how do you like learn to ski jump? do you just climb the fucking maxislide and yeet yourself off into the abbys hoping that your natural instinct to fly (which you've inherited from your sapien ancestors) will kick in?

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how do you like learn to ski jump? do you just climb the fucking maxislide and yeet yourself off into the abbys hoping that your natural instinct to fly (which you've inherited from your sapien ancestors) will kick in?
Ich habe das Bedürfnis, mich zum Jahreswechsel zu verhalten, doch mir fehlen die Stränge, die ich in Worte knüpfen könnte. Von diesem zu warmen, zu windigen und zu sonnenlosen Tag aus gesehen lässt sich nicht viel Positives für das vergangen Erlebte oder das zukünftig Erhoffte destillieren, die eigene Stimmung verharrt im mild-Melanchonischen und mein innerer Stoiker lässt dies geschehen. Ob unsere Zeit in diesen Jahren dereinst als eine Abfolge größerer Krisen betrachtet wird, wie von den positiveren Zeitgenossen angenommen, oder doch als Vorspiel zu einer noch viel größeren Katastrophe, wie das die weniger optimistischen sehen, werden die Geschichtsschreiber der Zukunft deutlich besser beurteilen können als ich. Mein Gefühl ist, dass die Welt an immer neuen Stellen entflammt, auch wenn wir inzwischen einen unsäglichen US-Präsidenten (zumindest vorübergehend) und eine weltweite Pandemie (zumindest deren akute Phase) überstehen konnten. Dabei bräuchte es eigentlich – vor allem in Bezug auf den Klimawandel – konzertierte Löschaktionen. Doch die Grässlichkeit des Krieges, der durch die russische Aggression auf ukrainischen Boden ausgefochten wird, lässt kaum vermuten, dass ein Entwurf wie “Weltgemeinschaft” in absehbarer Zeit noch einmal gedacht werden kann. Der Krieg scheint mir auch nur der wahrnehmbarste (und zugleich furchtbarste) Auswuchs eines Prozesses zu sein, den ich momentan als die bedrohlichste aller Entwicklungen annehme – eine Polarisierung, die nicht nur geopolitisch, sondern auch einzelgesellschaftlich greift. Damit umzugehen, ohne auf der einen Seite Aggressoren durch Konzessionen zu belohnen und ohne auf der anderen Seite Gleichgesinnte durch Radikalisierung zu vergrämen, halte ich für die große Aufgabe unserer Zeit. Und das für mich auszubuchstabieren ist doch mal ein guter Vorsatz für das neue Jahr. Da habe ich ja doch noch einen Strang gefunden. Rutscht gut und bleibt konsensorientiert!
Meine schon länger schwelende Exit-Strategie war es eigentlich, das Pandemietagebuch mit der eigenen Infektion zu beenden, aber da diese weiter auf sich warten lässt und ich auch ganz froh darüber bin, muss ich hier entweder weiter den Laden offen halten oder doch einen anderen Abschluss finden.
Ich habe nicht den geringsten Zweifel, dass sich einer der SARS-CoV-2-Virenstämme irgendwann mein Immunsystem herausfordern wird und hoffe einfach, dass letzteres relativ schnell und nachhaltig die Oberhand gewinnt. Davon abgesehen halte ich die Möglichkeit, dass die Pandemie noch einmal gesamtgesellschaftlich Schwung aufnimmt, nicht für völlig ausgeschlossen, wird sie doch von Expert:innen meines Vertrauens ob der gegenwärtigen Lage zunehmend bezweifelt. Doch wird es wohl mit recht großer Sicherheit im Verbund mit anderen respiratorischen Viren, die einiges nachzuholen haben, in der nächsten Wintersaison durchaus noch einmal etwas ungemütlich werden können. Da wir den Werkzeugkasten zur Verringerung der Übertragungsrate aber inzwischen kennen, dürfte das indes kaum zu katastrophalen Zuständen führen. Was allerdings die inzwischen weithin bekannten Anhänger der Kirche des nahenden Untergangs nicht davon abhalten wird, genau diesen im eng getakteten Monatsrhythmus zu beschwören.
