21.3.2020
Ein Regentag im Museum
Mit Felix Lorenz und unserer gemeinsamen Freundin Laura besichtige ich die Uffizien. Wir steigen über eine Seite ein, die eine virtuelle Tour verspricht, und landen in einem langen Gang im ersten Obergeschoss – alle drei unabhängig voneinander, in Münster, Berlin und Berlin, aber über ein Skypetelefonat verbunden. Die virtuelle Tour ist in Google Streetview integriert, wohin wir dann für eine Vollbildansicht weiterklicken. Wundersamerweise verlieren wir uns nicht schon nach wenigen Minuten.
Am Anfang sind wir von allem abgelenkt: In Florenz regnet es grade! Wie habt ihr das gemacht, dass ihr hinter die Statue kommt? Heißt es Zentaur oder Kentaur? Schaut mal, man kann sich auf den Boden legen und die Decke angucken! Kunstgeschichtlich richtig interessant wird es, als wir entdecken, dass wir in Streetview das Stockwerk wechseln können: Im Navigationsbereich werden die Zahlen “1″ und “2″ angezeigt. Wir wechseln ins Erdgeschoss und durchschreiten eine Reihe von Räumen mit Gemälden. Für manche davon sind Zusatzinformationen aus Google Arts & Culture integriert, die in einer Seitenleiste oder einem Extrafenster geöffnet werden, inklusive einer hochauflösenden Bildansicht, die auch viel bessere Farben hat. Man erkennt die Verfügbarkeit der Zusatzinformationen an einem kleinen blauen Punkt neben dem Kunstwerk.
Bei anderen Werken wüssten wir gerne, womit wir es zu tun haben, können aber die Schilder nicht lesen. Mit einem Screenshot, den wir in der Google-Bildersuche hochladen, werden wir dann fündig. Wir sehen einige Caravaggios und erfahren von der Existenz Artemisia Gentileschis. Vor manchen Gemälden bleiben wir lange stehen und erzählen uns Anekdoten. Nicht alles ist so fotografiert, dass man die Bilder verzerrungsfrei betrachten kann, aber das stört uns nicht besonders.
Einmal schreit Laura entsetzt auf “Oh nein, ich bin in Berlin!”, es dauert kurz, bis wir verstehen, dass sie versehentlich die Streetviewansicht verlassen hat. Damit sie nicht noch einmal durch das ganze Museum laufen muss, schicken wir ihr einen Direktlink zur aktuellen Position.
Nach zweieinhalb Stunden haben wir bei weitem noch nicht alles gesehen, werden aber langsam museumsmüde. Wir gucken noch schnell aus dem Fenster auf die Ponte Vecchio und könnten dann eigentlich das Browsertab schließen. Laura und Felix bestehen aber darauf, dass das nicht geht, ohne zum Ausgangspunkt zurückgekehrt zu sein. Es gibt ein Wettrennen dorthin, ich verliere.
(Kristin Kopf)








