Niedliche Neger
Kennen Sie den Cargo-Kult? Eingeborene einer Insel in Papua-Neuguinea beobachten, wie ein kleiner Flughafen gebaut wird, wie Waren entladen und am Ende wahre Schätze hinterlassen werden, als der Flughafen aufgegeben wird. Also bauen sie ihren eigenen Flughafen, mit kleinen Flugzeugen aus Holz, einem Holz-Turm und einer gerodeten Landebahn, um die Götter zu animieren, diese großzügigen Gaben auch ihnen zukommen zu lassen.
Klingt irgendwie niedlich, nicht war? Als ob sie die Technik für Magie gehalten hätten.
Nur lässt diese Geschichte einige wesentliche Bestandteile weg. Cargo-Kulte wie dieser entstanden nicht aus dem Nichts. Und die Art, wie im Westen darüber berichtet wird, verrät genauso viel über "uns" wie über die "Wilden" auf den Inseln Papua Neuguineas.
Hier die Kurzfassung einer anderen Perspektive: Die pazifischen Aborigines hatten beobachtet, dass Mitglieder ihrer Ethnie in den Missionen und Fabriken der Weißen kein gleichberechtigtes Dasein führten. Stattdessen wurden sie unterdrückt und effektiv als Sklaven gehalten. Aus der Missionierung durch die Weißen und den verschiedenen Ahnenkulten der Region entstanden neue religiöse Strömungen – darunter auch jene, die hierzulande unter dem Begriff “Cargo-Kulte" zusammengefasst wurden. Nicht selten ging es in diesen Kulten tatsächlich auch um das Erlangen von Reichtum (und das wertvollste waren westliche Güter). Aber dieses Element – das in der Anekdote zu den Cargo-Kulten so gern zentral dargestellt wird – war meistens nur Beiwerk.
Zentral ging es um etwas anderes. Es war eine Bitte an höhere Mächte darum, dass eine höhere Macht käme und die Rollen zwischen Schwarz und Weiß aufheben oder vertauschen würde. Das mit der erflehten Ankunft einer messianischen Figur (die auch Salz, Zucker und Tabak mitbrächte – Cargo) die Hautfarbe der Aborigines weiß und die der Weißen dunkel würde. Die Cargo-Kulte waren die Bitte an eine höhere Macht um einen Paradigmenwechsel. Cargo, also die Ladungen und Güter der Weißen waren in diesem Zusammenhang ein Symbol für das Privileg, weiß zu sein.
Viele Cargo-Kulte waren also eine spirituelle Antwort auf Rassismus und Ungerechtigkeit. Die Rezeption im Westen klingt in der Regel allerdings anders. Das Phänomen verkommt zur lustigen Anekdote. „Ach, guck mal, diese niedlichen Neger...“
















