Die WM als Chance für die russische Zivilgesellschaft
Drei von vier Befragten (75 %) äußern außerdem die Vermutung, dass sich die Austragung der FIFA WM 2018 im Nachhinein als vorteilhaft für die Bevölkerung Russlands erweisen wird. Peruaner (93 %), Serben (90 %) und Chinesen (88 %) zeigen sich diesbezüglich besonders optimistisch, während die russischen Umfrageteilnehmer selbst eine deutlich skeptischere Haltung erkennen lassen (66 %). In Großbritannien (56 %), Deutschland (53 %) und Belgien (50 %) werden die Auswirkungen des Sportspektakels auf das Gemeinwohl der russischen Zivilgesellschaft weniger positiv beurteilt.
Russlands Image hat gewonnen – aber nicht bei Deutschen und Briten
Auch die allgemeine Einstellung der Menschen gegenüber Russland scheint sich im Angesicht der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft deutlich verbessert zu haben. Mehr als die Hälfte aller Befragten weltweit (56 %) gibt an, nun besser über Russland zu denken. In Indien (86 %), China (84 %) und Peru (83 %) fällt die Zustimmung zu dieser Aussage überproportional hoch aus. Bei Deutschen (24 %), Belgiern (22 %) und Briten (22 %) hat sich dagegen nur zu geringen Teilen, die Einstellung gegenüber Russland im Zusammenhang mit der Frage des WM-Austragungsortes verbessert.
Wenig Sicherheitsbedenken
Darüber hinaus teilen weltweit zwei Drittel der Befragten (67 %) die Einschätzung, dass es für Fans aus ihrem Land sicher ist, nach Russland zu reisen, um die WM-Spiele live vor Ort mitzuerleben. Bei der Bewertung des subjektiven Sicherheitsempfindens lassen die Umfrageergebnisse jedoch eine massive Diskrepanz zwischen den verschiedenen untersuchten Nationalitäten erkennen. Während in Serbien mehr als neun von zehn Umfrageteilnehmern (91 %) angeben, es sei für serbische Fußballfans sicher, an der WM teilzunehmen, kann in Deutschland nur jeder Zweite (56 %) dieser Aussage zustimmen. Als besonders prekär wird die Sicherheitslage von den Briten eingeschätzt: Nicht einmal jede dritte befragte Person aus Großbritannien (31 %) ist der Überzeugung, dass es derzeit vollkommen unbedenklich ist, als britischer Staatsbürger für die Weltmeisterschaft nach Russland zu reisen.
Russische Bevölkerung zeigt kaum Interesse am Fußball
Obgleich die FIFA WM 2018 im eigenen Land stattfindet, zeigen die Russen im Vergleich zu anderen Nationen paradoxerweise das geringste Interesse am Fußball. Weniger als jeder zehnte Befragte (9 %) aus Russland, der schon etwas von der diesjährigen WM gehört hat, bezeichnet sich selbst als leidenschaftlicher Fußballanhänger. Im Gegenzug geben mehr als sieben von zehn Russen (71 %) an, Fußballspiele nur gelegentlich oder gar nicht zu verfolgen. Gemessen am Gastgeberland weisen die Deutschen, denen die WM bekannt ist, eine deutlich höhere Affinität zum Fußball auf. Beinahe jeder zweite (49 %) sagt aus, Fußball so oft wie möglich anzuschauen oder zumindest regelmäßig die Partien der eigenen Nationalmannschaft oder des jeweils favorisierten Vereins zu verfolgen. Die leidenschaftlichsten Fußballfans finden sich jedoch nicht hierzulande, sondern im Nahen Osten: Mehr als drei Viertel (76 %) aller Befragten aus dem Königreich Saudi-Arabien sehen entweder regelmäßig oder sogar sehr häufig Fußball, nur jeder zehnte (11 %) Saudi zeigt gar kein Interesse an der Ballsportart Nummer eins.
Methode: Insgesamt wurden 19.766 Personen zwischen dem 20. April und dem 04. Mai 2018 interviewt. Die Befragung wurde über das Ipsos Online Panel in 27 Ländern weltweit durchgeführt.
Ungefähr 1000 Teilnehmer im Alter von 16-64 Jahren oder 18-64 Jahren wurden in Australien, Brasilien, Kanada, China, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, Mexiko, Spanien, Großbritannien und den USA befragt. Ungefähr 500 Menschen im Alter von 16-64 Jahren wurden jeweils in Argentinien, Belgien, Chile, Ungarn, Indien, Malaysia, Peru, Polen, Russland, Saudi-Arabien, Serbien, Südafrika, Südkorea, Schweden und der Türkei befragt.
Ein Screener identifizierte insgesamt 12.207 Umfrageteilnehmer, die angegeben hatten, bereits im Vorfeld etwas über die bevorstehende FIFA Fußball-Weltmeisterschaft gesehen, gehört oder gelesen zu haben. Diese Gruppe beantwortete schließlich die angeführten Fragen.
Es wurde eine Gewichtung der Daten vorgenommen, um die demografischen Merkmale auszugleichen und damit sicherzustellen, dass die Stichprobe die aktuellen offiziellen Strukturdaten der erwachsenen Bevölkerung eines jeden Landes widerspiegelt. 16 der 27 untersuchten Länder stellen jeweils repräsentative Stichproben dar (Argentinien, Australien, Belgien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Ungarn, Italien, Japan, Polen, Serbien, Südkorea, Spanien, Schweden und USA). Brasilien, Chile, China, Indien, Malaysia, Mexiko, Peru, Russland, Saudi-Arabien, Südafrika und die Türkei repräsentieren eine nationale Stichprobe, welche eher die wohlhabende und gut vernetzte Bevölkerung abbildet. Gerade diese Bevölkerungsgruppe nimmt in den genannten Ländern jedoch eine wichtige gesellschaftliche Rolle ein.
16. Juni 2018
Am Donnerstagnachmittag wurde in Moskau die Fußball-Weltmeisterschaft eröffnet, und während Fußballfans sich auf einen Monat voller spannender Spiele freuen, sorgt sich so mancher Arbeitgeber um die Konzentration seiner Angestellten.
Tatsache ist: Auch während dieser WM werden einige Spiele in die Arbeitszeit fallen, und wer ein richtiger Fußballfan ist, lässt sich auch fußballerische Leckerbissen wie beispielsweise Kolumbien gegen Japan ungern entgehen. Dass das Spiel am Dienstag um 14 Uhr angepfiffen wird, dürfte den geneigten Fan kaum davon abhalten, es zumindest mit einem Auge zu beobachten.
Wie groß das Ablenkungspotenzial der WM am Arbeitsplatz ist, hängt maßgeblich von der Zeitzone ab. So können Chefs in weiten Teilen Asiens und in Australien entspannt in Richtung Russland blicken, denn hier finden die Spiele überwiegend in den späten Abend- und frühen Morgenstunden statt. Wer ein Unternehmen in Rio führt, sollte für die kommenden Wochen jedoch nicht mit Höchstleistungen rechnen: Hier überschneiden sich die WM-Spiele mehr als 60 Stunden mit der regulären Arbeitszeit. Felix Richter