Heute ist nicht aller Tage und gegen halb zehn hat dann auch das letzte Familienmitglied realisiert, dass heute keine Kita ist und wir schnell einen Plan B brauchen. Es gab wie immer viele Optionen. Beim Lesen der Wochenendtips Berlin und im weiteren der Wochenendtips Brandenburg kamen dann noch hier und da das ein oder andere Ausflugsziel dazu- manches ließ sich- würde man Zeit und Raum mal außer Kraft setzen, wunderbar kombinieren.
Schloss Rheinsberg stand seit längerem hoch im Kurs, ebenso der Tierpark “Kunsterspring” in Neuruppin, oder einfach wieder mal den tollen Tierpark Eberswalde besuchen? Zum Überdruss an Veranstaltungsoptionen kam noch der Deutsche Mühlentag on Top. Kann man dieses und jenes nicht kombinieren und mit einer Fahrt erkunden?
Jetzt sehr Wichtig- keine weitere Zeit verlieren und erstmal los. Da vibriert das Handy- ein sehr guter Freund per Whatsapp: “Hey, wollen wir heute Nachmittag mit den Kindern raus auf einen Kaffee”. Na klar wollen wir das- keine Frage- nur mal eben schauen in welcher Lücke wir das unterbekommen. Der Plan war aber eh noch zu wackelig- jetzt hatten wir zumindest schon mal eine Konstante in der Planung. Das ist wichtig zum Termine drumherum stricken. Sport ist damit aber definitiv schon mal als unattraktivstes Ziel des Tages raus.
Also schnell noch dem Kollegen zugesagt und alle ab ins Auto... das hört sich für Laien immer schneller an als es ist. Ich glaube ein großes Frachtschiff im Hamburger Hafen bekommt man schneller verladen als einen GTD mit einer vierköpfigen Familie. Nach 15-20 Minuten und einem vor sich hin laufenden Auto,kommt nun endlich auch die Mama mit 10 Taschen behangen, als letzte an Bord.
Es ging los! Eine Mühle im Mühlenbecker Land sollte der erste Stop werden. Nach 20 Minuten und unendlichen- “hier rechts, ach ne, da müssen wir links, ach hier waren wir schon mal, noch mal drehen...” standen wir vis-a-vis vorm Objekt der Begierde. Das Publikum war um die 50+, die örtliche Line-Dance Gruppe hatte gerade ihren großen Auftritt und ab 13 Uhr kündigte sich eine in sich nicht abgestimmte Brandenburger Blaskapelle an. Hinten waren die Kinder auf dem kurzen Stück bereits wieder eingeschlafen.
Kurze Tagung des Familienrates unter Ausschluss der schlafenden Kinder auf der Rücksitzbank mit folgendem Ergebnis: schnell weiter zum nächsten Ziel. Aber wir haben Zeit verloren- wohin in dem kurzen noch verbleibendem Zeitfenster? 15.30 Uhr waren wir mit den Freunden in X-Berg verabredet. Also kurz gegoogelt... wie hieß noch mal der Kletterpark... der für die kleinen Affen. MiniMonkey Kletterwald - keine 15 Minuten entfernt in Birkenwerder (Zur Info: Es gibt auch einen im Süden in Mahlow).
Aus 15 Minuten Fahrzeit können in Brandenburg schnell mal 35 und mehr werden. Die Gründe sind vielfältig von “Navigation versagt” und leitet dich falsch durch die Walachei bis “Bauarbeiten auf der Landstrasse” mit Fertigstellung 2020. Heute war es die Tour de Berlin. Ja, die gibt es wirklich und sorgt für ordentlich Stau und Umleitungen im Berliner Umland.
Ein älterer Mann versüßte uns die Wartezeit am Strassenrand mit einem kurzen, in sich geschlossenen 3 Sätze Small Talk. “Dit dauert keene 10 Minuten. Könnse den Motor ausschalten. Jetzt kommt dit Mittelfeld und dann der Rest, dann könnse weiter”. Aha, naja, das kann man ja geradeso verkraften. Nach 10 Minuten war dann wirklich wie prophezeit der Letzte durch und die Streckenposten verließen ihren angestammten Platz und winkten uns weiter.
