Schattenpfade 26 - Papiere
„Irgendwas im Garten warf die Sonnenstrahlen zurück – vielleicht die glänzenden Blätter der Bäume - und zauberte tanzende Lichtflecke an die Zimmerdecke.“
Keine Wachsschicht der Welt reflektiert das Licht so stark, Wynter-Kind. Nicht mal, wenn du die Blätter mit Blattglanzspray präparierst. Glaub mir, ich hab da Erfahrung.
Chris macht sich Sorgen, was aus Wynter wird, wenn er und Razi nicht mehr da sind. Wynter erklärt ihm, dass sie ohne die Konzession des Königs nicht einfach irgendwo eine Werkstatt eröffnen kann und meint, sie werde schon zurechtkommen, dazu sei sie erzogen worden. Sie unterhalten sich ein bisschen über Sexualität (ohne das Wort in den Mund zu nehmen natürlich).
W: Im Norden wird man dafür gehängt. C: Ich weiß. W: *guck* C: Nein, ich bin nicht schwul. Würde es für dich etwas ändern, wenn Razi schwul wäre? W: *bestätigender gesichtsausdruck* C: Alter! Nein, er ist nicht schwul; wenn er auf Spaß aus ist, holt er sich ne Frau ins Bett! Er ist nicht, um es mit euren Worten zu sagen, fragwürdig!
Chris ist jetzt ernsthaft sauer, weil Wynter sichtlich erleichtert ist. Um ihn abzulenken, fragt sie, ob es denn nur Spaß sei? Ob nicht auch Liebe dazugehöre? Sie unterhalten sich also über die Differenzierung von sexueller und romantischer Anziehung. Razi verbindet das öfter, als gut für ihn ist; Christopher nie.
Dann muss Chris aber in die Heia. Er ist schließlich immer noch verletzt. Wynter erinnert ihn daran, dass Razi wollte, dass Chris hier auf ihn wartet, aber:
„Razi kann mich mal an meinem merronischen Allerwertesten lecken!“
Und damit die Gerüchte bestätigen? Das hättest du wohl gerne, Chris. *kicher*
Den Rest des Tages verbringt Wynter mit viel Herumgerenne, sie sieht nach den Pferden, holt das Mittagessen aus der Küche, sorgt dafür, dass die Tischlerlehrlinge alle ihre Passierscheine haben und unversehrt bleiben. Am Abend kommt Razi vorbei und scheint verblüfft, dass Chris nicht mehr dort sitzt, wo er ihn vor Stunden zurückgelassen hat. Er stürmt nach nebenan, weil er mit Chris reden muss. Ach ja, und Wynter solle sich von Chris fernhalten, weil die Trennung sonst zu schmerzhaft für sie beide wäre.
Kurz darauf stürmen die beiden Herren durch den Geheimgang in Lorcans Kammer. Razi will von Chris einen Schlüssel haben, den dieser ihm verweigert. Als Razi einen Meißel aus Lorcans Werkzeugrolle nimmt, sind nicht nur alle anwesenden Tischler empört, sondern Chris wirkt plötzlich sehr aufgebracht. Er fleht Razi an, nicht die Truhe seines Vaters aufzubrechen, und gibt ihm die Schlüssel.
Und was ist nun in dieser Truhe, das so wichtig ist? Nun, Christophers Papiere. Razi wird sie Jonathon zeigen und Seine Königliche Klobürste Jonathon wird seinen Sohn plus Pferdearzt (nach Padua) ziehen lassen.
Weil diese Papiere Christopher als Razis Sklaven ausweisen, Jonathon die Sklaverei aber strikt verboten hat. D.h., entweder lässt er Razi gewähren oder sein einziger verbliebener Sohn wird wegen Sklaverei enterbt und eingekerkert.
Nicht blöd, Razi, gar nicht blöd.
Wynter und Lorcan sind natürlich moralisch zutiefst entrüstet, entsetzt, erschüttert, was Razi aber ganz gut in den Kram passt. Von einem Unmenschen, der Sklaverei betreibt, werden sie sich jetzt bestimmt fernhalten und dadurch sich und ihn nicht mehr angreifbar machen. Jaja.
Mann, warum ist Wynter eigentlich da? Sie tut nichts, gar nichts, steht nur in den Gemächern rum, bringt Personen und Botschaften von A nach B und kommentiert das Geschehen. Man könnte die Geschichte etwa aus Razis Perspektive erzählen, das wäre deutlich interessanter. Wenn Wynter nicht da wäre und Lorcan etwas gesünder, der Handlung würde nichts fehlen.









