30.12.2021 / 2002 – ca. 2007
Daddeln mit dem Fahrkartenautomaten
Am 30.12.2021 kaufe ich an einem DB-Fahrkartenautomaten eine Fahrkarte, vor dem nächsten Automaten steht ein etwa drei Jahre altes Mädchen, das auf seine Eltern wartet, die am übernächsten Automaten irgendetwas Langwieriges erledigen.
Sie beobachtet interessiert, was ich da mache, und beginnt an “ihrem” Automaten ebenfalls herumzudrücken. Nach ein paar Versuchen, bei denen nicht viel passiert, landet sie plötzlich im Untermenü des Buchstaben X, in dem nur zwei Einträge sind, und quietscht überrascht und erfreut auf, dass sich da auf einmal soviel getan hat.
Ich grinse, das Kind ist sehr herzig und außerdem muss ich plötzlich an eine Tätigkeit denken, die ich sehr lange nicht mehr ausgeübt habe: das Herumdaddeln mit dem DB-Fahrkartenautomaten.
Wenn ich in den nuller Jahren am Bahnsteig noch etwa zehn Minuten Zeit totzuschlagen hatte, war es mir häufig zu umständlich, Buch oder Zeitung rauszukramen, mein Handy hatte noch wenig Abwechslung zu bieten, also beschäftigte ich mich mit dem Fahrkartenautomat.
Man sucht nach Ortsnamen, die mit ungewöhnlichen Buchstaben anfangen, versauten Ortsnamen, sucht sich eine Verbindung von Bergen auf Rügen nach Zell im Wiesental raus, guckt wie lange das dauern würde, wenn man nur mit Regionalbahnen fährt, solche Sachen …
Das Gedaddel ist recht verbreitet, manchmal muss ich sogar Leute fragen, ob sie gerade was kaufen oder nur spielen, weil ich dringend noch einen Fahrschein kaufen muss und es der einzige Automat ist.
Es ist eine etwas langweilige Tätigkeit, aber in den nuller Jahren hat man an zugigen Bahnsteigen außer Rauchen sonst nicht viel zu tun.
Mit der immer größeren Verbreitung von Smartphones verschwindet das Fahrkartenautomaten-Gedaddel dann peu à peu.
(LaSolMiFaRe)





















