Saale-Unstrut: Marius Seeliger will mit eigenen Weinen junge Leute ansprechen
Die markante vom Dom geprägte Stadtsilhouette von Naumburg schält sich in der Ferne aus der weitläufigen Landschaft. Direkt unter der Terrassenlage Großjenaer Blütengrund mündet die Unstrut in die Saale – beide Flüsse geben dem nördlichsten deutschen Weinanbau seinen Namen. Hier kümmert sich Marius Seeliger um 30 Jahre alten Riesling-Rebstöcken, die auf von Sandstein dominiertem Boden stehen. Der Winzer, Jahrgang 1990, gehört zur jungen und äußerst ehrgeizigen Generation von Saale-Unstrut, die möglichst hohe Qualitäten in Weinberg und Keller erzeugen will.
Marius Seeliger im elterlichen Betrieb in Beuditz.
Weinbau hat bei Seeligers eine lange Tradition, auch wenn das über Jahrzehnte in Vergessenheit geraten war. Erst vor 25 Jahren hat die Familie erfahren, dass der Urgroßvater von Marius, Dr. Rudolf Seeliger, von 1920 bis 1941 ein angesehener Rebenzüchter in der damaligen Biologischen Reichsanstalt in Naumburg gewesen war. Er hat sich insbesondere reblausfesten Unterlagen zum Pfropfen der Edelreiser gewidmet. Sein Buch „Der neue Weinbau. Grundlagen des Anbaues von Pfropfreben.“ habe bis vor wenigen Jahren noch als Standardwerk in der Ausbildung der Winzermeister in Bad Kreuznach gegolten, sagt Marius Seeliger stolz. In Geisenheim stehen noch immer Unterlagsreben für die Forschung, die auf Rudolf Seeliger zurückgehen. Auch Rebschulen arbeiten heute noch mit diesen Naumburger Unterlagen.
Von der Unterlagsrebenzucht sind nur noch Reste übrig.
Der Gründer und heutige Firmenchef des Weinguts Seeliger, der Agraringenieur Stephan Seeliger, hat sich in den 1980er Jahren zunächst als Hobbywinzer dem Weinbau gewidmet. Im Jahr 1998 pflanzte er im Englischen Garten von Salsitz bei Zeitz erste Rebstöcke und machte sich selbstständig. Inzwischen ist dieser Weinberg verpachtet, Vorzeigelage des Weinguts ist neben dem Naumburger Göttersitz auch die Wetterzeuber Bischofsleite, auf der erstmals 1208 Wein angebaut wurde. Bis zur neuerlichen Aufrebung diente diese Fläche mehrere Jahrhunderte als Acker- und Weideland. Inzwischen bewirtschaftet das Weingut 9 Hektar Rebfläche im Tal der Weißen Elster und an der Saale. Alle Anlagen können mit Technik bewirtschaftet werden.
2006 haben die Seeligers im Dörfchen Beuditz unweit von Naumburg einen alten Bauernhof zu einem kompletten Weingut mit Kellerei umgestaltet. Mit einer Tankkapazität von 100.000 Litern kann der Betrieb auch für andere Traubenproduzenten der Region separat Weine ausbauen.
Das Sortiment des Weinguts Seeliger bedient eine breite Verbraucherschicht.
Wichtigste Rebsorten sind Weißburgunder, Müller Thurgau, Silvaner, Gutedel, Grauburgunder sowie Dornfelder, Regent, Portugieser und Cabernet Mitos. Auch Chardonnay, Ortega und Auxerrois wurden zeitweise ausgebaut. Dabei setzen die Seeligers auf trockene Weine, typisch Saale-Unstrut, bietet aber durchaus auch einige halbtrockene oder liebliche Weine an. Diese erfreuten sich zunehmender Beliebtheit, beobachtet der Jungwinzer. So komme die liebliche Cuvée „Traumtänzer“ aus Grauburgunder und Silvaner besonders bei jungen Leuten an. Entstanden ist der Verschnitt durch einen Zufall, man kann es auch Versehen nennen. Nach einem langen Lesetag wurden die beiden Rebsorten spät am Abend unbeabsichtigt gemeinsam abgepresst. Aus dieser Not haben die Seeligers eine Tugend gemacht und bauen nun schon seit einigen Jahren eine Charge für den „Traumtänzer“ gemeinsam aus.
Die Seeligers bewirtschaften auch Rebflächen bei Zeitz.
Marius Seeliger ist von fünf Geschwistern der einzige, der sich für einen Beruf im Weinbau entschlossen hat und im Weingut Dr. Hage in Zeuchfeld sowie bei seinem Vater in der Lehre war. Es liegt dem Jungwinzer allerdings nicht, sich ins gemachte Nest zu setzen. „Ich will mir selbst etwas aufbauen“, sagt der scheinbar rastlose Winzer, der bezeichnenderweise in seiner Freizeit noch Marathon läuft.
Steillagen-Weinbau mit Ausblick betreibt Marius Seeliger hoch über dem Zusammenfluss von Saale und Unstrut vor der Stadtkulisse von Naumburg.
Marius Seeliger bewirtschaftet selbst noch zwei kleine Terrassenweinberge: in Naumburg den Großjenaer Blütengrund sowie in Bad Kösen bei der Weinlage Schöne Aussicht. „Alles beste Lagen, um sehr hohe Qualität zu erreichen“, sagt er und möchte gerne weitere Rebflächen übernehmen.
Zu Weinfesten in der Region und zu den Hoffesten schenkt er im elterlichen Weingut mit aus. Zudem arbeitet er aktuell im Weinbaubetrieb Der Steinmeister in Naumburg Ortsteil Roßbach. Hin und wieder schafft er es dann doch einmal, sich mit einem Gläschen Wein in einen seiner Weinberge zu setzen und die beschauliche Region an Saale und Unstrut zu genießen. Wenn er dann von seinen Plänen erzählt, spüren die Zuhörer schnell, dass sich der Jungwinzer mit dem Anbaugebiet verbunden und der Familientradition verpflichtet fühlt.
Marius Seeliger hat noch viel vor, dabei setzt der leidenschaftliche Marathon-Läufer vor allem auf Eigeninitiative.
Wenn es das Klima zulässt und künftig allzu frostige Winter ausbleiben, kann sich Marius Seeliger sogar vorstellen, in die recht großen Fußstapfen seines Ur-Opas zu treten und als ein Standbein wieder Unterlagsreben zu züchten. Ein kleiner Unterlagsschnittgarten besteht noch in der zurzeit verpachteten Lage Englischer Garten, wird aber seit einigen Jahren nicht mehr gewerblich genutzt. Text/Fotos: Lars Müller















