Schulter.
»Die Anonymität deines Pseudonyms schützt dich nicht vor dem Zorn der Götter«, sagte er zu mir.
Ich musste meinen gesamten Mut zusammen nehmen. »Ich bin seit Wochen auf Vvardenfell und ich bin bestürzt, Fürst Vivec. Ich sprach mit Leuten, die durch das Tribunal leid ertragen mussten.«
»Mussten sie das?«, fragte er mit zweifacher Stimme. »Sprichst du von Jegg, der als Straftäter aus Himmelsrand floh und hier in meiner Heimat Unterschlupf fand? Er leidet nicht unter dem Tempel, denn er interessiert sich nicht für ihn. Oder meinst du Dalyn? Sein Leiden war groß, nicht wahr? Und doch ... keiner der Kinder die ihm leid zufügten lebt noch. Sie wurden bestraft.«
Ich schluckte. Wie konnte er von Jegg und Dalyn wissen? Wurde ich verfolgt, seit ich auf Vvardenfell bin? Und die Täter? Hatte er die Kinder auf ihren Missionen getötet? »Die Bestrafung der Täter hilft dem Opfer kaum.«
Vivec nahm seine mit Armreifen geschmückte Hand von meiner Schulter und legte sie sanft lachend an sein Kinn. »Du willst, dass ich Dalyn entschädige. Will er denn eine Entschädigung? Frag ihn in zwei Jahren, wenn er seine bretonischen Zwillinge auf dem Schoß hat und seine liebreizende Frau ihn küsst. Frag ihn, ob er dann noch eine Entschädigung einfordern möchte, ja?«
Vivec ging seinen Marsch über all die Wohninseln weiter und ließ mich völlig perplex zurück.
Daedra aus Sicht eines Schülers
[Aus der schulischen Zusammenfassung von Alvon Uvaril - Grundschüler]
Heute hatten wir in der Schule wieder Tempel-Unterricht. Dieses mal ging es nicht um das Tribunal mit Almalexia, Sotha Sil und Vivec (Vivec finde ich am besten!) Ich weiß wirklich nicht, wie zum Sharmat (Wenn Mama das liest, bin ich geliefert) man sich all die Daedra merken soll.
Ich kenne natürlich die Säulen des Chaos. Sheogorath, der Käse liebenden Prinz des Wahnsinns. (Er ist der einzige Daedra, der weiß, wie man sich kleidet.)
Malacth, der müffelnde Meister der Orks ist mir auch ein Begriff.
Genau wie Mehrunes Dagon, der Gramfeste angriff. (Mein Vater war während dessen sogar in der Stadt! Konnte aber fliehen.)
Über Malacath weiß ich nicht viel. Er ist Thema für die älteren und wenn ich den Lehrer über ihn Frage, droht mir Schelte. Aber das sind ja gerade mal vier Daedra. Vier, von sechzehn. Auch außerhalb vom Haus des Chaos kenne ich einige, denn ich weiß viel.
Azura, die laut Kinderlied Mond und Sterne jeden Abend in den Himmel hängt.
Boethia, welche den Malacath gegessen und zu Malacath gemacht hat und ihr Geschlecht öfter wechselt, als der Fürst der Poesie.
Und Mephala. Auch eine Daedra, über die ich im Unterricht noch nichts erfahren habe.
Baladar von der anderen Klasse redet sehr viel über Clavicus Vile. Er liebt Hunde, genau wie der Fürst, doch mich hat er nie gereizt. »Ein Lügner sondergleichen!«, sagt mir meine Mutter ständig. »Wenn du einen sprechenden Hund auf der Straße siehst, vergewissere dich, ob es nicht doch ein Khajiit ist. Wenn nein: Lauf um dein Leben! Und wenn ja: Lauf noch schneller! Melde den Sklaven einer Wache.«
Hermaeus Mora ist auch ein Sonderfall in der Schule. Er ist weder gut noch böse. So viel wie ich beim Lauschen der älteren Klassen erfahren habe, ist er einfach ein großes Auge mit Tentakeln in einer großen Bibliothek. Wirklich nichts spricht mich an ihm an, wenn ich ehrlich bin. Aber Serjo Sadras sagt stets, man müsse die Daedra nicht fürchten aber mindesten respektieren. Also tu ich das. Mein Respekt für die vielen Bücher.