Erleichtert nahmen wir die Fahrt wieder auf.... bis, ja bis uns nach 200 Metern aufgeregte Polizisten auf Motorrädern mit Blaulicht entgegen kamen und uns wildfuchtelnd und gestikulierend zu verstehen gaben: Das war es noch lange nicht- da kommt noch mehr. Meine Frau fuhr aus Panik direkt mit Vollgas in die nächstmögliche Seitengasse. Und ja, das war es wirklich noch nicht. Es handelte sich nämlich hier um einen sogenannten Rundkurs, was anscheinend beim morgendlichen Briefing auch an den ersten Streckenposten vorbeigegangen zu sein scheint. OK- wir hatten nun die Orientierung verloren. Hier muss es doch bitte irgendwo noch Schleichwege geben.
Die gab es auch. Google Maps lotste uns durch den Wald über Schotterpisten direkt vor die Tore des “Mini Monkey Wonder Land”.
Endlich angekommen im Eldorado für risikofreudige Prenzlauer Berger Eltern mit eigenem Volvo oder genug Kleingeld um mal eben mit nem DrivNow auf Tagesfestpreis-Basis in’s Berliner Umland zu gurken. Links und Rechts am Waldparkplatzrand wurde schon wild “gepicknickt”. Für viele Großstadtbesucher begann hier die Wildnis Brandenburgs. Adrenalin und Abenteuerlust lag in der Luft. Am Eingang dann die ungewisse Frage und die präzise Antwort darauf:
“Wat kostet denn der Spass?”
“10 Euro pro Kind- Eltern frei”
Das ich für meine nun beginnende Assistententätigkeit für die Kletterabenteuer unserer Kinder bei maximalen 1,50 m Entfernung Klettergerüst zum Boden nun keinen Eintritt zahle war eigentlich selbstverständlich. Zehn Euro fand ich happig, aber es gab noch einen Gutschein für eine Waffel, einen Kaffee oder Crepes on Top. Immer noch teuer- aber ok- billiger als jetzt abzubrechen.
Fakten zum Kletterwald
3 Parcours
Zustand der Geräte: gut bis befriedigend
Unterhaltung für Kinder bis 2 Jahre: ein Sandkasten und Stühle/ Tisch
Toiletten: 2 Dixi Klos, Benutzung nur bei Code Red
Sitzmöglichkeiten für Eltern: genügend vorhanden
Unterstellmöglichkeiten bei Regen: wenig bis keine, nur für schönes Wetter geeignet.
Fakten zur Gastronomie
Auf den ersten Blick traut man dem Imbissstand nur fettiges Crepes und klebrigen Waffeln zu. Aber der Check zeigt das Gegenteil:
sehr freundliche Bedienung
sehr leckere Waffeln, außen knusprig innen locker leicht
24 Grad, kein Wölkchen am Himmel, Sonnenschein... und dann mit meinen Liebsten ohne Plan daheim.
Ja, wir haben auch einen wunderschönen großen Garten in dem man ausgezeichnet einen sonnigen Tag verbringen kann, aber das konnte man gestern schon und wird es morgen auch noch können- deshalb heisst das Motto des Tages: Raus auf’s Land, auf nach Brandenburg. Wenn man hier von “auf’s Land fahren” spricht- heisst das für alle Berliner zwangsweise erstmal “nach Brandenburg zu fahren”.
Ganz so trist wie Reinald Grebe es besingt gestaltet sich die Landpartie dann doch nicht- Brandenburg hat schöne Seiten... und davon einige. So viele, dass bereits die Auswahl des Ziels einen halben Tag durch Recherche, Stöbern, Absprechen, über den Haufen werfen und neu suchen verschlingen kann.
Heute geht es um die wundervolle INSL in der Nähe von Kyritz, ca. eine Stunde nordwestlich von Berlin- ein Kleinod der maritimen Entspannung am See-um genau zu sein am Untersee.
