Berlin ist Deutschlands Sportstadt schlechthin. Über 130 Mannschaften treten in den verschiedensten Sportarten in der ersten und zweiten Liga an. Auf diese enorme Anzahl kommt bundesweit keine andere Stadt. Ein paar dieser Teams sind wohl jedem Berliner ein Begriff. Die Fußballer von Hertha und Union, die Korbjäger von Alba, die Kurvencracks der Eisbären, die Füchse-Handballer und schließlich die BR Volleys. Die sechs Vereine engagieren sich seit einigen Jahren zusammen unter dem Namen „Sportmetropole Berlin“. Es gibt jedoch auch eine Menge erfolgreicher Teams, die medial deutlich weniger Aufmerksamkeit bekommen. Bevor ich anfing für die heutige Ausgabe zu recherchieren, sagte mir die SG BAT Berlin recht wenig. Von der Sportart, die im Verein ausgeübt wird, bin ich jedoch schon länger begeistert.
Fußball, Handball, Basketball und vielleicht noch Volleyball. Das sind die Klassiker im deutschen Schulunterricht. Jahr ein, Jahr aus dieselben Sportarten. Wohl dem, der einen Lehrer hat, der aus diesem Schema ausbricht - so wie es bei mir der Fall war. Eines Tages hatte ich plötzlich einen gut einen Meter langen und 300 Gramm schweren Plastikschläger in der Hand und sollte damit einen ebenfalls aus Kunststoff bestehenden, hohlen und durchlöcherten Ball treffen. Unihockey oder Floorball nannte sich das Ganze und was soll ich sagen: Es machte einen Heidenspaß, dennoch konnte ich mir nicht so recht vorstellen, dass anderen Ortes über 12.000 Menschen in eine Halle gehen sollten, um sich eine Mischung aus Eis- und Hallenhockey anzugucken.
In Skandinavien ist genau das jedoch der Fall, wenn die Topmannschaften aufeinandertreffen. Die Nordeuropäer gehören zusammen mit den „Wer hat’s erfunden“-Schweizer zu den Ursprungsnationen des Floorballs. Demensprechend dominant treten sie bei den Weltmeisterschaften auf. Acht der Zehn Titel gingen an Schweden, zwei an Finnland. Bestes Ergebnis für ein Deutsches Team war der vierte Platz 2012. Klar, dass sich die Spieler mit dem Bundesalter auf der Brust, da eher auf die heimische Liga freuen, denn da gibt es wirklich etwas zu gewinnen. Die Hauptstadt wird ein der Beletage der Männer durch die Sportgruppe im Bezirksamt Tempelhof Berlin vertreten - einen echten Traditionsverein.
Das mag in Anbetracht des Gründungsjahres 1994 vielleicht etwas merkwürdig klingen, doch Floorball ist eben eine sehr junge Sportart. So krönte sich BAT 1996 zum erst zweiten Deutschland Meister aller Zeiten und feierte damit den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Ein weiter Titel blieb den Tempelhofern bis heute verwehrt. In der Bundesliga sind sie dafür immer noch am Start. Im Rahmen seiner Möglichkeiten hat sich der Verein in den letzten 20 Jahren gehörig entwickelt. Aus der einstigen Studententruppe, die lange Zeit vergeblich auf der Suche nach Hallenzeiten war, ist einer der deutschen Marktführer mit rund 700 Aktiven geworden.
„Flach spielen und hoch gewinnen“
Nichtsdestotrotz ist die Sportart für die BAT-Spieler nur ein Hobby. Sie sind klare Amateure- auch was den Umgang mit den Medien umgeht. Doch das führt wenigstens zu deutlich unterhaltsameren Aussagen als sie die meisten mediengeschulten Vollprofis hervorbringen. So „drohte“ Spielertrainer Timo Krohne der Konkurrenz vor der Saison 2011/12 folgendermaßen: „Für unsere Gegner stehen die Chancen nicht so gut. Wir werden flach spielen und hoch gewinnen. Durch unsere Vorbereitung sind wir gut dabei. Wir werden auch nach einer durchzechten Nacht mit einer ordentlichen Leistung überzeugen.“
Besonders seriös mag das nicht rüberkommen, doch irgendwie müssen sich die Floorballer in der großen Berliner Sportlandschaft ja von den Konkurrenten abheben. Den Spaß an ihrer Sportart, wird ihnen nach dieser Aussage keiner mehr abstreiten. Es geht jedoch auch deutlich ernsthafter. Torwart Felix Klein macht sich zum Beispiel Gedanken darüber, wie man den schwachen Zuschauerschnitt bei den Heimspielen steigern könnte: „Ziel sollte es sein, die Marke BAT so zu etablieren, dass sich alle Berliner Floorballbegeisterten mit ihr identifizieren können und auch wollen. Dazu kommen noch weitere Aufgaben, wie die Zusammenarbeit mit Vereinen aus anderen Sportarten, eine bessere Location für unsere Heimspiele und vieles mehr.“
Solange sich in dieser Hinsicht nichts ändert, wird die SG BAT weiterhin nur vor 40 oder 50 spielen. Der Traum vom fünfstelligen Publikum wie in Skandinavien wird wohl für immer einer bleiben. Es sei denn in den nächsten Jahren zeigen noch mehr Lehrer ihren Schülern, was Floorball für eine geile Sportart sein kann. Wird der kommenden Generation jedoch weiterhin nur Fußball, Handball und Co vorgelebt, müssen wir uns nicht wundern, wenn das Jahre später die einzigen Sportarten sind, für die sich die Jugendlichen interessieren werden.