Wann immer Vater auf die Jagd in den Sümpfen ist, höre ich einige Fremdländer-Kameraden, die zu Hircine beten. Ich weiß nicht warum. Es heißt doch bloß, dass, wenn man ihn anbetet und stirbt man bei ihm landet, oder nicht? Doch Papa sagte, es solle Glück bringen, vor einer Jagd dem Herren der Jagd anzurufen.
Wen ich oft mit Mephala verwechsele, ist Vaermina. Mama sagt, wer sich nicht benimmt, wird im Schlaf von ihr gejagt. Also ist sie wohl eine Hircine der Träume? Ich kenne Omas kleinen Talisman. Ein großer Ring, den sie am Fenster aufhängt und wo drinnen viele Fäden sind, wie ein Spinnennetz. Das soll schlechte Träume abwehren und sei »Der dunklen Dame« gewidmet.
Meridia muss wohl das Gegenteil zu Vaermina sein. Hell und voller Licht. Sie habe wohl des Öfteren ihren Champion ausgeschickt und der hat ein Schwert aus Flammen oder so. Die ist vor allem bei den Mädchen beliebt. Wenn ich Alvila einen Götzen für Meridia kaufe, könnte es meine Chancen bei ihr erhöhen.
Jetzt bin ich verwirrt. Ist Namira wie Vaermina? Ich las etwas von Spinnen-Damen und verdunkelten Gemütern. Sollte man dafür nicht einen Talisman vor dem Fenster hängen?
Nocturnal. Wieder eine Frau. Wieder düster und mysteriös. Und so ätzend. Wenn ein Mädchen in der Schule besonders traurig zu sein scheint, fühlt sie sich Nocturnal nahe, aber Papa sagte mir mal, sie sei die Matrone der Diebe. Weiß nicht, wieso Mädchen darauf abfahren (statt auf mich!)
Immer, wenn ich krank werde, was häufig vorkommt, legt mir Mutter ein nasses Tuch auf die Stirn und sagt »Da hat die Peryite einen Streich gespielt, was?«. Ich bin ehrlich: Ein Daedra der Krank macht, ist nichts, was ich anbetungswürdig finde. Gibt es Leute, die ihn anbeten?
Sanguine ist auch ein Daedra der mir wenig sagt. Er soll entweder dick sein oder viel feiern oder beides. Doch haben wir ihn im Unterricht kaum besprochen. »Nicht nur, dass er nichts für euch ist«, sagte Serjo Sadras. »Es bringt euch nichts, etwas über ihn zu lernen. Wenn ihr mehr wissen wollt, geht in den Tempel.« Und das mache ich morgen auch. Da lese ich dann auch über Molag Bal, denn zu ihm spricht keiner der Lehrer. Meine Noten sind so schäbig, wenn ich mir dadurch keinen Vorteil im Unterricht verschaffe, bin ich verloren.
***
Ich las die rote Chronik von Molag Bal gelesen. Ich ... ich habe Angst. Ich las die Auflistung seiner Taten. Die Kategorie »Notzucht« hat viel schlimmes erklärt. Auch in Zusammenhang mit Vivec! Ich las Dinge, die nicht stimmen konnten. Ich weiß nicht, wie Daedra und Vivecs funktionieren, aber der Mund ... ich meine, es kann doch nicht stimmen, dass der heilige Speer des Fürsten der ... habe ich mir ein Spielzeug gekauft, dass aussieht wie ein Schwanz?!
Die Mähne anlegen
[Bericht des Aldmeri-Abgeorgdneten Narwaruunawende über seinen Besuch bei der Krönung der Mähne.]