Anfahrt
Hin haben wir es meistens eilig- da nehmen wir gerne mal die direkte Autobahnverbindung- A10, dann Richtung Hamburg weiter auf der A24. Bei schönem Wetter lohnt sich ein kleiner Zwischenstop in der wunderschönen Fontane- Stadt Neuruppin. Also kurz runter von der Bahn Richtung See Promenade und den Ausblick auf einen der längsten Seen in Brandenburgs genießen.
Wenn man ein bisschen Zeit mitbringt, laden hier Cafes und Restaurants zum weiteren Verweilen ein. Mit hungrigem Kleinkind im Auto und Frau die seit Stunden hektisch nach einem stillen Örtchen ausschaut hält - kann man mit dem Wörtchen “bisschen Zeit” allerdings wenig anfangen und macht sich lieber direkt auf Richtung INSL Abenteuer.
Nach guten 25 Minuten Autofahrt durch alte und verträumte Brandenburger Dörfer erreichen wir den großen und zum Erstaunen fast leeren Parkplatz am Untersee in Kyritz. Kein Gehetze, kein aggressives Parkplatzsuchen... hier stellt sich Tiefenentspannung schon während des Einparkens ein.
Maritimes Flair stellt sich für den Großstädter bereits wenige Meter nach verlassen des Parkplatzes ein- es geht zum “Fähr-Anleger”. Einmal mit dem Hammer feste auf die da hängende Pfanne gehauen und der Fährmann Volker weiß Bescheid, dass da Arbeit am Ufer steht. In raketenschnellen 3-4 Minuten Fahrzeit mit tollem Blick über den wunderschönen See legt die kleine Fähre an der INSL an.
Hard Facts zur INSL die Du vor betreten wissen solltest
1,3 Hektar groß
134 Meter Durchmesser
fast kreisrunde Erscheinungsform
Gebäude: 1
Spielplatz: vorhanden
Vegetation: alter, toller Baumbestand
Strand: eingeschränkt- man spricht eher von Naturbadestellen
Geschichte: vor Bau der ca. 100 Jahre alten Gastwirtschaft soll hier eine Slawenburg gestanden haben
Ankunft
Zirka 10% Steigung und ein 5 Meter langer kleiner Pfad liegen noch zwischen uns und dem Tagesziel- das sollte zu schaffen sein, zumal es einer der wenigen Anstrengung des Tages sein wird. Zwischen alten, hohen Bäumen liegt die Gaststätte “INSL” idyllisch vor uns.
Als Berliner, oder Großstädter im weitesten Sinne legt man naturgemäss spätestens jetzt einen Gang höher ein und geht schnellen Schrittes Richtung Sonnenterrasse um einen der begehrten Plätze zu sichern. Wer zuerst kommt, malt zuerst- ein Spruch aus der Kategorie “Survival mit Kindern im Großstadt- Dschungel”.
Ungläubig reibe ich mir dir Augen- die Hälfte der Plätze war noch frei-unbesetzt. Ja, auf diesem augenscheinlich vom lieben Gott persönlich geschaffenen und on top mit einer Gaststätte bedachten Eiland sollte es bei 23 Grad und Sonnenschein noch freie Plätze geben...?
Sofort schossen in mir Vorurteile hoch: Hat sich hier schon mal jemand unfreiwillig nach einem Burger den Magen auspumpen lassen und behält Reinald Grebe doch mal wieder Recht mit seiner “Brandenburger Küche”? Ist der Fährmann Volker im wahren Leben taub und hat es einfach versäumt auf die Pfanne klopfende Touristen zeitnah abzuholen? Sind es die unfreundlichen Brandenburger Bedienungen zu deren Hauptaufgabe es gehört aufkommende Arbeit durch professionelles Verschrecken von potentiellen Kunden zu minimieren?
