23.12.1937: Hakenkreuz am Weihnachtsbaum
Die Julleuchter sind angezündet, die Weihnachtsbäume aufgestellt, im Radio hält Reichsminister für Propaganda und Aufklärung Joseph Goebbels eine Weihnachtsansprache. In Berlin werden am 23.12.1937, wie in den meisten Städten des deutschen Reiches, „Volksweihnachtsfeiern“ von der NSDAP, dem Winterhilfswerk und anderen parteinahen Organisationen veranstaltet.
Den Nationalsozialisten waren die christlichen Glaubenstraditionen, zu denen etwa die Verbreitung der Nächstenliebe gehört, ein Dorn im Auge. Auch das Weihnachtsfest – Christus, der Retter der Welt, wird als Jude geboren – ließ sich nicht mit ihrer nationalistischen und rassistischen Ideologie verbinden. Das Weihnachtsfest war in Deutschland jedoch weit verbreitet; es hätte nicht abgeschafft werden können. Deswegen begann die NSDAP in den 1930er Jahren damit, christliche Symbolik und Weihnachtsbräuche durch ‚ursprünglich germanische‘ Zeichen und Rituale zu überformen. Ziel war es, das Weihnachtsfest als nationalistisches Fest in die NS-Ideologie einzubinden und neu im Bewusstsein der deutschen Bevölkerung zu verankern.
Diese neuen Rituale reichten von neuen Dekorationen wie den Julleuchtern – ein Kerzenhalter angeblich germanisch-heidnischen Ursprungs – über ein verstärktes Totengedenken, insbesondere an Soldaten, bis zu einer verstärkten Propagandierung der Mutterrolle. Lieder werden umgedichtet oder verboten, Spenden gesammelt und an Bedürftige verteilt, öffentliche Feiern organisiert: Im Zentrum des nationalsozialistischen Weihnachtsfests stand die Volksgemeinschaft. Die Volksweihnachtsfeiern richteten sich gegen Kirchen und schlossen (Anders-)Gläubige und vermeintliche ‚Nicht-Deutsche‘ von ihren Festlichkeiten aus.
Über das Ausmaß, in dem die öffentlichen und gemeinschaftlichen Feiern Privatfeiern im Familienkreis beeinflusst haben, lässt sich nur spekulieren. Fest steht, dass auch 1937 die Kirchen gefüllt waren und zahlreiche Familien und Freunde im kleinen Kreis feierten.
Private Authentizität und öffentlicher Konformismus – ist dies ein Widerspruch oder kann es gelingen, beide Aspekte zu verbinden?
AB








