They must have left in a hurry - III #märkischoderland #brandenburg #kitchen #küche #abandonedplaces #abandonedbrandenburg #lostplacesgermany #wanderlust #wandertag #berlinerumland #hiking #urbandecay #urbanexploration #abandonedberlin #restaurant #cafe #wandern #herd #cupboards (hier: Brandenburg)
24 Grad, kein Wölkchen am Himmel, Sonnenschein... und dann mit meinen Liebsten ohne Plan daheim.
Ja, wir haben auch einen wunderschönen großen Garten in dem man ausgezeichnet einen sonnigen Tag verbringen kann, aber das konnte man gestern schon und wird es morgen auch noch können- deshalb heisst das Motto des Tages: Raus auf’s Land, auf nach Brandenburg. Wenn man hier von “auf’s Land fahren” spricht- heisst das für alle Berliner zwangsweise erstmal “nach Brandenburg zu fahren”.
Ganz so trist wie Reinald Grebe es besingt gestaltet sich die Landpartie dann doch nicht- Brandenburg hat schöne Seiten... und davon einige. So viele, dass bereits die Auswahl des Ziels einen halben Tag durch Recherche, Stöbern, Absprechen, über den Haufen werfen und neu suchen verschlingen kann.
Heute geht es um die wundervolle INSL in der Nähe von Kyritz, ca. eine Stunde nordwestlich von Berlin- ein Kleinod der maritimen Entspannung am See-um genau zu sein am Untersee.
Anfahrt
Hin haben wir es meistens eilig- da nehmen wir gerne mal die direkte Autobahnverbindung- A10, dann Richtung Hamburg weiter auf der A24. Bei schönem Wetter lohnt sich ein kleiner Zwischenstop in der wunderschönen Fontane- Stadt Neuruppin. Also kurz runter von der Bahn Richtung See Promenade und den Ausblick auf einen der längsten Seen in Brandenburgs genießen.
Wenn man ein bisschen Zeit mitbringt, laden hier Cafes und Restaurants zum weiteren Verweilen ein. Mit hungrigem Kleinkind im Auto und Frau die seit Stunden hektisch nach einem stillen Örtchen ausschaut hält - kann man mit dem Wörtchen “bisschen Zeit” allerdings wenig anfangen und macht sich lieber direkt auf Richtung INSL Abenteuer.
Nach guten 25 Minuten Autofahrt durch alte und verträumte Brandenburger Dörfer erreichen wir den großen und zum Erstaunen fast leeren Parkplatz am Untersee in Kyritz. Kein Gehetze, kein aggressives Parkplatzsuchen... hier stellt sich Tiefenentspannung schon während des Einparkens ein.
Maritimes Flair stellt sich für den Großstädter bereits wenige Meter nach verlassen des Parkplatzes ein- es geht zum “Fähr-Anleger”. Einmal mit dem Hammer feste auf die da hängende Pfanne gehauen und der Fährmann Volker weiß Bescheid, dass da Arbeit am Ufer steht. In raketenschnellen 3-4 Minuten Fahrzeit mit tollem Blick über den wunderschönen See legt die kleine Fähre an der INSL an.
Hard Facts zur INSL die Du vor betreten wissen solltest
1,3 Hektar groß
134 Meter Durchmesser
fast kreisrunde Erscheinungsform
Gebäude: 1
Spielplatz: vorhanden
Vegetation: alter, toller Baumbestand
Strand: eingeschränkt- man spricht eher von Naturbadestellen
Geschichte: vor Bau der ca. 100 Jahre alten Gastwirtschaft soll hier eine Slawenburg gestanden haben
Ankunft
Zirka 10% Steigung und ein 5 Meter langer kleiner Pfad liegen noch zwischen uns und dem Tagesziel- das sollte zu schaffen sein, zumal es einer der wenigen Anstrengung des Tages sein wird. Zwischen alten, hohen Bäumen liegt die Gaststätte “INSL” idyllisch vor uns.
Als Berliner, oder Großstädter im weitesten Sinne legt man naturgemäss spätestens jetzt einen Gang höher ein und geht schnellen Schrittes Richtung Sonnenterrasse um einen der begehrten Plätze zu sichern. Wer zuerst kommt, malt zuerst- ein Spruch aus der Kategorie “Survival mit Kindern im Großstadt- Dschungel”.
Ungläubig reibe ich mir dir Augen- die Hälfte der Plätze war noch frei-unbesetzt. Ja, auf diesem augenscheinlich vom lieben Gott persönlich geschaffenen und on top mit einer Gaststätte bedachten Eiland sollte es bei 23 Grad und Sonnenschein noch freie Plätze geben...?
