Die Entscheidung fällt erst später in der Stadtvertretung
Mit knapper Mehrheit (6 Ja-, / 5 Nein-Stimmen) votierten die Mitglieder des Bauausschusses in jüngster Sitzung, die Montagabend in der Inselschule stattfand, für die Änderung des B-Plans Nr. 60 und somit für die Erweiterung der Einzelhandelsmärkte und den Neubau eines Drogeriefachmarktes. Aber dennoch ist alles offen, denn dieser Beschluss gilt nur als Empfehlung für die Stadtvertretung, die erst später darüber beraten wird. Auf der Tagesordnung der kommenden Sitzung am Donnerstag (17. Juni 2021) steht dieser Punkt jedoch noch nicht.
„Gewinn für die gesamte Insel“
Auf Einladung des Bauausschusses durfte der Vertretungsberechtigte des Einwohnerantrags, Dirk Ohm, noch einmal die Argumente vortragen. „Ein dm-Markt wird der Burger Innenstadt in keinster Weise schaden“, zeigte er sich überzeugt. Er sieht den Drogeriemarkt als „Gewinn für die gesamte Insel“. Kostenfreie Parkplätze, ein barrierefreier Zugang und gute Erreichbarkeit seien neben Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten nur einige Vorteile.
„Über 2.900 Unterschriften sprechen für sich“
„Es geht nicht um die Möglichkeit des Einkaufsbummels, sondern um zeitgemäßes Einkaufen von Waren des täglichen Lebens. Und dafür ist Rossmann in der Burger Altstadt definitiv nicht ausgelegt. Über 2.900 Unterschriften sprechen für sich“, verlieh Dirk Ohm seinen Worten Nachdruck.
Zuwachs der Gesamtverkaufsfläche um 1.720 qm
Die Gesamtverkaufsfläche von Edeka sieht nun eine Erweiterung bis zu 900 Quadratmetern vor, Aldi bis zu 220 Quadratmeter und der Neubau von dm darf maximal 600 Quadratmeter Verkaufsfläche betragen. Insgesamt geht es also um einen Zuwachs der Verkaufsfläche im Plangebiet von 1.720 Quadratmetern.
SPD "gegen dm auf der grünen Wiese"
„Dass keine Gefahr für die Innenstadt besteht, dem widersprechen die Gutachten, diese sagen einen Rückgang für die Stadt voraus“, bezog Andreas Herkommer Stellung. „Die SPD-Fraktion hat keine neuen Fakten erkannt. Wir werden uns nicht gegen dm aussprechen, aber gegen dm auf der grünen Wiese.“
Standort Petersdorf werde geschwächt
Bernd Remling fügte hinzu, dass der Standort Petersdorf dadurch für Einzelhändler geschwächt werden könnte, „ich sehe darin eine große Gefahr.“ Und er gab zu bedenken: „In letzter Zeit hieß es öfter mal, die Politik würde die Belange der Bürger/-innen nicht berücksichtigen. Aber wir haben nicht nur Konsumenten. Es geht auch darum, die Belange drum herum zu beurteilen. Als Konsument würde ich sagen: dm in der Vorstadt - das ist doch schön. Aber es gibt viele andere Dinge, die viel schwerer wiegen. Das muss ich im Blick haben in der Politik, auch, wenn es vielleicht unbequem ist.“
"Jede Erweiterung ist eine Umsatzverlegung"
„Jede Erweiterung ist eine Umsatzverlegung, die zu Lasten zentrumsnaher Betriebe und Dienstleister geht“, befand Peter Meyer (FDP-WUW). „Das Zentrum nimmt Schaden und die strategischen Ziele werden verfehlt.“
"Einzelhandelskonzept bedarf einer Überarbeitung"
Gunnar Mehnert ((F3) überlegte, „ob die Versprechen der Investoren in Petersdorf realisiert werden. Für die Innenstadt gibt es mit Sicherheit auch Möglichkeiten, sie attraktiver zu gestalten.“ Deshalb habe die F3 einen Antrag auf Erweiterung der Wirtschaftsförderung zur City-Managerin eingereicht, wollte er nicht unerwähnt lassen. „Die Schwierigkeiten müssten mal koordiniert werden“, konkretisierte Gunnar Mehnert: „Es gibt auch große Probleme in der Innenstadt, die mit dm nichts zu tun haben. Und in Petersdorf ist dringend ein größeres Versorgungszentrum nötig“, schlug er den Bogen in den Inselwesten. „Das Einzelhandelskonzept bedarf insgesamt dringend einer Überarbeitung. Ich glaube, das steht sowieso für nächstes Jahr an.“
"Die CDU hat sich immer für dm ausgesprochen"
„Die CDU hat sich immer für dm ausgesprochen - und das Thema Gutachten kann man auch anders deuten“, gab es für Werner Ehlers keinen größeren Diskussionsbedarf. Jörg Josef Wohlmann (SPD) erklärte: „Ich habe lange mit mir gerungen, weil die Bürgerinitiative eine hohe Wertstellung bei mir genießt. Aber wir haben das Gutachten genutzt, um die Innenstadt zu schützen - und jetzt wollen wir es gegen sie verwenden? Das geht nicht.“
"Wir können alle nicht in die Zukunft sehen"
Marco Eberle (Grüne) stellte fest: „Die Fakten sind dieselben wie vor einem Jahr. Nur der Druck durch die Bürgerinitiative ist gestiegen.“ Teilweise sei herbe Kritik in den sozialen Medien geäußert worden. Lars Hviid (FWV) gab bekannt: „Es hat sich nicht gewaltig viel verändert, wir können alle nicht in die Zukunft sehen. Wir halten die Innenstadt für stark genug, daher geht bei uns das Pendel tatsächlich in Richtung Befürwortung.“
So wurde abgestimmt
Für die Änderung des B-Plans 60 sprachen sich Lars Hviid und Dirk Frohberg (beide FWV), Werner Ehlers, Martin Specht und Stefan Bolley (alle CDU) sowie Gunnar Mehnert (F3) aus. Die SPD (Andreas Herkommer, Marianne Unger, Jörg Josef Wohlmann und Bernd Remling) stimmte ebenso dagegen wie Marco Eberle (Grüne). Read the full article










