07.03.2016 Tokyo – Roppongi 2/2
Tetsuo, Tetsuo, ’Rassera, Rassera‘ the shining moon echoed
Dunkelheit fällt über das Städtemeer von Neon-Tokyo. Die Straßen beginnen zu leuchten unter den ständigen Scheinwerferlicht der vorbeirasenden Autos. Die Stadt geht nicht schlafen, das Licht pulsiert, gibt Leben. Der Tag hat gerade erst begonnen.
Aus einem Aufzug tritt ein junger Mann, er ist gerade aus Beobachtungsraum #52 entkommen.
In der Ferne klingen Sirenen. Rote Scheinwerfer an den Ecken aller Gebäude lassen den Himmel brennen. Einige Arbeiter huschen über die Straßen, die meisten sitzen noch in ihren Gefängnissen aus Glas und Stahl.
An der Ampel hält der Mann kurz inne. Ein paar Taxen werden heran gewunken, der Mann setzt sich nicht hinein. Er beobachtet den Trubel. Werbetafeln beleuchten den Asphalt vor ihm, in der Ferne zieht ein Schleier über die Stadt, frisst sie auf, versteckt die Fassaden der Kolosse.
Hier unten pulsiert das Licht nicht, es steht. Menschen werfen Schatten, verzerrt wird ihre Gestalt.
Eine allgemeine Sorge schlägt um sich, am Strand sind zwei Riemenfische angespült worden, das letzte Mal gab es eine Tsunami. Doch in Tokyo ist es sicher, oder? Menschen laufen in Ihre Bildschirme geneigt über die Straße, der Mann tritt in die U-Bahn. Die Türen verriegeln, für kurze Zeit verstummt die Welt. Dann beginnen die Durchsagen.
„Achten Sie beim Verlassen des Zuges auf herabfallende Gegenstände. Lassen Sie nichts zurück. Achten Sie auf Löcher im Boden, und halten Sie Abstand von den sich schließenden Türen.“
Tatsächlich nehmen die Türen keine Rücksicht. Sie öffnen kurz, spucken ein paar duzend Menschen aus, schließen wieder. Es rattert. Menschen klammern sich an Stangen und Gehänge fest. Was nicht festgemacht ist, rutscht umher.
Die nächste Station. Der Mann steigt aus, hinter ihm knallt Stahl auf Stahl, die Raupe kriecht weiter unter der Stadt.
Noch 2 Brücken bis zu seinem Ziel.
Vor ihm steht das Hauptquartier, gut 80% der Fenster sind noch beleuchtet. Er senkt den Kopf, geht in die niederen Ebenen, um ungestört weiterzukommen. Grelle Lichter von oben werfen alles in den Schatten. Auszuweichen ist schwierig, der Radius zu groß.
In der Ferne, aus dem grauen Dunst, klingt ein Chor, ein paar Instrumente. Eine Sirene erklingt. Klappern, Rufen, Ruhe. Der Wagen zieht vorbei, ignoriert den Mann an der Straßenseite. Nur ein weiterer Gänger.
Die Straße schüttelt, ein Zug rauscht unten entlang. Er kommt gerade aus Richtung der Verbrennungsanlage. Der dünne Schornstein ragt weit über die restlichen Gebäude hinaus, seine rot leuchtenden Augen betrachten die Stadt.
Um diese Uhrzeit unterwegs zu sein…
Eine weitere Sirene, diesmal eine andere Tonfolge, der Mann biegt in eine spärlich beleuchtete Seitenstraße ein. Hier ist sonst niemand. Er hört Fahrzeuge vorbeirauschen, auf der Suche.
Doch er hat sein Ziel bereits erreicht. Er klopft nicht an, sondern öffnet vorsichtig die Tür und zieht die Schuhe aus, um leiser zu sein.
Der Himmel über Neon-Tokyo brennt, der Mann nur eine Nebengeschichte von vielen.
Schweres Atmen, eine Pfütze auf dem Boden. Der Puls der Stadt endet hier. Kein Licht, kein Schatten bewegt sich.
Die Nacht hat begonnen.










