Am Freitag durften wir der Abiturzeugnisvergabe meiner Tochter in der Kunibertskirche um die Ecke beiwohnen und für ein so lebensgliederndes Ereignis hätte mir einen feierlichen Rahmen gewünscht als eine 3-Etappen-Kurzmesse mit anschließendem streng zeitbegrenztem Sektempfang in der Schule (Getränketemperatur um die 30 Grad). Weder in der Kirche noch auf dem Schulhof war eine Gesamtfeier möglich gewesen, weil nicht alle Schüler|innen mit den gestatteten zwei Begleiter|innen mit dem vorgeschriebenen Abstand Platz gefunden hätten. Nach diesem langen Winter ist man allerdings froh, dass es überhaupt ein offizielles Programm gab und eigentlich war die Kürze der Veranstaltung auch ganz nett, so hatten die Gesprächspartner nicht die Gelegenheit, einen zu langweilen. Für meinen Geschmack etwas belanglos waren die Reden von Pastor und Schulpersonal, dafür hatte man einen lustigen Vater erwischt und der Beitrag der beiden Schüler|innen|vertreterinnen versprühte zumindest so etwas wie Esprit. Hinterher las man mit Interesse und mitunter gespieltem Entsetzen die Spuren, welche die Tochter in der Abizeitung hinterlassen hatte, überließ sie mit ihren 10 besten Freundinnen in einen Cocktailabend im Zülpicher Viertel und beschloss den Abend selbst mit Kurzbesuch bei einem Kaltgetränk und auf der eigenen, sich direkt jenseits der Schulmauer befindlichen Terrasse.
Ein wenig wehmütig wurde mir schon, als ich L im Kreise ihrer engsten Freundinnen ausgelassen für Fotos posieren sah. Noch bis in den vorletzten Winter waren sie alle regelmäßig bei uns zu Gast gewesen, teilweise nährte unsere Küche eine zweistellige Zahl von Ihnen zu Mittag, wenn gerade Langtag war und die selbstgekochten Spaghetti mit Fertig-Pesto den anderen (kostspieligen) kulinarischen Angeboten des Viertels vorgezogen wurden. Wir bekamen das meist gar nicht mit, weil da noch kein Home-Office angezeigt war und konnten nur die Spuren in der Spülmaschine oder der großen Anstandsrest-Pestoglassammlung im Kühlschrank lesen. Manchmal berichtete uns auch der kleine Bruder von der nicht abzählbaren Menge an Mädchen, welche die Wohnung heimgesucht, aber wieder verlassen (und ihn dabei mitversorgt) hatte. In kleinerer Zahl habe ich sie natürlich auch mitbekommen, die Lage in der Nähe des Hauptbahnhofs ist strategisch günstig, wenn man vor einer Party irgendwo das machen will, was man als Mädchen-Clique vor einer Party im Kölner Stadtgebiet so macht und natürlich auch, wenn nicht mehr wirklich nach Hause kommt oder kommen will. Den Gossip der so anderen Lebenswelt gab es völlig umsonst an unserem Esstisch, das Leben, das dadurch in die Bude kam, hat mir manchmal mehr gefehlt als das meine draußen in dieser Zeit, die jetzt so langsam zu Ende geht.
Noch früher zu Ende ist jetzt allerdings auch die Zeit in der das ältere meiner beiden Kinder in die Schule geht und eben die Dinge anstellen kann, für die eigentlich diese Phase des Lebens reserviert ist. Ich hatte in der Oberstufe die beste Zeit meiner Schullaufbahn, von der sie eh schon ein Jahr geklaut bekommen hat (durch diese dämliche, für zukünftige Jahrgänge längst wieder abgewickelte G8-Idee). Corona schränkte jetzt noch mehr als ein zweites Jahr extrem ein. Keine Studienfahrt, keine große Feier, keine Parties, keine Exkursionen, stattdessen, wenn die Schule denn geöffnet war, Maskenpflicht während des gesamten Aufenthaltes auf dem Gelände. Der gemeinsame Urlaub, den die Clique in ein paar Tagen antritt, vermag den Mädchen hoffentlich ein bisschen von dem zurückzugeben, das sie die letzten 16 Monate entbehren musste. Und das Leben danach mag Ihnen auch hold sein. Sie haben es sich verdient.












