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Weegee (Arthur Fellig), Woman With Her Crow at the Limelight Cafe, Greenwich Village, NYC, 1950s.
"Je freier die Menschheit wird, desto weniger hat die Freiheit des Einzelnen einen Sinn. Das zu verkennen, war der Irrtum von Karl Marx. Sein System ist undialektisch. Bei der letzten Änderung, dem letzten großen Umschlag der Quantität, wo die Freiheit eines Teils der Gesellschaft in die aller umschlagen soll, bleibt trotz aller vielsagenden Worte die Qualität dieselbe. Die Freiheit aller Menschen ist die des Bürgers, der seine Fähigkeiten entfalten kann, ähnlich wie schon Goethe es sich dachte. Darauf, daß jene Fähigkeiten selbst zur Weise bürgerlicher Produktion, der Wissenschaft und Technik gehören, deren die Gesellschaft zu ihrem Wachstum und im Kampf mit der Natur bedarf, haben die Begründer des modernen Sozialismus nicht reflektiert. Sie waren im Grunde Idealisten und glaubten an die Selbstverwirklichung des absoluten Subjekts. Über Hegel sind sie zu Fichte als dem Metaphysiker der Französischen Revolution zurückgekehrt. Freiheit aber ist nicht ein Ende, sondern ein vorübergehendes Mittel in der Anpassung der Tierrasse Mensch an die Bedingungen ihrer Existenz. Der Zweck ihrer Erziehung ist wahrscheinlich nichts anderes als Fortzeugung bei geringstem Widerstand. Jedes System ist falsch, das von Marx nicht weniger als das von Aristoteles —wieviel Wahres sie beide auch gesehen haben."
Horkheimer, Max (1991/1959–1960): Permanent education, in: ders.: Gesammelte Schriften Band 6: ›Zur Kritik der instrumentellen Vernunft‹ und ›Notizen 1949–1969‹, Fischer Taschenbuch Verlag, Franlfurt a. M., S. 352.
Dublin, Ireland, ca. 1957 - by Leonard McCombe (1923 - 2015), American
Dublin, Ireland, ca. 1957 - by Leonard McCombe (1923 - 2015), American
Der Gebrauch von Kategorien wie Totalität und Wesen bestärkt das Vorurteil, die Dialektiker beschäftigten sich mit unverbindlich Globalem, während die Positivisten es mit soliden Details zu tun hätten, die Fakten von aller windigen begrifflichen Zutat säuberten. Dem szientifischen Usus, Dialektik als durch die Hintertür eingeschlichene Theologie zu brandmarken, ist die Differenz des gesellschaftlichen Systemcharakters vom sogenannten ganzheitlichen Denken entgegenzuhalten. System ist die Gesellschaft als Synthesis eines atomisierten Mannigfaltigen, als reale, doch abstrakte Zusammenfassung eines keineswegs unmittelbar, 'organisch' Verbundenen. Das Tauschverhältnis verleiht dem System in weitem Maß mechanischen Charakter: es ist seinen Elementen objektiv aufgestülpt, durchaus nicht, wie es im Organismusbegriff liegt, dem Modell einer göttlichen Teleologie ähnlich, durch welche jedes Organ seine Funktion im Ganzen hätte und von diesem Sinn empfinge. Der Zusammenhang, welcher das Leben perpetuiert, zerreißt es zugleich und hat darum an sich schon jenes Totenhafte, auf das seine Dynamik sich hinbewegt. In der Kritik ganzheitlicher und organizistischer Ideologie bleibt die Dialektik an Schärfe nicht hinter den Positivisten zurück. Eine Variante des gleichen Sachverhalts ist, daß der Begriff der gesellschaftlichen Totalität nicht ontologisiert, nicht seinerseits zu einem ansichseienden Ersten gemacht werden darf. Positivisten wie jüngst noch Scheuch, die das der dialektischen Theorie zuschreiben, mißverstehen sie schlicht. Den Begriff eines ansichseienden Ersten überhaupt akzeptiert Dialektik weniger als die Positivisten. Das Telos dialektischer Betrachtung der Gesellschaft ist der globalen konträr. Trotz der Reflexion auf Totalität verfährt Dialektik nicht von oben her, sondern trachtet, das antinomische Verhältnis von Allgemeinem und Besonderem durch ihr Verfahren theoretisch zu bewältigen.
Adorno, Theodor W. (1979/1969): Einleitung zum »Positivismusstreit in der deutschen Soziologie«, in: ders.: Soziologische Schriften I, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M., S. 320f.
Silkie chick
Das Leben wäre nur halb so nett, wenn keiner einen Vogel hätt.
Neue Perspektive
Wenn die alte Welt hinter dir her ist.
Wenn aber die Skepsis schlecht ist, so ist die Gewißheit um nichts besser. Die Illusion des naturnotwendigen Eintritts der sozialistischen Ordnung gefährdet das richtige Handeln kaum weniger als der skeptische Unglaube. Wenn Marx den Sozialismus nicht bewiesen hat, so hat er gezeigt, daß es im Kapitalismus Entwicklungstendenzen gibt, welche ihn möglich machen. Die an ihm Interessierten wissen, wo sie anzugreifen haben. Die sozialistische Gesellschaftsordnung wird von der Weltgeschichte nicht verhindert, sie ist historisch möglich; verwirklicht wird sie aber nicht von einer der Geschichte immanenten Logik, sondern von den an der Theorie geschulten, zum Bessern entschlossenen Menschen, oder überhaupt nicht.
Horkheimer, Max (1987/1934): Dämmerung. Notizen in Deutschland, in: ders.: Gesammelte Schriften Band 2: Philosophische Frühschriften 1922–1932, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. M., S. 344.
Ich bin der Meinung, ein wirkliches Glück ohne Müßiggang ist unmöglich.
Anton Pawlowitsch Tschechow
Frantz Omar Fanon
Frantz Omar Fanon (* 20. Juli 1925 in Fort-de-France, Martinique; † 6. Dezember 1961 in Bethesda, Maryland)
Der schwedische Filmemacher Göran Hugo Olsson verbindet in "Concerning Violence" Fernseharchivmaterial über die afrikanischen Befreiungsbewegungen der 1960er- und 1970er-Jahre mit Fragementen aus dem historischen Text Die Verdammten dieser Erde von Frantz Fanon, einem Vordenker der Entkolonialisierung. "Concerning Violence" beleuchtet dabei Fanons Analysen über die Folgen der Kolonialisierung Afrikas und zeigt, so die Preis-Jury, "dass Gewalt weiterhin eine zentrale und gesellschaftliche Herausforderung ist".
2014 wurde der dokumentarische Kompilationsfilm "Concerning Violence – Nine Scenes from the Anti-Imperialistic Self-Defence" im Rahmen der B
Leckt mich!
Gelassenheit
Was von der „Zivilisation" übrig bleibt.
Ab einem gewissen Punkt wird der industrielle Fortschritt von der Notwendigkeit vorangetrieben, die wachsenden Probleme zu lösen, die er verursacht. – Nicolás Gómez Dávila