Ein Interview von CrimethInc. mit Anarchist*innen aus Indonesien über die Aufstände 2024.
Wichtige Grundlage um auch die kürzlichen Aufstände zu verstehen – entnommen aus dem bald erscheinendem (und nun bei uns vorbestellbaren) Buch ›Indonesien: Anarchistische Stimmen aus den Aufständen‹
➡️ https://cwc.im/Indonesien2024
»Ich möchte, dass wir wütend bleiben, und ich möchte, dass der Staat erneut in Panik gerät. Wir sehen uns bei der nächsten Demonstration, und bei der nächsten, und bei der nächsten. Lang lebe der Widerstand, lang lebe die Solidarität!«
📔 Buch zu den Aufständen in Indonesien (Vorbestellung):
Textsammlung zu den Aufständen in Indonesien – mit Beiträgen von unter anderen CrimethInc.
In der neuen Post-Reihe gehen wir auf die gewaltfreie Revolutionstheorie von Theodor Ebert ein. Diese ist besonders wertvoll, weil sie zeigt, wie die herrschende Klasse wahrscheinlich auf verschiedene Arten bzw. Eskalationsstufen eines Aufstandes reagieren wird. In den folgenden Posts sehen wir uns die Eskalationsstufen dann im Einzelnen an.
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Menschen aus Chile teilen ihre Gedanken und persönlichen Erfahrungen zu den Protesten.
"Im Alter von 16 Jahren zerstörte der Faschismus meine Jugend, aber nicht mein Bewusstsein. Er zerstörte meinen Traum, eine freie Dichterin zu sein, aber nicht meine Verantwortung und mein Engagement für das Leben. Er tötete meine nächsten Lieben, aber mein Herz erlaubte kein Vergessen. Er brachte ein Volk von Arbeitern zum Schweigen, das nach Gerechtigkeit und Gleichheit strebte, aber aus dem tiefsten Schmerz erwuchs ein Kampf, der den Diktator zu Fall brachte. Heute sind es dieselben Menschen, die weiter eine ausgebeutete, verarmte und marginalisierte Bevölkerung missbrauchen. Und es sind dieselben Menschen, die heute Kugeln und Unterdrückung auf die Straße bringen. Aber heute begegnen ihnen Tausende und Abertausende von Menschen; Junge, Alte, Anarchisten, Mutige, Rebellen – wach und bereit, die Würde zu verteidigen.
ES IST NOCH NICHT VORBEI
Die sozialen Proteste in Chile könnten das Land von Grund auf verändern
"#ChileDespertó (Chile ist aufgewacht) lautet der Slogan, der die Ereignisse der letzten Wochen wohl am besten auf den Punkt bringt. Nach über 40 Jahren Neoliberalismus par exellence haben die Menschen endgültig genug von einem System, das Chile zwar zu einem der reichsten, aber auch zu einem der ungleichsten Länder Lateinamerikas gemacht hat. Für einen Großteil der Bevölkerung sind die geringen Einkommen und steigenden Lebenshaltungskosten nicht mehr tragbar. Eine Erhöhung der Fahrpreise für den öffentlichen Nahverkehr hat das Fass Mitte Oktober zum Überlaufen gebracht, seitdem reißen die Proteste nicht ab. Zur größten Demo in Santiago kamen bis zu 1,5 Millionen Menschen – der Anfang vom Ende des neoliberalen Systems in Chile?"
In der dritten Eskalationsstufe der gewaltfreien Revolutionstheorie von Theodor Ebert beginnt die herrschende Klasse durch den Staat auch aktiv Gewalt auszuüben, die auch über das bestehende Rechtssystem hinaus gehen, zum Beispiel durch einen Ausnahmezustand.
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"Seit Mitte Oktober 2019 wird in Santiago de Chile jeden Freitag demonstriert. Im ganzen Land wurden dutzende Einkaufszentren abgefackelt, hunderte Polizeireviere verwüstet, ebenso Büros, Hotels und Banken. Neue soziale Akteure, fern der Parteien und Institutionen, haben die chilenischen Eliten in Angst und Schrecken versetzt. Sie fordern ein neues Gesellschaftsmodell."
"Es gab auch ermutigende Reaktionen von Radikalen in Frankreich und darüber hinaus. Nach anfänglicher Skepsis gegenüber der Natur der Gilets Jaunes (die wir teilten), hat die überwiegende Mehrheit der revolutionären Linken beschlossen, die Protestbewegung aktiv zu unterstützen und ihre reaktionären Elemente von innen heraus zu bekämpfen. Dies bedeutet eine erfrischende Abkehr von der Praxis, Kübel voller ideologischer Häme über Jenen auszuleeren, deren Revolte nicht in völligem Einklang mit einer ganz genau definierten Sprache und klar definierten Prinzipien steht und die nicht über die notwendige Reife und Standhaftigkeit verfügen, die für die Zukunft des antikapitalistischen Kämpfe nur Gutes verheißen.
Es wird, so nehmen wir an, immer noch diejenigen Linken und Anarchisten geben, die den gegenwärtigen Aufstand in Frankreich mit Verachtung behandeln. Vielleicht ist es an der Zeit, dass diese Pseudo-Linken die Wahrheit sagen und zugeben, dass sie eigentlich gar nicht für eine Revolution sind, sondern einfach die Rhetorik des Widerstands nutzen, um einige kleine Liberalisierungsfortschritte im Status quo zu erringen? Vielleicht ist es an der Zeit, dass sie sich leise in die seelenlose Sterilität ihrer politisch reinen “safer spaces” zurückziehen und den schmutzigen, rauen, unkontrollierbaren Mob auf die Straßen stürmen und die korrupten Zitadellen der Macht niederbrennen lassen?"