handgemacht Saale.Unstrut steht für Wertarbeit, Sorgfalt und Leidenschaft für das Produkt und unsere Heimat - Saale-Unstrut! Der Jungwinzer Manuel Flechtner bewirtschaftet den traditionellen Familienweinberg im Nebenerwerb und verleiht seinen Weinen nicht nur äußerlich einen modernen Touch. Am besten einfach direkt in der Straußwirtschaft vorbei schauen und am Fuße des Weinberges anstoßen.
Jedes Jahr im April (manchmal auch erst im Mai) treffen sich alle mehr oder weniger relevanten Weingüter (außer Klaus Zimmerling) der Weinanbaugebiete von Saale, Unstrut und Elbe zu ihrer Großen Gemeinsamen Jungweinprobe. Diesmal fand der Spaß wieder drüben im Westen, bei den Winzerkollegen in der Rotkäppchen Sektkellerei in Freyburg an der Unstrut statt. Ein Spaß, ist es doch die Gelegenheit zu vergleichen, sich zu präsentieren, auf sich aufmerksam zu machen. Dennoch war etwas anders in diesem April 2016.
Ein Weingut, welches sozusagen Gründungsmitglied dieser doch sehr erfolgreichen und traditionellen Veranstaltung ist, war nicht vertreten. Einfach so. Ohne Ankündigung, ohne Erklärung, ohne Mitteilung. Verschwunden, wie ein in Ungnade gefallenes Regierungsmitglied des „Dicktators“ (Zitat Bild-Zeitung) Kim Jong-un aus Nordkorea. Allerdings brauchen wir hier nicht den südkoreanischen Geheimdienst zu bemühen, um an eine Erklärung zu kommen. Wir ahnen es, der Dimethoat-Skandal zieht seine Kreise bis an die Unstrut. Das Weingut, war die Winzergenossenschaft Meißen. Und das Thema knisterte in der Luft. Der Vorstandsvorsitzende des Weinbauverbandes Sachsen, Christoph Reiner war sichtbar bemüht die Wogen zu glätten. Gelungen ist es ihm nur teilweise. Nicht nur in der Pressekonferenz blieben manche Fragen offen. Auch an den Verkostungstischen stolperte man immer wieder über dieses, für den sächsischen Weinbau alles andere als förderliche Thema
Dabei hätte sich für manche die Gelegenheit zum Zuhören ergeben. So waren im 25. Jahr der Jungweinprobe die beiden Gründungsgroßväter der gemeinsamen Jungweinproben, Rudolf Knoll und Udo Lützkendorf, anwesend. Bei aller Sentimentalität und Rückblicken gab es von diesen älteren Herren durchaus etwas zu lernen. Etwa bei Lützkendorfs Antwort, wo er die Zukunft der beiden Weinanbaugebiete sieht. „Nur in der Konzentration auf hohe Qualität.“ Ein Satz den nicht jeder Winzer verinnerlicht hat.
Dennoch gab es jetzt schon einige hohe Qualitäten unter den ausgestellten 236 Weinen und Sekten zu finden. Die Winzer sind mit dem Jahrgang zufrieden. Und so stellen sich die Weine auch dar. Der Jahrgang 2015 ist noch jung und so der Winzer ihm die Zeit zur Reife gibt und nicht dem Jungweinwahn verfallen, ist einiges möglich. Zum Beispiel, Luft nach oben.
Wie bei einigen Gütern aus dem Raum Berlin, welche zum Anbaugebiet Saale-Unstrut gehören und sich inzwischen unter die Kollegen aus dem Süden trauen können. Oder bei manchem sächsischen Weingut, bei dem der Schein nach wie vor schöner als der Inhalt der Flasche ist. Etwas enttäuscht hat der ehemalige thüringische Ableger des sächsischen Weingutes Schloss Proschwitz, das Weinhaus zu Weimar. Bis auf den Weinberg ist hier zwar alles neu; der günstigere Preis täuscht aber nicht darüber hinweg, dass früher nicht alles schlechter war als heute.