Man könnte wohl sehr launige Retrospektiven darüber schreiben, welche Teufel und anderes Höllengezücht in den letzten Monaten in schillernden Farben an alle verfügbaren Wände gemalt wurden, wie unabwendbar die Folgen des ausbleibenden knallharten Lockdowns und des scheinbar völlig irrwitzigen, langsamen Auslaufen der Maßnahmen wären, vor denen man sich dann aber irgendwie vergeblich fürchtete. Ich lasse da einstweilen die Finger von, es soll einfach jede|r mit sich selbst ausmachen und vielleicht mal reflektieren bevor er / sie in die nächste Lamentorunde einsteigt.
Es mag ein wenig aus der Zeit gefallen erscheinen, doch liegt mir die Faszination des gegenseitigen Aufstachelns in Sarkasmus und Politikverdrossenheit emotional weiterhin fern, ich würde sogar soweit gehen, es als gesellschaftliches Gift zu verdammen. Natürlich ist es richtig und wichtig, die staatlichen Maßnahmen zur Bekämpfung einer Pandemie fortwährend kritisch zu hinterfragen und Nachbesserungen anzumahnen. Auf der anderen Seite sollte man allerdings auch eine Antwort darauf haben, ob irgendwo auf der Welt ein beispielhafte Umsetzung der eigenen Forderungen gelungen ist. Was die Anhänger der Niedriginzidenzstrategie angeht (zu der ich mich im Grunde auch bis Mitte 2021, also vor der bevölkerungsweiten Impfung hingezogen fühlte), hatten diese vor Omicron immerhin noch ein paar Länder aufzuzählen, in denen diese Strategie aufging, die allerdings auch sämtlich keine passierbare Landgrenze aufwiesen (Neuseeland, Australien, Japan, Südkorea, Taiwan). Die einzige Ausnahme von dieser Regel ist auch das einzige Land, das diese Strategie auch weiterhin verfolgt, nämlich China. Von meiner Warte aus betrachtet wird dafür ein absurd hoher Preis bezahlt – wohl auch in dem Bewusstsein, dass die Mischung aus Impfquote in den älteren Bevölkerungsschichten im Vergleich zu anderen Ländern dürftig ist und möglicherweise auch der eingesetzte Impfstoff seine Nachteile hat. Das kann man durchaus anders sehen, aber dann soll man halt auch klar sagen, welcher Preis realistischerweise für eine Niedriginzidenzstrategie anzusetzen ist. Alternative scheint momentan ja nur die Schleimhautimmunisierung der Bevölkerung über Infektionen zu sein. Und das ist der Weg, den gerade 194 von 195 Staaten auf der Erde eingeschlagen haben.
Wenn ich mich richtig erinnere, bin ich zur Folge 9 eingestiegen und tatsächlich ab da bis zum Ende dabei geblieben, wenn Christian Drosten beim NDR Coronavirus Update auf Sendung ging. Anfangs saß ich noch im Büro und nahm mir meine Mittagspause, wenn die Folge täglich veröffentlicht wurde, später mit meiner Frau, beide im Home Office, zusammen am Küchentisch, oder eben beim Entfernen der Überbleibsel des Mittagessens, das wir unseren beiden zuhause beschulten Kindern bereitet hatten in einer Zeit, wo es vor allem mir, der der Unsicherheit und Nichtplanbarkeit mit latenten Angststörungen zu begegnen pflegt, nicht besonders gut ging. Drosten war da so etwas wie ein täglich verabreichtes Medikament, eine Dosis Rationalität, die meine Psyche aus der alptraumhaften Umklammerung der Pandemie nach und nach zu befreien verstand, weil ich eben begriff, was dort vor sich geht und wie es mir möglich wurde, dem zu begegnen. Manch einer wird vielleicht behaupten, mein Pandemieverständnis wäre bloß ein eingebildetes, aber das ändert auch nichts daran, dass ich mich irgendwann mehr hilflos fühlte.
Natürlich war es nicht Drosten allein, der mich in dieser Emanzipation leitete, aber er war so etwas wie das Rückgrat, an das ich mein Wissen über die Pandemie, ohne dass ich mich so verloren gefühlt hatte, anbauen konnte. Vor allem aber war er die Instanz, an der ich meine eigenen Gedanken zur Lage messen konnte. Denn sosehr ich mich auch bemüht habe – über den Status eines Laieninterpreten virologischer und epidemiologischer Befunde konnte ich nie hinauskommen. Umso wichtiger war es, ein solches Korrektiv zu haben. Eigentlich dachte ich bei jeder Meldung zum Thema “Was wird Drosten dazu sagen” und ich habe über die Zeit ziemlich gute Vorhersagewerte (Selbstbild) für genau diese Frage erzielt.