Sofort schossen in mir Vorurteile hoch: Hat sich hier schon mal jemand unfreiwillig nach einem Burger den Magen auspumpen lassen und behält Reinald Grebe doch mal wieder Recht mit seiner “Brandenburger Küche”? Ist der Fährmann Volker im wahren Leben taub und hat es einfach versäumt auf die Pfanne klopfende Touristen zeitnah abzuholen? Sind es die unfreundlichen Brandenburger Bedienungen zu deren Hauptaufgabe es gehört aufkommende Arbeit durch professionelles Verschrecken von potentiellen Kunden zu minimieren?
Kaum hatten wir unsere Plätze eingenommen, da hatten wir auch schon einen “one size fits all” Sonnenhut auf dem sonnengeplagten Haupt (liegen übrigens kostenlos dort aus) und je eine Speisekarte in der Hand- inklusive unser “noch” nicht lesenden Kinder. Das Gedruckte was wir in der Hand hielten- die ganze Aufmachung, die regelrechte gelungene “Corporate Identity” die man als Media- Papa sofort 1000 Meter gegen den Wind riecht- das konnte nicht alleine auf dem Mist eines Kyritzer Gastwirtes entstanden sein. Sind hier etwa Auswanderer am Werk?
Auch Carla blieb augenscheinlich kritisch.
Der Service war schnell, aufmerksam und freundlich. Keine 10 Minuten und die ersten kühlen Getränke erreichten Tisch Nr. 6, keine weiteren 10 Minuten und das Essen stand auf dem Tisch.
Speisen
INSL Burger
Bun: leicht getoastet, cross
Patty: für meinen Geschmack ein wenig trocken aber noch im Rahmen
Sauce: köstlich, mit einer Note Gorgonzola
Veggie Burger
Bun: tadelos- knusprig getoastet
Bratling: aus exotischen Zutaten
Sauce: köstlich
Kinderteller
leider gab es nur ein Kindergericht zur Auswahl
die Fischstäbchen haben an diesem Nachmittag ihre Runde zu lange im Fett gedreht, leider waren sie danach nicht mehr ganz so knusprig
Die Pommes zu allen Gerichten waren auf den Punkt.
Ausstattung der INSL Gaststätte
eine wunderschöne Spielecke für die Kleinen
eine lange Theke zum Verweilen und Ausruhen für den BaBa
Eine Bücherwand für Leser in Not
und auch ein Billard darf in einer gescheiten Seemanskneipe nicht fehlen
Der große BaBa Preis-Check
ein kleines Bier für Freizeitkapitäne gibt es bereits für 2,20 € bei großem Durscht legt man nicht mehr als 3,40 € für ein frisch gezapftes 0,5 auf den Tresen
die Burger starten bei moderaten 5,50 € und gehen bis max. 7,50 € je nach “Belach”
mit dem Schwan eine Runde um den See kostet im Plastik Modell 10 €, beim tierischen original kann es das bei Disharmonie schon mal umsonst geben.
Nach dem Essen ist vor der Expedition. Wir befinden uns bekanntlich auf einer INSL ohne “e” und die will entdeckt und erforscht werden, nein die fordert einen förmlich heraus sofort erkundet zu werden. Carla kam keine 5 Meter durch den Hinterausgang, da baute sich vor ihr ein unumgängliches Hindernis auf- ein Spielplatz mit Rutsche, Schaukel und Sandkasten. Aber was kann es auch auf einem Spielplatz in der Mitte einer Insel mit einem Durchmesser von 134 Metern für Entdeckungen geben die man mit bloßem Augen nicht von dort sehen könnte... lag doch für sie die Entdeckung des Tages direkt vor ihren Füßen.
Die Spielgeräte waren leider etwas in die Jahre gekommen und so manch Nagel wollte mal wieder ordentlich ins Holz gehauen werden. Trotz dem kleine Makel hatten die Kinder viel Spass!
Abfahrt
Die Sonne senkte sich allmählich, der Spielplatz wurde schlagartig leerer und eine Stille und Ruhe hielt Einzug über dem zuvor . Das lag weniger an den im Landeanflug befindlichen Moskito Schwärme, als vielmehr an der Vorangeschrittenen Zeit- es war fast 18 Uhr und auch wir machten uns langsam auf den Heimweg.
“Heute ist nicht alle Tage-
Wir kommen wieder- keine Frage!”