Aber es gibt auch eine Menge Kontinuität bei der Qualität der Weine. Bei den Weingütern aus Saale-Unstrut kann man sich zum Beispiel auf die Namen Gussek, Pawis oder Hey verlassen. Wieder ganz oben zurück ist auch Uwe Lützkendorf, dessen Weine sicher nicht jedermanns Sache sind und eine gewisse Reife und Aufmerksamkeit erfordern. Aber ist es nicht das, was einen guten Wein ausmacht? Aufmerksamkeit erregte auch der Allerhand. Das ist praktisch die Antwort der Winzer vom Breitengrad51 auf die Terrassenweine. Und ein Beispiel dafür, dass gute Qualität nicht teuer sein muss.
Tja, und da wären wir ja doch irgendwie bei den Weinen aus Sachsen. Wie gesagt, irgendwie. Verlässlichkeit gibt es aber auch hier. Namen wie Proschwitz oder Schwarz werden nicht wirklich überraschen. Auch hier und da Wackerbarth, Fourré oder Aust nicht. Aber es gilt, dies ist ein erster Überblick. Der Jahrgang ist noch jung und man sollte den Weinen die Zeit geben, die sie brauchen. Und sich nicht immer wieder der sächsischen Art des Fire-and-Forget hingeben. Also, was gleich rausgehen kann, geht auch gleich raus.
Es wäre schön, in Zukunft noch viel mehr Tankproben auf den Jungweinproben zu sehen, als fertig abgefüllte Weine. Ja, wir wissen. Die Kunden. Aber zurzeit?
Apropos Trend. Nach dem geschmacklich eher fragwürdigen Hobby einiger sächsischer Winzer, ihre Weine als Glühwein zu vergolden, wird hier und da der Sekt entdeckt. Eine durchaus lohnenswerte Geschichte, wie man zum Beispiel beim durchaus vielschichtigen 2013er Rieslingsekt vom Weingut Steffen Schabehorn sehen kann. Das wäre doch auch ein Plan...
Saale-Unstrut: Marius Seeliger will mit eigenen Weinen junge Leute ansprechen
Die markante vom Dom geprägte Stadtsilhouette von Naumburg schält sich in der Ferne aus der weitläufigen Landschaft. Direkt unter der Terrassenlage Großjenaer Blütengrund mündet die Unstrut in die Saale – beide Flüsse geben dem nördlichsten deutschen Weinanbau seinen Namen. Hier kümmert sich Marius Seeliger um 30 Jahre alten Riesling-Rebstöcken, die auf von Sandstein dominiertem Boden stehen. Der Winzer, Jahrgang 1990, gehört zur jungen und äußerst ehrgeizigen Generation von Saale-Unstrut, die möglichst hohe Qualitäten in Weinberg und Keller erzeugen will.
Marius Seeliger im elterlichen Betrieb in Beuditz.
Weinbau hat bei Seeligers eine lange Tradition, auch wenn das über Jahrzehnte in Vergessenheit geraten war. Erst vor 25 Jahren hat die Familie erfahren, dass der Urgroßvater von Marius, Dr. Rudolf Seeliger, von 1920 bis 1941 ein angesehener Rebenzüchter in der damaligen Biologischen Reichsanstalt in Naumburg gewesen war. Er hat sich insbesondere reblausfesten Unterlagen zum Pfropfen der Edelreiser gewidmet. Sein Buch „Der neue Weinbau. Grundlagen des Anbaues von Pfropfreben.“ habe bis vor wenigen Jahren noch als Standardwerk in der Ausbildung der Winzermeister in Bad Kreuznach gegolten, sagt Marius Seeliger stolz. In Geisenheim stehen noch immer Unterlagsreben für die Forschung, die auf Rudolf Seeliger zurückgehen. Auch Rebschulen arbeiten heute noch mit diesen Naumburger Unterlagen.
Von der Unterlagsrebenzucht sind nur noch Reste übrig.
Der Gründer und heutige Firmenchef des Weinguts Seeliger, der Agraringenieur Stephan Seeliger, hat sich in den 1980er Jahren zunächst als Hobbywinzer dem Weinbau gewidmet. Im Jahr 1998 pflanzte er im Englischen Garten von Salsitz bei Zeitz erste Rebstöcke und machte sich selbstständig. Inzwischen ist dieser Weinberg verpachtet, Vorzeigelage des Weinguts ist neben dem Naumburger Göttersitz auch die Wetterzeuber Bischofsleite, auf der erstmals 1208 Wein angebaut wurde. Bis zur neuerlichen Aufrebung diente diese Fläche mehrere Jahrhunderte als Acker- und Weideland. Inzwischen bewirtschaftet das Weingut 9 Hektar Rebfläche im Tal der Weißen Elster und an der Saale. Alle Anlagen können mit Technik bewirtschaftet werden.