Bemerkenswert fand ich immer, wie eingeschränkt die Reichweitenmedien und mit ihnen auch leider meine Filterblase die vielfältigen Themen aus den Podcasts verbreiteten. In beiden ging es (Vorsicht, subjektive Interpretation) fast ausschließlich um die Frage, was Drosten zu (a) kontaktbeschränkenden Maßnahmen und (b) der Performance von Politiker|innen zu sagen hatte, und dann auch immer nur dann, wenn er für (a) eintrat und (b) schalt. Ich machte mir irgendwann einmal zur Aufgabe, mit #DrostenInKurz ein erweitertes Themenspektrum auf Twitter zu bringen, was aber so gut wie resonanzlos blieb. So habe ich mich einfach weiter in der Vorhersage geübt und für mich selbst gefreut, wenn ich (Selbstbild: eigentlich immer) Recht behielt.
Im Rückblick behielt auch Drosten eigentlich immer Recht und wenn man unbedingt dezente Minuspunkte vergeben will, so kann man auf seine anfängliche Skepsis gegenüber Mund-Nasen-Schutzen verweisen (was er selbst mit deren Knappheit begründete) oder dass er gleich zweimal daneben lag, als es früh zu beurteilen galt, ob Alpha und Delta tatsächlich so viel fitter sein könnten, wie es sich dann nachher herausgestellt hat. Den Fehler wollte er bei der Beurteilung von Omicron offenbar nicht mehr machen, was seine extreme Warnung im Heute Journal von Mitte Dezember heute etwas übertrieben aussehen lässt. Ansonsten dürften sich auf über 1000 Seiten Skript des Podcasts nicht viele falsche Annahmen finden. Dass ich ihn für keinen besonders guten Twitterer halte, gehört da ja nicht rein, und auch das halte ich für verzeihlich.
Jetzt wurde, nach 113 Sendungen, das Ende des Coronavirus Update ausgerufen und eigentlich ist es folgerichtig. In der Anlage war ja die Entwöhnung von der Droge Drosten von vornherein angelegt. Gab es ihn anfangs noch (werk)täglich auf die Ohren, wurde das Format dann auf drei, später zwei wöchentliche Sitzungen heruntergebrochen, dann kam eine Sommerpause und nach ihr sendete der Podcast nur noch jede Woche, allerdings wechselte sich Drosten ab da mit Sandra Ciesek ab, die ich mir auch gerne anhörte, die aber den Platz in meinem Herzen, den ihr Kollege bereits gewonnen hatte, weil er meine Seele im Frühjahr 2020 rettete, nicht auch noch erobern konnte.
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wo ich ohne den Drosten-Podcast gelandet wäre. Womöglich hätte ich doch irgendwann einen Modus gefunden, mit der Pandemie umzugehen, ohne ihre Funktionsweise verstehen zu wollen. Vielleicht wäre ich näher am Tenor der Filterblase geblieben, die mir vor Covid-19 so ans Herz gewachsen war, deren aus meiner Sicht schlecht informierten Furor ich aber einfach irgendwann nicht mehr ertrug oder sie eben nicht meine Interpretation des Ganzen oder eben beidseitig interesseloses Missgefallen, jedenfalls hat sie viele Elemente, die im Februar 2020 noch unverzichtbar schienen, inzwischen verloren. Doch Pandemien beenden auch Leben, wer bin ich, meine Verluste dagegen aufzurechnen zu wollen? Ich kann wenigstens mit ihnen leben. Und Drosten trug einen nicht geringen Anteil dazu bei. Dafür werde ich mich nie angemessen bedanken können. Auch nicht mit diesem Text.
Das Visum datiert auf den 6.3 und war ausgestellt für die Zeit vom 20.3. bis zum 26.3., die Flüge von Köln nach Moskau, von Moskau nach Perm und zurück nach Köln über Prag wurden sukzessive storniert, die gebuchten Hotelzimmer ebenso. Es war März 2020 und die Welt stellte nach und nach ihren Betrieb ein. Und so blieb mir verwehrt, eine lang herbeigesehnte und engagiert vorbereitete Reise antreten zu können. In Moskau wäre es darum gegangen, einen Kooperationsvertrag mit der MLSU aufzugleisen, in Perm unser kurz zuvor frisch genehmigtes EU-Projekt mit anzustoßen und Mitglied einer Jury zu sein, welche die nationale Vorentscheidung zu einem internationalen Preis treffen sollte. All dies habe ich inzwischen auch remote erledigen können, aber mein großer Traum, einmal das Land meiner Lieblingsschriftsteller betreten zu können, blieb mir verwehrt, ebenso wie das detailliert geplante begleitende kulturelle Programm.
