Sie tragen voll Pathos weiße Gewänder
um die Hüften geknotet haben alle bunte Bänder,
während ein Kerl mit Stil seinen schwarzen Gürtel anpreist
und sie dabei in einer fremden Sprache durch leere Turnhallen peitscht …
Und die Schüler schreien zurück mit martialischen Stimmen:
So lässt man sich beim Hallen-Halma zum Helden trimmen.
Am Mittwoch Abend tauscht man heroisch Bierkrug und Stammtisch-Fluppe
gegen eine leere Turnhalle und macht gepflegt einen auf Gladiatoren-Truppe ...
In einem solchen marsianischen Männergesangsverein
kreischt man keuchend auf japanisch die Zahlen von eins bis neun
und lässt sich bei bizarren Rollenspielen sinnlose Bewegungen einbläu’n.
Du willst, dass wehrlose Weibspersonen Dich willig zum Wachhund erwählen? Dann musst Du in Turnhallen tanzend koreanische Nummern aufzählen
und für den Kampf mit Fremdwörtern entschlossen dein Mundwerk stählen …
Gebrüllter Fremdsprachenuntericht in Turnhallen
für Haar und Holzbrett spaltende Gefühlsquallen,
die gerne Rosenkränze arithmetisch rauf- und runterlallen
und dabei von Ruhm und Ehre schwallen,
während sie wie Omas in Zeitlupe durch die Gegend fallen –
all dies wird „Kampfsport-Unterricht“ genannt
und vom Eingeweihten als Burschi-Do [2] erkannt ...
Tänzeln! Springen! Unter’m Turnhallenhimmel vorwärts-rückwärts gehen!
Dabei ausländisch brüllend die durchtrainierten Däumchen drehen,
während Darmwinde verstohlen unter’m weißen Anzug wehen –
spätestens bei „kabanesisch-zehn“ ist es gesünder wegzusehen,
wenn Pflichtwackler sich durch pathetische Partituren quälen
und Heldentenöre wütend ihre Choräle bellen …
Eine melodramatische Obsession, inszeniert in tausend-und-einer Fiktion,
durch Kiefermahlen mit asiatischen Zahlen verklärt ins Lichte der “Tradition” –
als skeptisches Semikolon ist für mich solch sinnlose Fron
„Gurupsychose mal 1 durch geistige Masturbation
in einem monoton kreischenden Polynom“ ...
Gebrüllter Fremdsprachenuntericht in Turnhallen
für Haar und Holzbrett spaltende Gefühlsquallen,
die gerne Rosenkränze arithmetisch rauf- und runterlallen
und dabei von Ruhm und Ehre schwallen,
während sie wie Omas in Zeitlupe durch die Gegend fallen –
all dies wird „Kampfsport-Unterricht“ genannt
und vom Eingeweihten als Burschi-Do erkannt ...
Reines weißes Linnen trägt der Krieger als Rampensau,
ein Kilo mehr Waschmittel zu schleppen für seine Frau
um all die Deppen zu neppen, auf deren Kosten ein Meister frisst –
Wer täglich nur ein geweihtes Reiskorn mit fünf Tautropfen isst,
dem sich nach und nach das Geheimnis erschließt,
warum der Meister lebenslang ungeschlagen ist:
Ganz einfach weil er sich immer verpisst …
Man schlägt sich nie, aber Wir mußten es gestern tun –
denn im Training, Sohn, durften Wir damals niemals jemals ruhn!
Wir sind ja fit und in deinem Alter, da brachten Wir noch Leistung,
deswegen verbeug dich oder Wir zerreißen eine nasse Zeitung!
Gebrüllter Fremdsprachenuntericht in Turnhallen
für Haar und Holzbrett spaltende Gefühlsquallen,
die gerne Rosenkränze arithmetisch rauf- und runterlallen
und dabei von Ruhm und Ehre schwallen,
während sie wie Omas in Zeitlupe durch die Gegend fallen –
all dies wird „Kampfsport-Unterricht“ genannt
und vom Eingeweihten als Burschi-Do erkannt ...
Blutig war’n die Kämpfe anno dazumal – die Story klingt nach Pentothal [3]
Verstaubte Fotos hinter Glas – da ist man sich sicher, da kann wer was
„Duck dich“ – die Laudatio hagelt Urkunden und Medaillen,
Schiebereien – Mauscheleien – Wettkampf-Kanaillen ...
Aber siebzig Mal sieben Mal sollst du dich verbeugen
Dann wird dir der Meister die Reife bezeugen
Reisschlappen et Massageschlampen locken
Jetzt heißt es am Teetisch um Geheimtechniken zocken ...
Umhüllt von esoterischen Sprechblasen gilt:
Immer sportlich unfair bleiben, denn ein Tilt
sagt mehr als tausend Worte auf diesem Aborte:
„Äh, was bitte kostet der Großmeistertitel unten links in der Auslage?“
Aber keine Sorge, des Meisters Tschi-Bauch [4] bringt keiner in Rage ...