Als ich die hohen Hallen des Palastes von Torval betreten hatte, empfand ich eine tiefe Ehrfurcht gegenüber dem Gemäuer. Selbst meinem, architektonisch ungeschultem Auge, war die menge an Talent und Kunstfertigkeit bewusst, die für die Errichtung dieses Gebäudes von Nöten war. Sicher, drüben im Archipel konnten wir uns in unseren Marmor-Gebäuden und spitzen, schneeweißen Türmen ausruhen und mit Verachtung auf die niederen Völker, wie meine Brüder und Schwestern sie nannten, herabblicken. Doch muss man stets die Umstände vor Augen halten, welche die Errichtung der Städte vorangingen.
Wir Altmer können uns ob des Klimas unserer Inseln glücklich schätzen. Milde Sommer, kühle Winter und mehr Wasser, als wir wohl je benötigen. Dass ein so langlebiges Volk wie die Salachen unter solchen Umständen, die kaum ein Hindernis darzustellen vermochten, blühen und gedeihen konnten, wirkt auf mich wie eine Selbstverständlichkeit.
Und dann haben wir hier im starken Kontrast die Khajiit in Elsweyr. Trockene wüsten, wenige Oasen, heiße Sommer und wie auch immer das Land das vermochte, noch heißere Winter. Kaum mehr als wenig schlauerer Haustiere, wenn es nach dem Blut meines Blutes ginge, schafften es die Kahjiit hier Sesshaft zu werden und zu gedeihen, als wäre das Wetter das normalste auf der Welt. Und auch ich sah mich, geboren mit goldener Haut, als reiner zum Ursprung der Welt gehörend. Doch seit ich hier in Elsweyr residieren muss, um dem Bund die nötigen Informationen zukommen zu lassen, kann ich nicht aufhören, über diese Kultur zu staunen.
Die Hallen, in denen ich mich an dem Tag befand, waren hoch gebaut und voller Verzierungen, wie es selbst die besten Steinmetze Auridons nicht zu schaffen vermochten. Detaillierte Reliefs zeigten das Katzen-Volk in unterschiedlichsten Posen und Unterarten. Zwar vermochte der Anblick eines Alfiq-Khajiit mit einem Bidenhänder zwischen den kleinen Pfötchen auf mich witzig und niedlich wirken, doch konnte ich es mir nicht erdreisten, zu lachen, denn dieser Alfiq, kaum größer als die gemeine Alinor-Hauskatze, war der »Rotglühende-Schlächter von Senechal«, der in der frühen zweiten Ära einen Khajiit-Stamm eigenhändig auslöschte und sein Fell mit dem Blut der Toten färbte. Er dient seit jeher als Vorbild, nicht nur für andere Alfiq, sondern für jeden Khajiit.
Vor den Wänden prangerten große Statuen aus Sandstein. Diese zeigten jedoch keine Helden, wie es Statuen überall auf Tamriel sonst tun würden, sondern dienen sie einzig der Repräsentation einer jeden Khajiit-Unterart. Senche-Raht angereiht an Alfiq. Alfiq-Raht angereiht neben Cathay-Raht und die normalen Cathay fast schon erdrücken klein daneben.
Als man mein Erscheinen bemerkt hatte, führte mich eine leicht bekleidete Cathay zu einem Tisch. Zu meinem Verdruss muss ich zugeben, dass trotz des Fells, welcher jeden Körper der Kahjiit ziert, die Rundungen eben jener Unterart äußerst Reizvoll auf mich wirkte. Ich hörte damals in Rellenthil von einigen reisenden Salachen, wie sie vom weichen Fell während des Liebesaktes schwärmten und konnte diese Begeisterung bis zu meiner Reise nicht verstehen. Doch mögen mir die Götter und meine Ahnen die Kraft geben, meiner wunderschönen Ehefrau zu Hause keine Schande zu bereiten.