Nun, da die Pandemie das Reisen wohl wieder ermöglicht hätte, aber dafür die (von mir so wahrgenommene) Ein-Mann-Führung dieses Landes ein anderes mit einem schrecklichen, nicht rechtfertigbaren und wohl unverzeihlichen Angriffskrieg überzog, ist der Traum, das in absehbarer Zeit nachholen zu können, zertrümmert und womöglich begraben. Die Projekte sind auf Geheiß der Mittelgeber gestoppt, auch im wissenschaftlichen Bereich empfindliche (und vielleicht auch kontroverse) Sanktionen in Kraft und die Zukunft im Nebel verborgen, für den das Adjektiv düster eine zu euphemistische Wahl wäre. So sind es weiter nur die schwarzen Buchstaben auf weißem Papier, die mich durch die russischen Städte und Landschaften ziehen lassen und meine Sehnsucht doch nicht stillen können, für die ich mich, vor dem Hintergrund des Alptraums, den die Menschen in der Ukraine erleben müssen, auch fast ein wenig schäme.
Ich frage mich ja oft, wahrscheinlich auch nicht als Einziger auf der Welt, was von der Pandemie bleiben wird, wenn wir ihre hoffentlich letzte heiße Phase demnächst und ihre wintersaisonbedingten Nachwehen in ein paar Jahren überwunden haben werden. Gesamtgesellschaftlich gesehen denkt man da natürlich einerseits an die großen wirtschaftlichen Verwerfungen, andererseits aber auch an die erzielten medinzischen Fortschritte in Warpgeschwindigkeit. Für das eigene Umfeld fragt man sich, wie nachhaltig sich Verhaltensänderungen wie Maske tragen und allzu volle Innenräume meiden darstellen werden und wie sehr man in Zukunft das liebgewonnene Home-Office in den Arbeitsalltag integriert.
Neben diesen Fragen, die ja die meisten von uns beschäftigen werden, wird die Pandemie aber noch eine sehr nachhaltige und relativ durchschlagende Änderung bei mir persönlich hinterlassen, hat sie doch zu einem nicht gerade geringen Anteil dazu beigetragen, dass ich jetzt Mitbesitzer eines Hauses weit außerhalb der Stadt bin, in der ich eigentlich vorhatte, den Rest meines Lebens zu verbringen. Wer nun deduziert, das wäre auf ein unverhofftes Erbe in Zusammenhang mit einem tragischen, mit Covid-19 in Verbindung stehenden Todesfall zurückzuführen, liegt gottlob falsch. Stattdessen ist es das Resultat einer fast über die gesamte Pandemiedauer aktiv geplanten Entwicklung.
In den fast zwei Jahren meiner Protokollierung des subjektiven Pandemieempfindens hier kam ich mehrfach darauf zu sprechen, dass wir über die ganze Zeit nicht so wirklich von unserer Wohnung weggekommen sind. Im Sommer 2020 hatten wir uns zwar bemüht, wenigstens eine kurze Zeit am Meer verbringen zu können, späte Klarheit zu möglichen Reiseländern und undurchsichtige Stornierungsbedingungen hatten diesen Plan aber wirksam vereitelt. Im Sommer 2021 konnten wir uns zumindest zu einer Woche in einem deutschen Mittelgebirge durchringen, was tatsächlich erholsam, aber natürlich zu kurz und irgendwie eben nicht so wirklicher Urlaub wie vorher war.
Wie genau wir jetzt auf die Idee gekommen sind, uns aktiv um den Kauf einer Art Wochenendhaus zu bemühen, kann ich nicht mehr ganz nachzeichnen. Aber die Urlaubsproblematik trug – ebenso wie die relative Enge unserer Innenstadtwohnung – sicher dazu bei, dass dieser Plan so weit gären konnte. Ohne Zweifel half uns die Suche auch dabei, die Zeit der Pandemie, vor allem die während der Lockdowns, ein wenig zu gliedern und mit Sinn zu erfüllen. Wir verbrachten die Wochenenden in der umgebenen Provinz, wanderten ein wenig herum, schauten uns annoncierte Häuser und Grundstücke recht unterschiedlicher Qualität und Ästhetik an, gaben für manche Angebote ab, zögerten einmal zu lange, wurden bei anderen Gelegenheiten überboten, winkten in den meisten Fällen entweder dankbar oder eben schulterzuckend ab. Selbstredend können wir uns nicht alleine so einen Luxus leisten, sondern haben Verbündete im engeren Familienkreis, mit denen wir diese Vergnügungen teilen konnten.
