-- Naja. Ich sammle Notizen. In einem Heft, einer Datei oder mehreren, im Smartphone. Das können Wortfügungen sein, Begriffe, Zitate, eigene Schnipsel oder auch Namen, Websites, Lektüren, Veranstaltungen, Dinge, die ich noch recherchieren will oder recherchiert habe. Viele Fragmente. Auch Variationen, grammatische, rhythmische, lautliche Varianten bestimmter Fügungen und Folgen. Ich vertraue in gewisser Weise darauf, dass sich in diesem Material abzeichnet, was mich gerade umtreibt. Eben weil es das ist, was ich in einem bestimmten Zeitraum wichtig genug gefunden habe, um es zu notieren. Als würde mich eine Frage umtreiben, aber ich weiß noch nicht, welche, ein noch nicht näher zu bezeichnender Konflikt, und das zu schreibende Gedicht reagiert darauf, erfindet einen fruchtbaren Umgang damit. Wie aus diesen Archiven dann konkrete Texte entstehen, ist mir immer wieder kaum erklärlich. Es ist schwer und oft langwierig, die passenden Teile und ihre Ordnung zu finden. Ihre Schwebe. Denn es soll (Un-)Gleichzeitigkeit geben, (Gegen-)Bewegung, Zu- und Widerreden. Auch auf der prosodischen Ebene. Elastische Fährten, die von den Ohren aus expandieren. Schmirgeln, Schlürfen, Knarzen und Quietschen. Fluide Syntax. Plastizität. Und Lücken. Unwuchten, wo Erosion sichtbar wird. Wo ich etwas nicht schon verstehe, überempfindlich bin. Mit dieser Überempfindlichkeit ist im Alltag schwer umzugehen. Aber ohne sie könnte ich nicht an den Ort des Gedichts gelangen. Dieser Kompositionsprozess findet ein Ende, wenn der Text Instrument genug geworden ist, um das alles aufzufangen. Momente, in denen jedes Detail ganz konkret und zugleich schon aufgehoben ist.