Die Feier zur Krönung der Mähne nahm sehr schnell an Fahrt auf. Zuerst kamen Händler und Adelige, dann Häuptlinge und Bauern. Jede Gesellschaftsschicht war hier willkommen, etwas, dass ich so zu Hause nie erleben durfte. Aufgrund der sehr betörenden Art und Weise, wie Khajiit feierten, fühlte ich mich schnell eingeschüchtert. Ich behielt meine Kapuze auf und stierte auf das Essen an meinem Platz. Fleisch in den wildesten Duftnoten. »Frisch vom Senche erlegt«, versprach man mir. »Hier sieht man noch die Fangzahn-Spuren. Möchten Sie den Jäger kennenlernen? Er ruht gerade am Wasser!« Auch wenn ich das Angebot dankend ablehnte, musste ich zugeben, dass das Fleisch vorzüglich war.
Und dann trat die Mähne hinein und ich konnte meinen Augen kaum trauen. Völlig entkleidet stand er auf einer Bühne. Und niemand schien Scham zu verspüren außer mir. Als Cathay-Raht war der Mann mehrere Köpfe höher als ich und seine Statur ließ mir das Blut in den Aden gefrieren. Würde er einen Bidenhänder in die Hand nehmen, wie es der Rotglühende-Schlächter von Senechal auf dem Relief tat, so würde ich mir vor Furcht mein schwarz-goldenes Gewand einsauen, so beschämend diese Furcht auch war.
Der Cathay-Raht kniete auf der Bühne und schloss langsam seine Augen, was jeden der feiernden Gäste dazu bewegte, sich auf die Bänke und Tische an den Seiten der Halle hinzusetzen.
»Ach ja«, sagte eine schwarzhaarige Alfiq neben mir, die auf dem Tisch hockte, kaum größer als der Braten vor ihr. »Diese weiß noch, wie er frisch geboren wurde und sich an meiner Brust labte.«
Ich schaffte es mit Mühe und Not meine Verwunderung ob der Größenunterschiede zu verstecken und legte meine Maske als Aldmeri-Abgeordneten an. »Ihr seid also seine Mutter?«
»He, nein, nein. Hätte diese einen Cathay-Raht geboren, so wäre diese gestorben und die Geburt der Mähne ein schlechtes Omen gewesen. Nie wäre er zu einer Mähne geworden.«
»Aber ihr habt ihn an eurer Brust genährt?«
»Sicher. Das war meine Aufgabe. Ich weiß, man sieht es dieser nicht an, aber zum Krieger wurde diese nicht geboren. Diese ist Händlerin und wurde mit reichlich Muttermilch gesegnet.«
»Ich ... verstehe.« Ich schluckte mein Verlegenheit herunter und schaute wieder zur Mähne.
Ich erkannte zwei Weibchen, die einige Zeit lang das Fell der Mähne mit Ebenholz-Bürsten pflegten, ehe ein weiterer Cathay in grellroter Robe mit goldenen Ketten aus dem Hinterzimmer dazu trat. In seiner Hand so viel Fell in den verschiedensten Farben, wie ich es sonst nur von den Märkten meiner Heimat kannte.
Während der gesamten Zeremonie stand der alte Khajiit in Robe einfach da, das Fell in seiner Hand, während die Damen an den Seiten eine Strähne nach der anderen nahmen und in das Fell einarbeiteten. Nach einigen Minuten der Stille, jeder schien dieses Spektakel zu beobachten, vernahm ich den stechenden Geruch von brennendem Haar.
Ich versuchte meinen Blick auf die Mähne gerichtet zu halten aber auch den Ursprung des Geruchs zu finden.
»Man riecht schon fast das Essen nicht mehr«, sagte ich beiläufig, in der Hoffnung, dass die Khajiit, mit ihren geschärften Sinnen, nun ebenfalls das Feuer zu riechen vermögen.