Schließlich, irgendwann im letzten Frühsommer, wurden wir tatsächlich fündig und uns mit den sehr netten Verkäufern auch einig. Das Ganze lief ohne Makler|in ab, was sich auf persönlicher Ebene, vor allem aber natürlich finanziell auszahlen sollte, auf der anderen Seite aber auch eine Menge Arbeit bedeutete, weil Grundbücher, Wegerechte und so manches weitere seit mehr als einem Jahrhundert eher so halbexakt eingetragen wurde und wir gerne vor dem Kauf weitestgehende Klarheit schaffen wollten. Man lernt tatsächlich eine Menge dabei, das man aber wahrscheinlich nicht mehr oft im Leben wird einsetzen können. Jetzt, nachdem der Termin beim Notar gelaufen ist, wurde alles soweit aufgegleist, dass wir bald Mitbesitzer und irgendwann auch Miteigentümer eines ulkigen, aber liebevoll gepflegten Häuschens sind, dessen ältester Teil 1910 entstand und zwei Erweiterungen in den 1930er und 1960er Jahren erhielt. Es steht auf einem großen Grundstück, auf dem wir sicher einen guten Teil unserer Freizeit in den nächsten Jahren oder gar Jahrzehnten verbringen werden, sei es, um es herzurichten oder um irgendwann einfach zu chillen. Ohne Pandemie, da bin ich mir sicher, wäre es dazu nicht gekommen. Und jetzt können wir noch vor ihrem Ende den Vollzug melden.
Letzte Woche bin ich innerhalb von zwei Tagen auf Twitter verdächtigt und im gleichen Atemzug beschimpft worden, weil ich
die gesamte Entwicklung der Pandemie monokausal aus Maßnahmen ableiten UND
die Wirksamkeit von Maßnahmen auf ganzer Linie leugnen würde.
Man könnte jetzt annehmen, ich hätte absichtlich Widersprüchliches in das soziale Netzwerk geschickt, tatsächlich hatte man aber beides in Tweets hineininterpretiert, mit denen ich meine ganz normale Linie vertrat. Natürlich würde ich beide Positionen verneinen. Selbst wenn man die Impfung der Bevölkerung als Maßnahme einstufen würde, haben sicherlich auch die Saison und offenbar noch nicht wirklich verstandene Wellendynamiken Einfluss auf das Infektionsgeschehen. Auf der anderen Seite ist es reiner Irrsinn zu glauben, kontaktbeschränkende Maßnahmen hätten nicht auch übersprungbeschränkende Wirkung auf das Virus. Welche Maßnahmen genau wie viel bringen, ist ein offenbar schwer zu erforschendes Feld und Anlass für ständigen Knatsch, dennoch wirkt das Schweizer-Käse-Modell für die Wirksamkeit von Maßnahmenkombinationen nach wie vor ziemlich nachvollziehbar auf mich.
Es macht keinen großen Spaß, sich in die Abgründe rechts und links des pragmatischen Covid19-Zentristendamms zu begeben, denn egal, wie gewichtig die eigenen Argumente sind, gleichgültig wie messergeschärft und originell man auch begründet, dass der Tweet des erfolgreich agitierenden Situations-Kontrahenten ziemlich leicht zu dekonstruierender Bullshit ist – dessen ausflüchtene und wenig überzeugende Antworten werden mehr Herzen derjenigen abgreifen, denen Agitation eben viel wichtiger als Argumentation ist. Weil sonst ja auch alles zusammenbricht im Poststrukturalismus.
