Michel Foucault: Die Geburt der Biopolitik - Geschichte der Gouvernementalität II
FlGr
„Es gibt eine Natur, die den Gegenständen des Regierungshandelns eigen ist. Es gibt eine Natur, die diesem Regierungshandeln selbst eignet, und die politische Ökonomie wird diese Natur erforschen. Dieser Begriff der Natur bewegt sich also gänzlich um die Erscheinung der politischen Ökonomie. […] Die Natur ist etwas, das unter, in und durch die Ausübung der Gouvernementalität hindurch läuft. Sie ist, wenn Sie so wollen, die unverzichtbare Unterhaut.“
Michel Foucault: Die Geburt der Biopolitik - Geschichte der Gouvernementalität II. Frankfurt am Main, 2004, S.33
(Original: Vorlesung am Collège de France 1978 – 1979)
Der französische Gesellschaftstheoretiker, Philosoph und großer Post-Strukturalist Michel Foucault befasst sich in einigen Publikationen in provokanter und radikaler Art und Weise unter anderem mit der Diskursanalyse und dem Neoliberalismus.
Um einen Einblick in diese komplexen Ideen, Thesen und Ausführungen zu bekommen, bedarf es kurzer Begrifsserklärungen:
„Unter Gouvernementalität verstehe ich die Gesamtheit, gebildet aus den Institutionen, den Verfahren, Analysen und Reflexionen, den Berechnungen und den Taktiken, die es gestatten, diese recht spezifische und doch komplexe Form der Macht auszuüben, die als Hauptzielscheibe die Bevölkerung, als Hauptwissensform die politische Ökonomie und als wesentliches technisches Instrument die Sicherheitsdispositive hat.“
Michel Foucault: Analytik der Macht. Frankfurt am Main, 2005, S. 171f
Neoliberalismus oder allgemein Liberalismus ist die Lehre von der Freiheit und die Ablehnung geistiger, sozialer, politischer oder staatlicher Zwänge. Die Wirtschaftsordnung befürwortet die freie Marktwirtschaft d.h., dass der Staat nicht in die ökonomischen Angelegenheiten eingreifen soll. Neoliberalismus ist eine neue und moderne Abwandlung jener „alten“ Idee. Davon gibt es weitere Ableitungen wie der Ordoliberalismus (Walter Eucken), welcher sich damit beschäftigt, dass die Freiheit der Marktteilnehmer am wichtigsten ist, dennoch der Staat Einfluss hat (Begriffsherleitung -> Ordnung + Liberalismus).
Nun zum Zitat. Wichtig hierbei finde ich, dass bei allen Lehren und Regierungsformen der Erhalt und die damit verbundene Bestandsaufnahme natürlicher Prozesse beachtet wird. Unverzichtbarkeit, besonders in der heutigen Zeit, jener Ressourcen ist hervorzuheben. Der strukturelle Wandel in den 70er/80er Jahren des 20.Jahrhunderst zur Dienstleistungsgesellschaft mit deren Flexibilisierung, Individualisierung und Differenzierung der Lebensstile, zwang einige Unternehmen zu einem Umdenken. Positiv in diesem Falle ist meiner Meinung die Neu- bzw. Wiedergeburt hin zu produktiven Quartieren, bei dem möglichst effizient und familiär miteinander gelebt wird – auch im Verbund mit dem ökologischen Gedanken. Besonders im Zeitalter der Digitalisierung und Entstehung neuer Orte (am Bestand) ist der Umgang mit der Mutter Erde von primärer Bedeutung. Höher schneller weiter ist abermals die Einstellung aller bzw. vieler. Orte, die zur Erholung unabdingbar sind, schenkt uns die Natur - abgesehen vom klimaspezifischen Wert für uns alle. Die Gesamtheit der unterschiedlichsten Marktteilnehmer, seien welche der freien, sozialen (...) Marktwirtschaft, sollte sich dem gegebenen Grund auf dem wir uns befinden, unterordnen oder eben wie Foucault beschreibt, hindurchbewegen. Bewusst habe ich dieses Zitat allgemeiner gesehen, da eben dieser Philosoph sehr gewagte Thesen in anderen Publikationen hervorbringt (Panoptikum, Stichwort allsehende Überwachung) mit denen ich mich nicht ganz identifizieren kann. Trotzdem einige, spannende Ansätze.