»Das ist normal«, sagte die Alfiq. »Die unterste Schicht des Fells ist die wichtigste. Nur, wenn diese fest ist, können die anderen Strähnen angebracht werden. Daher werden die Strähnen an das Fell gelötet.«
»Interessant. Und wenn er entthront wird?«
Nun spürte ich die harte Pranke der Khajiit in meinem Arm. Kaum mehr, als das spielerische Kratzen einer Katze, doch das Zischen von ihr war deutlich angsteinflößender. So sehr, dass ich meinen Blick von der Mähne hob.
»So was sagt man nicht! Er wird Mähne sein, bis er stirbt. Und dann rupft man das Fell samt seines eigenen heraus.«
»Entschuldigung. Ich bin mit den Gepflogenheiten Eures Volkes nicht vertraut. Ich wollte keinerlei Angriff auf die Mähne und ihren Machtanspruch üben.«
»Schon gut. Ihr Altmer seit ja vieles. Vor allem vorlaut, ja?«
Als ich wieder zur Mähne schaute, bereits deutlich mehr Fell am Körper als zuvor, entfernten sich die beiden Damen einige Schritte und der mittlerweile schwitzende Khajiit in roter Robe nickte. Die Damen stiegen von der Bühne herab und der Schmuck an ihren Gewändern klimperte, als sie einen Gast nach dem anderen zu sich boten. Immer zwei auf einmal.
»Was passiert jetzt?«, fragte ich die Alfiq.
»Na, die Gäste sind dran. Jede Strähne hat eine Bedeutung. Seht ihr den da rechts? Das ist Nuzal-Dar. Er leitet die Händlergemeinde von Corinthe, wo die 41. Mähne geboren wurde, als Händler.«
»Einer eurer Herrscher war mal ein einfacher Händler?«
»Natürlich. Und daher steht es einem Händler zu, die Händler-Strähne anzubringen, ja?«
Nach und nach wurden die Gäste hinauf gebracht, brachte die Strähnen an und verließen die Bühne wieder. Gelegentlich erkannte ich, wie die Mähne zu den Gästen sprach und dann plötzlich, stand einer der besonders kurvigen Khajiit vor mir und reichte mir die Hand, die ich, indoktriniert vom Adels-Unterricht, sofort annahm. Ich weiß noch, wie das weiche Fell auf meiner Hand kitzelte.
Sanft führte mich die Cathay die Stufen zur Bühne hinauf. Ich stand alleine dort und sah eine letzte Strähne, die der sichtlich erschöpfte Kahjiit in roter Robe auf einem ebenso roten Kissen trug.
»Ich?«, fragte ich und der Khajiit nickte. Meine Hände zitterte, als ich die silberne Strähne am Goldring packte und mit beiden Händen, wie ein neugeborenes hielt. Ich beugte mich hinunter zur Mähne.
»Hänge sie an, wo du willst«, hörte ich die Mähne plötzlich flüstern. »Sie gehörte Rid-Thar-ri´Datta, dem öffnendem Khajiit.«
»Unter seiner Herrschaft fingen wir an, mit anderen Völkern zu handeln«, brummte der Khajiit in roter Robe hinter mir. »Daher ist es nur Fair, wenn ein Gast sie anbringt.«
»Natürlich«, sagte ich und legte das weiche, geölte Fell zwischen meinem Zeigefinger und Daumen und vermischte die Enden der Strähne mit dem Fell der Mähne, ließ dann Hitze durch meine Finger gleiten, verschmolz die Strähnen.
»Gut so?«, fragte ich nervös und der Khajiit in roter Robe beugte sich zu mir.
»Sieht gut genug aus.«
Dann plötzlich stand die Mähne auf und ich sah zum ersten mal all die Pracht, die von dem Fell ausging. Strähnen in verschiedensten Farben, stilvoll geflochten und mit mehr Gold und Glocken behängt, als jeder Königsmantel der Altmer.
Mit einer gezielten Bewegung schlug die Mähne ihr Fell über den Körper und erschuf so einen blickdichten Mantel. Am Ende drehte er sich zu mir und legte seine Stirn auf die Meine.