Claes Oldenbourg. Mai 2022
Und immer wieder der Oldenbourg-Knödel.
Ernsthafte Fotografen stellen sich mit neuen Objektiven erstmal vor eine hübsche Backsteinmauer und machen mit jeder Blende mindestens ein Bild.
Ich Photo-Prolet dagegen fahr zum Knödel und mach ein Bild mit Blende 8. Das langt mir. Kann man zwar Dinge wie Kissenverzerrung oder Vignettierung bzw. cos4-Randabfall nicht diagnostizieren. Aber erstere nehme ich als göttlichen Willen demütig hin, letzteren finde ich sowieso ganz schick. Wenn das Objektiv nicht selbst für dunklere Ränder sorgt, dann besorg ich das nachher in der Dunkelkammer, wie man auf meinen Abzügen auf Papier sehen kann.
Da geht mein Geschmack ganz konform mit dem des Online-Photographers, der kürzlich ähnliches schrieb. Ich behandle meine Tirages aber schon seit Jahren so.
Ich liebe dieses elegante “Ziehen” des Lichtes vom Rand zur Mitte hin unter dem Vergrößerer. Schade, daß das keine Sau mitkriegt, was für anmutige Tempeltänzer-Bewegungen ich da mit schwarzen Karton bewaffnet im Rotlicht vollführe.
Wär doch mal was für John Neumeier. “Der Tanz der nackten Laboranten im Sicherheits-Licht.” Damit es nicht zu schwul kitschig wird, werden natürlich auch die Säuren, Laugen und Bäder nicht vergessen, die zu jedem Labor dazugehören. Und die Gummischläuche, die extragroßen Thermometer und die Wannen temperierten Wassers.
Wunderschöne Retuscheurinnen, nackt unter dem Kittel aus ägyptischer Baumwolle, umtanzen den armen Bühnen-Antonius in teuflischer Verführung, die Haut mit todbringenden Flüssigkeiten benetzt. Sie wedeln ihn ab und brennen ihn ein ....
Am Ende schieben die Beleuchter Filter 5 ein für “ganz hart” und es kommt die schwarze Erdmutter Gaja zu Oboenklängen mit Kesselpauke gestampft. Rettet alle, indem sie die Bösen Cis-Binären mit Farmerschem Abschwächer eliminiert. Der Chor singt dräuend und wähnend “Blutlaugensalz”. Und das Publikum trägt inzwischen Gummikittel und Gasmaske.
“Die 0-Yellow/130-Magenta-Hölle von Haemorrh. (Nach der Tabelle der Teufel von Durst).”
“The Backstabbing Dodgers of Burn.”
Naja, klebrige Insiderscherze auf Böhmermann-Niveau.
Mitnichten ist die gute alte analoge Dunkelkammer tot. Nein, gerade im digitalen Zeitalter macht sie eine zweite Karriere als non-binary Darkroom. Was für ein Schenkelklopfer. Auch der letzte genderfluide non-binary Fetter-Grandpa-heißt-jetzt-Pawleena-Porno wird in das binäre Raster aus Null und Eins gequetscht. Sonst müsst man’s ja auf VHS glotzen. Total un-fluid. Binärer geht nicht. Das binärste wo möglich ist.
Man fragt sich, wie sie das wegstecken. Ich warte auf den Tag, an dem die erste Informatik-Aktivistix die Herstellung von non-binary-Hardware verlangt. Nicht nur Schalter für an und aus, sondern auch für weissnich und ichaber. Und Prozessoren mit speziellen Registern zum Ablegen postkolonialer Rechenergebnisse. Und die von alten weissen Männern geschriebene Maschinensprache muss auch genderneutral überarbeitet werden. Die kennt zwar keine Genera, aber umso schlimmer. Allein die menschenverachtenden Sprungadressen wären ein Grund, ein paar von diesen Ingenieuren in die Sicherungsverwahrung zu schicken.
* Die von bösen alten Weissen (und ihren Verbündeten, den bösen weissen Alten) auf Mord dressierten Kodak-Bären lass ich jetzt mal aus dramaturgischen Gründen weg. Die sparen wir uns auf für die Film-Version von “Safety-Dance in the Darkroom. Horror of Haemorrh.” Mann, ich könnt hier ewig so weitermachen.