Zimelien
… sind seltene und wertvolle alte Drucke, illuminierte Manuskripte und besondere Dokumente mit Unikat-Charakter (wikipedia).
Die Historischen Erb- und Lehntafeln der hallischen Salzgerichtsbarkeit aus der Handschriftenabteilung des Stadtarchivs sind als solche Besonderheit bezeichnen.
In den Beständen des Stadtarchivs Halle befinden sich neun Wachstafelbücher, sogenannte Polyptychons, aus der Zeit von 1656 bis 1715. In ihnen sind Informationen zu den Erb- und Lehnrechten an den vier Solebrunnen, die um den heutigen Hallmarkt bestanden und auf deren Nutzung im Wesentlichen die Salzgewinnung basiert, zu finden.
Wachstafeln wurden seit der Antike bis ins 19. Jahrhundert als Beschreibstoff verwendet. Sie sind unbeschränkt gebrauchsfähig, denn man konnte die Schrift durch Erwärmen und Glattstreichen des Wachses schnell tilgen. Deshalb nutzte man sie eher für „unwichtigere“ vergängliche Informationen wie Notizen oder Konzepte. Mit einem Griffel wurde die Schrift eingeritzt.
Für die Art von Informationen, wie der in Halle eingeschriebenen, wurden andere Beschreibstoffe gewählt, schließlich handelte es sich hier um ein jährlich aktualisiertes Grundbuch, das Rechtssicherheit schuf. Die Tafeln bis ins 18. Jahrhundert verwendet, da sie viel resistenter gegenüber der Salzluft waren, als Pergament oder Papier. Sie bilden somit wertvolle originale Quellen für die Erforschung der Geschichte der halleschen Pfännerschaft sowie als Quelle zur Familien- und personengeschichtlichen Forschung.
Die Bücher befanden sich in einem sehr schlechten Zustand, der die Auswertung für die Forschung unmöglich machte. Die Erb- und Lehntafeln waren stark verschmutzt, das Wachs war zum größten Teil aus den Holzverankerungen / -rahmen gebrochen bzw. klebte aneinander. Daneben war der aus Holz bestehende Korpus, der die Wachstafeln hält, stark beschädigt. Es drohte ein vollständiger Informationsverlust.
(Fotos: Christoph Roth, Buchrestaurierung Leipzig GmbH)
Der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) ermöglichte die Restaurierung eines Teils dieser Bücher. Zwei Objekte wurden als nicht mehr restaurierbar aus dem Projekt ausgeschlossen.
In dem Modellprojekt wurden erstmals 2012 Wachstafelbücher restauriert, weitere in den Jahren 2020 - 2022.
Die Restaurierung wurde von der BUCHRESTAURIERUNG LEIPZIG GMBH durchgeführt.
Die Wachstafelbücher wurden zunächst gereinigt. Lose Holzrahmen wurden gerichtet, geleimt und wieder zusammengefügt. Lose schollenartige Bereiche wurden geglättet, wieder befestigt und Fehlstellen ergänzt, sowie Risse geschlossen. Defekte Bindungen wurden rekonstruiert und die Einbände restauriert.
Fotos: Ralf Jacob, Stadtarchiv Halle
Bei der Tafelrestaurierung im Modellprojekt 2012 wurde ebenfalls als Ziel formuliert, wichtige Erfahrungen für den gesamten Bereich der Buch- und Papierrestaurierung zu sammeln, wie solche wachsgebundenen Informationen nachhaltig gesichert werden können. Die nach der Restaurierung gewonnenen Erkenntnisse wurden in der archivischen und restauratorischen Fachpresse verbreitet und das Modell vorgestellt.
Informationen zum Förderprojekt von der KEK:
https://www.kek-spk.de/projekt/verwundbare-gravuren-der-geschichte
2020-2022 wurden weitere 3 Wachstafelbücher restauriert:
https://www.kek-spk.de/projekt/erb-und-lehntafeln-aus-wachs-restauriert
Durch die Restaurierung der Erb- und Lehntafeln wurde eine für die Stadt- und Rechtsgeschichte eminent wichtige Quellengattung gesichert, welche durch Beschreibstoff und Herstellung Objekte extremer Seltenheit in der historischen Überlieferung darstellen. Die Nachhaltigkeit der Maßnahme ist gewährleistet durch die Lagerung im gesicherten Handschriftenmagazin unter optimalen klimatischen Bedingungen eines fachlich geführten Archivs. Die über Internet abrufbare Archivdatenbank stellen für die Nutzer weltweit die gewonnenen Informationen aus den Wachstafeln mit Abbildungen zur Verfügung.
Fotos: Stadtarchiv Halle












