1998 bis heute
Namensvetter, mal lästig, mal lustig
Im letzten Jahrtausend habe ich bei GMX ein E-Mail-Konto angelegt. Den Kontonamen konnte man frei wählen, und ich wählte die Form “[email protected]”. Das machte man halt so mit dem Punkt zwischen dem Vor- und dem Nachnamen, vermutlich weil die Domainbestandteile (“gmx.de”) ebenfalls durch einen Punkt separiert wurden und werden. Aber sicher bin ich mir da nicht. Hatte man Pech, so gab es einen Namensvetter, der bereits auf dieselbe Idee gekommen war und ein E-Mail-Konto angelegt hatte. Da mein Name nun auch wieder nicht übermäßig gebräuchlich ist (die Telefonverzeichnis-CD-ROM “D-Info” listete Mitte der Neunziger nur 11 Namensvetter) und ich zudem mit der Kontoregistrierung sehr früh dran war, war der Kontoname noch frei.
Dass meine Namensvetter auch Konten bei GMX angelegt hatten, wurde mir spätestens in den 2010er Jahren bewusst, als die erste E-Mails eintraf, die ganz offensichtlich nicht für mich gedacht war. Auf die dann ins Blaue abgeschickte Frage an den E-Mail-Verteiler [email protected], [email protected] und [email protected], wer denn eventuell Ware in einem Online-Shop bestellt habe und nun eine Auftragsbestätigung vermisse, trafen anschließend tatsächlich die Antworten “ich nicht” und ein “Sorry, das war ich” ein.
Seitdem landen mit steter Regelmäßigkeit Irrläufer im GMX-Postfach, nicht oft, eher so quartalsweise. Ich erhielt von einem Namensvetter selbst nach Hause geschickte Arbeit im Anhang (ich habe nicht reingeschaut), eine Auftragsbestätigung (siehe oben), mehrere Einladungen zu Hochzeitsfeiern (ich musste leider absagen, es war einfach immer zu weit weg), ein Dankeschön der Mutter an ihren Sohn über das gelungene Familientreffen (ich habe mich auch ganz lieb bedankt, aber am Ende aufgelöst), Ergebnisse von Tanzturnieren (das musste ein Irrläufer sein!), Informationen über historische Lokomotiven, Judokämpfe, Zechen und noch einiges mehr (interessant, was es alles gibt). In die Anhänge schaue ich dabei nie, alleine schon aus der Sorge, dass es doch ein bösartiger Spam-Killer-Wurm-Virus sein könnte, aber das ist ein anderes Thema.
Hat es zu Beginn genervt, nehme ich es heute mit Humor. Und wenn nicht hin und wieder ein Irrläufer eintrifft, dann fehlt sogar ein klein wenig etwas. Einen herben Verlust musste unsere kleine Namensvettern-Gemeinschaft übrigens schon verzeichnen: einer hat doch tatsächlich gemeint, heiraten zu müssen, einen Doppelnamen anzunehmen und sein altes GMX-Postfach umzubenennen oder stillzulegen. Noch erschütternder: ich wurde weder zur Hochzeit eingeladen noch haben sich Hochzeitsgeschenke zu mir verirrt.
Links:
Anne Schüssler hier im Techniktagebuch zum selben Thema: https://techniktagebuch.tumblr.com/post/122280764807/2015-und-ein-paar-jahre-vor-und-vermutlich
E-Mail-Adresse: https://de.wikipedia.org/wiki/E-Mail-Adresse
GMX: https://de.wikipedia.org/wiki/GMX
D-Info: https://de.wikipedia.org/wiki/D-Info
(hgdrn)