Kaum hatten wir unsere Plätze eingenommen, da hatten wir auch schon einen “one size fits all” Sonnenhut auf dem sonnengeplagten Haupt (liegen übrigens kostenlos dort aus) und je eine Speisekarte in der Hand- inklusive unser “noch” nicht lesenden Kinder. Das Gedruckte was wir in der Hand hielten- die ganze Aufmachung, die regelrechte gelungene “Corporate Identity” die man als Media- Papa sofort 1000 Meter gegen den Wind riecht- das konnte nicht alleine auf dem Mist eines Kyritzer Gastwirtes entstanden sein. Sind hier etwa Auswanderer am Werk?
Auch Carla blieb augenscheinlich kritisch.
Der Service war schnell, aufmerksam und freundlich. Keine 10 Minuten und die ersten kühlen Getränke erreichten Tisch Nr. 6, keine weiteren 10 Minuten und das Essen stand auf dem Tisch.
Speisen
INSL Burger
Bun: leicht getoastet, cross
Patty: für meinen Geschmack ein wenig trocken aber noch im Rahmen
Sauce: köstlich, mit einer Note Gorgonzola
Veggie Burger
Bun: tadelos- knusprig getoastet
Bratling: aus exotischen Zutaten
Sauce: köstlich
Kinderteller
leider gab es nur ein Kindergericht zur Auswahl
die Fischstäbchen haben an diesem Nachmittag ihre Runde zu lange im Fett gedreht, leider waren sie danach nicht mehr ganz so knusprig
Die Pommes zu allen Gerichten waren auf den Punkt.
Ausstattung der INSL Gaststätte
eine wunderschöne Spielecke für die Kleinen
eine lange Theke zum Verweilen und Ausruhen für den BaBa
Eine Bücherwand für Leser in Not
und auch ein Billard darf in einer gescheiten Seemanskneipe nicht fehlen
Der große BaBa Preis-Check
ein kleines Bier für Freizeitkapitäne gibt es bereits für 2,20 € bei großem Durscht legt man nicht mehr als 3,40 € für ein frisch gezapftes 0,5 auf den Tresen
die Burger starten bei moderaten 5,50 € und gehen bis max. 7,50 € je nach “Belach”
mit dem Schwan eine Runde um den See kostet im Plastik Modell 10 €, beim tierischen original kann es das bei Disharmonie schon mal umsonst geben.
Nach dem Essen ist vor der Expedition. Wir befinden uns bekanntlich auf einer INSL ohne “e” und die will entdeckt und erforscht werden, nein die fordert einen förmlich heraus sofort erkundet zu werden. Carla kam keine 5 Meter durch den Hinterausgang, da baute sich vor ihr ein unumgängliches Hindernis auf- ein Spielplatz mit Rutsche, Schaukel und Sandkasten. Aber was kann es auch auf einem Spielplatz in der Mitte einer Insel mit einem Durchmesser von 134 Metern für Entdeckungen geben die man mit bloßem Augen nicht von dort sehen könnte... lag doch für sie die Entdeckung des Tages direkt vor ihren Füßen.
Die Spielgeräte waren leider etwas in die Jahre gekommen und so manch Nagel wollte mal wieder ordentlich ins Holz gehauen werden. Trotz dem kleine Makel hatten die Kinder viel Spass!
Abfahrt
Die Sonne senkte sich allmählich, der Spielplatz wurde schlagartig leerer und eine Stille und Ruhe hielt Einzug über dem zuvor . Das lag weniger an den im Landeanflug befindlichen Moskito Schwärme, als vielmehr an der Vorangeschrittenen Zeit- es war fast 18 Uhr und auch wir machten uns langsam auf den Heimweg.
“Heute ist nicht alle Tage-
Wir kommen wieder- keine Frage!”
...außer dieser- die Entscheidung ist gefallen- im wahrsten Sinne des Wortes. Als Vater, Mitte 30, in Berlin lebend und im Online Marketing arbeitend mit ausgeprägtem Faible für Patchwork Familienleben könnte man so ziemlich jeder 2 männliche Bewohner im Prenzlauer Berg/ Pankow sein- ist man vielleicht auch und deshalb ist es umso wichtiger seine Tipps, Meinungen, Erfahrungen, Ratschläge oder einfach nur unterhaltsame Anekdoten zu teilen.
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