Ich muss allerdings ganz ehrlich sagen, dass mir die Besiedler beider Gräben ziemlich auf den Zeiger gehen und ich sie insgesamt zur Lösung der gegenwärtigen Krise für im besten Fall kontraproduktiv halte. Doch obschon mir unmissverständliche Verachtung aus beiden Richtungen entgegenschlug, war meine Erfahrung in den Abgründen derjenigen, die man weitläufig mit der Bezeichnung “Coronaleugner” belegt, die bei weitem eindrücklichere. Offen zur Schau gestellter Hass, permanente verbal plumpe Versuche, das Gegenüber zurückzusetzen, absolute Verweigerung jeglicher Reflektion, pausenloses Heranziehen stumpfer Falschinformation, totaler Wahnsinn in der Argumentationskette – was für ein Zirkus strunzdummer Schrate, würde ich schreiben, könnte ich mir das Urteil erlauben. So blieb mir nur, nach mehreren erfolglosen Versuchen eines informativen Austauschs, das Muten. Damit konnte ich zumindest den Anschein von Seelenhygiene bewahren.
Es hat jetzt doch einige Zeit gedauert, bis Omicron durch die rückläufige Delta-Welle hindurchscheinen konnte, aber so langsam sollte man sich wohl anschnallen. Die Inzidenzrakete hat in so gut wie allen Ländern auf der Erde inzwischen gezündet und ich bin der festen Überzeugung, dass wir auch hier relativ schnell an die Messgrenze unserer PCR-Labore stoßen werden. Eingepreist habe ich auch schon das Lamento, das über Wochen jeden Tag neue Neuinfektions- und Inzidenzrekorde anprangern wird und blöderweise nicht mehr viele Schuldige wird ausmachen können, an denen man den eigenen Frust über die Situation auslassen kann. Die langmonatige Gallionsfigur der Bewegung ist inzwischen Gesundheitsminister und wird sehr genau wahrnehmen, dass ein deutscher Sonderweg in der Omicron-Welle nicht so supergut ankommen wird, da er nicht nur extrem verschärfte Maßnahmen bedeuten würde (alle anderen dürften wenig bringen), sondern wahrscheinlich auch eine Verlängerung der pandemischen Phase, die sich andere Länder nicht leisten. Blöderweise haben wir ja inzwischen auch ein allgemein anerkanntes wissenschaftliches Expert|inn|engremium (#followthescience!), das den weltweit eingeschlagenen Weg (Durchbruchversuch, aber besser nicht mit geschlossenen Augen) vollumfänglich deckt.
Natürlich wird man reagieren müssen, wenn in Deutschland aufgrund seiner vergleichsweise niedrigen Bevölkerungs-Immunisierung (eine Mischung aus “bisher ohne allzuviele Infektionen durch die Pandemie gekommen” und Impfmuffelei v.a. im 1990er Beitrittsgebiet und an den Alpenrändern) in die Bredouille kommen sollte, doch das Gesundheitssystem zu überlasten, wenn man Omicron zu frei gewähren lässt. Das Motto heißt nun aber eindeutig #flattenthecurve und wie abzusehen war, tun sich da einige sehr schwer mit, die noch immer an Konzepte wie #zero- oder #noCovid glauben, obwohl man nicht mehr viele Wissenschaftler finden wird, welche deren Erfolgsaussichten auch nur den Hauch einer Chance geben würden. Der confirmation bias wirkt mir da schon recht durchschlagend, wenn ich mir Antworten zu deutschen Tweets zum Thema Corona durchlese. Ich befürchte, das liegt daran, dass sich einfach zu viele zu lange die gleichen Märchen erzählt haben, aber das konnte man hier ja schon oft genug lesen. Mit Glück sind es nicht mehr geworden und nur die fortschreitende Zeit hat das weiter verstärkt.
Wie auch immer, ich will hier nichts beschwichtigen. Es liegen wilde Wochen vor uns, in denen man sich natürlich selbst vor einer Infektion schützen sollte, noch wichtiger aber sein wird, eine doch eingefangene solche möglichst nicht weiterzutragen. Aufgrund der doch langen Vorlaufzeit halte ich die Versorgungslage hierzulande eigentlich nicht für extrem gefährdet, Tipps des Katastrophenschutzes zur Ausstattung der eigenen Vorratskammer kann man ja trotzdem mal beherzigen. Ohne Zweifel besteht auch weiterhin die Möglichkeit, dass irgendwann die Notbremse gezogen werden muss, bevor Krankenhäuser kein Land mehr sehen. Ich bin der festen Überzeugung, dass dies im Auge behalten wird. Das Expert|inn|engremium wird es sich nicht ankreiden lassen, nicht laut genug “Feuer” gerufen zu haben. Und solange sie das nicht tun, harre ich hier der Dinge und schaffe mir Fire-Noise-Chancelling-Macros für Twitter an.