Gebrüllter Fremdsprachenuntericht in Turnhallen
für Haar und Holzbrett spaltende Gefühlsquallen,
die gerne Rosenkränze arithmetisch rauf- und runterlallen
und dabei von Ruhm und Ehre schwallen,
während sie wie Omas in Zeitlupe durch die Gegend fallen –
all dies wird „Kampfsport-Unterricht“ genannt
und vom Eingeweihten als Burschi-Do erkannt ...
Gleich den sechsunddreißig jammernden Shaolin
ist es Deine heilige Pflicht als Krieger ins Teilzeit-Kloster zu zieh´n
Und oh! Beachte die Askäse der Krampfkünste:
Küss’ den Boden vor des Alten Mannes Büste –
wenn der edle Greis was von den Preisen wüsste,
er post mortem seinen Namen ändern müsste ...
Zum Aussprechen des Stilnamens braucht man sieben Wochen
und hast du blaue Flecken vom Blocken mit den Knochen,
meditier über den Schi-Hahn [5], der wird’s dir besorgen,
deinen Black Belt hast du praktisch schon übermorgen!
„Ihre Bunkai [6] erhalten Sie gegen Bares am Zentralpostamt von Neu-Dheli
gegen Vorlage Ihres Zehn-Jahres-Nachweises von Meister Dödli [7] !“
Ob Kiai [8] oder Kikeriki, Semikontakt [9] oder Semmelkontrakt,
die Geheimtechnik vom Tritt in den Sack
gibt’s hinterm Geheimschutz-Vorhang gegen eine kleine Spende
Und Adlerklauengriffe gegen den Meridian der Lende [10] ...
“Aber DIESE Techniken sind tödlich
Und spontane Demonstrationen deswegen leider unmöglich ...”
“So gebt uns Turniere!” – Turniiiieeeere! – Das Fotoblitzen ist Menschenfischung
und empfiehlt der Fachwelt unsere Bankverbindung ...
Gebrüllter Fremdsprachenuntericht in Turnhallen
für Haar und Holzbrett spaltende Gefühlsquallen,
die gerne Rosenkränze arithmetisch rauf- und runterlallen
und dabei von Ruhm und Ehre schwallen,
während sie wie Omas in Zeitlupe durch die Gegend fallen –
all dies wird „Kampfsport-Unterricht“ genannt
und vom Eingeweihten als Burschi-Do erkannt ...
Der zehntausendste Leergang, gewohnt international,
Bringt neues Formengewimmle, auf der Straße fatal
Aber und-Querstrich-oder Kapital
für die Theoretiker vom freien Fall ...
Des Freiers Fall: Unfreier Umfaller
Wer sitzt am längeren Hebel beim unfreien Unfall?
Wenn ihr mich fragt, ich war sowieso prall
und übertriebene Höflichkeit noch nie mein Fall …
Fleisch prallt an die Wände, die Siffkuh [11] ringt um Hände –
Das übliche „Lass ma’s für hoid liewa dawei bäwändä“
sowie die beeindruckende Narbe und des Gürtels satt tiefschwarze Farbe
Suggeriert hochnotpeinlich die geradezu antike Frage:
Stilbruch ... ist-gleich ... Omniphage??? –
Das Ergebnis der Übung nennt man „Knilchbubi-Stochastik“ –
Summa Summarum: Personenkult gleich mentale Spastik.
Die Spezies „Teutonicus Turnhalle“ in vollem Ornat
bringt immer eine Prise Komik in mein Trittwoch-Abend-Habitat ...
Ich schaute in die Abendzeitung – im Morgengrauen kam der Schlag
Wie brav angekündigt im Körpersprachen-Inserat.
Ach nee sowas, Schaa-ooh-liiin schon schön, schon … ein Schrei:
ZACK-KLACK-WUNKS, leider viel zu schnell vorbei.
Da liegt nun Meister Greisenfaust von Tschi Fang Mai –
das Patch auf dem Anzug verkündet immer noch: „Sensei“ [12] ...
Gebrüllter Fremdsprachenuntericht in Turnhallen
für Haar und Holzbrett spaltende Gefühlsquallen,
die gerne Rosenkränze arithmetisch rauf- und runterlallen
und dabei von Ruhm und Ehre schwallen,
während sie wie Omas in Zeitlupe durch die Gegend fallen –
all dies wird „Kampfsport-Unterricht“ genannt
und vom Eingeweihten als Burschi-Do erkannt!
Überschrift: Kata (jap.): festgelegte Bewegungsform, die “in der Luft” und ohne Gegner ausgeführt wird.
2 Bushi-Do (jap.): „Weg des Kampfes” oder “Der Weg einen Kampf zu beenden“
3 Wahrheitsdroge, die im Dritten Reich und bei der CIA in Verhören eingesetzt wurde
4 Chi (chin.) oder Ki (jap.): Die „Innere Kraft“ eines Individuums
5 Shihan (jap.): höchster Grad einer Schule, Stilgründer
6 Erklärung der praktischen Anwendung einer Kata
7 Anspielung auf Bruce Lee
8 Kiai (jap.): Kampfschrei
9 Punktekampf mit Berührung, aber ohne Impact
10 Ein Meridian mit solchem Namen existiert nicht
11 Sifu (chin.): „Väterlicher Lehrer“
12 Sensei (jap.): Meister, Lehrer