Zwischen Selbstverwirklichung und Überforderung
Ich glaube, dass junge Menschen heute in einer Welt leben, die ständig Entscheidungen von ihnen fordert, viel mehr als früher. Wir wachsen mit der Idee auf, dass alles möglich ist: Karriere, Auslandsaufenthalt, Selbstverwirklichung, Gleichberechtigung, Nachhaltigkeit, Selbstfürsorge … , aber genau diese vielen Möglichkeiten führen auch dazu, dass viele überfordert sind.
Es gibt so viele Stimmen: Eltern, Lehrerinnen, Freundinnen, Influencer, Algorithmen. Alle sagen etwas anderes und alles klingt irgendwie richtig. Ich sehe, dass viele in meinem Umfeld Entscheidungen nicht aus dem Bauch heraus treffen, sondern strategisch: „Was bringt mir was? Was sieht später gut aus?“ Dabei geht oft das verloren, was eigentlich richtig für uns selbst wäre.
Gleichzeitig beobachte ich aber auch eine große Sehnsucht nach Ehrlichkeit und Echtheit. Viele wollen nicht einfach mitlaufen. Sie möchten für etwas stehen, sich einbringen, eine Haltung entwickeln. Sie setzen sich für Klimaschutz, Diversität oder soziale Gerechtigkeit ein, oft mutiger als Generationen vor ihnen.
Was ich sehe, ist also ein Spannungsfeld:
• Einerseits Druck und Unsicherheit, weil so viele Wege offenstehen.
• Andererseits Mut und Verantwortung, wenn junge Menschen sich trauen, ihren eigenen Weg zu gehen, gegen den Strom, gegen Erwartungen.
Ich glaube, unsere Generation hat die Chance, Entscheidungen nicht nur für das eigene Ich, sondern auch für das Wir zu treffen. Wenn wir lernen, auf unser Gewissen zu hören, wie Bonhoeffer es beschreibt und uns gegenseitig stärken, dann können unsere Entscheidungen die Welt tatsächlich ein Stück besser machen.
