2006 haben die Seeligers im Dörfchen Beuditz unweit von Naumburg einen alten Bauernhof zu einem kompletten Weingut mit Kellerei umgestaltet. Mit einer Tankkapazität von 100.000 Litern kann der Betrieb auch für andere Traubenproduzenten der Region separat Weine ausbauen.
Das Sortiment des Weinguts Seeliger bedient eine breite Verbraucherschicht.
Wichtigste Rebsorten sind Weißburgunder, Müller Thurgau, Silvaner, Gutedel, Grauburgunder sowie Dornfelder, Regent, Portugieser und Cabernet Mitos. Auch Chardonnay, Ortega und Auxerrois wurden zeitweise ausgebaut. Dabei setzen die Seeligers auf trockene Weine, typisch Saale-Unstrut, bietet aber durchaus auch einige halbtrockene oder liebliche Weine an. Diese erfreuten sich zunehmender Beliebtheit, beobachtet der Jungwinzer. So komme die liebliche Cuvée „Traumtänzer“ aus Grauburgunder und Silvaner besonders bei jungen Leuten an. Entstanden ist der Verschnitt durch einen Zufall, man kann es auch Versehen nennen. Nach einem langen Lesetag wurden die beiden Rebsorten spät am Abend unbeabsichtigt gemeinsam abgepresst. Aus dieser Not haben die Seeligers eine Tugend gemacht und bauen nun schon seit einigen Jahren eine Charge für den „Traumtänzer“ gemeinsam aus.
Die Seeligers bewirtschaften auch Rebflächen bei Zeitz.
Marius Seeliger ist von fünf Geschwistern der einzige, der sich für einen Beruf im Weinbau entschlossen hat und im Weingut Dr. Hage in Zeuchfeld sowie bei seinem Vater in der Lehre war. Es liegt dem Jungwinzer allerdings nicht, sich ins gemachte Nest zu setzen. „Ich will mir selbst etwas aufbauen“, sagt der scheinbar rastlose Winzer, der bezeichnenderweise in seiner Freizeit noch Marathon läuft.
Steillagen-Weinbau mit Ausblick betreibt Marius Seeliger hoch über dem Zusammenfluss von Saale und Unstrut vor der Stadtkulisse von Naumburg.
Marius Seeliger bewirtschaftet selbst noch zwei kleine Terrassenweinberge: in Naumburg den Großjenaer Blütengrund sowie in Bad Kösen bei der Weinlage Schöne Aussicht. „Alles beste Lagen, um sehr hohe Qualität zu erreichen“, sagt er und möchte gerne weitere Rebflächen übernehmen.
Zu Weinfesten in der Region und zu den Hoffesten schenkt er im elterlichen Weingut mit aus. Zudem arbeitet er aktuell im Weinbaubetrieb Der Steinmeister in Naumburg Ortsteil Roßbach.
Hin und wieder schafft er es dann doch einmal, sich mit einem Gläschen Wein in einen seiner Weinberge zu setzen und die beschauliche Region an Saale und Unstrut zu genießen. Wenn er dann von seinen Plänen erzählt, spüren die Zuhörer schnell, dass sich der Jungwinzer mit dem Anbaugebiet verbunden und der Familientradition verpflichtet fühlt.
Marius Seeliger hat noch viel vor, dabei setzt der leidenschaftliche Marathon-Läufer vor allem auf Eigeninitiative.
Wenn es das Klima zulässt und künftig allzu frostige Winter ausbleiben, kann sich Marius Seeliger sogar vorstellen, in die recht großen Fußstapfen seines Ur-Opas zu treten und als ein Standbein wieder Unterlagsreben zu züchten. Ein kleiner Unterlagsschnittgarten besteht noch in der zurzeit verpachteten Lage Englischer Garten, wird aber seit einigen Jahren nicht mehr gewerblich genutzt.
Text/Fotos: Lars Müller